Der Eierdieb

Osterglocke

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Die großen, gelben Gummistiefel meines Vaters kamen immer zu Ostern zum Einsatz. In aller Herrgottsfrühe stieg er, noch im Pyjama, und zusätzlich in seinen dicken, blauweiß gestreiften Morgenmantel gewickelt, in sie hinein, um dann auf Gummischuhzehenspitzen durch die Wohnzimmertür auf die Terasse zu schleichen, und von dort leise in den morgendlich frisch-kalten Garten hinauszuschlüpfen. Die Kinder sollten ja nicht schon vorzeitig wach werden!

Im Garten angekommen hüpfte er dann mit seinen langen Beinen in großen Sätzen durch das bereits höher stehende, nasse Gras, langte ab und zu in eine der tiefen Taschen seines Morgenmantels und beförderte rote, gelbe, blaue und grüne Ostereier heraus. Zwischen Osterglocken, unter Rhododendren und Azaleen, im Sandkasten und im Hundehaus, oder wo immer er ein gelungenes Versteck ausmachen konnte, versteckte er sie sorgsam.

Osternest

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Begleitet wurde er dabei von zwei sehr neugierigen und aufmerksamen Hundeaugen. Unseren Schäferhundmischling, im Herzen hielt er sich für einen Dobermann, hatte mein Vater zwar so gerade daran hindern können, mit ihm zusammen in den Garten hinauszukommen, aber die Spannung des Hundes war natürlich mit jedem Osterhasen-Hüpfer meines Vaters ins Unendliche gewachsen. Und, obwohl er sich scheinbar nach Rückkehr meines Vaters mit einem Leckerli ablenken ließ, vergessen waren die hochgradig interessanten Aktivitäten meines Vaters im Garten keinesfalls!

Als die ganze Familie sich am Frühstückstisch versammelt hatte, die Brötchen warm, Kaffee und Tee heiß bereit standen, rief mein Vater uns alle zusammen zur Ostereiersuche in den Garten. Je nach Wetter mit oder ohne Regenschirm schwärmten wir in die verschiedenen Gartenteile aus.

Und jedesmal gelang es im allgemeinen Aufbruch unserem Hund, mit nach draußen zu schlüpfen. Genauergesagt, er war, so geschickt und wendig wie er war, eher durch die Terassentür draußen, als alle anderen. Mit der Nase am Boden lief er zielgerichtet – wenn auch nicht hüpfend – genau die Route ab, die mein Vater am Morgen genommen hatte.

Ihm hart auf den Hundefersen zu bleiben, war nun das Gebot der Stunde! Denn sobald er eines der Eiernester unter Büschen und Sträuchern, in Stauden und zwischen Blumen entdeckt hatte, schnappte er – trotz des familiären Protestrufes: „Neeeiiin!“ – sichtlich vergnügt, „Happalapuhl“, zu, und schon war zumindest eines der Eier auf Nimmerwiedersehen – mit Ausnahme der Schalen, die kurz darauf ihren Weg seitlich wieder herausfanden – in seiner Schnauze verschwunden. Wir gaben uns alle empört: Böser Hund!

In Wahrheit aber war unser Eierdieb natürlich der ideale Eierspürhund für die ganze Familie – mit Ausnahme des väterlichen Osterhasen natürlich, der dem Treiben mit einem nach außen hin frustrierten, in seinem Innern aber mitlachenden Auge zusah. Und Ostereier hatte er ja reichlich für alle gebracht, allerdings doch mehr für Hund, als für Mensch…;-)

Osternest

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Tanz für das Leben

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Wenn die Lakota-Indianer in den USA nach dem ersten Gewitter im Frühling die Stelle in der Natur weihen, an der der Sonnentanzbaum für  den jährliche Sonnentanz stehen wird, muss ein Soldat das Bitt- und Einweihungsgebet sprechen.  Jemand, der sich einem Feind im Kampf gestellt und damit sich selbst, seinem Impuls, den einfacheren Weg zu gehen und wegzulaufen, seiner Angst und Hilflosigkeit gestellt hat, also ein Krieger. Und es muss ein Krieger sein, der diesen Kampf in Zuversicht und Vertrauen auf den Schöpfer – Acbadea, „the Maker of All Things Above“, symbolisiert durch die lebenspendende Sonne – unversehrt überstanden hat.

Der Krieger steht symbolisch für den inneren Kampf, den jeder Mensch auf seinem Weg zu Gott führen muss, gegen seine eigene Bequemlichkeit, Abgelenktheit und Desinteresse, gegen den Feind in sich selbst, bis hin zum Einstehen für Gottes Botschaft gegen Kritik, Verhöhnung und selbst Gewalt.

Während der drei bis vier Tage dauernden Sonnentanzzeremonie im Sommer nehmen die Sonnentänzer weder Nahrung noch Wasser zu sich . Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang bewegen sie sich aus dem Kreisrund der Sonnentanz-Lodge zum Sonnentanzbaum in der Mitte der Lodge – das Symbol für die zentrale Verbindung von der Erde zum Schöpfer – hin und wieder zurück. Dabei beten sie innerlich und blasen ihre Adlerpfeifen als Zeichen dafür, dass ihre Gebete zum Schöpfer emporsteigen mögen. Das über so viele Tage mitten im heißen Sommer durchzuhalten bedeutet eine riesige körperliche Anstrengung, Schmerzen, Leiden, Erschöpfung, nicht selten bis zum – scheinbaren – Zusammenbruch, der tatsächlich nur anzeigt, dass der Sonnentänzer in dem Moment von einer Eingebung getragen wird. Die Tänzer müssen je länger, je mehr gegen sich selbst kämpfen, den Feind in sich selbst im und mit dem Sonnentanzgebet überwinden. Getragen vom inneren Gebet ist seine Selbst-Überwindung das Opfer des Sonnentänzers, mit dem er für den Segen des Schöpfers für sich selbst, seine Familie, den ganzen Stamm, die Natur und die Welt bittet. Er bittet um Leben, in dieser und in jener Welt. Er hofft auf eine Eingebung, die den Weg weist. *

Genau das hat Jesus getan. Kritik, Anfeindungen, Verleumdung, ein Prozeß ohne Anwalt, Misshandlung, Auspeitschung, Geißelung, Verhöhnung, Zur-Schau-Stellung, bitterste Folter am Kreuz. Überwindung des Ichs bis zum letzten Ende, dem Tod, getragen in der inneren Verbindung zu Gott.

Es war sein ultimativer „Sonnentanz“. Der Tod seines Körpers bedeutete die Überwindung des Todes durch den Sieg seines Geistes.

Um den Menschen den Weg zum ewigen Leben zu zeigen und zu öffnen.

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*siehe u.a. „Yellowtail – crow medicine man and sun dance chief“, University of Oklahoma Press, 1991

 

 

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Vaskulitis Kurznachrichten 3.4: Mensch oder Maschine – Wer bietet die bessere Medizin?

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Eine der gravierendsen Änderungen ihres Lebens für Patienten mit einer systemischen Vaskulitis ist die lebenslange Abhängigkeit von Ärzten. Vorbei die Zeit, wenn ein Arztbesuch nur ein vorübergehende Randerscheinung des eigenen Lebens ist. Zu kritisch ist eine Vaskulitis-Erkrankung, zu groß die Risiken. Sie erfordert eine ständige Überwachung durch qualifizierte Ärzte. Leider ist genau das der kritische Punkt.
Eine Studie hat gezeigt, dass jede zehnte Diagnose eine Fehldiagnose ist. Wie  Wissenschaftler in Ottawa, Kanada, feststellten, ist jede dritte Asthmadiagnose eine Fehldiagnose. Selbst eine Erkrankung wie die Lungenentzündung, die mit 680 000 Fällen in Deutschland jährlich nun wahrlich nicht zu den Seltenen Erkrankungen gehört, wird oft nicht oder sogar fälschlich diagnostiziert.
Wenn schon bei einer relativ häufigen Krankheit die Qualität der ärztlichen Diagnosen so niedrig liegt, wie wird die Qualität dann im Fall einer Seltenen Erkrankung aussehen? Können Patienten mit einer Seltenen Erkrankung sich auf die sie betreuenden Ärzte verlassen?

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Ein Patient kommt mit einer schweren Erkältung zu seinem Arzt. Es geht ihm schlecht, er hat Fieber, unerträgliche Kopfschmerzen, fühlt sich schlapp, und jetzt kommt auch noch Blut aus der Nase. Der Hausarzt schickt ihn zum HNO-Arzt, der die Nase untersucht und ihn sofort weiterschickt zum Radiologen. Dort wird ein MRT angefertigt. Der Bericht des Radiologen spricht von Verdacht auf – tödlichen – Nasenkrebs. Der Patient wird daraufhin zur Abklärung an der Nase operiert. Dabei wird das wuchernde Gewebe und ein Teil der Nasenmuscheln entfernt, was später Auswirkungen auf die Filterung und Anwärmung der Atemluft haben wird. Erst die Analyse des entnommenen Materials aus Nase und Nasennebenhöhlen im Labor ergibt, dass nicht Krebs vorliegt, sondern eine systemische Vaskulitis. Ein paar Jahre später kommt der Patient, aus Anlass einer erneuten Überweisung für eine Kontrolluntersuchung an die damalige Radiologie, mit selbigem Radiologen ins Gespräch. Es stellt sich heraus, dass dieser Arzt keinerlei Erfahrung mit der Bildgebung bei Vaskulitiden hatte und hat, und sie deshalb weder zum vorherigen Zeitpunkt, noch zum dann aktuellen Zeitpunkt erkennen oder einschätzen konnte bzw. kann. Eine potentiell für den Patienten fatale Qualifikationslücke, denn hätte der OP-Termin, der letztlich zu richtigen Diagnose führte, auf sich warten lassen, hätte der Patient durch die unbehandelte Vaskulitis entweder schwere Organschäden erleiden oder sogar versterben können. Erkennt der Radiologe bei der Kontrolluntersuchung mögliche Vaskulitisfolgen nicht, kann das im gleichen Sinne fatal sein.

Ein solcher Vorfall, ein anderer wird hier geschildert, rüttelt arg an dem Vertrauensvorschuss, den Patienten ihren Ärzten  geben. Sie führen zu der Frage:
Wären wir mit einer Medizin und Praxen, in der der – fehlerhafte – menschliche Faktor zugunsten von Computern und Robotern reduziert wird, möglicherweise besser bedient?

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Die Wissenschaft jedenfalls bewegt sich in diese Richtung:

Ein selbstlernender Algorithmus, der an der Stanford University entwickelt wurde, übertraf bereits nach nur einem Monat Lernzeit vier führende Radiologen des Stanford Medical Centers in der Qualität der Diagnose einer Lungenentzündung anhand von Röntgenaufnahmen. Projekte, wie in Deutschland AMI (Automation in Medical Imaging)  am Frauenhofer Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS in Bremen, bei dem selbstlernende Computer die Qualität der Auswertung von medizinischen Bilddaten bei Krebstumoren steigern sollen, und der Computer Watson an der Universitätsklinik Gießen/Marburg  setzen weitere Schritte.  Watson erreichte in Testläufen bei der Diagnose von Lungenkrebs eine Quote von 90% , während die am Test beteiligten Ärzte nur eine Quote von 50% erreichten (“ Von Menschen, Computern und SChachbrettern“, Dr. Ziad Mahayni, S. 21 in „perspectives #5“, Januar 2018, infraserve höchst).

Aber hilft die Entwicklung der medizinischen Computertechnik speziell auch Vaskulitis-Patienten?

Auch ein Super-Algorithmus kann nur so gut sein, wie die Datenbasis, auf die er zurückgreifen kann. Im Falle von Krebs steht den Wissenschaftlern das deutsche Krebsregister zur Verfügung. Und nun erinnern wir uns: In Deutschland hat es die Politik, trotz der Bemühungen von zuletzt Frau Prof. Dr. Julia Holle,  bis heute nicht für nötig befunden, ein nationales Vaskulitisregister einzurichten, das diese Daten als Basis für eine verbesserte Vaskulitisdiagnostik sammeln würde. Nachdem also versucht wurde, die jahrzehntelange Forschungs- und Entwicklungslücke bei Medikamenten für Seltene Erkrankungen durch das Orphan Drugs Gesetz der EU zu schließen, sieht es ganz danach aus, dass eine ganz neue, große Benachteiligung bei der Therapie der Seltenen entsteht.

Was meinen Sie, liebe Leser, ein schönes Projekt für unseren neuen Gesundheitsminister, Herrn Spahn, nicht wahr?

Dieser Beitrag ist ein Service von PrO Vaskulitis.

 

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Nouruz mobarak!

Wespenkrokus

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Rechtzeitig zum Frühlingsanfang hat sich Mitteleuropa wieder mit einer Schneedecke geschmückt. Picknick draußen zu Nouruz wird also auch dieses Jahr wieder nur etwas für die ganz unerschütterlichen Nouruz-Fans  sein.

Für alle anderen ein Foto als Zeichen der Hoffnung auf den baldigen Sieg des Frühlings 🙂
und der Link zu einem ebenso amüsanten, wie treffenden Artikel zu Nouruz in der New York Times.

Eide schoma mobarak!

Nouruz 2018

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Wildtier-Safari

Letztes Jahr im Frühling hieß die Nachricht: Uns gehen bald die Insekten für die Bestäubung unserer Nutzpflanzen aus! Bilder aus China wurden gezeigt, wo in zeitraubender, mühsamer Arbeit Menschen die Bestäubung ihrer Pflanzen per Hand durchführen mussten. Aber nicht nur das, neueste Forschungen der Universität Göttingen zeigen, dass z.B. Erdbeeren schlechter schmecken und insgesamt mickrig wurden, wenn die Erdbeerblüten sich gegenseitig, nicht aber durch Insekten bestäubt wurden.

Was droht uns da nur verloren zu gehen!

Allzu neu war die Nachricht vom schleichenden Aussterben der Insekten aber eigentlich nicht, denn schon lange bekannt ist das Bienensterben – was die meisten Menschen, die davon hören, ehrlich betrübt, denn Bienen sind ihnen als Honiglieferanten symphatisch und gelten als friedlich.

Letzte Woche waren hier die Gärten aber voller Wespen. Heisshungrig flogen sie jede offene Blüte an, sei es ein Krokus, eine Azalee oder eine Korkenzieherhasel, deren hängende Dolden sich gerade entfaltet hatten. Da beschleicht dann so manch Einen ein unwohles Gefühl, denn Wespen  gelten als angriffslustig und wehrhaft. Ein Wespenstich kann für Allergier ja auch gefährlich sein, wenn er auch meistens „nur“ gehörig schmerzhaft ist.

Vielleicht müssen wir aber umdenken, wieder lernen, nicht nur unsere eigenen Grenzen als Spezies innerhalb des Systems Natur zu erkennen, sondern vor allem die Reviergrenzen und Lebensweisen anderer Lebewesen zu respektieren. Einem jagenden Löwen laufen Sie ja auch nicht mitten ins Visier. Wenn ein Schwarm Wespen sich in seinem Revier der Pollenernte an einem Baum widmet, können wir doch einfach ein Paar Tage Abstand wahren und zur Not auf das Kuchenessen auf der Terrasse einmal verzichten. Und vielleicht die so gewonnene Zeit für eine Inlands-Wildtier-Safari  nutzen!

Haselregen

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Haselnuss-Wiese

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Morgentau

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Krokus

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Violetter Krokus

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Wespen-Rendevouz

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Azaleentraum

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Mondkuh

Wenn es in Sibirien keine Fotografen gäbe, würde ich mich nicht wundern. Es sei denn, sie kennten ihre Dichtung!

Als ich letzte Woche spätabends den Mond inmitten von Schneewolken über unserem Haus stehen sah, konnte ich nicht widerstehen. Spontan schnappte ich mir mein Smartphone, hing mir schnell eine Jacke über und lief nach draußen, um die still-schöne Ansicht einzufangen.

Wunderschön, in der Tat, waren die einsame Nacht und der umwölkte Mond, aber oha, wie bitterkalt! Kaum konnte ich das schnell eiskalte Handy in die richtige Position bringen, trotz Zittern vor Kälte ruhig halten und dann auch noch einen meiner steifgefrorenen Finger zwingen, sich in Richtung Kamerauslöser zu bewegen. Die Finger wollten alle nicht mehr so richtig!

Wie ich also mehr oder weniger glücklich herumhantierte, musste ich unwillkürlich über mich selbst als „Fotografen-Eiszombie“ in „Deutsch-Sibirien“ in mich hineinschmunzeln. Und da kam mir ein Gedicht in Erinnerung, das wir als Kinder mit viel Spass gelernt und uns immer wieder  gegenseitig lachend her gesagt hatten. Wie ging das nochmal genau? Und da musste ich dann so richtig in mich hineinlachen! Ich merkte, mit jedem rythmischen Zitieren des Gedichts konnte ich mein Kältezittern und die steifen Bewegungen meiner Eisfinger etwas in den Hintergrund treten lassen und gleichzeit besser in Gleichklang bringen. Und nach einigen Klicks:

Mond, ich habe ein Foto für Dich!

Mondbaum

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Dunkel war’s, der Mond schien helle,
Schnee lag auf der grünen Flur,
als ein Auto blitzeschnelle
langsam um die Ecke fuhr.
Drinnen saßen stehend Leute,
schweigend ins Gespräch vertieft,
als ein totgeschossner Hase
auf der Sandbank Schlittschuh lief.

Auf einer roten Banke,
die blau angestrichen war,
saß ein blondgelockter Jüngling
mit kohlrabenschwarzem Haar.
Neben ihm ’ne alte Schrulle,
die kaum erst sechzehn war.
Diese aß ’ne Butterstulle,
die mit Schmalz bestrichen war.

Droben auf dem Apfelbaume,
der sehr süße Birnen trug,
hing des Frühlings letzte Pflaume
und an Nüssen noch genug.

Eine Kuh, die saß im Schwalbennest
mit sieben jungen Ziegen,
die feierten ihr Jubelfest
und fingen an zu fliegen.
Der Esel zog Pantoffel an,
ist übers Haus geflogen,
und wenn das nicht die Wahrheit ist,
so ist es doch gelogen.

       Joachim Ringelnatz

Mond im Winter 2018

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Auf Schatzsuche

“ Den Qur’an brauche ich nicht zu lesen!“ Das war ein deutlich abwehrendes Statement der evangelischen Christin. Und warum sollte sie sich auch mit einer anderen Religion beschäftigen? Ihre Religion und den damit ihren religiösen Rahmen hatte sie ja gewählt. Und sie hatte mit ihrer Religion alles, was sie für ihr religiöses Leben brauchte:

Das ausreichende Wissen über Gott, das Verhältnis zwischen Gott und sich selbst, und über sich als Mensch, sowie die Methode – Gebete und Rituale -,  um ihren eigenen Weg zu Gott beschreiten und, möglichst bis zum Endpunkt, gehen zu können.

Sich mit anderen Religionen auseinanderzusetzen, ist das dann überflüssig?

Was könnten der Hinduismus, der Buddhismus, das Judentum oder der Islam, die Religion der Roten Indianer Nordamerikas oder das Christentum dem Angehörigen der jeweils anderen Religion – ohne ihn zu einer Konvertierung anregen zu wollen –  überhaupt geben?

Sonnenaufgang im Februar 2018 bei Minus 8 Grad

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Nun, vom Hinduismus könnte der Interessierte  z.B. lernen, dass eine jede Religion nur eine von mehreren möglichen Ansichten auf Gott darstellt. Gott ist unendlich,  eine Religion ist es nicht. Unendlichkeit in die endliche Welt des Menschen zwängen, bedeutet zwangsläufig Begrenztheit. Deshalb ist Bescheidenheit angebracht bezüglich der Reichweite und Bedeutung der jeweils eigenen Religion und Achtsamkeit gegenüber den anderen wahren Religionen.

Das Judentum könnte bei dem Interessierten das Bewußtsein dafür wecken, dass Gott den Menschen immer begleitet, dass er immer gegenwärtig ist. Lebe, alsob Du ständig in der Gegenwart Gottes stehst, das ist der Sinn der genauen Befolgung der ausgefeilten Regeln des jüdischen Alltags. Wissen, dass Gott Dich immer sieht und an Deiner Seite steht, dass ist das große Versprechen der jüdischen Religion.

Sonnenaufgang2 im Februar 2018 bei Minus 8 Grad

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Vom Islam könnte der Interessierte lernen, dass Gott alleine wirklich ist, und umgekehrt das menschliche Ich und die Welt keine absolute Realität sind, dass sie relativ sind. Den Weg zu Gott gehen bedeutet im Islam, sich auf Gott als die einzige, wahre, absolute Wirklicheit zu konzentrieren, ihn jederzeit im Alltag zu sehen und sich seiner zu erinnern. Die fünf täglichen Gebete sind eine Unterstützung, sich durch den Tag hinweg immer wieder und immer mehr auf Gott zu konzentrieren und sich ihm hinzugeben. Das ist die Bedeutung des Wortes „Islam“: Hingabe. Ein Muslim überwindet sein Ich in der, von der Erkenntnis der letzten Wirklichkeit gestützten, Hingabe an Gott.

Das Christentum lehrt den Interessierten, dass die Liebe Gottes unerschöpflich ist, und der Mensch mit einer ebenso großen Liebe Gott gegenüber antworten muss. Diese Liebe orientiert sich nicht an Äußerlichkeiten und dem Befolgen von Regeln. Sie bricht alle äußeren Grenzen. Sie bricht auch das Ich. Sein Ich in der inneren Liebe zu Gott verbrennen, das ist der Weg des Christen.

Sonnenaufgang5 im Februar 2018 bei Minus 8 Grad

Die Sonnentanz-Religion der Sioux-Indianer Nordamerikas könnte dem Interessierten zeigen, dass jedes Lebewesen, jedes Element der Schöpfung eine Reflexion der unterschiedlichen Eigenschaften Gottes ist. Deshalb vermittelt uns die Natur, nicht aber die menschengemachte Stadt eine Ahnung von und Nähe zu Gott. Deshalb ist Gott dem Menschen als Teil der Schöpfung näher als seine eigene Haut. Im Bewußtsein der allumfassenden Gegenwart Gottes leben, das ist der Weg der Sioux.  Und obwohl der Mensch als letztes Glied der Schöpfung weiter entfernt vom Ursprung der Schöpfung – und damit von Gott – ist als alle anderen Geschöpfe, und ihnen damit Respekt schuldet, ist er zugleich der Einzige, der die seelische Kapazität hat, die Schöpfung gegenüber Gott zu vertreten. Nur der Mensch kann für sie und ihren Schutz und das Gleichgewicht der Schöpfung Gott bitten. Das ist die Verantwortung gegenüber der Schöpfung, die er zu tragen hat.

Vom Buddhismus könnte der Interessierte lernen, dass  jede wahre Religion den Sucher zwar ein Stück weit auf den Weg bringen kann. Letztlich jedoch muss der Mensch auch die Religionen – weil eine jede von ihnen in ihrer Vorstellung der Gottheit begrenzt ist – hinter sich lassen, will er das Unendliche und Absolute erfassen. Deshalb lehrt der Buddhismus die Wertschätzung einer jeden Religion als jeweils unterschiedliche Wegstationen mit letztlich dem einen Ziel, dem keine menschliche Beschreibung oder Zuordnung gerecht werden kann. Diese Wertschätzung der Religionen geht gepaart mit dem Wissen darum, dass der Weg noch jenseits dieser Stationen weitergeht, in eine Welt, die so andersartig und jenseits all dessen liegt, was unsere Schöpfung ist, dass sie nur mit dem Gegenteil von der Existenz dieser Schöpfung bezeichnet werden kann, der Nicht-Existenz oder dem „Nichts“. Seinen Geist durch Meditiation und Gebet von jeglicher Vorstellung oder Illusion, auch der der Realität des eigenen Ichs, auch der, dass das eigene Leben irgendwie ja doch immer weitergeht, zu leeren und damit Raum zu schaffen für dieses „Nichts“, das ist der Weg des Buddhisten.

Sonne am Horizont im Februar 2018 bei Minus 8 Grad

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Vaskulitis Kurznachrichten 3.3: Chinesische Fallstudie stellt Frage nach der Ursache von Anca-assoziierten Vaskulitiden

kurznachrichten1

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Aus China kommt die neueste, aufsehenerregende Fallstudie zu Anca-assoziierten Vaskulitiden. Letztere zeichnen sich dadurch aus, dass bei den Betroffenen im Blut sogenannte Anti-Neutrophile cytoplasmatische Antikörper (Anca) nachgewiesen werden können. Es handelt sich dabei um Auto-Antikörper gegen die eigenen, polymorphen weißen Blutkörperchen, die Granulozyten.

Nachgewiesen werden Anca im Labor durch einen Immunfluoreszenz-Test . Dieser Nachweis ist Teil der Vaskulitis-Diagnostik. Bei einigen Patienten können jedoch trotz vieler Symptome, die für eine Anca-assoziierte Vaskulitis sprechen, keine Anca nachgewiesen werden. Eine  Situation, die für Unsicherheit sorgt bei den behandelnden Ärzte und natürlich auch bei den Patienten.

Ärzte am Tianjin Medical University General Hospital, China berichten nun von einer Patientin, bei der zunächst, trotz einer Erkrankung, die alle Symptome einer Entzündung der Blutgefäße zeigte, keinerlei Anca, weder Myeloperoxidase (MPO), noch Proteinase 3 (PR3), nachgewiesen werden konnte.

Die 64jährige Frau  litt, als sie ins Krankenhaus kam, an starken Wasseransammlungen, sogenannten Ödemen, in den Beinen und ihr Urin wies hohe Proteinwerte und Blut auf, also ein Hinweis auf eine Nierenproblematik. Die Ärzte nahmen daraufhin eine Nierenbiopsie vor. Sie ergab eine Nierenentzündung, bei der bereits 25% der Nierenkörperchen betroffen waren.

Angesichts des fehlenden letzten Nachweises für eine Anca-assoziierte Vaskulitis, den Anca, entschied sich die Patientin gegen eine Behandlung mit Immunsuppressiva. Ihre Ärzte behandelten sie daraufhin mit Losartan, einem Mittel gegen hohen Blutdruck, das zur Entlastung der Niere eingesetzt werden kann, wie es schien, erfolgreich. Beide Symptome, die Ödeme und die Nierenentzündung, gingen unter der Medikation zurück.

18 Monate später jedoch meldete sich die Patientin im Krankenhaus zurück. Sie klagte über Müdigkeit, etwas Husten und leichte Knieschmerzen. Außerdem hatte sie 1 Kg an Gewicht verloren. Die erneute Blutuntersuchung ergab nun erhöhte Entzündungswerte. Auch der Kreatininwert war deutlich erhöht. Eine zweite Nierenbiopsie konnte schließlich eine fortgeschrittende Nierenentzündung und eine MPO-assoziierte Vaskulitis bestätigen. Und zum ersten Mal waren Anca nachweisbar.  Die Ärzte fanden sie als sehr niedrigen Anca -Wert in gereinigtem IgG (Gammaglobulin) aus dem Blutserum, das der Patientin vor der zweiten Nierenbiopsie entnommen worden war.

Gammaglobulin hat u.a. die Funktion, die Schleimhautzellen  zu schützen. Schleimhautzellen kommen in der Niere, dem Darm, dem Magen, dem Mund und Rachen, der Blase, den Ei- und Samenleitern, der Gebärmutter, der Lunge, der Luftröhre, den Bronchien, der Nase und den Nasennebenhöhlen, sowie der Bindehaut der Augen vor, also überall da, wo bei Menschen, die an einer Anca-Vasculitis leiden, auch vaskulitis-bedingte Entzündungen auftreten können. Es könnte also m.E. sein, dass auch bei deutschen Vaskulitis-Patienten, die bisher als Anca-frei gelten, durch eine genauere Untersuchung ihres Gammaglobulin Anca gefunden werden könnten.

Die chinesischen Ärzte plädieren jedenfalls bei ihren Kollegen und den Experten in den Labors dafür, minutiös nach Anca zu suchen. Vor allem auch deshalb, weil sie darüberhinaus vermuten, dass, da die Patientin erst Anca-negativ war,  die Auto-Antikörper sich erst im Verlauf der Krankheit ausbilden! Eine Anca-Vaskulitis könnte einfach ein fortgeschrittenes Stadium einer nicht-Anca-Vaskulitis sein. Wissenschaftlich hoch interessant wäre es also, wenn außer diesem weltweit ersten, nachgewiesenen Fall, noch mehr Patienten gefunden werden würden, bei dem eine nicht-Anca-Vaskulitis sich in eine Anca-Vaskulitis verkehrt.

Bestätigt sich die Vermutung der chinesischen Ärzte, dann können logischerweise Anca nicht ursächlich für eine Anca-assoziierte Vaskulitis sein.  Vielmehr muss der Gefäßentzündung,  die ja bei der chinesischen Patientin bereits vor dem Auftreten der MPO-Anca entstanden war,  eine andere Ursache zugrunde liegen.

Das würde übereinstimmen mit der Erkenntnis von Vaskulitis-Wissenschaftlern, dass für die Beurteilung der Aktivität einer Vaskulitis nicht der Anca der entscheidende Marker ist. Vielmehr steht mittlerweile die Protinease 3 – bei der Vaskulitis-Form Granulomatose mit PolyAngiitis (GPA) zudem der PAR-2 Rezeptor und das Interleukin IL-32 – im Focus  (siehe hier). Deshalb ist auch die Entwicklung einer automatisierten Ancaanalyse nicht mehr weiterverfolgt worden, wie mir Fr. Dr. Csernok, die sehr engagierte Leiterin des Anca-Referenzlabors in Deutschland, neulich (aus ihrem Urlaub! Vielen Dank nochmal, Fr. Dr. Csernok!) mitteilte.

Die Ärzte aus Tianjin haben ihre besondere Fallstudie in der Fachzeitschrift Medicine veröffentlicht. Die Suche nach der Ursache einer Anca-assoziierten Vaskulitis bleibt also weiterhin offen!

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Gedanke beim Sonnenaufgang

Sonnenaufgang1

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Du fragst, was ist die Zeit? Und was ist Ewigkeit?

Wo hebt sich Ew`ges an, und hebet auf die Zeit?

Die Zeit, sobald du aufhebst sie, ist aufgehoben,

Wo dich das Ewige zu sich erhebt nach oben.

Die Zeit ist nicht, es ist allein die Ewigkeit.

Die Ewigkeit allein ist ewig in der Zeit.

Sie ist das in der Zeit sich stets gebärende,

Als wahre Gegenwart die Zeit durchwährende,

Wo die Vergangenheit und Zukunft ist geschwunden

In Gegenwart, da hast du Ewigkeit empfunden.

Wo du Vergangenheit und Zukunft hast empfunden

Als Gegenwart, da ist die Ewigkeit gefunden.

Friedrich Rückert

Dichter, Sprachgelehrter und Übersetzer, Begründer der deutschen Orientalistik (1788-1866)

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Die Sache mit den vier Frauen

Bei einem Besuch in Berlin zog mich ein unwiderstehlicher Gebäckduft direkt aus einem fies-nassen Graupelschauer in eine türkische Konditorei, wo ich mich mit einem heißen Tee zu zuckersüßer Baklava aufwärmte. Gerade wollte ich mich von der netten, türkischstämmigen Verkäuferin verabschieden, als ich sah, dass sie sich halb wegdrehte, um die aus ihren Augen quellenden Tränen vor mir zu verstecken und schnell wegzuwischen. Verlegen drehte sie sich wieder mir zu und versuchte zu lächeln. „Entschuldigen Sie bitte. Heute morgen habe ich erfahren, dass mein Mann eine Geliebte hat“ sagte sie, und schon flossen dann doch wieder die Tränen.

„Das tut mir leid,“ bekundigte ich betroffen mein Mitgefühl, und wollte schon diskret gehen. Da begann sie zu erzählen. Alsob ein lange aufgeschichteter Staudamm gebrochen wäre, floss ihr Leid aus ihr heraus.

Scheidung

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Sie hatte ihren Mann im Zuge einer von ihrer Familie arrangierten Hochzeit nach islamischem und deutschem Gesetz in Deutschland geheiratet. Das Paar hatte zusammen drei Kinder bekommen und ein nicht überglückliches, aber auch nicht gerade unglückliches Familienleben zusammen geführt. Nun aber hatte ihr Ehemann in der islamischen Gemeinde eine andere Frau kennengelernt, auch eine Türkin, und sich in sie verliebt.  Er hatte beschlossen, sie zu seiner zweiten Ehefrau zu nehmen.

Es ist eine Mär, dass Muslime weniger fremd gehen als Christen. Sie versuchen nur, der ganzen Sache einen scheinbar offiziellen Anstrich zu geben. In der Türkei kommt es z.B. durchaus vor, dass verheiratete, sunnitische Muslime eine Geliebte haben, die sie nach außen hin pro forma mit dem islamrechtlichen Institut der Zeitehe als Zweitehefrau an sich binden, ohne dass die Erstehefrauen davon wissen.

Just an diesem Morgen war der Verkäuferin klargeworden, dass ihr Mann eine solche Geliebte hatte. Zur Rede gestellt, gab der Ehemann die Beziehung zur Geliebten zu und kündigte gleichzeitig an, er wolle die gemeinsamen Kinder von nun an an zwei Tagen pro Woche abends nach der Arbeit besuchen. Die Verkäuferin hatte schockiert und zutiefst verletzt daraufhin von ihrem Mann die Scheidung verlangt. Er hatte das jedoch abgelehnt. Er dürfe als Muslim schließlich bis zu vier Ehefrauen nehmen, und sie müsse sich als Muslima damit abfinden. Scheiden lassen wolle er sich nicht. Vermutlich rechnete er damit, dass das Umgangsrecht für seine Kinder und der Unterhalt für sie, sowie seine Erstehefrau dann durch ein deutsches Gericht geregelt werden würde.*

Die arme Frau hatte nun wirklich mein Mitgefühl. Ein wenig Trost konnte ich ihr aber geben.

Seite des Korans

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Ihr werter Ehemann befand sich nämlich auf dem Holzweg. Sie als erste Ehefrau muss sich nämlich keineswegs mit dem Vorgehen Ihres Mannes abfinden. Das islamische Recht sieht zwingend vor, dass die erste Ehefrau zuvor ihre Zustimmung zu einer weiteren Ehe ihres Ehemanns geben muss. Sie darf diese Zustimmung ohne Weiteres auch verweigern. Tut sie letzteres, ist die Zweitehe nach islamischem Recht ungültig und illegal.

Selbst wenn die erste Ehefrau der Zweitehe zugestimmt hätte, so fordert das islamische Recht, dass der Ehemann beide Ehefrauen in jeglicher Hinsicht, also materiell, emotional und auch qua Zeitaufwand und Zuwendung gleich behandeln muss. Mit seiner Entscheidung, die Erstfrau nur 2 Mal pro Woche zu besuchen, brach der Ehemann also auch in dieser Hinsicht das islamische Recht.

Einem intelligenteren – und nicht triebgesteuertem – Mann wäre wohl auch aufgefallen, dass kein Mensch auf dieser Erde zwei andere Menschen absolut gleich wird behandeln können. Also auch in dieser Hinsicht befand sich der Ehemann der Verkäuferin ganz auf dem Holzweg.

Darüberhinaus gilt in Deutschland deutsches Recht, also auch das deutsche Familien- und Scheidungsrecht, dass eine Zweit-, Dritt- oder Viertehe ausschließt. Und der Ehefrau das gleichberechtigte Recht gibt, die Scheidung einzureichen. Was ich Ihr denn auch anheim stellte, wenn sie mit ihrem Mann nicht mehr zusammenfinden sollte.

Weltweit haben Muslima sich viel zu lange zu wenig darum gekümmert, welche Rechte sie bereits im islamischen Recht haben, und sie haben sich zu wenig darum gekümmert, diese Rechte für sich und andere Frauen auch durchzusetzen. Fälschlicherweise gingen Muslima anscheinend davon aus, dass sie darauf warten müssen, bis ihnen ihre Rechte von den Männern gewährt werden, wie eine syrische Flüchtlingsfrau in einer Flüchtlingsunterkunft in Köln in einem TV-Interview von sich gab. Sie antwortete auf die Frage nach der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen in Syrien, dass die Männer sie ihnen als syrische Frauen bisher nicht gewährt hätten.

Liebe Muslima, (neue) Rechte wurden und werden Frauen niemals geschenkt werden. Frau muss sie sich in jedem Fall selbst erkämpfen! Die Frauenrechte in der westlichen Welt sind schließlich nicht vom Himmel einer fürsorglichen Männergüte gefallen, sondern von mutigen Frauen in jahrzehntelangen, harten Auseinandersetzungen erstritten worden! Es ist Zeit, dass auch Muslima für ihre Rechte in den Ring steigen!

Richter

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*Die Personen und die Handlung des Beitrags sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

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