Vaskulitis Nachrichten 7.02: Projekt Virtuelles Krankenhaus – Nordrhein-Westfalen holt die Experten an die Strippe!

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So früh wollten sie eigentlich nicht an den Start gehen – aber die Corona-Pandemie warf den Zeitplan der MitarbeiterInnen des Virtuellen Krankenhauses gGmbH, einem gemeinnützigen Unternehmen des Landes NRW, ganz einfach über den Haufen. Anstatt, wie noch im August 2019, frühestens für den Sommer 2020 anvisiert, ging das telemedizinische Portal des Virtuellen Krankenhauses bereits am 30. März 2020 in Betrieb. Schon, als die ersten Corona-PatientInnen in die Krankenhäuser in NRW eingeliefert wurden, konnten die ÄrztInnen sich per sicherer Videodatenleitung über diese Corona-Fälle mit ihren KollegenInnen in den Universitätskliniken Aachen und Münster austauschen und so deren Expertise für die Behandlung vor Ort nutzen.

Der Vorteil: Die Verlegung von PatientInnen konnte vielfach vermieden werden und die Kapazitäten der Intensivstationen der Universitätskliniken wurden für die Aufnahme der allerschwersten Coronafälle geschont. Darüberhinaus wurde durch den intensiven Austausch der ÄrztInnen untereinander die Behandlungsqualität bei Coronafällen kontinuierlich angehoben.

Eine Erfolgsgeschichte, die nun seine Fortsetzung finden soll!

Virtuelles Krankenhaus für Seltene Erkrankungen

Vaskulitis-PatientInnen wird es freuen: ÄrztInnen können nun KollegInnen in die Behandlung ihrer PatientInnen einbinden, die über eine besondere Expertise in der betreffenden Seltenen Erkrankung verfügen, und zwar über die Plattform des Virtuellen Krankenhauses ! Solche ExpertInnen sind ÄrztInnen, die an einem Zentrum für Seltene Erkrankungen tätig sind. In einer ersten Pilot-Phase wird dieser „Telekonsil“ zwischen ÄrztInnen in den Krankenhäusern in NRW stattfinden können. Bis Ende 2023 werden auch die niedergelassenen Haus- und FachärztInnen eingebunden sein, so der Plan.

Das Virtuelle Krankenhaus nutzt dabei ein Videokonferenz-System, das von der Kassenärztlichen Vereinigung als sicher gegenüber Hackerangriffen eingestuft worden ist. Jede TeilnehmerIn muss sich vorher als ÄrztIn ausweisen und registrieren. Genutzt wird, ähnlich wie beim Online-Banking, eine Zwei-Schlüssel-Authentisierung.

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Eine HausärztIn, die eine ExpertIn für Vaskulitiden zu Rate ziehen will, wird bis spätestens Ende 2023 auf dem Portal des Virtuellen Krankenhauses ein Telekonsil anfragen können. Dazu benötigt sie vorab die Zustimmung ihrer PatientIn. Dann legt sie – zeitlich begrenzt und nur für diesen einen Telekonsil – eine elekronische Fallakte ein, in die sie schon bereits ermittelte Symptome, Untersuchungsergebnisse, wie Blut- und Urinwerte, aber auch CT-, MRT oder Röntgenbilder einfügen kann. Sie formuliert ihre Fragen und fordert einen gemeinsamen Termin für eine Videokonferenz bei der oder den entsprechenden ExpertInnen an. Die ExpertIn kann mit Rückfragen oder einer abschließenden, schriftlichen Antwort reagieren, oder aber der Videokonferenz zustimmen, indem sie ihr einen Link zuschickt, den die ÄrztIn dann zum vereinbarten Termin nur anzuklicken braucht. Sie wird dann mit der ExpertIn verbunden und die Konferenz nimmt seinen Lauf. Während der Konferenz können alle TeilnehmerInnen die Elektronische Fallakte, also auch CT-, MRT und Röntgenbilder, einsehen und gemeinsam besprechen. Derartige Telekonsile werden von den Krankenkassen nun auch für PatientInnen mit Seltenen Erkrankungen bezahlt.

Ziel des Virtuellen Krankenhauses ist, die Behandlungsqualität für Menschen mit Seltenen Erkrankungen in NRW zu erhöhen und den PatientInnen kräfteraubende und kostspielige Fahrten zu weit entfernt liegenden Universitätskliniken zu ersparen. Nicht zuletzt die Umwelt dürfte davon auch profitieren.

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Ein wenig trickreich dürfte es allerdings doch werden, die Haus- und niedergelassenen FachärztInnen alle mit ins Boot zu bekommen. Viele Praxen haben aus Sorge vor einem Hackerangriff ihr Computersystem vollständig vom Internet getrennt. Ihre Systeme administrieren und warten sie nicht selbst, sondern das erledigen in der Regel private Dienstleisterfirmen .

Für einen Telekonsil brauchen die ÄrztInnen aber eine Internetanbindung. Die notwendige IT-kundige Überwachung, die im Krankenhaus eine IT-Abteilung leistet, kann zumeist vom Team einer niedergelassenen Praxis, bestehend aus Nicht-ITlerInnen, also ÄrztIn und ArzthelferInnen, nicht erbracht werden. Hier muss eine Lösung gefunden werden. Die MitarbeiterInnen der Virtuellen Krankenhaus gGmbH bieten dazu, in enger Zusammenarbeit mit den Krankenkassen und Ärzteverbänden, Beratung und Unterstützung an. Zudem gibt es seit der Corona-Pandemie mehr staatliche Förderung für den Aufbau moderner IT-Strukturen in ärztlichen Praxen.

Das Virtuelle Krankenhaus ist ein wichtiger Schritt voran in der Welt der Telemedizin. Es ermöglicht ÄrztInnen und PatientInnen mit Seltenen Erkrankungen in NRW, die Zentren für Seltene Erkrankungen viel effektiver zu nutzen und die Behandlungsqualität in den Praxen vor Ort zu steigern. Nach den früheren Pilotprojekten im Bereich MRSA-Prophylaxe und Hygiene ein weiteres, wegweisendes Projekt für die Medizinwelt aus NRW!

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