Sonnige Aussichten

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Die Sache mit der Ausgewogenheit — Onkel Michaels kleine Welt

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Im Laufe der Pandemie habe ich zunehmend Blogbeiträge gefunden, in denen die Autoren sich irritiert gezeigt haben über die Diskussionen unter Wissenschaftlern und in der Öffentlichkeit, über Revidierung und Anpassung von wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Covid-19-Virus, zu Therapien und Medikamenten, zur Impfung und zu Hygienemaßnahmen. Dass sowohl Wissenschaftler als auch Politiker diese Diskussionen so offen geführt haben, beruht auf Erkenntnissen und Empfehlungen, die Wissenschaftler aus der Untersuchung der früheren SARS-Epidemien in Asien und in den Golfstaaten gewonnen, bzw. gezogen hatten. Um die Bevölkerung in Demokratien in die Bekämpfung und Bewältigung einer Epidemie einbinden und mitnehmen zu können, wurde es als notwendig erachtet, mit genau dieser Offenheit gegenüber der Öffentlichkeit aufzutreten, seitens der Wissenschaft und der Politik.

Mittlerweile haben wir ja unsere eigenen Erfahrungen mit der Covid-19-Pandemie und dieser Offenheits-Strategie gemacht. Es wird langsam Zeit, auch da eine kritische Bilanz zu ziehen, die uns helfen kann, eine zukünftige, neue Pandemie besser zu überstehen. Fragen, die ich habe, sind z.B.

  • War diese uneingeschränkte Offenheit sinnvoll?
  • Konnte die breite Öffentlichkeit mit dem wissenschaftlichen Diskurs, ja manchmal mit dem Streit unter medizinischen Fachleuten, gut umgehen?
  • Wurde dieser Diskurs verstanden?
  • Wie lange war die Bevölkerung bereit, diesem Diskurs noch zu folgen?
  • Oder waren weite Teile nur noch davon genervt?
  • Wie hilfreich war die Gegenüberstellung der Auffassungen hochspezialisierten Virologen mit denen von Nicht-Virologen in und außerhalb von Talk-Shows, von Wissenschaftlern mit Laien, alles im Dienste der Ausgewogenheit?

Der folgende Artikel vom Blog Onkel Michaels kleine Welt geht genau auf diese Frage ein:

Tja, dass ich von der Rolle, die die Medien in der Corona-Pandemie gespielt haben und spielen nicht wirklich begeistert bin, habe ich ja schon an einigen Stellen angemerkt. Es ist schon erschreckend zu sehen, dass selbst bei seriösen Medien jedweder Couleur auf der Jagd nach Klicks und Abonnenten halbgare Neuigkeiten herausgehauen werden, nur um der […]

Die Sache mit der Ausgewogenheit — Onkel Michaels kleine Welt

Und was meint Ihr dazu?

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Vaskulitis Nachrichten 6.15: Die Liebe zum Pferd – Risikofaktor für Vaskulitis?

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Die Pferdefreunde unter uns werden es nicht gerne hören, aber die jüngste Studie von Wissenschaftlern des Universitätskrankenhauses von Uppsala in Schweden zeigt, dass der regelmäßige Kontakt zu Pferden in einem signifikanten Zusammenhang mit dem Ausbruch der Vaskulitis-Form Granulomatose mit PolyAngiitis (GPA) steht. Zusammenhang heisst hier, dass das gleichzeitige Auftreten beider Ereignisse, also des Kontakts mit Pferden und des Vaskulitis-Ausbruch, aufgrund seiner Häufigkeit nicht mehr mit dem Zufall erklärt werden kann.

Die Forscher hatten zwischen dem 1. Januar 2011 und dem 31. Dezember 2018 insgesamt 62 GPA-Patienten mit 128 Patienten mit Rheumatoider Arthritis und mit 248 Gesunden verglichen in Bezug auf ihre Arbeit, ihre Hobbys und den Kontakt zu Tieren, sowohl in der Gegenwart, als auch in der Vergangenheit. Alle Probanden mussten dazu einen Fragebogen ausfüllen. Einflüsse der Faktoren Alter, Geschlecht und Wohnsitz auf das Ergebnis der Befragung wurden ausgeschlossen.

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Während die Forscher für den Kontakt mit Katzen oder Hunden – also Tieren, die in der Regel als einzelne Haustiere gehalten werden und die ihren Kot in den meisten Fällen weit verstreut im Aussenbereich absetzen – keinen Zusammenhang mit dem Ausbruch einer GPA ermitteln konnten, entdeckten die Wissenschaftler einen leichten Zusammenhang mit generell Kontakten zu Tieren. Wirklich signifikant war der Zusammenhang dann jedoch beim regelmäßigen Kontakt zu Bauernhöfen/Landwirtschaft. Vor allem in Bezug auf Pferde war die festgestellte Korrelation um das 2-3fache erhöht, immer im Vergleich zu den oben genannten Vergleichsgruppen der Rheumatoide Arthritis-Patienten und der Gesunden.

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Tatsächlich bestätigt die Studie damit frühere wissenschaftliche Arbeiten, u.a. des Universitätsklinikums Münster von 2015. Die Forscher in Muenster hatten damals bereits einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Auftreten einer GPA und regelmäßigem Kontakt zu einem oder mehreren Bauernhöfen/Landwirtschaft, sowie, in der vertieften Analyse, zu Rindern und Schweinen festgestellt. Noch einmal signifikanter war die Korrelation beim Vorhandensein des multiresistenten Bakteriums MRSA, das gerne in den Ausscheidungen von Rindern und Schweinen in Massentierhaltung auftritt. Da die Bauern die Guelle oftmals zur Duengung auf den Feldern versprühen, koennen sich die MRSA-Erreger nicht nur in den Stallungen, sondern auch in der weiteren Umgebung der Bauernhöfe befinden.

MRSA ist auch bei Pferden ein zunehmendes Problem. Bereits jetzt tragen 10% der gesunden Pferde den Erreger in der Nase.

Die erwähnten Studien konnten lediglich einen Zusammenhang feststellen, nicht jedoch den Nachweis der Ursache mit der direkten Wirkung Ausbruch einer GPA erbringen und schon garnicht einen genauen Mechanismus darstellen oder erklaeren. Dafür braucht es Studien, die ganz anders aufgebaut sind. Dennoch mahnen diese Ergebnisse Menschen mit einer GPA zur Vorsicht: Besser Abstand und Hygiene im Kontakt mit Bauernhöfen/Tierhaltung in der Landwirtschaft wahren!

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Was ist schrecklich?

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Kennen Sie die Szenen aus dem Film „Der Medicus“, in denen die Bewohner von Isfahan im damaligen Persischen Reich sich, versehen mit in Panik gekauften Lebensmitteln und Wasser, in ihren Häusern einmauern lassen, um sich vor der Pest zu schützen? Wenn die Pest aber Eingang fand in die Häuser, half ihnen niemand mehr – nur Avicenna und seine Medizinstudenten, die aber medizinisch kaum etwas ausrichten konnten. Es sind Szenen, die wir uns mit wohligem Grausen angesehen haben. Es ist ja nur ein Film.

Was sich heutzutage in der Delta-Corona-Welle im Iran abspielt, ist allerdings nicht weit von den Filmszenen des „Medicus“ entfernt. Da die Regierung des heutigen Irans überzeugt war, ihre Wissenschaftler könnten innerhalb von kürzester Zeit einen eigenen Impfstoff gegen Corona entwickeln, versäumten sie als Verantwortliche dieses, mit – auch unter Sanktionsbedingungen – so viel Einnahmen aus Öl und Gas gesegnete, Land rechtzeitig einen gut wirkenden Impfstoff einzukaufen. Sogar ein Covax-Angebot für Impfstoff-Lieferungen mit Biontech wurde abgelehnt.*

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Was tun Sie dann als Familie im Iran? Sie schotten sich ab, versuchen sich und die Ihrigen zu schützen. So machten und machen es immer noch die iranischen Familien. Sie versuchen, so weit wie möglich unter sich zu bleiben. Und genau wie hier isolieren sich besonders die Älteren. Aber wenn Not am Manne ist, die erwachsenen Kinder an Corona erkranken und die Enkel unversorgt sind, dann fällt diese Schutzbarriere, dann sind die Älteren für ihre Kinder und Enkel da. Und das geschieht in Delta-Zeiten nun unvermeidlich, da die ungeimpften Erwachsenen sich auf der Arbeit, beim Einkauf, in der U-Bahn oder im Bus, anstecken. Außerhalb der Kernfamilie traut sich dann aber niemand im Iran, den Erkrankten zu helfen, die sonst im Iran so gut funktionierende Solidaritätsmaschine Großfamilie hat das Corona-Virus zerlegt. Selbst Krankenpfleger winken im Iran ab, wenn sie in eine Corona-Familie kommen sollen. Die Krankenhäuser sind schon seit Monaten komplett überlastet.

Würden deutsche Großeltern ihren Kindern und Enkelkindern in so einer Situation nicht beistehen? Hier könnten sie es, denn hier sind die Älteren mittlerweile mit einem wirksamen Impfstoff versorgt – allerdings mit einem klaren Restrisiko. Denn die bei uns einsetzten Impfstoffe sind wirksam, allerdings bei Älteren deutlich geringer als bei Jüngeren, und wenn dann noch eine immunsuppressive Therapie dazu kommt, liegt die Wirksamkeit sogar nur bei zwischen 38 und 63 Prozent.

Im Iran jedoch nimmt das Unheil zunehmend seinen Lauf. Die bereits durch den vorherigen Kontakt mit ihren Eltern infizierten, aber symptomlosen Enkel schleppen das Virus bei ihren Großeltern ein. Diese erkranken, da gleichfalls umgeimpft, vielfach schwer und, da die Krankenhäuser im Iran seit Monaten heillos überlastet sind, sterben sie entweder schon zuhause oder, zu spät in eine Klinik eingeliefert, innerhalb weniger Tage weg. Die offiziellen Todeszahlen des Iran sind sehr hoch, die inoffiziellen Schätzungen liegen um ein Vielfaches höher. Es gibt kaum noch eine Familie, die nicht zumindest einen oder mehrere Corona-Toten zu beklagen hat.

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Das ist aber noch nicht das Ende der Tragödie. In den Familien entwickelt sich nun die letzte zerstörerische Wirkung des Corona-Virus: ALLE fühlen sich schuldig. Die Enkelkinder, weil sie das Virus zu den Großeltern brachten. Die Eltern, weil sie ihre Kinder UND die Großeltern infiziert haben. Da können Außenstehende, Freunde und Bekannte, Ärzte und Krankenschwestern und – pfleger zehnmal beteuern, dass es nicht ihre Schuld ist, dass es das Virus ist, dass sie nichts für den Tod ihrer Lieben können. Aber bei den Erwachsenen bleibt das Schuldgefühl.

Vor allem aber bleibt es bei den Kindern. Ganz im tiefsten Innern sitzt dieses Trauma, der Schmerz, den Tod gebracht zu haben, da sitzt dieser immer wieder sich rührende Stachel der Schuld. Niemand kann ihnen das nehmen. Und gerade bei den Kindern wird dieses Schuldgefühl wohl nie ganz verschwinden.

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Ja, Kinder erkranken selbst selten schwer an Corona. Aber sie tragen innerhalb und als Teil ihrer Familien in Pandemie-Zeiten auch noch ganz andere, weit über die Infektion hinausgehende, anhaltende Schäden davon. DAS ist schrecklich.

Die Firma Biontech wird in den nächsten Wochen bei der Europäischen Arzneimittelagentur die Zulassung für ihren Corona-Impfstoff für Kinder ab 5 bis 11 Jahren beantragen. Bis Ende des Jahres erwartet Biontech auch Studienergebnisse für Kinder ab 6 Monaten.

Eine Corona-Impfung für Kinder, das ist nicht schrecklich, wie Til Schweiger meint, sondern im Gegenteil, eine Chance für Kinder, eine Chance für Eltern, eine Chance für die Familien, dem lange nachwirkenden Schuld-Teil der Corona-Tragödie zu entkommen!

  • Ganz nebenbei: Da lange spekuliert wurde, ob 5G beim Mobilfunk die Symptome von Corona auslösen würden, sei hier angemerkt, dass es in ganz Iran überhaupt noch nie einen Einsatz von 5G gegeben hat.
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Vaskulitis Nachrichten 6.14: Endlich auf der Ziellinie: EU-Zulassung von Mepolizumab für Eosophinile Granulomatose mit PolyAngiitis (EGPA)

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Darauf mussten Vaskulitis-Patienten mit EGPA doch sehr viel länger warten, als erwartet: Die EU-Zulassung von Mepolizumab (Markenname Nucala (R)). Im Januar 2016 sah es so aus, als dauere es nur noch wenige Monate, bis das Biological in der passenden Dosis für diese Vaskulitis-Form auf den Markt kommen würde, doch dann wurde das Zulassungsverfahren auf einmal ausgesetzt. Anscheinend waren die Wissenschaftler in den klinischen Tests auf neue Erkenntnisse zu dem monoklonalen Antikörper-Medikament gestoßen, die sie zunächst verarbeiten mussten, um das Zulassungsverfahren wieder aufgreifen zu können.

EGPA ist eine Form von Vaskulitis, bei der in den Wänden kleiner bis mittelgroßer Blutgefäße Entzündungen entstehen. Meistens zeigt sich die EGPA in ihrer Anfangsphase als Asthma im Erwachsenenalter, sowie als allergische Rhinitis oder Sinusitis. Im Verlauf der Erkrankung, die als Seltene Erkrankung oftmals erst sehr spät diagnostiziert wird, kommt es zu einer Schädigung der Lunge, der Nasennebenhöhlen, der Haut, des Herzens, des Magen-Darm-Trakts und des Nervensystems. Die Patienten klagen über Atemnot, sinonasale Symptome, Muskel- und Gelenkschmerzen, Gewichtsverlust und extreme Müdigkeit. Im Endstadium verläuft die Krankheit tödlich.

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Am 29. Oktober 2020 erklärte GlaxoSmithKline in einer Presseerklärung, dass das Unternehmen das Zulassungsverfahren für die Anwendung von Mepolizumab bei EGPA wieder bei der EMA eröffnet konnte. Verläuft das Verfahren weiterhin reibungslos, könnte die Zulassung von Mepolizumab endlich Ende diesen Jahres, also in 2021, stehen. Damit wäre der Interleukin-5-Hemmer das erste Medikament überhaupt, das in der EU für die Behandlung der EGPA zugelassen sein würde!

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Vaskulitis Nachrichten 6.13: Totimpfstoff für Covid-19 in Sicht

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Während es aus Israel erste ermutigende Studiendaten gibt, die zeigen, dass die dritte Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer von den Geimpften sehr gut vertragen wird, mit ähnlichen oder weniger Nebenwirkungen als bei der zweiten Impfung, wird es wahrscheinlich noch vor Jahresende eine Lösung in Form eines Totimpfstoffs geben für all jene Menschen, die sich nicht mit einem mRNA-Impfstoff impfen lassen wollen oder können.

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Der Impfstoffhersteller Valneva SE führt eine Phase III-Studie mit 4000 Probanden mit seinem Totimpfstoff VLA2001 durch. Die ersten beiden klinischen Prüfungen hatten eine gute Verträglichkeit und hohe Impfreaktion gezeigt. Gleichzeitig hat das Unternehmen die begleitende Zulassung des Impfstoffs bei der britischen Behörde MHRA für Groß-Britannien beantragt. Eine zweite Phase III-Studie, die parallel in diesem Monat angelaufen ist, untersucht die Wirksamkeit des Impfstoffs bei älteren Probanden und gegen die Delta-Variante von Covid-19. Eine weitere Studie des britischen Gesundheitsministeriums will die Eignung von VLA2001 als Booster-Impfstoff klären. Erste Ergebnisse dieser Studie sollen bereits im September vorliegen.

Sollte die Phase III-Studie mit guten Resultaten abgeschlossen werden können, könnte das Vakzin, das, wie viele herkömmliche Impfstoffe gegen andere Erreger, aus inaktivierten Virenpartikeln besteht, schon vor Ende diesen Jahres dort zugelassen werden. In der EU würde die Zulassung erst dann, also im 4. Quartal 2021, beantragt werden. Verhandlungen mit der EU führt Valneva zur Zeit über Impfstofflieferungen im Jahr 2022 und 2023.

Einen Wermutstropfen müssen die Impfwilligen dann jedoch in Kauf nehmen: Im Gegensatz zum Biontech-Impfstoff, der keinerlei Impfstoffverstärker benötigt und also auch nicht enthält, beinhaltet die Rezeptur von VLA2001 sogar zwei Impfstoffverstärker:  Aluminiumhydroxid und CpG-Oligonukleotid 1018.

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Vaskulitis Nachrichten 6.12: Ist Long-Covid eine Autoimmunkrankheit?

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Das Auge ist der Spiegel der Seele – die Meisten von uns kennen diesen Spruch. Im Fall von Long-Covid scheint das Auge das Tor zu einer Long-Covid-Heilung zu sein!

Nach einer überstandenen Infektion mit Covid-19 sich über Monate nicht gesund fühlen zu können, das ist nicht nur hart für Körper und Seele, das kann auch gravierende Folgen für die Berufstätigkeit und das wirtschaftliche Überleben haben. Tatsächlich kämpfen ca. 10% der sogenannten „Genesenen“ von Covid-19 mehr als drei Monate nach ihrer leichten bis mittelschweren Corona-Erkrankung (!) oder ihrem Krankenhausaufenthalt noch mit extremen Erschöpfungszuständen, Fatigue genannt, mit Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit und dem Fehlen ihres Geruchs- und Geschmacksinns. Long-Covid, wie dieses Phänomen mittlerweile genannt wird, stand bald unter dem Verdacht, Folge einer autoimmunen Störung zu sein, Pro Vaskulitis berichtete im Februar diesen Jahres darüber.

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Drei Long-Covid-Patienten, die außer den bereits erwähnten Symptomen auch noch Gleichgewichts-, Koordinations- und Gedächtnisstörungen, Muskelzuckungen und Lähmungen in ihren Extremitäten, sowie eine verringerte Durchblutung der kleinen Blutgefäße in der Netzhaut ihrer Augen aufwiesen, haben Mediziner der Augenklinik der Universität Erlangen auf die Spur eines möglichen Medikaments gegen Long-Covid gesetzt. Dieses Medikament, mit dem Namen BC 007, ist von dem Spin-Off-Unternehmen „Berlin Cures“ des Max Delbrück Center (MDC), der Charité, Berlin and des Deutschen Herzinstituts, Berlin ursprünglich zur Behandlung von Herzkrankheiten entwickelt und in klinischen Tests erprobt worden. Es stellte sich dabei heraus, dass es sich auch zur Behandlung von Minderdurchblutungen der Netzhaut der Augen eignet.

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Die Erlanger Wissenschaftler vermuteten bei ihren Long-Covid-Patienten, dass nicht nur ihre Netzhaut weniger durchblutet war, sondern dass die Durchblutung im ganzen Körpers gestört war. So kam es, dass die Erlanger Ärzte das Medikament auch bei ihren Long-Covid-Patienten einsetzten – und feststellten, dass sie damit nicht nur die Minderdurchblutung erfolgreich therapieren konnten, sondern auch die oben genannten anderen Symptome der Betroffenen, teilweise bereits nach der ersten Infusion, deutlich zurückgingen.

BC 007 bindet und neutralisiert ß1-adrenerge-Rezeptor-Autoantikörper. ß1-adrenerge-Rezeptoren sind Andockstellen auf der Oberfläche menschlicher Zellen, vor allem des Herzens, der Niere, aber auch der Blutgefäße, die ein Rolle spielen bei der Steuerung der Funktion dieser Organe. Vom Körper selbst ausgeschüttete Antikörper, sogenannte Autoantikörper, blockieren diese Andockstellen und damit auch ihre Steuerungsfähigkeit. Normalerweise kann der Körper im Zusammenspiel zwischen den Rezeptoren und den Autoantikörpern die Funktionen der Organe in einem Gleichgewicht halten. Wird aber das Zusammenspiel zwischen den Rezeptoren und den Autoantikörpern gestört, bricht dieses Gleichgewicht zusammen und es entsteht eine autoimmune Störung. BC 007 greift in eine solche Störung des Immunsystems der Patienten ein und reguliert sie herunter oder hebt sie sogar ganz auf.

Folgende Hypothese sei also erlaubt:

Long-Covid scheint eine Autoimmunerkrankung zu sein, die sich aufgrund der Infektion mit Covid-19 entwickeln kann, darauf weisen die Erfolge bei der Behandlung der drei Long-Covid-Patienten der Augenklinik der Universität Erlangen hin.

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Jede Hypothese muss aber erst einmal bewiesen werden, bevor sie als wahr akzeptiert werden kann. Die Erlanger Forscher werden in einer klinischen Studie nun zunächst einmal überprüfen, ob sich die Therapieerfolge gegen Long-Covid mit BC 007 an einer größeren Gruppe von Patienten wiederholen lassen. Sie hoffen, dass die Studie noch in diesem Jahr wird starten können. Interessierte Long-Covid-Betroffene können sich dafür bereits jetzt unter der E-mail-Adresse

recover.au(at)uk-erlangen.de

melden. Sobald die Forschungsgelder und die Studie genehmigt sind und bekannt ist, wann die Studie starten kann, wird die Universitätsklinik dann mit ihnen Kontakt aufnehmen.

Bleiben für Pro Vaskulitis noch folgende offene Fragen:

  • Warum tritt die autoimmune Störung „nur“ bei 10% aller Covid-19-Erkrankten und nicht bei allen Infizierten auf?
  • Könnte BC 007 auch beim Chronic Fatigue Syndrom und bei anderen Autoimmunerkrankungen und bei Vaskulitiden wirken? Bekannt ist nämlich, dass bestimmte ß1-adrenerge-Rezeptoren, also die Steuerungspunkte, bzw. die auf sie gerichteten Autoantikörpern, bei denen BC 007 eingreift, bei einer Granulomatose mit PolyAngiitis, sowie bei einem Systemischen Lupus erythematodes nicht einwandfrei funktionieren.

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Vaskulitis Nachrichten 6.11: Corona-Impfung und Vaskulitis- und organtransplantierte Kinder

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Manchmal bin ich fassungslos, wie im Netz mit Halbwahrheiten gearbeitet wird. So empörte sich jüngst ein Blogger darüber, dass Biontech/Pfizer eine klinische Studie aufgelegt haben, mit der die Corona-Impfung bei Menschen ab 2 Jahren Alter, die immunsuppressiv behandelt werden, getestet werden soll. Es handelt sich also um Menschen, die autoimmun erkrankt sind oder ein Organ transplantiert bekommen haben – wie Vaskulitis-Patienten, unter denen es ja auch Kinder gibt. Der Blogger und seine Follower wüten gegen die Pharmafirmen, dass sie nun auch noch todkranke Kinder dem Corona-Impfstoff aussetzen, sie, wie sie meinen, schwer gefährden würden. Eltern, so der Blogger und seine Anhänger, sollten ihre Kinder davor schützen.

Da kann ich wirklich nur noch mit dem Kopf schütteln. Der Blogger – angeblicher Journalist hin oder her – hat offensichtlich etwas grundlegend falsch verstanden:

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Ein Mensch, der an einer Vaskulitis erkrankt und ein Mensch, bei dem ein lebenswichtiges Organ versagt, sind todkrank, richtig. Beide werden dann jedoch immunsuppressiv behandelt, der eine, um die autoimmune Krankheitsaktivität zu unterdrücken, der andere, um zu verhindern, dass das hoffentlich transplantierte Organ vom eigenen Immunsystem wieder abgestossen wird. Die immmunsuppressive Therapie rettet Vaskulitispatienten und die Organtransplantierten also vor dem sicheren Tod. Sobald diese Therapie anschlägt, sind die Patienten also gerade eben nicht mehr todkrank! Sie sind natürlich chronisch krank, aber sie sind zurück im Leben! Wären sie tatsächlich noch todkrank, würden sie zu der Biontech/Pfizer-Studie garnicht zugelassen werden.

Die Leben rettende immunsuppressive Therapie bewirkt nun aber auf der anderen Seite, dass das Immunsystem des Betreffenden nicht mehr wie bei einem Gesunden arbeitet. Es ist nicht mehr in der Lage, eine Infektion in dem Ausmaß, mit derselben Kraft und auf dieselbe Weise abzuwehren, wie es das Immunsystem eines Menschen tun würde, der nicht immunsuppressiv behandelt wird. Das bedeutet, Vaskulitis- oder organtransplantierte Patienten, ob Kind oder Erwachsener, sind deutlich empfänglicher für eine Infektion. Und Infektionen verlaufen bei diesen Patienten generell deutlich schwerer und länger als bei einem gesunden Menschen, bis potentiell hin zu einer tödlichen Gefährdung. Eine Impfung, wie gegen Grippe, Tetanus, Keuchhusten oder eben Corona, gefährdet Vaskulitis- und organtransplantierte Kinder nicht, im Gegenteil, sie hilft, den Immun-Nachteil, den die immunsuppressive Therapie auslöst, aufzufangen.

Impfungen retten dadurch Kinderleben!

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Eltern von Vaskulitis- und organtransplantierten Kindern sehen sich immer wieder damit konfrontiert, dass die Medikamente, die ihre Kinder erhalten müssen, um mit ihrer Krankheit überleben zu können, nicht ausreichend für die Anwendung bei Kindern getestet sind. Sie müssen dann dieses Risiko und diese Ungewissheit, ob unbekannte Nebenwirkungen bei ihrem Kind auftreten werden, in Kauf nehmen. Eltern von Kindern mit der Vaskulitisform Takayasu kennen dieses Dilemma nur allzu gut!

Leider sind wir heute (immer noch) nicht in der Lage, neue Impfstoffe oder Medikamente ausschließlich an Zellkulturen oder mit Computermodellen ausreichend sicher zu testen. Klinische Tests an Freiwilligen – und wenn wir für Eltern Sicherheit schaffen wollen, auch an Kindern – werden daher auch in Zukunft nötig sein. Dass dabei die bestmöglichen Sicherheitsstandards eingehalten werden, müssen selbstverständlich nach bestem Wissen entsprechende Gesetze, Kontrollen und wissenschaftliche Standards gewährleisten.

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Vaskulitis Nachrichten 6.10: Im September: Dritte Impfung für Autoimmun-Patienten!

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Nach mehreren wissenschaftlichen Studien, die eine verringerte Impfreaktion bei Autoimmun-Patienten auf den Corona-Impfstoff Biontech nachgewiesen haben – Pro Vaskulitis berichtete darüber – , und angesichts des Ansteigens der Corona-Infektionen hat die Konferenz der Gesundheitsminister der Länder und die Bundesregierung nun die Konsequenz gezogen. Wie der Deutschlandfunk heute berichtete, sollen

ab September Menschen, die immunsuppressiv behandelt werden, sich mit einer dritten Impfdosis impfen lassen können. Diejenigen, die ihre ersten Impfdosen mit Astra Zeneca oder Johnson & Johnson erhalten haben, können als ihre dritte Impfdosis Biontech wählen.

Tatsächlich kommt diese Entscheidung gerade noch rechtzeitig. Die Delta-Variante des Corona-Virus hat sich als hochansteckend herausgestellt. Ihre Infektiosität ist genauso hoch wie die des Windpocken-Virus. Im Klartext heißt das, dass jeder sich – auch in der frischen Luft , also sogar außerhalb von Innenräumen (!) -, bei einem Virusträger ansteckt, der sich nicht ausreichend mit einer medizinischen Maske schützt. Es sei denn, man ist durch eine Impfung oder vorherige Covid-19-Erkrankung ausreichend geschützt. Die Zahl der Krankenhauseinweisungen steigt außerdem wieder, darunter auch von Menschen, die bereits zwei Impfdosen erhalten hatten.

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Deutschland kann es sich leisten, eine dritte Impfdosis an besonders gefährdete Bürger auszuteilen. Corona-Impfstoff ist, im Gegensatz zum ersten Halbjahr 2021, nun genügend vorhanden. Zudem müssen aufgrund des Desinteresses von Teilen der Bevölkerung an ihrer Impfung Hausärzte mittlerweile ungenutzte Impfdosen entsorgen. Teilweise müssen manche Länder auch Impfdosen kurz vor dem Ablaufen der Gültigkeit an den Bund zurückgeben – in der Hoffnung, dass der Impfstoff woanders vielleicht doch noch genutzt werden kann.

Nach einer dritten Impfung von Gesunden (!) steigt die Anzahl der Antikörper gegen Covid-19 laut Daten von Biontech /Pfizer, gegen den ursprünglichen Corona-Typ um das 5 – 8 fache, gegenüber der Beta-Variante um das 15-21fache und gegenüber der Delta-Variante um das 5-11fache. Die Zulassung für die dritte Impfdosis soll sowohl bei der EMA, als auch bei der FDA bereits von Biontech/Pfizer eingereicht werden, bzw. laufen. Kritiker bemängeln zur Zeit noch, dass die Anzahl der Probanden bei den Tests der dritten Impfung zu klein war, um unerkannte Nebenwirkungen ausschließen zu können.

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Wie gut oder schlecht die Impfreaktions-Werte nach einer dritten Impfung bei immunsuppressierten Patienten aussehen, ist ebenfalls noch unklar, da zum jetzigen Zeitpunkt die statistisch relevanten, genauen Daten hierzu noch fehlen. In wenigen Einzelfällen konnte jedoch ermittelt werden, dass die Anzahl der Antikörper durch eine weitere Impfung auch bei Autoimmunpatienten deutlich gesteigert werden kann. Biontech/Pfizer werden erst am 01. September 2021 eine Studie mit insgesamt 360 Probanden ,die immunsuppressiv behandelt werden, darunter Autoimmunerkrankte und Organtransplantierte, beginnen, bei der die Wirksamkeit und Nebenwirkungen von 3 Impfungen mit dem mRNA-Corona-Impfstoff beobachtet werden soll. Zur Zeit können sich noch Interessierte in den USA als Teilnehmer melden.

Um eine möglichst gute Impfreaktion zu erzielen, empfiehlt Pro Vaskulitis auf jeden Fall ihren Mitgliedern, ihre dritte Impfung gut zu planen. Daher ist es sinnvoll, sich vor der Impfung mit dem behandelnden Arzt über den Impfstoff, mögliche Nebenwirkungen und vor allem den Zeitpunkt der dritten Impfung in Zusammenhang mit der eigenen Vaskulitis-Therapie zu beraten.

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Bitte um Hilfe für die Menschen, die in der Flut alles verloren haben!

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Eigentlich bittet Pro Vaskulitis auf diesem Blog immer um Spenden für die Vaskulitis-Forschung.

Das Ausmaß der Flut-Katastrophe in NRW, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Bayern ist aber so groß – die betroffenen Gebiete sind zusammen ungefähr so groß wie die Niederlande -, dass Pro Vaskulitis nun an dieser Stelle um Spenden für die Opfer dieser Katastrophe bittet.

Viele Menschen stehen nun vor dem Nichts. Ihre Häuser und Wohnungen sind geflutet oder weggeschwemmt worden. Sie haben ihren gesamten Hausstand verloren. Kleine Geschäftsleute stehen vor dem Aus. Viele sind nicht gegen Elementarschäden versichert gewesen, weil in ihrer Gegend eine solche Flut noch nie aufgetreten ist.

Wenn Sie helfen wollen, aus dem In- oder Ausland, dann spenden Sie bitte – mit dem Stichwort „Hochwasser Deutschland“ auf das Konto des Zusammenschlusses vieler deutscher, renommierter Hilfsorganisationen, u.a. der Johanniter und der Malteser:

Aktion Deutschland Hilft e.V.

Kontonr: DE 62 3702 0500 0000 1020 30

bei der Bank für Sozialwirtschaft

BIC: BFSWDE 33XXX

Nachtrag:

Am Freitag, dem 23.07.2021 wird es in der ARD ab 20:00 Uhr eine große Spendengala der Aktion Deutschland Hilft e.V. für die Flutopfer geben.

Spenden Sie bitte großzügig!

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