Die holde Weiblichkeit

Gleich geht der Sturm los  (c) Jürgen Nießen/pixelio.de

Gleich gehts los (c) Jürgen Nießen/pixelio.de

Wissenschaft ist faszinierend. Insbesonders dann anscheinend, wenn sie einfache Wahrheiten liefert.

Da hatte ein US-Forschungsteam festgestellt, dass die Zahl der Todesopfer bei Orkanen, die die USA trafen, rund 3 Mal höher lag bei Stürmen mit weiblichen Namen als bei jenen mit männlichen Namen. Weibliche und männliche Namen werden seit 1979 durch das National Hurricane Center in den USA jeweils abwechseln vergeben, also völlig unabhängig von der Stärke des Sturms. Die Forscher erklärten die höhere Zahl der Todesopfer damit, dass der weibliche Name zu einer Unterschätzung des Orkans geführt habe, aufgrund von tiefsitzenden Vorurteilen gegenüber der – anscheinend harmlosen, friedlichen – Natur des Weiblichen. Die Nachricht erschien in zahlreichen Medien, auch in populärwissenschaftlichen Magazinen, und sicherlich hat er spontan viele Leser überzeugt.

Kurz darauf jedoch wurde das Forschungsergebnis und die Studie selbst von kritischen Wissenschaftlern, nun, man kann nur sagen, demontiert. Die Gruppe der Teilnehmer sei nicht repräsentativ für die US-amerikanische Bevölkerung gewesen. Darüberhinaus sei die statistische Auswertung fragwürdig. Selbst unter Ausserachtlassung der Auswertungsfehler seien die Ergebnisse darüberhinaus statistisch nicht signifikant.

Gerade diese, im Vergleich nicht ganz so einfachen Darlegungen werden den Großteil der vorherigen Leser jedoch nicht mehr erreicht haben, weil viele Medien sie nicht aufgegriffen haben. So ist, durch fehlerhafte Wissenschaftsausübung und unkritischem Journalismus ein neuer Mythos entstanden, von der angeblich todbringenden Wirkung weiblicher Namen.

Nun ist diese Fehlleistung von Wissenschaftlern in seiner praktischen Konsequenz – seien wir ehrlich – kein unmittelbar menschengefährdender Vorgang. Warum also nehme ich mir die Zeit, ihn zu schildern?

Nun, ich sehe das Geschehen in einem größeren Zusammenhang. Ich frage mich , mit Veronika Mischitz, die den untenstehenden Cartoon gestaltete, warum wird für eine derartige Forschung bloß so viel Geld und Zeit verschwendet?

Haben wir nichts Sinnvolleres und Wichtigeres zu erforschen? – z.B. die Ursache von jenen Autoimmunkrankheiten, die unbehandelt tödlich sind und vor denen sich niemand retten kann, ganz unabhängig davon, ob sie einen männlichen Namen, wie DER Morbus Wegener oder, nach Namensänderung, einen weiblichen tragen,  wie DIE Granulomatose mit PolyAngiitis?

Klarsoweit; Helmholtz-Wissenschaftscomic No.5 | (c) Veronika Mischitz/Helmholtz-Gemeinschaft, CC-BY-ND 3.0

Klarsoweit;
Helmholtz-Wissenschaftscomic No.5 | (c) Veronika Mischitz/Helmholtz-Gemeinschaft, CC-BY-ND 3.0

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