Impf-Elephantitis

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Kritisches Denken ist eine löbliche Eigenschaft. Vor allem, wenn es um den eigenen Körper geht. Aber dann bitte auch wirklich kritisch denken.

Was Impfkritiker hingegen machen, ist, genau dieses kritische Denken auszuschalten. Zum kritischen Denken gehört nämlich, dass man sich mit der Position der Gegenseite auseinandersetzt. Und genau das tun Impfkritiker sehr selten, wie eine Studie von Forschern des Fachbereiches Angewandte Mathematik und Computerwissenschaften der Technischen Universität von Dänemark in Lyngby zeigt.

Die Wissenschaftler untersuchten 60 Millionen Tweets auf Twitter. Sie schauten, auf welche Art von Webseiten Impfgegner und -befürworter zur Unterstützung ihrer Argumentation verlinkten. Während Impfbefürworter auf ein sehr weites Spektrum an Webseiten, wie Nachrichten, Wissenschaftliche Studien, Berichte, TV- oder Youtube-Filme verlinkten, war die Bandbreite, die Impfgegner konsultiert hatten, sehr schmal. Sie besuchten eine eng begrenzte Anzahl von Youtube-Channels und eine Website, die Pseudowissenschaftliche Artikel veröffentlicht. Die Forscher charakterisieren das Online-Verhalten der Impfgegner so, dass sie sich mit der Auswahl der Webseiten fast ausschließlich in einer Blase ihrer eigenen Auffassung bewegen.

DieWissenschaftler weisen außerdem darauf hin , dass sowohl die Urheber der Youtube-Filme, als auch die besagte Website einen großen kommerziellen Vorteil davon haben, wenn Impfgegner in genau dieser Blase bleiben. Sie bescheren den Betreibern der Youtube-Channels und Website durch ihre Klicks kontinuierliche Werbeeinnahmen, und sie kaufen die „Gesundheits“-Produkte, die auf den Webseiten beworben und verkauft werden. Die Ergebnisse der Studie zeigen damit einmal mehr, dass wir als Gesellschaft uns über eine Regulierung und Anpassung des Geschäftsmodells Sozialer Medien mehr Gedanken machen müssen, denn es hat nicht nur kommerzielle, sondern weitgehende politische Auswirkungen.

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Verrückt dabei ist: Gerade die Impfgegner sind es, die als Hauptargument gegen das Impfen anführen, dass das Impfen ja nur ein kommerzielles Interesse der Pharmaindustrie wäre! Sie wollten sich nicht von der Pharmaindustrie ausnutzen lassen. Warum stehen sie dann den kommerziellen Interessen der Youtube-Channel-Betreiber und der besagten Website so willfährig zur Verfügung? Was für ein Widerspruch!

Der ist allerdings garnicht so selten. Auch Homöopathie-Befürworter kommen oft mit dem Pharmaindustrie-Argument, wenn es um die Schulmedizin geht. Merkwürdig, das Unternehmen Weleda, das DER Marktführer für homöopathische Produkte in Deutschland und international ist, erreichte im Jahr 2020 einen weltweiten Umsatz von 424 Millionen Euro. Der Gewinn vor der Corona-Pandemie betrug 14,3 Millionen Euro! Na, wenn das nicht ein Elefant in seinem Sektor der Pharmaindustrie ist, wer dann? Aber dem gegenüber ist man dann auch gerne blind, oder?

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