Wünschenswert: Digitaler Ruck bei Ärzten!

Fingerabdruck einer Krankheit (c) Juergen Jotzo / pixelio.de

Fingerabdruck einer Krankheit (c) Juergen Jotzo / pixelio.de

Es müsse einen digitalen Ruck durch Deutschland geben, so die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt in der WELT AM SONNTAG. Mir würde es ja schon erstmal reichen, wenn dieser digitale Ruck durch die deutsche Ärzteschaft gehen würde. Anstatt die garnicht mehr neue Technik zu verteufeln, und vor allem gegen Patientenforen zu wettern, wäre es erfreulich, wenn sich eine neue Offenheit digitalen Hilfmitteln gegenüber unter ihr breitmachen würde.

Da entwickelt eine Projektgruppe der Charité, Berlin zusammen mit der Universität Saarbrücken eine Datenbank der Symptome von Erbkrankheiten, den „Phenomizer“. Online über PC, Tablet und Handy kann jeder diese Datenbank aufrufen. Gibt der Nutzer ein Symptom ein, werden ihm mögliche Krankheiten angezeigt, auf die das Symptom hindeutet. Zudem wird ihm vorgeschlagen, welche weiteren Symptome er abfragen kann, um zu einer Diagnose zu kommen.

80% aller Seltenen Erkrankungen, so Schätzungen, sind genetisch bedingt. Ein hoher Anteil dieser Erkrankungen wird nicht oder erst sehr spät erkannt. Hausärzte, aber durchaus auch Fachärzte ordnen Symptome nicht entsprechend zu, fragen weitere Symptome nicht ab. Eventuelles Wissen aus Studienzeiten liegt zu weit zurück, in der medizinischen Praxis haben sie diese Krankheiten noch nie oder nur sehr selten gesehen.

Auf meinen Vorschlag neulich, den Phenomizer im Praxisalltag zu nutzen, reagierte eine Ärztin ablehnend – sie und ihr Mann, ebenfalls Arzt, gehörten zu der Generation, die noch ohne Computer diagnostizieren könne!

Liebe Ärzte, auch ich bin durchaus dafür, dass Mediziner eine genaue Anamnese durchführen und sich eine eigene diagnostische Fähigkeit erhalten. Allerdings, bei den Seltenen Erkrankungen versagen diese, Eure Fähigkeiten einfach viel zu oft, und das durchgängig, die Erkenntnis hat sich mittlerweile bis zum Bundesgesundheitsministerium und bis auf die EU-Ebene durchgesetzt. Es geht nicht darum, Eure Fähigkeiten durch eine Datenbank zu ersetzen , es geht darum, sie so zu erweitern, dass Ihr endlich auch solche Herausforderungen, wie das Erkennen von Seltenen Erkrankungen meistern könnt.

Nutzt den Phenomizer – zum Wohle Eurer Patienten!

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5 Antworten zu Wünschenswert: Digitaler Ruck bei Ärzten!

  1. ausgesucht schreibt:

    Erscheint mir nicht zu Ende durchdacht. Wenn jeder molièrsche Patent seine Symptome in einer entsprechenden Datenbank aufstöbern kann, sollte es ein Stehoskopträger mit meinen Symptomen auch können. Und das vielleicht sogar besser, weil er es – zumindest wenn er halbwegs gut ist – zielgerichteter könnte. Zum anderen „macht“ das pure Lesen von Krankheitsbilder schlichtweg krank. Getreu dem Motto: ich habe da was, und drei mehr oder weniger gute Matches gelten als Beweis…

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    • federfluesterin schreibt:

      Ihr Einwand könnte richtig sein, wenn es denn vor molièr’schen Patienten nur so wimmeln würde, was ich bezweifle. Ein Hypochonder würde zudem riskieren, spätestens bei der genetischen Untersuchung – denn es handelt sich ja um Erbkrankheiten – aufzufliegen. Das Tool ist außerdem so aufgebaut, dass ein in keinster Weise medizinisch Vorgebildeter schon Einiges an Geduld und Einarbeitung mitbringen muss, um das zu erreichen, was Sie beschreiben. Ich denke auch eigentlich nicht, dass so jemand sich überhaupt daran wagt.
      Nein, nur sehr interessierte Patienten werden es nutzen, in erster und hauptsächlicher Instanz ist es aber für die Nutzung von Ärzten entwickelt und gedacht. Ziel ist, die heute noch viel zu lange Zeitdauer zu verringern, bis eine Erbkrankheit diagnostiziert wird. Das ist kein Luxus, denn je eher eine Diagnose vorliegt, umso eher kann behandelt und weitergehende körperliche Schäden verhindert werden. Das ist gut für die Patienten und ihre Angehörigen, aber auch gut für die Kostenbilanz der Krankenkassen.

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  2. hansarandt schreibt:

    Erst mal vieln Dank für das Like auf meinen Beitrag Philosphie des Todes. Vor dem Tod kommt die Krankheit, wie Kiergegaard meinte, als er über die Krankheit zum Tode schrieb. Mein Therapeut sagte einmal, 80% der Krankheiten seien seiner Meinung nach psychisch bedingt (nicht erblich). Er wear Mediziner und hatte zwanzig verschiedene Arztstellen durchlaufen von der Notarzt bis zur Taumfahrtmedizin. Sollten wir nicht viel mehr über die Gesnundheit nachdenken als über die Krankheit? Ist nicht der Körper der beste Diagnostiker? Nur der Körper und die Seele kann eine Krankheit heilen. Das kann kein Arzt. Der kann vielleicht helfen, vielleicht macht er auch alles nur viel schlimmer. Eine Diagnose kann schlimmer sien als die Krankheit selbst. Hier noch ein interressanter Link zum Thema Krankheit zum Tode auf meinem Blog:
    http://hansarandt.wordpress.com/2014/06/12/die-ganz-normale-verzweiflung/

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    • federfluesterin schreibt:

      Vielen Dank für Ihren Beitrag und ihren Hinweis, dass die Psyche einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den Körper hat. Allerdings zeigt sich bei schweren, chronischen Erkrankungen, wie Vaskulitiden, dass die Psyche da allenfalls leicht modifizieren, aber nicht grundsätzlich den Verlauf der Krankheit ändern, geschweige denn verhindern kann. Zudem lassen sich mittlerweile nicht nur Genveränderungen bei den Betroffenen nachweisen, die mit entscheidenden Prozessen der Erkrankung in Verbindung stehen. Es gibt auch Untersuchungen, die auf eine Vererbung von Autoimmunkrankheiten, nicht als spezifische Erkrankung, wohl aber als Autoimmunerkrankung über mehrere Generation hinweg hinweisen, also z.B. Großmutter mit Diabetis, Sohn mit Vaskulitis und Tochter mit Rheumatoider Arthritis, Enkel der Tochter mit Psoriasis. Oder Großmutter mit Rheumatoider Arthritis, Enkel mit Vaskulitis.
      Eine Diagnose kann schlimmer sein als die Krankheit selbst, richtig. Aber jahrelang mit heftigen Beschwerden keine Diagnose zu erhalten, und mit dem Label „psychosomatisch“ abgestempelt zu werden, kann auch schlimmer sein als die Krankheit selbst, das jedenfalls berichten viele Vaskulitis-Patienten, die erst eine Odysee durchlaufen haben, bevor die Diagnose stand, und dann auch eine Therapie möglich war.

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  3. Pingback: Vaskulitis Kurznachrichten 1.7: Kollege Watson verhilft Ärzten zur Diagnose von Seltenen Erkrankungen | Federflüsterin

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