Vaskulitis Kurznachrichten 1.7: Kollege Watson verhilft Ärzten zur Diagnose von Seltenen Erkrankungen

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Wie der New Scientist am 18. Oktober meldete, wird das Team rund um Prof. Jürgen Schäfer, der als deutscher „Dr. House“ Bekanntheit erlangte, und Dr. Tobias Müller vom Zentrum für unerkannte  und seltene Erkrankungen der Universitätsklinik Gießen/Marburg, in Zusammenarbeit mit IBM ab Dezember 2016 ein neues Diagnosetool für Seltene Erkrankungen nutzen. Über eine zentrale Datenbank, die weltweit über das Internet abfragbar ist, einer sogenannten „Cloud“, sind Daten über 8000 Seltene Erkrankungen erfasst. Mit ihnen kann die Verbindung zwischen einem oder mehreren der 20.000 menschlichen Genen, der familiären und der individuellen Krankheitsgeschichte ermittelt werden.

Doch handelt es sich nicht nur um eine simple Datenbank. IBM hat sie integriert in ein sogenanntes „kognitives Computer-System“. Watson, wie IBM das System nennt, kann Informationen selbständig analysieren und Schlussfolgerungen daraus  ziehen, ähnlich wie 1997 der Grossrechner Deep Blue, der als erster Computer gegen den damaligen menschlichen Schachgrossmeister gewann. Watsons Kapazität ist heute, nach fast 20 Jahren, weitaus größer als damals die von Deep Blue. Watson ist z.B. auch in der Lage, die menschliche Sprache zu verstehen, sie zu analysieren und passende Antworten zu geben.

Ärzte, die selbst keinerlei Erfahrung oder tiefergehende Kenntnisse über Seltene Erkrankungen haben, sollen im Dialog mit „Kollege Watson“ nach Verbindungen zwischen Symptomen und Krankheitsgeschichte fahnden und Schlüsselantworten für die Diagnose der Krankheit ihres Patienten suchen können. Watson greift dabei auf Symptome, Untersuchungs- und Medikationsdaten, die individuelle und familiäre Krankheitsgeschichte zurück.

Zusätzlich kann er aber auch Informationen einfliessen lassen, wie Behandlungsrichtlinien, aktuelle Forschungsergebnisse, klinische Studien und wissenschaftliche Artikel in medizinischen Fachzeitschriften. Gerade das sind die Informationen, für die viele Ärzte im medizinischen Alltag keine Zeit mehr haben. Dabei verdoppelt sich das Volumen der medizinischen Informationen bis 2021.

Watson wird in der Lage sein,  dem Arzt am Ende des Dialogs eine Liste mit den Seltenen Erkrankungen anzubieten, die sich am Wahrscheinlichsten herauskristallisiert haben und er wird den Grad der Wahrscheinlichkeit nennen können. Der Arzt kann dann zielgerichtet die Festlegung der endgültigen Diagnose durch entsprechende Untersuchungen vorantreiben.

Das Team rund um Prof. Schäfer braucht Kollege Watson dringend, denn es „sitzt“ auf einem Berg von 6000 Patienten mit unklaren Diagnosen, wie BBC meldet, die alle auf Hilfe von ihrem Dr. House warten. Geben die Patienten ihre Zustimmung, werden ihre Daten anonymisiert in die Datenbank eingegeben und analysiert. Die Daten verbleiben dabei, laut Prof. Schäfer, ausschließlich innerhalb des IT-Systems der Universitätsklinik Marburg. Ab Dezember wird sein Team die bisherige lange Patienten-Warteliste nun wesentlich schneller abarbeiten können, eine sehr gute Nachricht für alle Betroffenen.

„Kollege Watson“ bietet die große Chance, dass Seltene Erkrankungen wesentlich schneller erkannt werden können, in Zukunft auch von unerfahrenen Ärzten, wenn das System denn mehr Kliniken und Fachärzten zur Verfügung gestellt wird. Patienten kann, so die Hoffnung, dann die jahrelange Odysee durch die Wartezimmer, aber auch Schäden durch zu späte Diagnosen deutlich öfter erspart bleiben.

Ein weiterer Artikel zu dem Thema: „Wünschenswert: Digitaler Ruck bei Ärzten!“

Dieser Beitrag ist ein Service von PrO Vaskulitis.

 

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