Schutzbedürftig?

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Tandoori Chicken Copyright (c) artificialog / pixabay.com

Das Licht der orientalischen Lampen warf ein warmes Licht in das alte Gutshaus. Das Essen, ein Tandoori Chicken, war vorzüglich. Als ich es mit einem Nachtisch, einem Gur Papdi, und einem Darjeeling-Tee krönen wollte, kam ich bei der Bestellung mit der zuvorkommenden, jungen Frau, die mich bediente, ins Gespräch. *“Ich kenne die indische Küche gut. Was Sie hier an Gerichten anbieten, habe ich bei meinen Reisen in Nordindien gegessen.“ „Ach, Sie sind in Indien gewesen?“ Sie reagierte überrascht. „Ich kenne das Land leider garnicht und die Küche auch nicht.“ „Sie kennen Indien nicht?“, fragte ich erstaunt zurück. „Nein,  meine Eltern sind vor meiner Geburt aus dem kurdischen Teil der Türkei nach Deutschland gekommen.“, erklärte sie. Nun war ich überrascht, nach ihrem Aussehen zu urteilen, hätte sie auch eine Nord-Inderin sein können.

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Gleichzeitig war nun mein Interesse geweckt. “ Jetzt bin ich aber neugierig!“ sagte ich. “ Darf ich Sie fragen, wie die Kurden aus der Türkei, Syrien, dem Irak und Iran zueinander stehen? Können sie sich eigentlich untereinander verständigen, haben sie eine gemeinsame Sprache?“

„Eine gemeinsame Sprache, ja, also wir verstehen uns schon, “ war ihre Antwort, “ aber wir sprechen verschiedene Dialekte, etwa so wie Bayrisch oder Sächsisch.“

Dann fügte sie stolz hinzu: „Aber füreinander einstehen tun wir alle. Ich auch. Wenn meine Leute dort mich brauchen, stehe ich natürlich zu ihnen.  Selbstverständlich unterstützen hier auch alle kurdischen Geschäftsleute und die Moscheen die PKK, sie zahlen ihr Schutzgeld!“

Ich schwieg konsterniert.

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Meine Leute.

Sie ist doch in Deutschland geboren und hier zur Schule gegangen, hier aufgewachsen. Wer sind denn dann „Meine Leute“?

Schutzgeld.

Schutzgeld? Hatte ich das gerade richtig gehört?

Noch konsternierter fragte ich sie: „Wovor brauchen sie denn Schutz???“

Meine Bedienung aber, schon halb auf dem Weg zur Küche, antwortete mir nicht mehr.

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*Aus rechtlichen Gründen erfolgt hier folgender Hinweis: Die Personen und die Örtlichkeit des Beitrags sind verändert worden und frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

 

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Vaskulitis Nachrichten 4.1: Spendenlatte gerissen!

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Gute Nachrichten zum Jahreswechsel aus den USA:  29 sehr engagierte Spendensammler für die Vaskulitis-Bewegung haben in 2018 Menschen im ganzen Land angesprochen. Sie haben insgesamt 460 Menschen dafür gewonnen, die  Vaskulitis-Bewegung – jenseits des Mitgliedsbeitrages für die Vasculitis Foundation –  finanziell zu unterstützen. Der größte Teil der Spenden lag im Bereich von 25 bis 75 US$ (ca. 10 – 35 €), aber es gab auch Zuwendungen, die 4000 bis 20 000 US$ (ca. 2000 – 10 000 €) umfassten. 

Eine dieser Spendensammler ist Annika Victoria, die 2011 nach 1 Jahr Krankheit schließlich die Diagnose Takaysu Arteriitis erhielt, bei der es aber noch weitere 6 Jahre dauerte und eine deutliche Verschlechterung ihres Gesamtzustandes, bis eine wirksame Therapie mit einem sogenannten „Biological“ für sie gefunden wurde. Annika sammelte 2018 bei 17 Spendern insgesamt 321, 27 US$ ein (ca. 165€) in Beträgen von 10 bis 20 US$. Die Vaskulitis-Patientin Suzanne DePaolis schaffte es, 2018 mit Hilfe von 17 Spendern sogar 1840, 98 US$ (ca. 950 €) zusammen zu tragen. Kate Tierney trug 25,64 US$ bei, Allison Lint 5,12 US$ und Misty Justus-Baker 201,65 US$.

Was Pessisimisten von vorneherein für umöglich hielten, wurde so zum Jahresende 2018 Wirklichkeit: das selbstgesetzte Spendenziel von 100 000 US$ wurde sogar noch übertroffen. Insgesamt kamen für eine bessere Zukunft von Vaskulitis Patienten und ihre Familien zusammen:

        $107 251,41 US$ !

           (ca. 55 000 €)!

Unser Glückwunsch und Dank, auch der deutschen Vaskulitis-Patienten, gilt den engagierten Spendensammlern in den USA! 

Liebe Leser, wenn Sie selber etwas für die Zukunft von Vaskulitis-Familien tun und spenden wollen, finden Sie weitere Angaben unter dem obigen Menüpunkt „Förderung der Vaskulitis-Forschung“.

Gellinger

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Vom Schenken

Schenke groß oder klein,
aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten die Gabe wiegen,
sei dein Gewissen rein.

Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei,
was in dir wohnt
an Meinung, Geschmack und Humor,
so dass die eigene Freude zuvor
dich reichlich belohnt.

Schenke mit Geist ohne List.
Sei eingedenk,
dass dein Geschenk –
Du selber bist.

Joachim Ringelnatz

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Vaskulitis Nachrichten 3.12: Niederlande zahlen 15 Millionen Euro für die krankheitsübergreifende Erforschung des Immunsystems

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Krebs und Autoimmunkrankheiten – Sie sind Fehlfunktionen des Immunsystems

In unserem westlichen Nachbarland ist im vergangenen Sommer ein großes Forschungsprojekt von 20 großen Patientenvereinigungen, dem Forschungs-und Gründerverbund Top SectorLifeSciences & Health und der Wirtschaft an den Start gegangen. Die Niederlande, deren Wirtschaftskraft in etwa der Nordrhein-Westfalens entspricht, will dafür den großen Betrag von 15 Millionen Euro investieren, um drei Fragestellungen zu untersuchen.

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B-Zellen unter der Lupe

Weiße Blutkörperchen spielen eine wichtige Rolle als Abwehrzellen im menschlichen Immunsystem. Entarten sie jedoch, weil z.B. Gene, die ihre Form bestimmen, mutiert sind oder falsch abgelesen werden, dann können sie schwerwiegende Krankheiten hervorrufen oder zu ihrem Ausbruch beitragen, wie Leukämie, multiple Sklerose oder auch Granulomatose mit PolyAngiitis, einer Vaskulitisform.

Therapien gegen eine Form der weißen Blutkörperchen, die B-Zellen, gibt es bereits, allerdings verstehen die Ärzte noch nicht genau, warum sie bei so verschiedenen Krankheiten wirken. Deshalb soll nun das Verhalten entarteter B-Zellen erforscht werden. Das ist natürlich Grundlagenforschung, aber das langfristige Ziel  ist, vorhersagen zu können, welche Art von Therapie bei welchem Patienten am Besten wirkt. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen auch dazu dienen können, bereits bestehende Therapien zu verbessern.

Immun-Engineering

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Sowohl bei Krebs, als auch bei Allergien wie auch bei Autimmunerkrankungen ist das menschliche Immunsystem aus dem Takt geraten. Bei Krebs ist es nicht aktiv genug. Es erkennt noch nicht einmal entartete Körperzellen, für deren Beseitigung es eigentlich sorgen müsste. So können sie sich u.a. zu Tumoren entwickeln. Bei Allergien hingegen zeigt es eine Überreaktion seiner Abwehrzellen gegenüber Stoffen, die aus der Außenwelt auf den Mensch einwirken, z.B. Pollen. Bei Autoimmunerkrankungen kommt es gleichfalls zu einer Überreaktion, die sich dann jedoch sogar gegen die eigenen Körperzellen richtet.

Über- und Unterreaktion. Die Wissenschaftler werden versuchen, eine Art  „Impfung“ zu entwickeln, die das Immunsystem wieder ins Lot bringten. Für dieses Ziel arbeiten seit dem Sommer die besten immunologischen Experten der Niederlande in diesem Forschungsprojekt zusammen.

Immunprofil für jeden Menschen

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Bei ganz verschiedenen Autoimmun-krankheiten konnten die Ärzte bisher immer wieder bestimmte Zellen des menschlichen Immunsystems als Akteure ausmachen, in unterschied-licher Gewichtung und Verhaltensform. Es scheint daher Sinn zu machen, Autoimmunkrankheiten nicht mehr anhand ihrer äußeren Krankheitsbilder einzuordnen, bzw. den Patienten auch danach zu diagnostizieren, sondern anhand des spezifischen Profils seines Immunsystems.

Es könnte daher auch Sinn machen, dass ein Patient mit Morbus Crohn und ein Patient mit Spondylo-arthritis die gleiche Therapie erhalten, weil ihr Immunprofil die gleichen oder sehr ähnliche Werte aufweisen. Die Forscher wollen also herausfinden, ob es bei den verschiedenen Autoimmunkrankheiten gemeinsame Faktoren gibt, die helfen können, eine jeweils optimale Therapie für den Patienten zu finden.

Akteure in Deutschland

In Deutschland widmen sich seit vielen Jahren die Deutsche Gesellschaft für Autoimmun-Erkrankungen e.V.  und die Deutsche Autoimmun-Stiftung mit ihren beschränkten finanziellen Mitteln der krankheitsübergreifenden Erforschung von Autoimmunkrankheiten. Von 1999 bis 2016 verlieh letztere den mit 5000 Euro dotierten Nils-Richter-Preis für Arbeiten zur Entwicklung neuer Therapieansätze zur Behandlung von Autoimmun-Erkrankungen. Die Stiftung stützt sich einzig auf private Spenden.

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Vaskulitis Nachrichten 3.11: Durchbruch bei Forschung zum multiresistentem Keim Staphylococcus Aureus

 

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Wenn die Bevölkerung einer Stadt von der Größe von Wismar plötzlich von einer tückischen Krankheit erfasst werden würde, gegen die es kaum wirksame Medikamente gibt, sodann 2360 Menschen oder knapp 5% der Bevölkerung daran sterben würde, dann würde das die Schlagzeilen in sämtlichen Medien beherrschen.

Die Stadt selbst würde abgesperrt werden, Ärzteteams würden losgeschickt werden, die Patienten kämen in provisorische oder sogar feste Isolierstationen, international würde nach Wirkstoffen gegen den Krankheitserreger gesucht werden. Liebe Leser, im Grund geschieht all das seit Jahren, allerdings zeitversetzt, unauffälliger und über das gesamte Land verteilt.

2015 erkrankten alleine in Deutschland 50 509 Menschen, also so viele Menschen, wie in Wismar leben, an dem multiresistenten Bakterium Staphylococcus Aureus.   2 363 Menschen verloren durch den sogenannten Krankenhauskeim ihr Leben. In der gesamten EU waren es 671 698 Betroffene und 33 110 Todesfälle. Gewaltige Zahlen. Nur Grippe, Tuberkulose und HIV/AIDS zusammen fordern jedes Jahr ebenso viele Tote.* Der MRSA-Keim gefährdet besonders Vaskulitis-Patienten und andere Rheuma-Betroffene, da sie nach ihrer Diagnose ihr Leben lang mit Medikamenten behandelt werden, die die Immunabwehr herabsetzen.

Jetzt hat ein Team des Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin der Universität Tübingen und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) rund um die Forscher Andreas Peschel und Thilo Stehle einen Durchbruch bei der Erforschung dieses gefürchteten Bakteriums erzielt. Sie konnten herausfinden, wieso dieses Bakterium in der Lage ist, sich der Immunabwehr des menschlichen Körpers zu entziehen.

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Sie entdeckten, dass der Keim seine Oberflächenstruktur geändert hat. Er hat ein bisher unbekanntes Protein eingebaut, wodurch Antikörper des menschlichen Immunsystems nicht mehr am Bakterium andocken können – der „Schlüssel“ Antikörper passt quasi nicht mehr in das „Schloss“ der Keimoberfläche -.  Das menschliche Immunsystem kann deshalb den bösen Feind nicht mehr bekämpfen, ja, es identifiziert das Bakterium noch nicht einmal als den Feind, den es zu bekämpfen gilt. Das neue Protein des Keims, dem die Forscher den Namen TarP (kurz für teichoic acid ribitol P) gaben, bewirkt eine perfekte Tarnung.

„TarP verändert das Muster von Zuckermolekülen auf der Erregeroberfläche auf eine bislang unbekannte Weise“, erklärte Professor Andreas Peschel, Tübingen. „Dies führt dazu, dass das Immunsystem keine Antikörper gegen das wichtigste MRSA-Antigen, die Teichonsäure, bilden kann.“**

Erstaunlich: Die Wissenschaftler vermuten, dass dieser Evolutionssprung des Staphylococcus Aureus durch die Einwirkung von Phagen verursacht wurde. Phagen sind Viren, die Bakterien als ihre Wirte nutzen und daher auf die Keime als ihre Lebensgrundlage angewiesen sind.**

Geklärt ist mittlerweile auch, wie TarP im Bakterium funktioniert: es arbeitet wie ein Enzym. ** Mit diesem Verständnis der Struktur des Proteins und seiner Funktionsweise ist der Grundstein gelegt für andere Wissenschaftler, die nun neue, wirksame Therapien und Medikamente, die TarP blockieren, gegen den multirestistenten Staphylococcus Aureus entwickeln können. Denn gelingt es, das TarP auszuschalten, kann das mächtigste „Medikament“ überhaupt  – das wissen gerade Autoimmunerkrankte, wie Vaskulitis-Patienten – gegen das Bakterium wieder loslegen: das menschliche Immunsystem.

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Originalpublikation:
Gerlach, Guo et al, 2018, Methicillin-resistant Staphylococcus aureus alters cell wall glycosylation to evade immunity. Nature, DOI : 10.1038/s41586-018-0730-x

*Ärztezeitung online, 06.11.2018: “ EU. 33.000 Tote pro Jahr durch resistente Keime“ 

**Pressemitteilung der Universität Tübingen vom 21.11.2018 „Tübinger Forscher decken Tarnkappenstrategie multiresistenter Keime auf“

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Vaskulitis Nachrichten 3.10: Britische Vasculitis Foundation vergibt erneut Forschungsförderung

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Bis zum 21. Januar 2019  können Wissenschaftler  wieder Anträge für eine Förderung ihrer Projekte zur Vaskulitis-Forschung bei der Britischen Vasculitis Foundation einreichen. Die Stiftung fördert Forschung nach den Ursachen und Auswirkungen einer Vaskulitis. Die Projekte sollten eine Laufzeit von weniger als drei Jahren haben, deutlich patientenorientiert und auf mittlere Sicht den Patienten einen Vorteil bieten. Eine Beschränkung auf Forschungsprojekte in Groß-Britannien oder Irland ist in der Förderungs- und Forschungsstrategie der Stiftung nicht erwähnt, ist also wohl nicht vorhanden!

Die Vasculitis Foundation hat in den vergangenen Jahren u.a. geholfen, ein nationales Vaskulitis Register für Großbritannien und Nord-Irland aufzubauen, eine unabdingbare Grundlage für die Forschung. Sie hat Forschung zur Fatigue finanziert und zur Genetik bei Vaskulitiden. Das, was die britische Vasculitis Foundation, allen voran ihre Mitglieder, mit viel Engagement und Fleiss leistet, kommt also auch deutschen Vaskulitis-Patienten und ihren Angehörigen zugute!

Garnicht nebenbei bemerkt: In Deutschland gibt es bis heute noch nicht einmal ein bundesweites Register!

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Die Stiftung kann jedes Jahr nur die Summe für Forschungsförderung aufwenden, die ihr über direkte Spenden, Gelder aus Werbeaktionen ihrer Mitglieder, wie ein Weihnachtsbasar, eine Filmvorführung, ein Kaffeeklatsch, eine Motorradralley, ein Weihnachtsbaumverkauf, eine Wanderung oder ein Stafellauf, über Vermächtnisse und Erbschaften zugegangen sind.

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2019 wird sie immerhin eine Gesamtsumme von 150 000 Britischen Pfund, das sind ca. 169 000 Euro, vergeben. Die maximale Fördersumme für jedes einzelne Projekt liegt bei 50 000 Britischen Pfund, also ca. 56 000 Euro. Angesichts dieser, für eine Forschung relativ kleinen, Beträgen, die sie aufwenden kann, begrüßt die Stiftung ausdrücklich auch größere Projekte, bei denen jedoch mehrere Institutionen bei der Finanzierung kooperieren.

Weitere Informationen finden Interessenten hier.

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Vaskulitis Nachrichten 3.9: Mit Künstlicher Intelligenz zur Vaskulitis-Diagnose

(c) M.Eskandani

Der staatliche finanzierte, britische Gesundheitsdienst ist schon seit Jahrzehnten für die Wartezeiten für seine Patienten bekannt. In Duisburg wurden bereits in den 70gern des letzten Jahrhunderts britische Krebspatienten operiert, die sich lieber ihre OP privat im Ausland finanzierten, als viele Wochen lang darauf im eigenen Land zu warten. Die Versorgungslage hat sich wohl nicht grundsätzlich geändert, aber nun hoffen die Verantwortlichen, sie mit Hilfe Künstlicher Intelligenz entschärfen zu können.  

Sie setzen dabei auf selbstlernende Algorithmen, die, wie Tests gezeigt haben, z.B. in der Lage sind, die Risiken eines Herzinfarktes für einen bestimmten Patienten mit einer weitaus höheren Genauigkeit zu erkennen als erfahrene Kardiologen. Dabei sparen sie aber eben dem Arzt auch sehr viel Arbeitszeit ein, die er sonst für die Auswertung von Herzfrequenz-Scans aufwänden müsste. Der Arzt wird also deutlich entlastet.

Es sind diese beiden Aspekte, die höhere Genauigkeit und die Arbeitszeit- und damit Kosteneinsparung, die nun auch in Deutschland und hoffentlich auch in der Vaskulitis-Welt zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz führen wird.

Diagnose-Odyssee bei Vaskulitiden mit P2D vorbeugen

Sowohl Vaskulitis-Betroffene, als auch Rheumatologen und Nephrologen klagen darüber, dass die Patienten immer noch nach vielen unnötigen Facharztschleifen und damit viel zu spät diagnostiziert werden. Die lebensrettende Behandlung setzt deshalb oftmals erst dann ein, wenn schon Organschäden und Polyneuropathien entstanden sind. Das hatte eine Auswertung des Vasculitis Patient-Powered Network (VPPRN) ergeben.

Damit war der Anstoss dafür gegeben, dass der gebürtige Libanese Antoine G Sreih, MD, Assistant Professor of Clinical Medicine an der Perelman School of Medicine der University of Pennsylvania, USA, zusammen mit einem Team von Experten und der amerikanischen Vasculitis Foundation innerhalb der letzten zwei Jahre ein Computerprogramm für Hausärzte entwickelt hat, das ihnen ermöglicht, Vaskulitiden in einem frühen Stadium zu erkennen.

 

 

 

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„Für Ärzte wird es immer schwieriger, alle Daten eines Patienten zu erfassen und zu analysieren. Deshalb sehen Sie häufig Hausärzte, die immer mehr Patienten an Fachärzte überweisen. Das Warten auf einen Spezialisten kann manchmal Monate dauern, so dass wir wertvolle Zeit verlieren, da die Krankheit weitere Schäden verursacht “, sagt Sreih. „Den Hausärzten fehlt oft die Zeit, die Patienten zu verstehen, ihre komplexen und oft fragmentierten Krankengeschichten zusammenzusuchen oder auch nur zusammenzufügen.“*

Pathways to Diagnosis (P2D), wie die App heißt, setzt auf das vorhandene Computersystem des Arztes auf und integriert sich in die Krankenakte eines Patienten, überprüft medizinische Daten, Tests und Berichte, so dass mehrere, scheinbar nicht verwandte Symptome schnell analysiert werden können. Der Arzt wird dann auf Zusammenhänge aufmerksam gemacht, die er sonst – das zeigen leider die zur Zeit auch in Deutschland noch zu späten Vaskulitis-Diagnosen – nie auf dem Schirm hätte. Die App tut dies mit Hilfe eines Pop-Ups, das dem Arzt  weitere Diagnoseschritte für Vaskulitiden vorschlägt, ihm aber auch Links zu internistischen Rheumatologen und Nephrologen anbietet, an die er den Patienten weiterverweisen kann.

„Stellen Sie sich vor, ein Patient weist einen chronischen Husten auf, der nicht auf die Standardbehandlung anspricht. Er kann zu einem Lungenarzt geschickt werden, wo ein CT-Scan einen Knoten anzeigt und der Arzt sofort an Krebs denkt “, erklärt Sreih. „Der Patient hat jedoch auch eine chronische Sinusitis und einen Hörverlust. P2D analysiert diese Anhäufung von Symptomen aus der Krankengeschichte einer Person und weist den Arzt auf eine Vaskulitis hin. Wenn der Arzt diese Benachrichtigung erhalten hat, kann er über eine Krankheits-Ursache nachdenken, an die er sonst nie gedacht hätte. „*

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Nicht die App steuert also die weitere Behandlung, sondern es ist weiterhin der Mensch, also der Hausarzt, der den Patienten begleitet. Seine professionellen Fähigkeiten werden aber durch die App erweitert und unterstützt, sein Zeitaufwand für den einzelnen Patienten verkürzt.

In den USA interessieren sich mittlerweile zwei große Gesundheitsdienste für die Vaskulitis-App. Sobald, und das ist natürlich der Knackpunkt, die Finanzierung geklärt ist, soll sie eingeführt werden.

Wie kann die App nach Deutschland geholt werden?

Voraussichtlich wird das Team um den Wissenschaftler Sreih die App zunächst eine gewisse Zeit lang in den USA in der Praxis testen wollen, um eventuell auftretende „Kinderkrankheiten“ zeitnah und vor Ort ausmerzen zu können. Zwischenzeitlich könnte aber ein Kooperationspartner in Deutschland, etwa eine Universität, gefunden werden, der für die Übersetzung und Übertragung der App auf das deutsche Umfeld sorgt. Und sodann müssten niedergelassene Ärzte von den Vorteilen der App für ihre Praxis überzeugt werden. Es wird also leider noch einige Zeit ins Land gehen, bevor die App nach Deutschland kommt, so nötig sie auch ist.

 

 

 

Pro Vaskulitis hat aber bereits jetzt die Vasculitis Foundation auf den Digitalen Gesundheitspreis aufmerksam gemacht, der jedes Jahr von Novartis Deutschland, u.a. für sogenannte Assistenz- oder Decision-Support-Systeme, vergeben wird und mit insgesamt 50 000 Euro dotiert ist. Wäre das nicht ein schöner, zusätzlicher Anreiz, nicht zuletzt für eine deutsche Partner-Universität, um die Vaskulitis-App auch nach Deutschland zu bringen?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

*aus: „Innovative Program Using Machine Learning to Address Challenge of Delays in Diagnosis“, Autor: Ed Becker

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First winter rain

First winter rain–
even the monkey
seems to want a raincoat.

Matsuo Basho

Pexels_Affe

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Auszeit in den Dünen – Einfach mal nichts tun

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Ursprünglich veröffentlicht auf watt & meer:
Laut Studien sollen die Dänen die glücklichsten Menschen sein. Im Deutschlandvergleich sollen es die Schleswig-Holsteiner sein (auch wenn uns nur Nachkommastellen von den weiteren Plätzen trennen). Warum ist das so? Was macht…

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Der Pianist

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Dringend neu gestimmt müsste es werden, das alte Piano, dem der Pianist Aeham Ahmad ein ganzes Klavierkonzert entlocken will. Töne überfallen zwischendrin mein Ohr, die so knapp, aber eben gründlich daneben liegen, dass es regelrecht schmerzt. Oder, ich wage es kaum zu denken, greift etwa der Pianist – bewußt  ?- daneben?

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Das wäre allerdings nicht verwunderlich. Der Künstler erlitt im Syrienkrieg eine Schussverletzung der Hand.  Seine Zukunft als Konzertpianist war damit zerstört. Dennoch spielte er mitten im Flüchtlingslager Yarmuk Klavier für die, die dort noch überlebt hatten. Ein großes Geschenk an die Menschen, seine Musik gewährte ihnen einen Moment der Entrücktheit aus ihrer bedrückenden Lebenssituation, ein kleines Glück. Selbst wurde er durch die Youtube-Filme seiner Konzerte mitten in den Trümmern weltberühmt. 2015 ließ der syrische Palästinenser sich für 7000 Euro von Schleppern nach Deutschland bringen. Nach Deutschland, weil Deutschland syrischen Kriegsflüchtlingen den Familiennachzug gewährt.

Nun also tourt er mit Amnesty International durch Europa und erzählt zwischen seinen Klavierstücken seine Geschichte, mit Texten, die er wohl selbst geschrieben hat, aber von anderen auf Deutsch vorgetragen werden. Er selbst spricht auch nach drei Jahren nur ein sehr gebrochenes Deutsch. Woran das liegt? Er schiebt es auf die Konzertauftritte in verschiedenen europäischen Ländern, in denen er jeweils mit wiederum einer neuen Sprache konfrontiert wird.

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Aber tourt er denn schon seit drei Jahren ständig durch Europa? Liegt es nicht eher daran, dass er zuhause im Kreis seiner Familie weiter Arabisch spricht? Und dass er bei seinen Kontakten mit Amnesty oder anderen Künstlerin auf Englisch zurückgreift, eine Sprache, die er deutlich besser beherrscht als Deutsch? Liegt es mit anderen Worten nicht viel eher an seiner mangelnden Entschlossenheit,  nun endlich die Sprache des Landes zu lernen, das ihm und seiner Familie Asyl gewährt und ihren Aufenthalt finanziert hat?

So aber singt Aeham Ahmad zu seinen Klavierstücken auf Arabisch – und erreicht damit seine deutschen Zuhörer nicht. Denn sie verstehen einfach nicht, was er da so alles vorträgt. Vermitteln will er vermutlich die Emotionen seiner Kriegserlebnisse – und verwechselt Lautheit mit Inbrunst, Lautschärfe des arabischen Wortes mit Ausdruck.

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Sein Klavierspiel ist über Strecken durchaus virtuos, man erkennt den ausgebildeten Pianisten und seine Affinität zum Jazz, und dennoch wirken seine Kompositionen mit ihrer bemühten Zusammenstellung arabischer, europäisch-klassischer und jazziger Elemente so, als habe ein purer Theoretiker vom Schreibtisch aus ein Stück über den Krieg geschrieben. Und dieser Krieg erreicht die Zuhörer nicht. Sie hören ihm zu, und dennoch bleibt alles, was er heraus spielt und schreit, unendlich weit draußen. Fremd, und das, obwohl die Autorin durchaus mit orientalischen und arabischen Klängen vertraut ist. Ein Pianist macht eben nicht ohne Weiteres einen Sänger, und schon gar keinen Komponist.

Der Applaus mit Begeisterungspfiffen, der nach jedem Stück den Saal erfüllt, kommt aus der Ecke seiner Unterstützer von Amnesty International. Auf der anderen Seite wird höflich, zuweilen ob seiner authentisch wirkenden Texte mitfühlend geklatscht. Seine Musik verzeiht man ihm.

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Aeham Ahmad ist eine Gallionsfigur der Flüchtlingsbewegung und der Protagonisten der Willkomenskultur, und deshalb eignet er sich so gut für eine europaweite Marketingaktion der NGO. Hat Amnesty die Idee für diese Konzert- und Lesereise, die u.a. mit Steuergeldern des Bundes aus dem Programm „Demokratie leben“ finanziert wird, an ihn herangetragen? Vermutlich. Ob sie ihm damit einen Gefallen getan haben, ist fraglich. Denn dieser Mann wird, nach dem „Hype“ um seine Person, sein Geld und den Unterhalt seiner Familie nur dann auf Dauer in Deutschland verdienen und sichern können, wenn er endlich fließend Deutsch spricht, und sich und die Qualität seiner beruflichen Fähigkeiten als Musiker für das Umfeld Deutschland realistisch einschätzen und wohl auch um Einiges nachbessern kann. Nach mittlerweile bereits drei Jahren ist es dafür höchste Zeit.

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Wie wenig er sein Umfeld und die jüngere Geschichte Europas und Deutschland versteht, zeigte seine, aus Anlass einer verständlichen Warnung vor para-militärischen Neonazis geäußerten, unreflektierten Bemerkungen über die Bundeswehr, die er auf eine Ebene stellte mit den Truppen des Diktators Assad, die seine Heimatstadt zerstörten. Die Bundeswehr ist jedoch, und das ist eben der Unterschied, nicht der militärische Arm eines Diktators, sondern in ihr dient der Staatsbürger des demokratischen Deutschlands in Uniform.

Drei Jahre sind seit der Ankunft von Aeham Ahmad hier ins Land gegangen und ich frage mich, wo ist er bis jetzt angekommen?

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Weitere Beiträge zum Thema Migration finden Sie unter dem Menüpunkt „Gesellschaft“ und „Religion“, ua.:

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