Autumn

Hans

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The thistledown’s flying, though the winds are all still,
On the green grass now lying, now mounting the hill,
The spring from the fountain now boils like a pot;
Through stones past the counting it bubbles red-hot.

Deskmedia

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The ground parched and cracked is like overbaked bread,
The greensward all wracked is, bents dried up and dead.
The fallow fields glitter like water indeed,
And gossamers twitter, flung from weed unto weed.

gpmproject

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Hill-tops like hot iron glitter bright in the sun,
And the rivers we’re eying burn to gold as they run;
Burning hot is the ground, liquid gold is the air;
Whoever looks round sees Eternity there.

John Clare (1793-1864)

Valiunic2

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Vaskulitis Nachrichten 3.8: Kann er auch fliegen?

kurznachrichten1

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Wenn sie ihre Erfindung patentiert hätte, wäre Aina Wifalk reich geworden, vermutlich sogar sehr, sehr reich! Alleine in Deutschland wurde damit 2012 ein Umsatz von  rund 33 Millionen Euro erzielt.* Aber ein Wirtschaftsegoismus à la Trump war ihre Sache nicht. Als halbe Krankenschwester – bei Ausbruch der Kinderlähmung hatte sie ihre Ausbildung abbrechen müssen – und Sozialwissenschaftlerin, die selbst ihren gesamten Alltag mit einer Gehbehinderung bewältigen musste, verstand sie nur zu gut, was für ein Fortschritt ihre Erfindung gegenüber der althergebrachten, vierbeinigen Gehhilfe für Behinderte und alte Menschen bedeuten konnte. Die Schwedin entschied sich bewußt gegen eine Patentierung, um allen Menschen mit Handycap weltweit eine Nutzung ihres 1978 entworfenen Rollators zu ermöglichen. Außer dem Nobelpreis, Pippi Langstrumpf, Abba, Knäckebrot und Ikea Möbeln verdanken wir Schweden also auch den Rollator!

monika1607

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Nicht nur ältere Menschen, sondern auch Vaskulitis-Patienten schulden Aina Wifalk für ihre Großzügigkeit Dank. Denn der Ausbruch einer Vaskulitis kann eine Nervenschädigung der peripheren Nerven – also der Nerven, mit denen ein Mensch seine Beine, Füsse, Arme und Hände kontrolliert und steuert- nach sich ziehen. Der medizinische Fachausdruck für diese Schädigung lautet Polyneuropathie. Durch Krankengymnastik und Ergotherapie kann ein Betroffener lernen, trotz seiner Polyneuropathie im Alltag zurechtzukommen. Manch Einer schafft es, aus dem Rollstuhl herauszukommen und wieder laufen zu können, wenn auch mit mehr Mühe und vorsichtiger als vor dem Ausbruch seiner Vaskulitis. Dann kann ein Rollator eine willkommenes Hilfsgerät sein.

moritz320

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Wie komme ich an einen Rollator?

Der behandelnde Arzt kann, wenn eine Gehbehinderung oder Gehunsicherheit, z.B. auch durch Schwindelanfälle besteht, ein Kassenrezept für einen Rollator ausstellen. Darauf sollte vermerkt sein, um was für einen Rollator es sich handeln soll.

Der Standardrollator der gesetzlichen Krankenkassen ist für die Patienten gedacht, die nur von einer geringfügigen Gehunsicherheit betroffen sind. In Gesprächen mit älteren Frauen, die auf ihren Rollator angewiesen sind, habe ich jedoch gehört, dass sie sich nicht trauen, mit ihrem Standardmodell-Rollator Bus oder Bahn zu fahren, weil er für sie viel zu schwer ist, als dass sie ihn ohne Weiteres in den Bus /Bahn heben bzw. dort bei der Fahrt sicher halten könnten.Wirklich mobil hat der schwere Standard-Rollator, der oft ein Gewicht von rund 14 Kg hat, diese Frauen also nicht gemacht. Da fragt man sich, warum er ihnen überhaupt verschrieben wurde…

Menschen mit weitreichenderen Gehproblemen, wie sie durchaus eine Polyneuropathie verursachen kann, aber auch Muskel- und Gelenkerkrankungen oder auch eine Lungenschädigung sollten einen Leichtgewicht-Rollator, möglichst unter Angabe des Höchstgewichts, verschrieben bekommen. Er lässt sich leichter über unebene Flächen,  wie Pflasterwege, fahren, über Bordsteine anheben, und in Bus und Bahn manövrieren. Wenn im Hilfsmittelverzeichnis der betreffenden Krankenkasse das anvisierte Modell steht, kann der Arzt im Rezept auch direkt die entsprechende Nummer notieren. Die Kasse – die Beträge sind je nach Kasse unterschiedlich – übernimmt dann einen höheren Geldbetrag als für den Standardrollator, wenn der Patient sich nicht für ein Leihgerät eines Sanitätshauses, sondern für den Kauf entscheidet. Das allerdings wird ihn zwischen 100 und ca 450 Euro zusätzlich kosten. Entscheidet er sich für ein Leihgerät, erhält er ein robustes Kassenmodell, in der Regel für einen Zeitraum zwischen drei und fünf Jahren, das von dem liefernden Sanitätshaus dann auch gewartet wird.

Kann er auch fliegen?

congerdesign

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Vierzig Jahre nach Aina Wifalks erstem Entwurf ähneln zwar alle auf dem Markt erhältlichen Rollatoren im Grundsatz dem allerersten Modell. Alle haben Räder, alle haben Handgriffe und Bremsen, sowie eine Sitzmöglichkeit. Damit aber hören die Ähnlichkeiten schon auf.

Heute gibt es Modelle für Rheumapatienten, deren Hände und Handgelenke betroffen sind. Sie verfügen über Unterarmstützen und Bremsbügel anstatt Handbremsen. Für Menschen, die mit einem Fuss nicht auftreten können, wurden die sogenannten orthopädischen Roller entwickelt. Sie sind gebaut wie Dreiräder mit einer aufgesetzten individuell angepassten Formschale, in die ein Bein gestützt werden kann. Patienten, die nur kurze Strecken laufen können, können auf Modelle zurückgreifen, die sich mit wenigen Handgriffen in einfache Schub-Rollstühle verwandeln lassen. Menschen, die an Parkinson leiden, finden Rollatoren, die auf ihre Bedürnisse und Fähigkeiten abgestimmt sind. Es gibt Rollatoren aus Aluminium oder aus Carbon, mit Einkaufstasche oder -netz, mit Regenschirm -, Getränke- oder Gehstockhalter, mit Tablett, es gibt besonders schmale Rollatoren für den Hausgebrauch und es gibt sogenannte Outdoor-Rollatoren, die selbst auf einem ebenen Waldboden noch einigermaßen passabel laufen. Sie verfügen über größere, griffigere Räder.  Die neueste Entwicklung ist der Elektro-Rollator, der das Gehen besonders in hügeligem Gelände erleichtern soll, weil er sich von selbst schiebt. Er verfügt sogar über einen GPS-Tracker, damit sein Besitzer ihn überall wiederfindet.

Und nein, fliegen kann er noch nicht. Aber das kommt bestimmt noch! 😉

jplenio

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Wer die Wahl hat, hat die Qual – Informieren und Ausprobieren vor dem Kauf!

Vaskulitis-Patienten sind daher gut beraten, sich vor einem Kauf die eigenen Anforderungen – vor allem, geht es eher um den Gebrauch innerhalb der Wohnung oder außerhalb, in der Stadt oder auf dem Land bzw. in der Natur – klar  und sich sodann selbst kundig zu machen, über das Internet und den Besuch mehrerer Fachgeschäfte, in der Regel Sanitätshäuser. Denn der erste und einzigste Test der Stiftung Warentest liegt bereits vier Jahre zurück. Seitdem sind neue Modelle auf den Markt gekommen und manch altes Modell wird nicht mehr angeboten. Überhaupt ist die Auswahl von im einzelnen Sanitätshaus vorhandenen Rollatoren, d.h die man auch ausprobieren kann,  in der Regel recht beschränkt. Oftmals sind nur Geräte von zwei, vielleicht drei Herstellern vorhanden.

Auf eine gute Fachberatung in den Sanitätsgeschäften sollte man zudem nicht immer hoffen. Von drei Sanitätshäusern, die die Autorin besuchte, konnte nur eines in der Beratung überzeugen. In den anderen zwei kannten sich die Beraterinnen weder in den Unterschieden und Merkmalen der einzelnen Modelle ausreichend aus, noch konnten sie vor allem die technischen Unterschiede gut erklären, wie

  • eine Felgenbremse versus Radbremse – relevant für den Radverschleiss und die Bremswirkung. Eine auf dem Reifen aufliegende Bremse sorgt für einen schnellen Verschleiss der Reifen und ist gerade bei Schnee und Matsch nicht so effektiv. Ein solcher Rollator eignet sich eher für den Innenbereich. Eine innenliegende Felgenbremse setzt sich dagegen bei Schnee und Matsch im Gegensatz zu den außengeführten Bremsen nicht zu – ,
  • ein außen- oder innengeführter Bremszug – ersterer ist leichter zu warten, der letztere ist dagegen sicherer, denn man kann damit nicht irgendwo oder an irgendetwas hängenbleiben – ,
  • verschraubte oder vernietete Gelenkverbindungen – letztere sind kaum zu reparieren ,erstere müssen immer wieder kontrolliert und evtl. nachgezogen werden -,
  • Hartgummi- versus Weichgummiräder – mitentscheidend für den Laufkomfort des Rollators. Weichgummiräder dämpfen Unebenheiten ab und erleichtern die Überwindung von Hindernissen, wie Bordsteine, sie sind also für Rollatoren wichtig, die im Außenbereich genutzt werden. Auch Lufträder bieten diese Eigenschaften, allerdings muss ein platter Luftreifen eben auch mal geflickt werden. Hartgummiräder verschleißen weniger schnell, sind aber eher für ebene Flächen, wie im Innenbereich, geeignet. -,
  • festverbaute versus austauschbare Räder – letztere erlauben eine einfachere Reinigung, sowie die Nutzung von Rädern für unterschiedliche Geländearten/Böden und Witterungsverhältnisse, sind also gerade dann empfehlenswert, wenn der Rollator viel draußen genutzt werden soll.
  • größere versus kleinere Räder – je größer die Räder, umso leichter lässt sich ein Rollator schieben; aber wer ihn nur oder vorwiegend im Haus nutzen will, ist mit den kleineren und daher auch platzsparenden Rädern möglicherweise besser bedient.

Natürlich können Sie einen Rollator auch im Kaufhaus oder im Internet kaufen, aber falls das Gerät einmal gewartet werden muss, etwa weil es neue Bremsklötze braucht, oder gar eine Reparatur nötig wird, stehen Sie ohne festen Ansprechpartner da, auch wenn Fahrradgeschäfte manchmal einspringen.

Und ausprobieren sollte man einen Rollator unbedingt! So kann man selbst feststellen, wie leicht er sich fahren lässt, auch über Bodenschwellen, Pflaster- und Kieswege im Park und Bordsteine. Liegt er stabil in der Hand? Scheuen Sie sich nicht, fahren Sie mit dem anvisierten Rollator ihren Elchtest vor dem Kauf!

Efraimstocher

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Weitere Kriterien, an die sie bei der Auswahl eines Rollators denken können:

  • Hat der Rollator eine Federung, sodass nicht jede Unebenheit am Boden sich direkt auf die Hände und Schultern überträgt? Wer schon mal einen Kinderbuggy über eine längere Kopfsteinpflasterstraße gefahren hat, weiß, wovon ich rede!
  • Wie groß ist sein Wendekreis? Wie leicht lassen sich eng beieinanderstehende Hindernisse, wie etwa in einem Kaufhaus oder in der eigenen Wohnung, umfahren?
  • Ist die Sitzfläche ausreichend groß und stabil, auch wenn man einen dicken Wintermantel an hat? Stimmt die Sitzhöhe? Die Füsse sollten beim Sitzen auf den Boden kommen. Bietet die Rückenlehne genügend Halt?
  • Ist die Einkaufstasche stabil, aber leicht abnehmbar und mit einem Tragegriff versehen, sodaß man die Einkäufe einfach in die Wohnung tragen kann?
  • Passt der Rollator durch die eigene Wohnungs-/Haustür und durch Türen innerhalb der Wohnung?
  • Verfügt er über eine Kippfunktion, um Bordsteine besser bewältigen zu können, und lässt sie sich leicht bedienen?
  • Sind die Bremsen leicht zu ziehen und wieder zu lösen, und sind sie richtig eingestellt?
  • Besitzt der Rollator Reflektoren für die bessere Sichtbarkeit auch in dunklen Wintermonaten? Und wie ist es mit einer Fahradklingel?
  • Ist der Rollator leicht genug, um ihn in einen Bus oder eine Bahn oder einen Kofferraum heben zu können? Ist er zusammen-und auseinanderzuklappen, und fällt Ihnen das leicht oder eher schwer? Gibt es eine Hülle als Zubehör, um den Rollator ggfgs. auch als Flug- oder Bahngepäck aufgeben zu können?
  • Wenn er zu zweit genutzt werden soll, lassen sich die Armgriffe leicht auf die jeweils notwendige Höhe verstellen?
  • Lassen sich die Räder, vor allem nach einem Ausflug im Herbst und Winter, leicht von Matsch und Schnee reinigen?
  • Und schließlich: Welche Garantie gibt der Hersteller auf seinen Rollator? Wie lange stellt er Ersatzteile bereit?

Mein Tipp: Manche Sanitätshäuser bieten ihren Kunden auch an, den Wunschrollator für ein paar Tage zuhause auszuprobieren.

cocoparisienne

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Mit Training klappt es auch mit dem Rollator

So einen Rollator fahren, kann doch jeder, oder? Er sieht doch fast so aus wie ein Kinderwagen!

Wer so denkt, irrt und das Resultat ist oft auf den Strassen zu sehen: Menschen, die gebückt den Rollator vor sich her schieben, eben, wie einen Kinderwagen, anstatt aufrecht zwischen den Rädern zu laufen. Kein Wunder, dass die dauerhafte Nutzung eines Rollators dann als rückenbrechender Kraftakt empfunden wird!

Alle Praxisfragen des Rollatorfahrens können aber, und das empfiehlt sich, in einem speziellen Rollatortraining, das inzwischen verschiedene Anbieter, u.a. die Polizei und die Verkehrswacht, bereitstellen, geklärt und die Lösungen eingeübt werden.

Wie bekomme ich meinen Rollator kräftesparend und halbwegs elegant – ohne eine galanten Helferin zu bitten – in einen Bus, der keinen absenkbaren Boden hat? Wie stabilisiere ich meinen Rollator im Bus ? Wie komme ich mit meinem Rollator in einer Menschentraube an einer Ampel über die Strasse? Wie laufe ich mit meinem Rollator bergan oder bergab, ohne dass er mir davonrollt oder mich überrollt?

Es ist noch kein Rollatormeister vom Himmel gefallen, aber auf der Erde einer werden, das kann mit Training jeder!

In diesem Sinne: Rollatori, Glück auf!

Antranias

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*Entwicklung von Absatz, Umsatz und Durchschnittspreis von Rollatoren in Deutschland at in den Jahren von 2008 bis 2012″
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Geschützt: Vaskulitis Nachrichten 3.7: Fatigue – Neuer Ansatzpunkt für die Forschung! Exklusiv für Pro Vaskulitis-Mitglieder

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Sternenstaub

Der Abend dehnt sich scheinbar endlos aus, bis das Abendrot den Horizont schmückt und die Sterne im aufziehenden Dunkel anfangen zu funkeln. Überwältigend schön ist der Sternenhimmel. Von unfassbarer Größe, unendlich weit und tief, geheimnisvoll. Wir dagegen verschwindend klein. Das Sternenuniversum stutzt uns zurück auf unser eigentliches Maß. Mikroben im kosmischen Vergleich. Unsere Konflikte, Pläne, Aktionen, sind sie mehr als das Spiel von Einzellern? Es gibt so viel Größeres als uns.

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Nur, wer sieht den Sternenhimmel überhaupt noch?

Eine alte Inuit-Frau berichtet im Film „Sternenjäger“, der über fünf Astrofotografen berichtet, von der alten Zeit, als ihr Volk kein elektrisches Licht hatte. Für sie und ihre Altersgenossen war der Nachthimmel, vor allem in der drei Monate langen Polarnacht des arktischen Winters, ein integraler Teil ihres Lebens. Mit den funkelnden Sternen, fallenden Kometen und den flackernden Nordlichtern hatte er eine besondere,  weil in ihre Religion eingepasste Bedeutung.

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Aber jetzt gehen auch die Inuit im hohen Norden dieses Planeten im Dunkeln kaum noch vor die Tür. Die Nordlichter, Sterne und Kometen sind durch die elektrischen Lichter der Häuser und das Flackern der TV-Bildschirme ersetzt, sie überstrahlen sie völlig. Damit haben wir Menschen uns unser eigenes „Licht-Universum“ geschaffen, das sich an unseren Maßstäben – also an uns selbst- orientiert und unseren Horizont begrenzt. Auf dieses menschengemachte Universum fiixieren wir uns immer mehr. Wir bewegen uns fast ausschließlich darin. Den Blick nach draußen, auf das, was uns als Menschen übersteigt, suchen und finden wir immer weniger.

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Wozu auch? Die alten Mythen sind entzaubert. Wir wissen ja auch so viel mehr als früher, oder nicht?

Eine Aurora Borealis – das Nordlicht – besteht aus Sauerstoffmolekülen, die durch das Zusammenstossen mit elektrisch geladenen Protonen des Sonnenwindes Lichtenergie abgeben. Damit ist alles geklärt. Der Rest ist Romantik, oder?

Sind  die religiösen Erzählungen der Eskimos, wie die aller indigenen Völker, in denen Naturerscheinungen und -elemente einen zentralen Platz einnehmen, lediglich Phantastereien, Märchen, Unsinn?

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Lassen wir einmal die Labrador Eskimos  zu Wort kommen:

„The ends of the land and sea are bounded by an immense abyss, over which a narrow and dangerous pathway leads to the heavenly regions. The sky is a great dome of hard material arched over the Earth. There is a hole in it through which the spirits pass to the true heavens. Only the spirits of those who have died a voluntary or violent death, and the Raven, have been over this pathway. The spirits who live there light torches to guide the feet of new arrivals. This is the light of the aurora. They can be seen there feasting and playing football with a walrus skull.

The whistling crackling noise which sometimes accompanies the aurora is the voices of these spirits trying to communicate with the people of the Earth. They should always be answered in a whispering voice. Youths dance to the aurora. The heavenly spirits are called selamiut, „sky-dwellers,“ those who live in the sky. „(Ernest W. Hawkes:“ The Labrador Eskimo“)

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Diese Darstellung entspricht natürlich nicht den wissenschaftlichen Erkenntnissen. Allerdings, liebe Leser, das muss sie auch garnicht! Denn sie hat eine ganz andere Funktion und Intention, als die Erklärung eines naturwissenschaftlichen Phänomens.
 
Stellen Sie sich einmal vor, Sie müssten einem Menschen, der keinerlei Geschmackssinn hat, verständlich machen, was Geschmack an sich und ein besonderer Geschmack ist, wie würden Sie das machen? Wie würden sie ihm diese völlig andere Welt begreiflich machen? Würden Sie nicht zu Vergleichen greifen, etwa:
Geschmack ist für den Mund wie Licht für die Augen?
Ein Erbeereis-Geschmack ist wie ein nach Weiss hin zerschmelzendes Rot?
 
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Bei den Mythen der Labrador-Eskimos, also auch der hier zitierten Sternenhimmel-Erzählung, handelt sich um die Nutzung von Naturerscheinungen, die die Eskimos tag –  und nachttäglich umgaben, als Bilder, also Symbole, um grundlegende Aussagen metaphysischer* Art zu treffen über den Menschen, seinen Platz im Universum, das Universum selbst, seinen Schöpfer und das Ziel des Menschseins.

Die Natur ist für die Eskimos ihr religiöses “ Heiliges Buch“, in dem ihre metaphysischen Lehren ablesbar und immer präsent sind. Die Natur verstehen sie als die direkte Kundgebung Gottes. Nicht der Rabe an sich wird verehrt – wie frühere Ethnologen es als Polytheismus missverstanden -, sondern der Rabe als Reflexion oder auch Abbild einer bestimmten göttlichen Eigenschaft. Deshalb sind die Eskimos aufs Engste mit der Natur verbunden. Deshalb ist die sie umgebende Natur, deshalb ist auch der Sternenhimmel so unersetzlich für sie.

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Die Mythen der Eskimos – wenn sie noch intakt übermittelt wurden** – vermitteln Wissen über das hinter der natürlichen Welt Liegende. Es ist ein Wissen, das wir – wenn die Inuit uns den Zugang gewähren, und das tun sie nur bei ernsthaft interessierten Menschen, die selbst ihren religiösen Weg beschreiten wollen – mit ihnen teilen können, nicht zuletzt, da wir es in seinem Kern auch in den anderen gültigen Religionen finden.

Aurora_Free-Photos

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Und wir können ein wenig mehr Bescheidenheit pflegen beim Anblick des Sternenuniversums, denn in einem Punkt stimmen Astrophysik und Metaphysik heute überein:

„Seit dem Urknall haben sich aus Wasserstoff der Sterne alle Elemente des Universums gebildet, alle Elemente, aus denen der Mensch besteht.                                                      Wir sind also nichts anderes als Sternenstaub.“ (Trailer Film Sternenjäger)

In  der Genesis, Erstes Buch Mose 3 findet sich in Vers 19:

„Denn Staub bist du, und zum Staub kehrst du zurück.“

 
*Lehre, die das hinter der sinnlich erfahrbaren, natürlichen Welt Liegende, die letzten Gründe und Zusammenhänge des Seins behandelt
** Leider ist bei vielen indigenen Völkern durch den Einfluss christlicher Missionare, durch staatlichen Druck, durch Krieg und eingeschleppte Krankheiten die Kette der Überlieferung unterbrochen worden. Dadurch sind (ein Teil) ihre religiösen Mythen selbst, vor allem aber ihre tiefere Bedeutung verloren gegangen.
 
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Vaskulitis Nachrichten 3.6: Die „Fastfood-Diät“

kurznachrichten1

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Ob eine Ernährung, die sich an mediterraner Kost orientiert, die Entzündungsaktivität bei der autoimmunen Rheuma-Erkrankung Vaskulitis mindert, ist mangels entsprechender Forschung nicht bewiesen, hieß es in den Ernährungsseminaren am Vaskulitis-Zentrum im Klinikum Bad Bramstedt, Deutschland. Empfohlen wurde dennoch, angelehnt an die wissenschaftlichen Erkennntnisse bei der Rheumatoiden Arthritis, ballaststoffreich zu essen, den Fleischkonsum zu reduzieren, um weniger entzündungsfördernde Omega-6-Fettsäuren aufzunehmen, dafür auf Fisch, Milchprodukte, Nüsse und viel Gemüse zurückzugreifen. Eine solche konsequente Umstellung der Ernährung kann tatsächlich bei Menschen, die an Rheumatoider Arthritis leiden, die Entzündungsaktivität im Körper deutlich dämpfen und ihre Schmerzen lindern, wie auch in der Fernseh-Sendung „Ernährungsdocs“ des Norddeutschen Rundfunks wiederholt gezeigt wurde.

Gilt aber auch umgekehrt, dass eine Ernährung, die geprägt ist von viel gesättigten Fetten, Salz, großen Mengen an Kohlehydraten – wie z.B. durch Zucker, Weißbrot, Pasta, Reis – und einem Mangel an Ballaststoffen, spasshaft „Fastfood-Diät“ genannt, – also genau so, wie die meisten Menschen in Industriestaaten essen – eine krankhafte Entzündungsreaktion hervorrufen kann?

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Eine Untersuchung des Life & Medical Sciences Institute (LIMES) der Universität Bonn und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) an Mäusen scheint darauf hinzuweisen. Die Tiere erhielten über mehrere Wochen eine „Fast-Food-Diät“. Die Wissenschaftlicher stellten fest, das der Körper der Nager auf diese Nahrungs-Energie-„Bombe“ wie auf eine bakterielle Infektion reagierte, nämlich mit einer Antwort ihres Immunsystems. Es kam zu einer starken Entzündungsreaktion im gesamten Körper.

Wurden die Mäuse wieder auf die eigentlich für sie arttypische Getreidediät gesetzt, klang die Entzündung ab. Allerdings zeigte sich, dass das Immunsystem der Nager, alsob es durch die „Fast-Food-Diät“ geimpft worden wäre, dauerhaft sensibilisiert worden war. Wie die Forscher feststellten, wurden Gene in den Vorläuferzellen von Immunzellen im Knochenmark aktiviert, die für deren Vermehrung und Reifung zuständig sind. Der Körper stellte sich also darauf ein, in kurzer Zeit eine riesige „Abwehrarmee“ bereitstellen zu können. Schon auf an sich leichte Reize, etwa durch Bakterien oder Viren, reagierten die Mäuse nun mit heftigen Abwehr- , also Entzündungsreaktionen.

Gilt der beobachtete Mechanismus – er erinnert mich persönlich auffallend an den Zustand der Remission bei Autoimmunpatienten – auch für den Menschen?

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Wissenschaftler des Instituts für angeborene Immunität der Universität Bonn haben bei Blutuntersuchungen von 120 Menschen einen „Fast-Food-Sensor“, das NLRP3 Inflammasom, in ihren Immunzellen gefunden. Wird er durch eine „Fastfood-Diät“ angesprochen, aktiviert er seinerseits ein „Auspackprogramm“ für Genteile in den Immunzellen, die normalerweise so unzugänglich versteckt sind, dass sie nicht abgelesen werden und daher unwirksam sind. Einmal ausgepackt, sind sie aber dauerhaft aktiviert. Diese aktivierten Genteile sorgen dafür, dass Botenstoffe freigesetzt werden, die ihrerseits die Bildung und Freisetzung von Immunzellen und damit Entzündungsreaktionen ankurbeln.

Häufige Entzündungszustände im ganzen Körper können das Entstehen der Gefäßkrankheit Artheriosklerose begünstigen. Denn die für die Erkrankung typischen Gefäßablagerungen in den Gefäßen wachsen außer aus Lipiden, also auch Fettsäuren, vor allem aus abgestorbenen Immunzellen heran, die vorher in die Gefäße eingewandert sind.

Die Kardinalfragen lautet nun:

Begünstigt die „Fastfood-Diät“ dann auch den Ausbruch der autoimmunen Gefäßkrankheit Vaskulitis? Gibt es einen anderen Sensor, der für die Auslösung einer Vaskulitis verantwortlich ist? Wenn er existiert, durch welchen Vorgang wird er aktiviert?

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Bauchbinde der Kulturen

Schon seit frühester Kindheit stellten bestimmte Wörter der Deutschen Sprache für mich ein Rätsel dar, aber das eine Wort, das ich völlig rätselhaft fand, war das Wort

„Kummerbund“.

Es trat in mein Leben, als meine Eltern zu einer hochoffiziellen Feier eingeladen waren. Mein Vater kam in einem Anzug aus feinstem Tuch, mit seidener Fliege und und einem edlen Seidenschal in der gleichen Farbe um den Bauch in mein Kinderzimmer, um sich für den Abend von mir zu verabschieden.

Oh, wie prachtvoll sah er aus! So hatte ich ihn noch nie gesehen.

Am nächsten Tag erzählte ich, noch ganz unter dem Eindruck, meiner Großmutter davon und als ich bei der Beschreibung des Schals stockte, half sie mir lächelnd mit dem Wort „Kummerbund“ auf die Sprünge. Sie ahnte ja nicht, dass sie damit ein kleine Lawine an Fragen bei mir auslöste.

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Kummerbund?

Wollte mein Vater mit der langen Stoffbahn seine Tränen trocknen, wenn er Kummer hatte? Aber warum nahm er nicht einfach sein Taschentuch? Er war sehr gut gelaunt gewesen, als er diesen glänzend- feinen Schal um seinen Bauch getragen hatte. War er  einem Bund beigetreten, der sich feierlich dem Kummer widmete? Eine Kummerfeier? Gab es so etwas? Und wieso war so schöner Seidenschal um den Bauch herum das Zeichen für einen Bund des Kummers ?

Es blieb mir ein Rätsel. Erst viele Jahre später erfuhr ich die zugleich faszinierende und einfache Lösung . An diesem Wort „Kummerbund“ lässt sich eine lange Geschichte kultureller Beeinflussung ablesen – über die Kontinente hinweg.

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Das dem Wort „Kummerbund“ ursprünglich zugrunde liegende, persische Wort  „Kamarband“ setzt sich aus zwei Teilen zusammen, dem Wort „Kamar“ für Rücken und dem Wort „Band“ für Binde. Ein Kamarband ist also in seiner ursprünglichen Bedeutung eine Rückenbinde oder -gürtel. Die Lastenträger im Persischen Reich banden sich eine breite, feste Binde, oft aus Leder, um den Bauch, um ihren Rücken zu stabilisieren, wenn sie die schweren Lasten tragen mussten. Heutzutage sehen Sie solche rückenstabilisierenden Ledergürtel, hinten, am Rücken breit, nach vorne, zum Bauch hin schmal, bei olympischen Gewichthebern.

Was auch heute noch von vielen Indern als schmachvolle Niederlage und eine Zeit der Fremdbestimmung des hinduistischen Indiens durch muslimische Herrscher  empfunden wird,  ist die Eroberung Nordindiens ab dem 12. Jahrhundert durch nordostpersische Völker.  Die muslimischen Mogul-Kaiser – einer von ihnen baute das  Taj Mahal – beherrschten das Land über mehrere Jahrhunderte.

Das praktische  Alltags- und Arbeitskleidungsstück Kamarband kam mit ihnen nach Indien und entwickelte sich in dieser Zeit zu einem schmückenden Accessoire der indischen Armee und generell der höfischen Kleidung der Männer am indischen Hofe. Der „Kamarband“ fand so Eingang in die indische Sprache Hindi.

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Als die Engländer wiederum Indien eroberten und die Mogulen als Herrscher ablösten, übernahmen sie das Wort „Kamarband“ lautmalerisch als „cummerbund“, später „cummerband“ in die englische Sprache. Was prächtig aussieht, wird schließlich gerne auch von anderen imitiert. Die nunmehr aus edlem Stoff gefertigte Bauchbinde wurde fortan auch bei festlichen Militäranlässen der Kolonialmacht England, zuerst von den Truppenteilen, die durch Inder gestellt wurden, später auch von den Engländern selbst getragen.

Was den Engländern recht war, war den Deutschen, die in der Kolonialzeit so gerne der großen Kolonialmacht England nacheiferten, nur billig. Und so geriet der cummerbund als englisches Wort, nur auf Deutsch geschrieben und dann irgendwann doch auch auf Deutsch ausgesprochen, in Form des „Kummerbund“ schließlich an den Bauch meines Vaters und als Faszinosum in meinen kindlichen Wortschatz.

Epilog

Das Indische Großreich, das Persische Großreich, das Englische Großreich, was in Ewigkeit Bestand zu haben schien, die ganze Macht und Pracht,  alles – außer dem Kummerbund – ist vergangen.

Die goldnen Lichter, die am blauen Weltrad gehn,
Haben sich viel gedreht und werden viel sich drehn. –
Und wir, im ew´gen Kreislauf der Erscheinungen,
Kommen auf kurze Zeit, um wieder zu vergehn.

Omar Khayyam

1048 –  1131 n. Chr., Persischer Dichter, Naturwissenschaftler, Astronom und Mystiker aus Nishapur, Persien

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Der Lotse geht bereits von Bord

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Seit dem Wahlkampf des US-Präsidenten Donald Trump werden die Weltnachrichten dominiert von seinem  Twitter-Gewitter (oder dem seiner Mitarbeiter). Eine effektive, ständig laufende Medienkampagne, die dazu dient, alternativen Denk- und Handlungsansätzen jeden Platz in der öffentlichen Wahrnehmung zu rauben. Erfolgreich ist die Politik, die die öffentliche Aufmerksamkeit präokuppiert und dominiert, und so auch ihre eigentliche Agenda verstecken kann.

Dabei ist schon lange klar, dass die USA als Nation ihre Rolle als Weltpolizist nicht mehr wahrnehmen wollen und – aufgrund ihrer strukturell wirtschaftlichen Schwäche – können. Schauen wir einmal in die Vergangenheit, sehen wir uns die Rückzugsprozesse der früheren Großmächte, Groß-Britannien und des Habsburger Reichs, an. Etappen ihres Rückzugs aus der Fläche waren Verhandlungen, die im besten Fall ihre Interessen in der jeweiligen Region ohne ihre physische, sprich militärische Präsenz, erhalten sollten. Oft jedoch ging es nur noch um einen Rückzug ohne allzu auffälligen Gesichtsverlust. Beispiele dafür sind Hongkong und das Sudetenland. Die ausgehandelten Garantien für die jeweilige Bevölkerung konnten nicht greifen, weil sie von der jeweiligen, ehemaligen Großmacht nicht mehr kontrolliert und durchgesetzt wurden. Ihre allmähliche Nicht-Einhaltung und Aushebelung durch die Vertragspartner wurde vom Habsburger Reich, bzw. Großbritannien nicht mehr sanktioniert – weil sie sich nicht mehr engagieren wollten, aber auch nicht mehr konnten.

Der Rückzug der USA nun hat schon sehr lange vor Trump begonnen. Die verschiedensten amerikanischen Administrationen haben in der Vergangenheit mehrfach ihre europäischen und asiatischen Alliierten aufgefordert, eigene Anstrengungen zur Sicherung ihrer Sicherheitsinteressen zu unternehmen. In Europa und in Asien hat man allerdings die Brisanz dieser Entwicklung zu lange unterschätzt und ignoriert. Man war – typisch Klein- und Mittelstaatsregion – viel zu sehr mit sich selbst und seinen Klein-Klein-Konflikten untereinander beschäftigt. Der Fall des Eisernen Vorhangs in Europa schließlich schuf zumindest auf diesem Kontinent die Illusion einer Welt, frei von gewaltsamen Großmachtauseinandersetzungen und militärischen Eingriffen. Freilich, eine allzu eigenständige Verteidigungspolitik der Europäer ist den USA auch garnicht recht. Im Einklang mit Großbritannien, ihrem langen Arm innerhalb der EU, verhinderten sie über viele Jahre auch nur die Anfänge einer europäischen Armee, die u.a. Deutschland und Frankreich wollten.

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China und Russland hingegen haben ihre analytischen Hausaufgaben schon seit geraumer Zeit gemacht und auf die jetzige Situation auf der koreanischen Halbinsel durch das aktive Unterlaufen der UN-Sanktionen, die Aufrüstung Nordkoreas und die Unterstützung seines Nuklearprogramms hingearbeitet. Denn ihr Interesse ist es, die  amerikanische militärische Präsenz mit ihren Atomwaffen an ihrer West- , bzw Südgrenze zu beenden. Jetzt haben sie die USA so weit.

Trump ist nicht der große Macker, der eine grandiose „Friedensverhandlung“ erzwungen hat. Die Verhandlungen der USA mit Nordkorea sind die Rückzugsverhandlung einer  geschwächten Großmacht, die sich schon lange immer mehr auf sich selbst zurückziehen will, und durch die Nuklearaktivitäten Nordkoreas „freundlich“ dazu „ermuntert“ wird. Die USA hätten Nordkorea für die vollständige Aufgabe seines Nuklearprogramms und die Vernichtung aller Atomwaffen und Trägerraketen die politische Anerkennung und das Ende aller Sanktionen anbieten können – ein ausgewogener Preis. Stattdessen offenbart die amerikanische Bereitschaft, dazu auch noch alle ihre Atomwaffen aus Südkorea abzuziehen, die eigentliche amerikanische Agenda: die Reduzierung ihrer wirtschaftlich-militärischen Belastung und schließlich die Beendung ihrer physisch-militärischen Präsenz. Unterstrichen wird dies durch die Ankündigung Trumps, alle gemeinsamen Übungen mit dem südkoreanischen Militärs auszusetzen, begleitet von dem Argument, die USA würden so auch Kosten sparen. Mit so einer „Verhandlungsstrategie“ – ich lege exklusiv, nur für Sie, Herr Kim, noch einen leckeren Aal obendrauf – verhökert man einen Ladenhüter, den man loswerden will. Verstehen die Amerikaner das unter einem „Great Dealmaker“?

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Nicht nur Süd-Korea, auch Japan und die Europäischen Länder drohen bei diesem Rückzug, der nun mit erhöhtem Tempo verläuft, sicherheitspolitisch unter die Räder zu kommen und sich Vereinbarungen gegenüberzusehen, die den Großmächten nützen, ihren eigenen Interessen aber weitgehend zuwiderlaufen. Die Gefahr besteht, dass sie so zwischen den Großmächten zerrieben werden.

Was zu lange versäumt wurde, muss nun im Eiltempo und mit Kraft geschaffen werden: eine Allianz der, den demokratischen Werten verpflichteten, Mittelmächte und ein militärischer, sicherheits- und außenpolitisch effektiver Zusammenschluss der EU-Staaten. Was wollen z.B. europakritische Länder, wie Italien, die Schweiz, Ungarn oder Polen ohne einen eigenen Atomschirm der Atommacht Russland eigentlich entgegensetzen, wenn letztere es darauf anlegt? Die NATO? Originalton Trump: Die NATO ist obsolet! Der amerikanische Außenminister, der Trump diesbezüglich noch umstimmte, ist inzwischen vom selbigen Trump geschasst. Die Unterschrift der USA unter einem Vertrag ist, so muss man schließen, mittlerweile das Papier nicht wert, auf dem sie geleistet wurde, und die Halbwertzeit des Wortes der US-Regierung beträgt offensichtlich nur noch wenige Stunden.

Sie denken, das ist Schwarzmalerei? Dann darf ich Sie an die Annektion der Krim durch Russland erinnern und an den andauernden Ukraine-Konflikt – der Abschuss der KLM-Maschine hat bewiesen, dass Russland selbst dahinter steckt… Die Überlegungen des Nordkoreaners Kim zur eigenen Atombombe und einer hochqualifizierten Cyber-Angriffsarmee als Faustpfand gelten also durchaus auch für uns Europäer.

Es ist nur zu hoffen, dass alle europäischen Bevölkerungen und Politiker ihren Blick von ihrer jeweiligen, nationalen Nabelschau einmal auf ein etwas höheres Niveau schrauben und sich der bereits angekommenen Gefahr für die europäische Unabhängigkeit und Freiheit in ihrem Ausmaß schnellstens bewußt werden!

Präsident Macron ist derjenige in Europa, der sich der Agenda des energischen Vorantreibens der europäischen Einigung verschrieben hat. Es ist höchste Zeit, dass auch die anderen EU-Staaten, nicht zuletzt Deutschland, diese Agenda, vor allem im Bereich der Sicherheits- und Verteidigungspolitik, nun wirklich proaktiv aufgreifen!

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Den Ali Baba in sich entdecken

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Die geheimnisvollste Ecke in der Küche meiner Großmutter glich einem Tresor: alles, was sich ein Kinderherz an süssen Leckereien erträumen mochte, befand sich hinter Schloss und mächtigen Riegeln, und zwar von drei ca. 1,80 m hohen, antipanzerknackerartig ausgelegten Eisschranktüren. Sie gehörten einer anderen Zeit an. Der Zeit, als ein Eisschrank noch seinem Namen alle Ehre machte, weil er nämlich tatsächlich mit Eis bestückt wurde. Nun erfüllen Sie Bilder von Kühlschränken voller Erdbeer-, Nuss- und Schokoladeneis?

Eisschneiden

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Ich verstehe Sie ja so gut, aber die Zeiten damals waren doch erheblich prosaischer.

Jeden Morgen ließ sich meine Großmutter von der örtlichen Eisfabrik mit großen Wassereisstangen beliefern. Das war schon fortschrittlich, denn zu Zeiten meiner Urgroßeltern bestand die tägliche Lieferung aus Blöcken von Natureis, das im Winter aus den Flüssen geschnitten worden war. Zu der Zeit fror selbst der Rhein abschnittsweise zu, wie auch noch 1929 zwischen Ludwigshafen und Mainz. Angesichts der Fluss- und Erderwärmung heute unvorstellbar,  aber mein Urgroßvater brachte in dem Jahr auf dem großen Strom meiner Mutter sogar das Schlittschuhlaufen  bei.

Berlin, Kinder mit dem Eismann

Berlin, Kinder mit dem Eismann.jpg, Fotograf: Zimontkowski, 6.7.1957; Copyright (c) Bundesarchiv, Bild 183-47890-0001 / CC-BY-SA 3.0.de

Die ein Meter langen und ca. fünfundzwanzig Zentimeter breiten Eisstangen kamen, gut zugedeckt mit Stroh, Jutesäcken und Holz, auf einem offenen Laster oder in einem Kastenwagen vor dem Kücheneingang meiner Großmutter an. Die Fahrer holten das Eis mit großen, gusseisernen Zangen von der Ladefläche und trugen es direkt in die Küche, wo sie es, immerhin ca. 8 Kg pro Stange, mit Schwung auf das obere von drei Holzrecks im Eiswandschrank wuchteten.

Eisschrankgriff

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Sobald die Eismänner gegangen waren, platzierte  meine Großmutter schnell drei Auffangbecken mit Auslasshahn für das Schmelzwasser ganz unten auf dem Boden des Schranks. Sie würden am nächsten Morgen wieder geleert werden müssen. Großmutters zu kühlende Lebensmittel fanden eilends auf dem mittleren und unteren Holzreck Platz.

Dann schob sie die schweren, doppelwandigen, innen mit Zink ausgekleideten Türen zu, die massiven Schnappriegel klickten ein und der Eisschrank konnte wieder knapp einen Tag lang seinen Dienst tun.

Eis für Getränke konnte natürlich auch von den Eisstangen abgeschlagen werden. Zuweilen fand der Trinkende dann aber nach dem Genuß ein paar Fäden Jutesack oder Strohhalmreste zwischen den Zähnen.

Wohnwagenkueche

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Der ständig nasse Schrank und das ganze, sich täglich wiederholende, umständliche Prozedere der Eisbestückung und Wasserentleerung, sowie die Tatsache, dass viele der Lebensmittel – vor allem der gute Rest vom Braten oder Fisch, Eier und Milchprodukte – trotzdem schnell verdarben, muss der amerikanischen Hausfrau Florence Parpart gehörig auf die Nerven gegangen sein. Offensichtlich macht das erfinderisch. Frau Parpart kam auf die Idee, ein Prinzip auf die tropfende Nervensäge in ihrer eigenen Küche anzuwenden, das bereits 1755 William Cullen in Schottland herausgefunden und Carl von Linde 1876  an einer technisch-chemischen Kältemaschine für Schlachthöfe umgesetzt hatte  – und sie erfand den häuslichen, elektrischen Kühlschrank! Ganze Generationen von Frauen, aber auch Männern – man denke nur an die Minibar… -, müssten ihr eigentlich in Bewunderung und Dankbarkeit zu Füssen liegen!

1914 reichte Florence Parpart ihr Patent beim amerikanischen Patentamt ein. Es zeigte sich, sie war nicht nur Hausfrau und Erfinderin, sie entwickelte sich auch zu einer sehr begabten Unternehmerin. Auf mehreren Handelsmessen im ganzen Land und mit Werbekampagnen, die sie selbst entwarf, vermarktete sie mit Verve ihre Erfindung. Damit war sie so erfolgreich, dass 20 Jahre später bereits in jedem zweiten amerikanischen Haushalt ein Kühlschrank stand!

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Lediglich in den Amischen Familien, die die Nutzung von Elektrizität grundsätzlich ablehnen, hielt er  keinen Einzug. In ihren Küchen gibt es bis heute kein elektrisches Kühlgerät. Wie im 19en Jahrhundert schneiden die Amisch im Winter in Gemeinschaftsarbeit Eisblöcke aus den naheliegenden Seen und Flüssen. Mit Pferdefuhrwagen transportieren sie die Blöcke in ihre Gemeinde-Scheune, wo das Eis, dick eingepackt in Strohballen, bis spät ins Jahr überdauern und von da jeden Tag ins Haus geholt werden kann – in einen althergebrachten Eisschrank. Wie man auch immer zur Religionsauffassung der Amisch steht, unbestritten dürfte sein, dass  diese traditionelle Methode der Kühlung – im Gegensatz zum elektrischen Kühlschrank – weder zum Ozonloch, noch zur Klimaerwärmung beigetragen hat.

Elektrogeräte

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In Deutschland dauerte es bis Mitte der 50ger Jahre, bis in wenigstens 10% aller deutschen Küchen nicht mehr ein Eis-, sondern ein Kühlschrank stand. Er hielt schließlich auch Einzug in die Küche meiner Großmutter.  Der alte Eisschrank mit seinen dicken Türen blieb aber. Ihn auszubauen hätte den halben Abbruch der Küche nach sich gezogen. Also wurde er nun zu einem normalen Aufbewahrungsschrank  für trockene Lebensmittel degradiert.

Bis, ja bis Großmutters kleine Enkel lernten, Türen zu öffnen, Türen von Schränken, hinter denen sich die herrlichsten Leckereien verbergen konnten. Nur das „Sesam Öffne Dich“ der großen Eisschranktüren erschloss sich ihren Enkeln, wie sie feststellte, nicht. Also wurde der Eisschrank auserkoren zu Großmutters Tresor der „Leckererien“. Noch heute erinnere ich mich an die gespannte Faszination – und manchmal, wie heute nacht, träume ich davon – , die jedes Öffnen der mächtigen Türen bei jedem von uns Kindern hervorrief. Wie oft versuchten wir, wenn uns keiner beobachtete, hinter das Geheimnis des Öffnungsmechanismus zu kommen. Es blieb ein Faszinosum, bis, ja bis wir schließlich doch einer nach dem anderen den Ali Baba – nicht zuletzt auch für das Eisfach im Kühlschrank – in uns entdeckten…

Eisbaer

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Frühlingsimpressionen

Vorfrühling

Härte schwand.
Auf einmal legt sich Schonung
an der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,
greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit ins Land und zeigens.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.

Rainer Maria Rilke (1875 – 1926)

 

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In eigener Sache

Datenschutz

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Liebe Leser,

Am 26. Mai tritt die Europäische Datenschutzverordnung (DSGVO) in Kraft. Obwohl dieser Blog als rein nichtkommerzieller Blog, soweit nachlesbar, von dieser Verordnung wahrscheinlich nicht berührt wird, hat die Auseinandersetzung mit den Anforderungen der Verordnung bei mir als Bloggerin zu einer erheblichen Verunsicherung bezüglich möglicher, von mir im Moment nicht einzuschätzender, rechtlicher Konsequenzen geführt.

Hinzu kommt, WordPress hat bisher, soweit ich feststellen konnte, noch nicht mit einer Anpassung der Themes reagiert. Ich habe mich daher vorsichtshalber gezwungen gesehen, die Kommentarfunktion für diesen Blog bis auf Weiteres abzuschalten.

Es bleibt abzuwarten, ob WordPress weiterhin so enttäuschend untätig bleibt. Sollte das der Fall sein, werde ich wohl spätestens zum Jahresende zwischen einem Abschalten des Blogs und einem Umzug zu einem anderen, europäischen Anbieter und Thema wählen müssen. Bis dahin bitte ich um Verständnis für die eingeschränkte Funktionalität dieses Blogs.

Eure Federfluesterin

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