Vaskulitis Nachrichten 5.16: Menge an Neutrophilen Granulozyten Risikofaktor bei Corona-Erkrankung

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Eine gute Seite hat die Corona-Pandemie: Selten wurde eine Erkrankung so schnell und mit so vielen wissenschaftlichen Studien untersucht. Jetzt konnten Wissenschaftler in Deutschland die Ergebnisse einer ersten, kleinen Studie aus Wuhan, die in der Fachzeitschrift „EBioMedicine“ veröffentlicht wurde, bestätigen. In der Studie wird vorgeschlagen, wie Ärzte mittels der Analyse der Blutwerte frühzeitig erkennen können, dass ein schwerer Krankheitsverlauf bei der Covid-19-Infektion eines Patienten droht. Diese Ergebnisse sind auch von Bedeutung für Vaskulitis-Patienten.

T-Zellen und Neutrophile

Gemäß der Studie gibt es zwei Arten von Immunzellen, die von Bedeutung sind für den Krankheitsverlauf bei Corona. Bei dem ersten Typ handelt es sich um T-Zellen, die den Oberflächenmarker CD-8 aufweisen. Sie sind die Angriffskrieger des menschlichen Immunsystems. Ihre Funktion besteht darin, „den bösen Feind“, d.h. Viren, aber auch Krebszellen anzugreifen und zu töten, und das möglichst, bevor so ein Virus eine Körperzelle infiltriert, d.h. infiziert hat. Sind die T-Zellen erfolgreich, verhindern sie so auch die exponentielle Weitervermehrung des Virus in infizierten Körperzellen. Die Studie weist aus, dass Menschen, die wenig T-Zellen mit dem Oberfächenmarker CD-8 im Blut haben, ein hohes Risiko auf einen schweren Covid-19-Krankheitsverlauf haben.

Vaskulitis-Patienten erhalten in der Regel immunsuppressive Medikamente, die die Aktivitäten der T-Zellen blockieren, bzw. die Anzahl der T-Zellen im Blut generell verringern. Damit gehören Vaskulitis-Patienten zur oben beschriebenen Risikogruppe.

Die zweite Art von Immunzellen, die die chinesische Studie als wichtig für den Verlauf einer Covid-19-Infektion angibt, sind Neutrophilen Granulozyten, eine Art von weißen Blutkörperchen. Vaskulitis-Patienten, die an einer Granulomatose mit PolyAngiitis (GPA) leiden, weisen unbehandelt eine stark erhöhte Anzahl von Neutrophilen Granulozyten im Blut auf. Neutrophile bekämpfen Krankheitserreger, können aber auch die Aktivitäten von T-Zellen im Körper herunterregulieren. Die chinesische Studie zeigt nun auf, dass Menschen, die eine hohe Anzahl von Neutrophilen Granulozyten im Blut aufweisen, eine erhöhte Chance auf eine schweren Covid-19-Verlauf haben.

Die GPA-Patienten unter den Vaskulitis-Patienten haben daher vermutlich, wenn sie noch nicht immunsuppressiv behandelt werden oder ihre Therapie noch nicht oder nicht ausreichend angeschlagen hat, ein ganz spezifisch erhöhtes Corona-Risiko.

Ärzte zwischen Scylla und Charybdis

Grundsätzlich sollte ein Vaskulitis-Patient nie eigenständig seine Therapie ändern! So mancher Vaskulitis-Betroffener weiß aber, dass Vitamin A und C -Gaben die Funktion der T-Zellen stärken können. Hier gilt es jedoch, mit großer Vorsicht vorzugehen, denn eine Überdosierung ist für Menschen mit einer Nierenschädigung – wie es ja auf viele Vaskulitis-Patienten zutrifft – schädlich.

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Daher gilt: Gerade auch in Zeiten von Corona kann nur der behandelnde Arzt verantwortlich über die Weiterführung oder Änderung einer Therapie entscheiden! Dabei sollte der Rheumatologe oder Nephrologe mit einbezogen sein. Denn es kann im Fall einer Infektion mit Corona sinnvoll sein, die Dosis des Immunsuppressivum zu verringern oder sogar auszusetzen. Dabei muss aber gerade bei den GPA-Patienten unter den Vaskulitis-Betroffenen das Krankheitsgeschehen der Vaskulitis-Grunderkrankung mit in die Therapie-Überlegung einbezogen werden. Keine leichte Aufgabe für die Ärzte!

Helfen wird ihnen nun, dass lt. der chinesischen Studie eine Blutuntersuchung, die das Verhältnis der Neutrophilen Granulozyten zur Gesamtzahl der weißen Blutkörperchen und die Anzahl der CD-8-T-Zellen im Blut ausweist, zur frühen Bestimmung des spezifischen Risikos des Patienten für einen leichten oder schweren Covid-19-Verlaufs herangezogen werden kann.

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Vaskulitis Nachrichten 5.15: Für Patienten: Fragestunde mit Experten zum Thema Corona

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Insbesondere auch für Vaskulitis-Patienten, die an Churg Strauss leiden, bzw. eine Lungenschädigung davongetragen haben, folgender Tipp:

Unter Federführung der Deutschen Atemwegsliga e.V. findet kostenlos eine Telefonaktion zum Thema „Coronavirus“ statt.

Patienten, Betroffene und Angehörige können hierzu auf Wunsch auch anonym am

26. Mai 2020 von 14.00 bis 17.00 Uhr


und am


28. Mai 2020 von 10.00 – 13.00 Uhr

unter der Telefonnr.: 0800 – 000 5873

ihre persönlichen Fragen und Anliegen um die aktuelle COVID-19-Pandemie direkt an die teilnehmenden Experten stellen.

Nutzen Sie, liebe Leser, dieses wertvolle Angebot, direkt mit renommierten Ärzten und Wissenschaftlern Ihre Fragen zu besprechen !

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Vaskulitis Nachrichten 5.14: Schweden – Diskriminierung in der Corona-Krise?

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Laut der BBC mehren sich die Hinweise, dass regionale schwedische Behörden die Alten- und Pflegeheime angewiesen haben, ihre Bewohner, wenn sie an Corona erkranken, auch wenn sie erst 65 Jahre alt und vor der Erkrankung in guter Verfassung gewesen sein sollten, nicht in ein Krankenhaus zu schicken. Den Pflegern soll ebenfalls untersagt worden sein, lungenkranke Corona-Patienten mit medizinischem Sauerstoff zu versorgen, da sie für eine Beatmung nicht ausgebildet seien.

So berichtet die Krankenschwester Latifa Löfvenberg, die in mehreren Altenheimen in Gävle, nördlich von Stockholm, gearbeitet hat, an Corona erkrankte Bewohner hätten keine Chance auf eine Behandlung im Krankenhaus erhalten und wären langsam erstickt, ohne dass das Personal habe eingreifen können.

Tatsächlich stammten bis zum 14.Mai 2020 fast 50% der bis dann 3698 Corona-Toten Schwedens aus Alten- und Pflegeheimen.

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Die schwedische Tragödie

Offensichtlich haben in Schweden in der Corona-Krise wohl mehrere Tendenzen auf tragische Weise zusammengewirkt.

Zum Einen hat das Land, wie BBC berichtet, zwar frühzeitig seine Alten- und Pflegeheime für Besucher geschlossen, um eine Corona-Ansteckung der Bewohner von außen zu verhindern. Allerdings hatte Schweden – genauso wie leider ganz Europa – es versäumt, beizeiten einen strategischen Vorrat an Schutzkleidung anzulegen. Wie in Deutschland konnten die Alten- und Pflegeheime in Schweden nicht oder nicht ausreichend mit u.a. Atemschutzmasken versorgt werden. Wie in Deutschland konnten mangels Testkapazitäten die Angestellten und die Bewohner nicht auf Corona getestet werden. Und das, obwohl es ansonsten keine weiteren Kontaktbeschränkungen in Schweden gab, das Virus sich also weitaus ungehinderter im ganzen Land ausbreiten konnte. Noch mehr als in Deutschland entwickelten sich so die Heime in Schweden zu Hotspots der Corona-Epidemie .

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Zum Anderen hatte das schwedische Gesundheitsministerium laut BBC schon vor der Corona-Krise festgelegt, dass ältere Patienten bei einer schwerwiegenderen Krankheit nicht automatisch in ein Krankenhaus verlegt werden sollten. Vielmehr sollten die Pfleger den medizinischen Nutzen gegenüber dem möglichen Stress für die alten Patienten, in der Corona-Epidemie, das Risiko, sich das Corona-Virus im Krankenhaus einzufangen, aber auch die zusätzlichen Kosten eines Krankentransports abwägen. Eine Abwägung, die die Pfleger und die Heime in der Corona-Krise, so scheint es, überfordert hat.

Anscheinend sind aber auch die schwedischen Ärzte angesichts einer drohenden Überlastung des schwedischen Gesundheitssystems überaus zurückhaltend gewesen mit einer Überweisung von älteren Patienten in ein Krankenhaus. Die Pflege- und Altenheime haben zudem anscheinend – aus denselben oder aus Kostengründen? – darauf verzichtet, Beatmungsspezialisten für ihre an Corona erkrankten Bewohner anzufordern, wie BBC erfuhr.

All das hat dazu geführt, dass, obwohl Schweden genügend Krankenhauskapazität hatte, das Land unter anderem ein ganzes Militärhospital in der Nähe von Stockholm für den Corona-Einsatz vorbereitet hatte, ältere Corona-Patienten die Krankenhäuser nie erreichten. Wie Latifa Löfvenberg in dem Bericht der BBC berichtet, sind ältere Corona-Erkrankte unter großer Angst, alleine, in dem Heim, das sie pflegen und schützen und für ihre Gesundheit hätte sorgen sollen, erstickt.

Pro Vaskulitis fordert europäische Richtlinien für Verhalten bei Pandemie

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Durch das Zusammenwirken der oben beschriebenen schwedischen Auffassungen zum Umgang mit Leben, Krankheit und Tod bei älteren Menschen, sowie Überlastungs-Befürchtungen, missverständlichen Behörden-Anweisungen, Kostendruck bei den Heimen, für die Pandemie zu geringe Qualifikation und Hilflosigkeit beim Personal entsteht der Eindruck, dass in der Corona-Krise im Ergebnis eine, ältere Menschen diskriminierende, vorauseilende Triage in Schweden stattgefunden hat.

Das wäre eine Verletzung von Menschenrechten, oder sehen Sie das anders, liebe Leser?

Angesichts dieser großen Tragödie in Schweden spricht sich Pro Vaskulitis für die Erarbeitung von bindenden Richtlinien auf Europäischer Ebene für das Verhalten der Behörden und aller Beteiligten europäischer Gesundheits- und Pflegesysteme im Falle einer Pandemie aus.

Eine, auch indirekt bewirkte, diskriminierende Triage muss in Zukunft ausgeschlossen sein!

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Wald!

Unbedingt in die Ferne schweifen? In Corona-Zeiten unmöglich bis schwer, und mit Risiken behaftet. Also ein Ausflug in die Tiefe des Waldes, ganz in der Nähe. Denn bewußt die Nähe Anderer zu fliehen, gelingt am Besten ganz tief im Wald. Der „Notnagel“ entpuppt sich als Erlebnis. Je länger ich so für mich alleine unterwegs bin, sehe ich den Wald, mehr und mehr:

Holz und Baumstämme wie im Rhythmus,

Frischgrün spriesst aus Grau-Vertrocknetem,

Baumdachtürme und Asttore,

Ginstergold, Moosbetten und Steinzwerge.

WALD!

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Kinder, Kinder

Die Corona-Krise bringt ja so manche Blüten hervor. Die Hervorstechenste ist, dass so mancher Erwachsene das Kind in sich auslebt. Dieser Kitzel! Dieser Kick! Es ist doch sooo spannend, etwas Verbotenes zu tun!

“ Kommst Du auch? Ich treff‘ mich mit Marion, Jürgen und Ulrike gleich zuhause bei Manni. Ach Iwoh, das geht auch bei Corona-Kontaktverbot! Aber geh durch den Garten und klopf an die Terassentür, damit es keiner von den Nachbarn sieht!“*

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„Kathi, hallo, Du, ich hab‘ mal wieder Lust, mit Dir zu klönen. Sollen wir uns um Drei treffen? Das geht nicht wegen den Corona-Einschränkungen? Ach, natürlich geht das. Lass uns doch die Hunde mitnehmen, im Wald sieht uns doch keiner. Sylvia kommt mit ihrem Hund auch.“*

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„Ob wir es schaffen, ohne Maske oder Schal in den Supermarkt zu kommen? Ich weiß nicht, Fatma, und wenn sie uns erwischen…!? Ach was! Jetzt! Mach schnell, die Tussi von der Info ist gerade weg! Siehst Du, hab‘ ich doch gesagt, alles easy!“*

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Wo ist der Unterschied?

Einer meiner Großneffen,ein aufgeweckter kleiner Junge mit einer großen Beobachtungsgabe, ist gerade mal knapp drei Jahre alt. Da nimmt die Corona-Zeit und alles, was in dieser Zeit in seiner Umgebung geschieht, einen beträchtlichen Anteil seiner Lebenszeit ein.

Gestern trafen sich seine Eltern das erste Mal seit Wochen wieder mit seinen Großeltern. Lang und breit hatten ihm vorher sein Vater und seine Mutter erklärt, dass er seine Oma und seinen Opa nicht umarmen, weil er sie mit der Corona-Krankheit anstecken könne, und überhaupt sich auf Abstand von ihr halten müsse. Er hatte still und beeindruckt gelauscht und genickt.

Voller Freude erwarteten die Großeltern den Besuch, ließen die drei direkt in den Hausflur und baten sie, ins Wohnzimmer nachzukommen, damit sie alle genügend Abstand voneinander wahren könnten. Kaum hatten alle das Wohnzimmer betreten, riss mein Großneffe sich von seinem Vater loss und lief lachend auf seine Oma zu. Endlich hatte er seine Oma wieder! Die entsetzte Oma hob abwehrend beide Hände, alle riefen: „Nein, Ryan! Du kannst nicht zu Oma, komm zurück!“ Der kleine Kerl stoppte kurz vor seiner Großmutter, überlegte sichtlich, drehte sich um und rannte hinter seine Eltern zurück. Die Erwachsenen atmeten auf. Die Situation schien gerettet.

Was die Eltern nicht sahen, war das, was hinter ihren Rücken stattfand: An der Wohnzimmertür wieder angekommen, kletterte der kleine Kerl flugs auf den dort stehenden Stuhl, reckte sich bis zum Lichtschalter, knippste sodann entschlossen das Wohnzimmerlicht aus, kletterte hinunter, lief nunmehr unaufhaltsam auf seine geliebte Oma zu und umarmte ganz fest ihre Beine. Oma guckte hilflos. Nicht nur sie.

Denn für meinen kleinen Großneffen hatte nun, da das Licht aus war, alles seine Ordnung. Denn nach seinem Verständnis galt:

Erlaubt ist, was niemand sieht!

Wie gesagt, er ist noch nicht einmal drei Jahre alt….

und die „Erwachsenen“, wie alt sind sie???

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*Die Personen und die Handlung des Beitrags sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

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Gartenglück

Fällt Ihnen die soziale Isolation auch immer schwerer?

Jedesmal, wenn mir die Situation anfängt, auf die Nerven zu gehen, wenn innerlich die Anspannung und die Aggression gegenüber dem Virus und der Welt versucht, sich Bahn zu brechen, lenke ich meine Gedanken zu den Menschen hin, die das alles schon viel länger als ich aushalten: Die Menschen im Iran.

Dort stehen sie die Quarantäne schon seit Anfang Februar durch. Auch dort sitzen die Familien mit ihren kleinen und grösseren Kindern in ihren Wohnungen, gehen sich gegenseitig auf die Nerven oder entdecken einander neu. Meistens beides.

Eine staatlich angeordnete Augangssperre gab es dort aber nie. Die schockierenden Bilder aus den überforderten Kliniken des Landes und die hohen Corona-Todeszahlen haben aber ausgereicht, um die Menschen davon zu überzeugen, dass es besser ist, Abstand zu halten und, wenn nur irgend möglich, zuhause zu bleiben. Im Iran beneidet man uns um unsere Regierung, die, so sehen es die Iraner, vernünftig genug war, einen Shut-Down anzuordnen und für ausgleichende finanzielle Massnahmen zu sorgen. Eine Regierung, denen Menschen (-leben) etwas wert ist.

Wenn ich mir das wieder einmal vor Augen gehalten habe, reicht mir der Blick auf ein Beet mit Frühlingsblüten, damit ich wieder ruhig werde. Ich weiss, wie gut ich es auch in dieser Situation habe.

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Vaskulitis Nachrichten 5.13: Corona-Komplikation bei Kindern: Kawasaki-Vaskulitis

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BBC Farsi meldete am 28.04.2020 in der Sendung „Schast Daghighe“ (60 Minuten), dass in Großbritannien eine neue Form der Corona-Erkrankung bei Kindern aufgetreten ist. Auch in Spanien und Italien wird von derartigen Fällen berichtet. Bei, wie BBC meldete, einigen wenigen der jungen Corona-Patienten zeigt sich die Infektion in einer Kombination aus den klinischen Symptomen einer Corona-Erkrankung und einer Kawasaki-Vaskulitis.

Kawasaki

Die Vaskulitis-Form Kawasaki tritt in der überwiegenden Anzahl der Fälle nur bei Kindern im Alter zwischen 3 Monaten und 5 Jahren auf, selten auch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Sie ist immer systemisch, d.h. sie erfasst den ganzen Körper des Kindes. Es handelt sich um eine autoimmune Entzündung der Blutgefäße (=Vaskulitis; von lateinisch Vas = Gefäß). Die Ursache der Erkrankung ist, wie häufig bei einer Seltenen Erkrankung mangels des Vorantreibens entsprechender Forschung, unbekannt. Allerdings scheint sie immer in Zusammenhang mit einer Infektion aufzutreten. Diagnostiziert wird sie anhand von klinischen Symptomen. Zu den Symptomen, die nicht alle und auch nicht gleichzeitig auftreten müssen, gehören

  • hohes Fieber, das länger als 5 Tage andauert
  • hohe Reizbarkeit des Kindes
  • beidseitig gerötete Augen (durch eine Bindehautentzündung)
  • Hautrötungen und schuppiger Hautausschlag am Rumpf, Beinen und Armen, sowie am Po und Genital
  • hochrote Lippen und Zunge, sowie Rachen
  • geschwollene Hände und Füße, später gerötete Finger- und Zehenspitzen, deren Haut in der 2. und. 3. Woche der Erkrankung sich schuppt
  • geschwollene Lymphknoten am Hals
  • Thrombosegefahr
  • Herzrhythmusstörungen
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Behandelt wird die Kawasaki-Vaskulitis immer stationär im Krankenhaus, mit Immunglobulin (IVIG) und Aspirin. Die Heilungschancen sind gut. Nur in 2 bis 6 Fällen von 100 erkrankten Kindern treten Herzschädigungen auf.

Corona-Kawasaki

Über die neue Corona-Kawasaki-Form bei Kindern, die bisher in weniger als 20 Fällen, also anscheinend – denn wieviel Kinder sich wirklich mit Corona infiziert haben, ist nicht bekannt – recht selten in Großbritannien aufgetreten ist, berichtete in der BBC-Farsi-Sendung Dr. Maziar Sadri (MD) vom Universitätsklinikum London. Was die Ärzte zur Zeit noch vor ein Rätsel stellt: Bei einem Teil der Kinder konnte das Corona-Virus nachgewiesen werden, bei einem anderen Teil jedoch nicht. Liegt das an der Qualität der Tests?

Dr. Sadri hat drei der Patienten, darunter eine 20jährige junge Frau, auf seiner Station behandelt. Die Patienten waren schwerkrank, litten, wie bei Kawasaki-Vaskulitis, unter hohem Fieber und Hautausschlag, dazu aber auch unter niedrigem Blutdruck und Atemnot. Zum Teil hatten sie auch Magen-Darm-Symptome, wie Bauchschmerzen und Durchfall, sowie Krämpfe. Ihre Blutwerte waren extrem verschlechtert und alle Patienten waren sehr erschöpft. Dieser Teil der neuen Corona-Kawasaki-Form erinnert an eine Sepsis (Blutvergiftung), die bei Infektionen mit Bakterien auftreten kann. Sie kann zu einem lebensbedrohlichen Schock führen. Corona aber ist ein Virus. Dr. Maziar Sadri wies darauf hin, dass ein Teil der Erkrankten Herzkomplikationen entwickelten. Bisher konnten alle seine Patienten gerettet werden. Andere jedoch starben.

Gerade auch angesichts der zunehmenden Öffnung von Kindergärten, Spielplätzen (Sandkästen werden vorwiegend von Katzen zugekotet, also auch regelmäßig besucht. Siehe auch unser Beitrag zu Katzen und Corona) und Schulen sind Eltern und Kinderärzte aufgerufen, ihre Kinder bzw. kleinen Patienten genau im Auge zu behalten und auf Symptome einer Kawasaki-Erkrankung, bzw. Komplikation zu achten, umso mehr, wenn bereits der Verdacht oder sogar die Diagnose einer Corona-Infektion besteht.

Nachtrag vom 01.05.2020: BBC hat hierzu noch einen Bericht auf ihrer Website veröffentlicht. Hier der Link. Demzufolge sollten Eltern einen Notarzt hinzurufen, wenn ihr Kind folgende Symptome zeigt:

  • bleich wird, Hautflecken aufweist und sich bei Berührung ungewöhnlich kalt anfühlt
  • Atempausen aufweist, unregelmäßig atmet oder anfängt zu röcheln
  • Schwere Atembeschwerden hat, unruhig wird und auf Ansprache nicht mehr reagiert
  • Blaue Lippen bekommt
  • Einen Krampfanfall bekommt
  • Extrem verzweifelt wirkt ( trotz Ablenkung untröstlich weint), verwirrt ist, sehr lethargisch ist (schwer zu wecken oder wach zu halten) oder nicht mehr reagiert
  • Einen Hautausschlag entwickelt, der auf Druck hin nicht verschwindet (der „Glastest“)
  • Hodenschmerzen, besonders bei Jungen im Teenagealter

Nachtrag vom 11.05.2020: Am 07. Mai 2020 erschien in der Wissenschaftszeitung „The Lancet“ ein Artikel von Mitarbeitern des South Thames Retrieval Service in London, UK, das als Intensivstation für einen Einzugsraum mit 2 Millionen Kinder in Südostengland dient. Der Artikel beschreibt den klinischen Zustand, bzw. Verlauf einer Erkrankung, die am ehesten an eine (inkomplette) Kawasaki-Vaskulitis erinnert, und die Therapie von 8 Kindern im Alter zwischen 4 und 14 Jahren. Hier ist der Link zum Artikel.

Nachtrag vom 20.05.2020: Gestern warnte in der Sendung „Sprechstunde“ Frau Professor Ania Muntau, Leiterin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, davor, die Kawasaki-Erkrankung bei Kindern zu unterschätzen. Auch wenn Kawasaki schon seit rund 50 Jahren bekannt sei, kenne man immer noch nicht die genaue Ursache und den genauen Mechanismus der Krankheit. Bleibende Herzschäden oder Todesfälle könnten aber verhindert werden, wenn betroffene Kinder frühzeitig stationär behandelt würden. Oftmals würden Eltern aber denken, sie könnten das hohe Fieber ihres Kindes mit Wadenwickeln ausreichend bekämpfen. Behandelnde Ärzte neigten dazu, erst einmal Antibiotika zu verabreichen, anstatt mit einem Labortest abzuklären, ob die Entzündungswerte außergewöhnlich hoch seien. Bis klar sei, dass die Antibiotika nicht wirkten, würde wertvolle Zeit bis zur zielgerechten Behandlung gegen Kawasaki vergehen. Da Kawasaki im Nachgang einer Infektion auftritt, sollten Eltern, auch wenn in Europa laut der WHO bisher nur insgesamt 250 Fälle festgestellt wurden, gerade jetzt, beim Abflauen der Corona-Pandemie in Deutschland besonders wachsam sein. In New York und Bergamo verzeichneten die Ärzte 10 – 30 Prozent mehr Kawasaki-Fälle als zu nicht-Corona-Pandemie-Zeiten.

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Vaskulitis Nachrichten 5.12: EURORDIS – Eine wichtige Stimme in der Corona-Not

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Wenige Menschen, die von einer Seltenen Erkrankung betroffen sind, haben sich bisher realisiert, wie sehr sie durch die Corona Pandemie gefährdet sind. In Zeiten einer drohenden Überlastung des Gesundheitssystems müssen die behandelnden Ärzte entscheiden, welchen ihrer Patienten sie mit ihren knappen Resourcen, wie Beatmungsgeräte,Medikamente, Betten oder noch gesunde Krankenpfleger, weiterbehandeln können und wollen. Das ist die sogenannte Triage.

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In vollkommen überlaufenen Krankenhäusern und auf, aus allen Nähten platzenden, Intensivstationen bleibt den Ärzten keine Zeit und Kraft für tiefschürfende ethische Überlegungen. Was läge dann in Corona-Zeiten näher, als sich einfach pauschal gegen den älteren und für den jüngeren Patienten zu entscheiden, gegen den Patienten mit Übergewicht und für den schlanken, gegen den Patienten mit einer Vorerkrankung und für den scheinbar bisher Gesunden, für einen Patienten mit einer gut bekannten Erkrankung gegen den Patienten mit einer Seltenen Erkrankung – die der entscheidende Arzt auch in normalen Zeiten, aus Mangel an Kenntnissen und Erfahrung wahrscheinlich nicht adäquat zu behandeln wüsste -…

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In Deutschland können wir froh sein, dass sich die Ärzteschaft frühzeitig gegen derartige pauschale Einteilungen und für den tatsächlichen Krankheitszustand des Patienten als Kriterium zum Zeitpunkt der Entscheidung ausgesprochen hat. Dass das nicht selbstverständlich ist, zeigt die Erklärung der EURORDIS, der nicht-staatlichen Allianz von 910 Patientenorganisationen aus 72 Ländern vom 31.März 2020. Darin warnt die Organisation vor diskriminierendem Triage -Verhalten in Belgien, Frankreich, Island, Italien, Niederlande, Portugal und Spanien. Sie fordert im Namen aller Menschen mit Seltenen Erkrankungen die Ärzte auf, ihnen die gleichen Überlebens- und Behandlungschancen einzuräumen wie jedem Durchschnittspatienten. Wir können froh sein, dass es EURORDIS gibt – eine starke Stimme und Kämpfer für Menschen mit Seltenen Erkrankungen in Europa!

Umfrage von EURORDIS: Menschen mit Seltenen Erkrankungen und Covid-19

EURORDIS will sich auch weiterhin effektiv für uns einsetzen. Dafür muss die Organisation wissen, wie unsere Lage in Zeiten von Corona ist. Menschen mit Seltenen Erkrankungen und ihre Familienmitglieder sind daher aufgerufen, sich an der entsprechenden Umfrage der Organisation zu beteiligen.

  • Wie wirkt sich die COVID19 Pandemie auf Sie persönlich aus?
  • Erhalten Sie weiterhin die von Ihnen benötigte Versorgung?
  • Wie beurteilen Sie Ihre Situation in der Corona-Krise?

Hier ist der Link zur Umfrage.

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Vaskulitis Nachrichten 5.11: YES, WE CAN!

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Schutzmaterial gegen Corona-Viren ist Mangelware. Vor allem in der Pflege, ob ambulant oder stationär, müssen sich die Mitarbeiterinnen dem Risiko einer Ansteckung aussetzen, weil sie von ihren Arbeitgebern nicht ausreichend mit Schutzmaterialien ausgerüstet werden. Letztere verweisen – zu Recht – auf die allgemeine Mangellage.

Umso überzeugender ist da die bundesweite Initiative Maker vs Virus, der sich verschiedene Hochschulen, Professoren, Mitarbeiter und Studenten angeschlossen haben. Sie produzieren im 3D- Druckverfahren Gesichtsmasken und –schilde und verschenken diese an Seniorenheime und ähnliche Einrichtungen. Wer Bedarf hat, kann sich direkt an die Makerszene #MakerVsVirus oder auf der Website https://www.makervsvirus.org wenden.

Pro Vaskulitis sagt: YES, WE CAN!

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Corona Spaziergang

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Mitten in der Woche, so denke ich mir, werde ich kaum auf jemanden im Wald stossen. Es ist das erste Mal, dass mich wieder dorthin traue, nachem am ersten Wochenende des Shut-down ganze Horden von Menschen dort unterwegs waren. Ich wähle einen Pfad, der unterhalb des Hauptwanderweges verläuft, versteckt und mäandernd durch die Birken- und Fichtenschonungen. Und richtig, niemand sonst begegnet mir. Entspannt genieße ich die Sonne, die frische Luft, die hier und da blühenden Waldpflanzen und Bäume. Was für ein herrlicher Frühlingstag!

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Langsam nähere ich mich der Lichtung, auf der ich bei meinen Wanderungen gerne eine Zwischenpause einlege. Hoffentlich sitzt dort niemand schon auf der Bank! Von dort kann man einen wunderbaren Rundumblick genießen.

Von fern kann ich die Holzbank schon ausmachen. Tatsächlich, da sitzt doch jemand! Ein Pärchen. Ich bin enttäuscht. Als ich jedoch eine Viertelstunde später auf der Lichtung ankomme, ist das Paar bereits fort. Wie schön! Jetzt habe ich die Aussicht ganz für mich!

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Über die Ackerwiese geht es weiter. Überall summt und brummt es, Löwenzahn, Ginster und die Blüten der wilde Obstbäume werden eifrig nach Nektar abgesucht. So viel Geschäftigkeit ist belebend nach der Ruhe in den Wochen des Shut-downs.

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Freude steigt in mir auf beim Anblick der Blüten. Überall das frische Grün. Das Leben lässt sich auch in diesem Corona-Frühling nicht aus der Bahn werfen!

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Nach drei Stunden kehre ich erfrischt und mit neugewonnener Gelassenheit aus dem Wald zurück in mein Zuhause und die Welt des Shut-downs.

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