Auf Schatzsuche in Vietnam

LWL-Museum für Archäologie/Binh/©123RF.com

LWL-Museum für Archäologie/Binh/©123RF.com

Die Eliten Asiens wissen in der Regel weitaus mehr über uns Europäer, als wir über sie.  Gönnen wir uns daher, liebe Leser, eine kleine Schatz-Suche in Vietnam, ohne Flugstress, ohne sich mit feucht-warmer Witterung, Insekten- und Schlangen im Urwald oder der ‚“Rache Montezumas“ auseinandersetzen zu müssen, ein völlig entspanntes Erlebnis, in der ästhetischen und inhaltlich sehr gut aufgebauten Ausstellung „Schätze Vietnams“ im LWL-Museum für Archäologie in Herne.

Sie ist zum erstenmal überhaupt in Deutschland zu sehen. Der Besucher bewegt sich durch die Jahrhunderte vietnamesischer Geschichte, anhand von archäologischen Funden aus verschiedenen Ausgrabungsstätten, die über das ganze Land verstreut sind, darunter auch eine Meeres-Grabstätte. In Anlehnung an die Situation auf archäologischen Ausgrabungsfeldern, bei denen ja niemand auf eventuell noch verborgenen Artefakten „herumtrampeln“ sollte, führt ein Steg die Besucher wie ein roter Faden von einem Ausstellungsteil zum nächsten. Passenderweise ist er in der Farbe Rot gehalten, einer Farbe, die in Asien beliebt ist und Leben symbolisiert.

Hochentwickelte Steinzeit

Schon was ich an Exponaten aus der Steinzeit entdecke, lässt mich zu der Einsicht kommen, dass die vietnamesischen Völker den europäischen in dieser selben Zeitspanne kulturell und technologisch weit überlegen waren. Rituelle Zepter, die gefunden wurden, sind so fein und genau bearbeitet, dass die vietnamesischen Steinzeitmenschen über im Vergleich sehr viel weiter entwickeltere Werkzeuge verfügt haben müssen als die europäischen Steinzeitmenschen, von denen wir Faustkeile kennen. Die Vietnamesischen Völker, so vermuten die Archäologen, müssen da schon einen seilbetriebenen Steinbohrer gekannt haben, mit dem saubere, ganz exakt kreisrunde Löcher gebohrt werden konnten.

Jadezepter, darunter der längste je in Vietnam entdeckte Gegenstand aus Nephrit; Copyright (c) LWL-Museum für Archäologie/Binh

Jadezepter, darunter der längste je in Vietnam entdeckte Gegenstand aus Nephrit; Copyright (c) LWL-Museum für Archäologie/Binh

Die Salzgewinnung an der Meeresküste Vietnams und im Binnenland war auf einem, für die Steinzeit, hohen Stand. Man bedenke, in Europa war Salz schon im 10. Jahrhundert v. Chr. Zahlungsmittel, so wertvoll war es für die Konservierung von Nahrungsmitteln. Salzhandelswege führten über das Mittelmeer durch ganz Europa. Im tropischen Klima Vietnams brauchten die Menschen das Salz nicht nur zur Konservierung. Wenn sie aufgrund des Klimas viel schwitzten, war das Salz für sie auch wichtig zum Ausgleich ihres Salzhaushaltes.

Ein Stein-Xylophon lässt gleichfalls auf eine weit entwickelte Handwerkskunst schließen. Neugierig spiele ich das große Instrument. Es ist erstaunlich, wie klar und rein die Abfolge seiner Tonstufen ist!

Der Einfluss Indiens

Copyright (c) federfluesterin

Copyright (c) federfluesterin

Wer sich gewünscht hat, einmal einen Urwaldtempel Asiens besuchen zu können, wird sich an den Exponaten zur indisch beeinflussten Phase während des Reiches des südvietnamesischen Volkes der Cham erfreuen. Der rote Steg führt den Besucher direkt vor den raumhohen, imposanten Nachbau der Meter hohen Fassade des Po Klong Garai-Tempels der Cham-Kultur, vom Ende des 13. Jahrhunderts.

Copyright (c) federfluesterin

Copyright (c) federfluesterin

Mehrere, schöne Standbilder des vietnamesischen Hinduismus /Buddhismus sind in der Ausstellung zu bewundern, darunter eine betende mit einem Rosenkranz und der löwenartige Wächter eines buddhistischen Tempels. Alle drei, das Tor und die Figuren, wurden aus Sandstein-Steinen geschaffen, allerdings ohne die störenden Fugen aus Mörtel, die wir in Nordeuropa von Backsteingebäuden kennen.

Möglich wurde das durch einen Baumharzkleber, der den Sandstein zu einer Einheit verschmelzen lässt. Eine geniale handwerkliche Technik, wie ich finde! Es wird nicht das Einzige sein, das wir von Asien lernen könnten.

Kriege bringen immer Zerstörung von religiösen und kulturellen Zeugnissen mit sich, ob in Deutschland, Europa, Irak, Syrien oder in Vietnam. So manche Statue und so manches Gebäude sind leider nicht verschont geblieben, und entweder garnicht mehr vorhanden oder nur noch als Restbestandteile. Ein Verlust für die gesamte Menschheit!

Copyright (c) federfluesterin

Stilisierter Löwe aus Sandstein, 12. Jahrhundert; Copyright (c) federfluesterin

Dass Südvietnam Teil der indischen Einflusssphäre war, darauf weist auch eine kleine goldene Maske hin, die in der Ausstellung gezeigt wird. Sie stammt vermutlich aus Afghanistan oder sogar dem Süd-Iran. Beide Länder waren zeitweise Teil des nordindischen Reiches.

Die indischen Religionen Hinduismus und Buddhismus haben Südvietnam geprägt, während der Norden Vietnam ab dem 11. Jahrhundert zunehmend unter dem Einfluss Chinas und der Moral- und Staatslehre des, den chinesischen Einheitsstaat tragenden Konfuzianismus stand.

 

Einverleibung durch China

Der Besucher wird auf dem roten Steg weitergeführt zur Zeit der Eroberung und Eingliederung Nord-Vietnams in das chinesische Reich, die von 1010 nach Christus bis ins 17. Jahrhundert dauerte.

Drachenkopf aus Terrakotta

Drachenkopf aus Terrakotta als Schutz der Palastanlage von Thang Long, 11. bis 13. Jahrhundert; Copyright (c) federfluesterin

Diese Zeit war von der Zurückdrängung des vietnamesischen Buddhismus und der systematischen Einführung und Durchsetzung des Konfuzianismus geprägt.  Konfuzianische Schulen und Tempel wurden gebaut, die dazu dienten, die vietnamesischen Eliten zu Untertanen und Beamten des chinesischen Reichs  zu erziehen. Die chinesische Kultur prägte Nord-Vietnam, auch wenn lokale Eliten ihre Spielräume, die sich durch die äußerste Randlage am chinesischen Reich ergab, wußten auszunutzen .

Das Siegel des Kaisers Minh Mang ist aus purem Gold und wiegt knapp 5 kg (1827), Copyright: LWL-Museum für Archäologie/Binh

Das Siegel des Kaisers Minh Mang ist aus purem Gold und wiegt knapp 5 kg (1827), Copyright: LWL-Museum für Archäologie/Binh

So nutzten sie zur eigenen Herschaftslegitimation das Zeichen des chinesischen Kaisers, das eigentlich ihm alleine als Inhaber des „Himmelssohn“ vorbehalten war, der Drache, als Symbol auch für sich und eigene Bauten, wie die Palastanlage von Thang Long, die in der heutigen Hauptstadt Vietnams, Hanoi, gelegen ist.

Der vietnamesische Buddhismus wurde also in Nordvietnam im Gegensatz zu der Situation in Südvietnam in seiner gesellschaftlichen und politischen Funktion in den Hintergrund gedrängt, konnte sich aber dennoch halten.

Nationale Unabhängigkeit

Es ist erstaunlich, dass trotz fünf Jahrhunderten Dominanz Nord-Vietnams durch China und Abgrenzung von Süd-Vietnam, sowie der später folgenden Kolonialzeit durch die Franzosen und der Einflussnahme der USA der vietnamesische Unabhängigkeitswille  und  das Bewußtsein einer gemeinsamen Identität lebendig blieb.

Was aber ist, so frage ich mich – zwischen ursprünglich indischen und chinesischen Einflüssen – eigentlich die nationale Identität Vietnams?

Copyright (c) federfluesterin

Figuren des vietnamesischen Wassertheaters; Copyright (c) federfluesterin

Einzigartig ist sicherlich das vietnamesische Wassertheater, das die Ausstellung mit einigen Marionetten darstellt. Eine solche Theaterform konnte sicherlich  nur in einer Welt entstehen, die so von Flüssen und Meer geprägt ist, wie Vietnam.  Es ist bereits aus dem 11. Jahrhundert aus dem Deltagebiet des Roten Flusses in Nordvietnam überliefert.  Die Theaterbühne steht im Wasser und die Zuschauer folgen dem Geschehen auf dem Trockenen, es sind Stücke über die Geschichte Vietnams und den Widerstandskampf gegen China, vom Trockenen aus. Wie schade, dass wir die Marionetten nicht gleich in Aktion sehen können!

Ein vergnügliches Kennenlernen der vietnamesischen Kultur erwartet die Besucher am 29. Januar 2017, wie mir beim Verlassen der Ausstellung der Neujahrs-Drache im Treppenhaus des Museums verriet:

Mit traditionellem vietnamesischem Tanz und Köstlichkeiten, Vorträgen und Kreativ-Workshops, können Sie, liebe Leser, dann in Herne das vietnamesische Neujahrsfest Tet mitfeiern.

Copyright (c) federfluesterin

Neujahrsdrache; Copyright (c) federfluesterin

Die Ausstellung“Schätze Vietnams“ reist ab dem 27. Februar weiter, und wird ab dem 31. März 2017  im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz zu sehen sein, ab September 2017 in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim.

Ich danke dem LWL-Museum für Archäologie in Herne, insbesondere Herrn Tafertshofer von der Pressestelle, für die gute Zusammenarbeit und die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung meiner Fotos der Ausstellung.

Veröffentlicht unter Aktuell, Blickfang, Fotografie, Kunst | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Trommeln mit den Fröschen

Copyright (c) federfluesterin

Copyright (c) federfluesterin

Froschtrommeln

Copyright (c) Josch13 / pixabay.com

Copyright (c) Josch13 / pixabay.com

Klänge können Archäologen nicht ausgraben.  Aber Trommeln, die können Archäologen finden. Sie sind ein Hauptthema der Vietnam-Ausstellung im LWL-Museum für Archäologie in Herne. Auf eine imposant große Bronze-Trommel der nordvietnamesischen Dong-Son-Kultur stosse ich gleich im Eingangsbereich. Sie ist zwischen unglaublichen 1900 und 2500 Jahre alt. Unweit daneben entdecke ich auf einem Bambusuntergestell eine weitere, etwas kleinere Bronze-Trommel gleicher Bauart.

Copyright (c) federfluesterin

Dong-Son Trommel; Copyright (c) federfluesterin

 

Wie mögen sie damals, vor so vielen Hunderten von Jahren wohl geklungen haben, diese riesigen, schweren Trommeln?

 

 

 

 

 

Die kleinere der beiden Bronze-Trommeln in der Eingangshalle darf ich ausprobieren. Der leichte Schlag mit dem großen Holzschlegel auf die kreisrund verzierte Metalloberfläche erzeugt einen kraftvollen Klang, der zu meinem Schreck alle anderen Besucher in der Halle innehalten lässt. Die Trommel erklingt in einem tiefen, vollen Ton, der den ganzen Raum mit seinen Schwingungen erfüllt, einem rollenden Gewitterdonner ähnlich.

So ein mächtiges Instrument – beeindruckt frage ich mich, wie wurde es wohl gespielt, mit welchen  Rythmen, welchen Melodien?  Diente es zur Begleitung anderer Instrumente, wie den faszinierenden Bambusinstrumenten in der Ausstellung – eines von ihnen wird durch den Luftstoss beim Klatschen der Hände gespielt – und dem Stein-Xylophon , oder von Gesang? Oder war die Trommel ausschließlich ein Solo-Instrument?

Copyright (c) federfluesterin

Oberfläche einer Dong-Son-Trommel; Copyright (c) federfluesterin

Die Archäologen fanden die Trommeln in Gräbern von Menschen hoher gesellschaftlicher Stellung in der Dong-Son Welt. Das lässt sich aus den umfangreichen und wertvollen Grabbeigaben schließen. Die Trommeln, die anscheinend vor dem Tod einzig von ihrem männlichen Besitzer gespielt wurden, wurden mit ihm begraben.

In anderen, kämpferischen Kulturen findet man Schwerter als wichtigste Grabbeigabe und Begleiter ins Jenseits in den Gräbern, hier ist es eine Trommel.

Was sagt uns das über die Kultur dieses alten vietnamesischen Volks?

Warum war die Trommel so wichtig? Welche Bedeutung hatte sie für die Menschen?

Materiell wertvoll waren die Trommeln, denn sie wurden mit einer, auch heute noch technisch sehr anspruchsvollen, in der Handhabung heiklen Gusstechnik hergestellt. Eine solche Trommel konnten sich sicherlich nur die Dong-Son-Elite leisten. Die Grabbeigabe Trommel bedeutete möglicherweise die Anerkennung dieser Stellung.

Gab es aber noch einen anderen Grund?

Copyright (c) federfluesterin

Dong-Son-Trommel von oben; Copyright (c) federfluesterin

In die Mitte der Schlagfläche der Trommel haben die Guss-Künstler eine erhabene, also dreidimensionale Sonne gestellt, die ihre 14 Strahlen in alle Himmelsrichtungen aussendet. Bei indigenen Völkern  in Asien, Europa, Amerika und Afrika steht auch heute noch das Symbol der Sonne für die oberste Gottheit. Sie wirkt in den ganzen Kosmos. Die Zahl 4 wird in Asien, genauso jede weitere Zahl, die die 4 enthält, also auch die Zahl 14 mit der Vollendung und dem Tod assoziiert, dem Übergang in das Jenseits, die Welt der Gottheit.

Die wunderschönen, ausgefeilten Verzierungen, die die Schlagflächen der Trommeln in konzentrischen Kreisen bedecken, zeigen Vögel im Flug. Vögel tragen in der Welt der indigenen Völker Sibiriens und Nordamerika symbolisch die Gebete der Menschen gen Himmel. Die Bewegung entgegen des Uhrzeigersinns zeigt an, dass es auch um die Verinnerlichung des Gebets durch den Menschen geht.

Copyright (c) makamuki0 / pixabay.com

Copyright (c) makamuki0 / pixabay.com

Ich entdecke stylisierte Vögel mit langen Schnäbeln, wahrscheinlich Kraniche. Kraniche begleiten den Toten in das Jenseits und stehen für das Glück des ewigen Lebens. Hirsche oder Rehe, die im Kreis rund um die Trommel laufen, sind das Symbol der ständig sich erneuernden Schöpfung, Kreislauf von Tod und Leben. Auch hier zeigt die Richtung entgegen des Uhrzeigersinns an, dass die Erneuerung des Lebens im eigenen Inneren des Menschen stattfinden muss.

Stilisierte Frösche auf einer Dong-Son Bronze-Trommel; Copyright: LWL-Museum für Archäologie in Herne/S. Brentführer

Stilisierte Frösche auf einer Dong-Son Bronze-Trommel; Copyright: LWL-Museum für Archäologie in Herne/S. Brentführer

Die Trommel wird von vier stilisierten Fröschen geschmückt. Selbst heute noch sehen die Menschen in Vietnam  den Klang der Frösche symbolisch als wagemutiger Bote an, der unablässig ihre Gebete zum Himmel trägt. Wie der alte Mythos vom Regengeist und dem Frosch erzählt, waren es in früheren Jahrhunderten Gebete für Regen und um Barmherzigkeit Gottes mit den Menschen, die der mutige Frosch, der bei jedem Gewitterregen stets wieder zum Leben erweckt zu werden scheint, ohne Unterlass zur Gottheit trug.

Genauso wie die Trommeln, denen ihre Musiker unaufhörlich einen symbolischen „Gewitterdonner“ entlockten.

Als geweihte Trommeln für heilige Rituale standen die Frosch-Trommeln in einer Zeit, als  die Beziehung zur Gottheit für die Menschen und die Gesellschaft das Leben prägte, zentral in der Dong-Son-Kultur.

Nutzen Sie Ihre Chance, liebe Leser,  bis zum 26. Februar 2017, und insbesondere am kommenden Sontag, dem 29. Januar 2017 zur Feier des vietnamesische Neujahrsfestes Tet in Herne, mit den vietnamesischen Fröschen zu trommeln!

 

Ich danke dem LWL-Museum für Archäologie in Herne, insbesondere Herrn Tafertshofer von der Pressestelle, für die gute Zusammenarbeit und die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung meiner Fotos der Ausstellung.

 

Veröffentlicht unter Aktuell, Blickfang, Kunst | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Wie ein einsamer Wolf in den Wäldern

Copyright (c) Pexels/pixabay.com

Copyright (c) Pexels/pixabay.com

Wie ist es, sich alleine, ohne jegliche Ausrüstung, in den Wäldern des Baltikums durchzuschlagen, wissen Sie das? Wie geht das, wie kann das gehen?
Niemand kann das so gut wissen, wie ein ehemaliges Wolfskind. Wie es ist, sich von jetzt auf gleich Essen beschaffen zu müssen in der Wildnis, Wasser, Wärme, Schutz, irgendwie, ein nacktes Überleben.

Schülerinnen und Schüler des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums in Frankfurt am Main suchen Zeitzeugen, die entweder selbst oder deren Angehörige das Schicksal eines „Wolfskindes“ durchleben mussten und darüber berichten möchten. Willkommen sind auch Tagebuchaufzeichnungen, Briefe, Fotografien, Filme, alles, was über den Lebensweg von „Wolfskindern“ Auskunft geben kann. Die Klasse hofft, dass die Zeitzeugen die Chance nutzen, ihre außergewöhnliche Lebenserfahrung an die jüngere, heutige Generation weiterzugeben.

In Kooperation mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge bereitet der Abiturjahrgang dann eine Buchveröffentlichung zum Thema „Wolfskinder“ vor. Alle Auskünfte der Teilnehmer des Projektes werden, wenn gewünscht, vertraulich behandelt.

Interessierte melden sich bitte bei dem Projektbetreuer, Herrn Lehrer Dr. Björn Schaal:

→ per E-Mail: Schaal(at)fdg.he.lo-net2.de
→ per Telefon: 0171 / 30 46 826
→ auf dem Postweg: Dr. Björn Schaal, Altkönigstraße 1, 65779 Kelkheim/Ts.

Herr Dr. Schaal hat im Jahr 2014 bereits mit Schülern des Leistungskurs Geschichte des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums das Buchprojekt „Stehengebliebene Lebensuhren“ in Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge realisiert.

Bitte weitersagen!

Veröffentlicht unter Aktuell, creative writing, Literatur, Politik | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Homöopathie wird nicht verboten

Jedes neue Arzneimittel für eine Seltene Erkrankung, das für den deutschen Markt zugelassen werden soll, muss sich einem rigorosen Prozess der wissenschaftlichen Überprüfung unterziehen, bei dem außer dem Fehlen von gefährlichen Nebenwirkungen, wie das wohl jeder selbstverständlich für richtig halten wird, die Wirksamkeit nachgewiesen werden muss, und seit einigen Jahren der Zusatznutzen gegenüber bereits zugelassenen, älteren Arzneimitteln. Gelingt der Nachweis nicht, erhält das Medikament keine Zulassung und kann daher laut Arzneimittelverordnung auch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden.

Die neuen Biologicals, die gerade für Seltene Erkrankungen entwickelt wurden,  stehen seit kurzem  im Mittelpunkt einer Diskussion über ihren Zusatznutzen gegenüber den (ur-) alten Medikamenten.  Das ist nicht zufällig so: Sie kosten die gesetzlichen Krankenkassen viel Geld, da sie aufgrund ihres Patentschutzes, der eine Preiskonkurrenz durch Generika ausschließt, pro Therapieeinheit relativ teuer sind. Die Krankenkassen würden sie lieber nicht bezahlen müssen. Der längere Patentschutz wurde jedoch gerade deshalb gesetzlich eingerichtet, weil sonst für Seltene Erkrankungen gar keine Medikamente entwickelt werden würden.

Demgegenüber wurde jedoch alleine in 2014 in deutschen Apotheken mit homöopathischen Heilmitteln ein Umsatz von 528 Millionen Euro erzielt, der Stückpreis pro Mittel lag bei durchschnittlich 10,87 Euro, also nicht gerade billig, ohne dass die Wirksamkeit, geschweige denn ein Zusatznutzen gegenüber herkömmlichen Arzneimitteln jemals nachgewiesen werden musste. (siehe auch folgender Artikel aus 2010:http://www.zeit.de/politik/2010-07/homoeopathie-gesundheit-krankenkassen/seite-2)

Versteht das noch Einer?

Ja, wenn er sich realisiert, dass da gewaltige finanzielle Interessen von Apothekern, Ärzten, die unter dem Motto „homöopathischer Behandlung“ die Stunde Zeit mit den Krankenkassen abrechnen können, die sie sonst nicht bezahlt bekämen (und warum auch nicht, die homöopathischen „Heilmittel“ wirken zwar nicht,  schaden tun sie ipso facto, – außer dem Geldbeutel – aber, wie die australische Metastudie von 2015 zeigt, mangels Wirkung auch nicht), Heilpraktikern und der homöopathischen Pharmaindustrie dahinterstehen. Die Deutsche Homöopathie-Union (Mitarbeiter: 500, Umsatz/Jahr 100 Millionen Euro) sprach in einem Interview mit der Pharmazeutischen Zeitung offen über ihre intensiven Marketingmaßnahmen, mit dem Ziel, ihren Umsatz in Apotheken zu steigern.

“ Unser deutschlandweiter Apotheken-Außendienst informiert über Serviceangebote wie Schulungen des Apothekenpersonals, unterstützt bei gemeinsamen Kundenveranstaltungen und stellt aktuelle Produktschwerpunkte vor. Das Angebot schließt auch saisonal wechselnde Materialien für das Schaufenster, den HV-Tisch oder die Apotheke insgesamt mit ein. Darüber hinaus gibt es unsere Zeitschrift »Gesund durch Homöopathie«, die Apotheker neben weiteren Broschüren für ihre Kunden bei uns bestellen können.“ (siehe http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=41722)

Wie die Süddeutsche Zeitung bereits 2012 berichtete, wird dagegen versucht, Kritiker der Homöopathie  systematisch mundtot gemacht. (siehe http://www.sueddeutsche.de/wissen/homoeopathie-lobby-im-netz-schmutzige-methoden-der-sanften-medizin-1.1397617#redirectedFromLandingpage). Ein Verhalten, das sonst doch immer der schulmedizinischen Pharmaindustrie unterstellt  und entsprechend kritisiert wird, oder? Die homöopathische Welt ist keinesfalls die bessere, alternative Gutmensch-Welt!

Die Ausrufer

Homöopathie wurde in den USA nicht verboten. Auch wenn sich das für Homöopathen fast so anfühlen mag. Die Food and Drug Administration (FDA) sowie die Federal Trade Commission (FTC) haben sich gegen eine weitere Sonderbehandlung homöopathischer Arzneimittel ausgesprochen. Das bedeutet zum einen, dass auf den Packungen in Zukunft ein Hinweis stehen muss, aus dem deutlich wird, dass es keine wissenschaftlichen Belege dafür gibt, dass Homöopathie besser als Placebo funktioniert. Die FDA hat sich dazu, wie bereits Regierungskommissionen in Großbritannien, der Schweiz und Australien, die aktuelle Studienlage angesehen. Befürworter und Gegner konnten Stellung beziehen. Die „positiven“ Studien, die in Diskussionen so gerne angeführt werden, wurden also bei der Entscheidung, wie bereits in Großbritannien, der Schweiz und Australien, berücksichtigt.

Was meine ich mit Sonderbehandlung? Homöopathische Mittel gelten- das ist in den USA wie in Deutschland –  aus historischen (nicht aus wissentschaftlichen) Gründen als Medikamente und werden von der…

Ursprünglichen Post anzeigen 690 weitere Wörter

Veröffentlicht unter Aktuell, Gesundheit, Politik | 2 Kommentare

Vaskulitis Kurznachrichten 2.1: Wirkung homöopathischer Medikamente nicht belegt – US-amerikanische Handelsbehörde schreibt entsprechenden Warnhinweis auf Medikamentenpackungen vor

Copyright (c) m.eskandani

Copyright (c) m.eskandani

Zigarettenpackungen schmücken sie schon seit Jahren: Warnhinweise, die auf die gesundheitsschädigenden Folgen des Konsums von Zigaretten hinweisen. Nun sollen homöopathische „Heilmittel“ nach einer Entscheidung der US-amerikanischen Handelsbehörde, federal trade commission, einen Warnhinweis auf ihrer Verpackung tragen, der auf den fehlenden Beweis der medizinische Wirkung der Mittel hinweist.

Metastudie zeigt: Homöopathische Medikamente wirkungslos

Bereits 2015 hatte der zuständige Ausschuss der australischen staatlichen Gesundheitsbehörde, The National Health and Medical Research Council, eine Metastudie mit der Schlußfolgerung abgeschlossen, dass in keiner der vielen bisherigen, nach wissenschaftlichen Kriterien durchgeführten Studien weltweit, zur Wirkung homöopathischer Medikamente bei den unterschiedlichsten Krankheiten, jemals der Nachweis einer medizinischen Wirkung von homöopathischen Medikamenten erbracht werden konnte.

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Copyright (c) WerbeFabrik / pixabay.com

Copyright (c) WerbeFabrik / pixabay.com

Die australische Metastudie war äußerst umfangreich und gründlich: insgesamt wurden alleine 176 Einzel-Studien und 53 Übersichtsstudien herangezogen. Alle Studien waren kontrollierte Studien, immer wurden also die Ergebnisse in der Gruppe der Probanden, die ein homöopathisches Mittel erhalten hatten, mit den Ergebnissen einer Kontrollgruppe verglichen, die keinen Wirkstoff erhalten hatte. Alle Studien entsprachen hohen wissenschaftlichen Standards. Zusätzlich konnten in einer öffentlichen Anhörung Studien von interessierten Individuen oder Gruppen vorgestellt werden, die der Ausschuss bisher nicht einbezogen hatte. Der Ausschuss kam zu der Schlussfolgerung, dass homöopathische Mittel in keiner der Studien besser gewirkt hatten als ein Placebo und wenn überhaupt eine gesundheitsfördernde Wirkung festgestellt wurde, lag sie weit unterhalb der Wirkung eines jeden anderen untersuchten Mittels.

Warnung des australischen Gesundheitsausschusses

Die Australier warnten deshalb in ihrer Pressemitteilung die australische Öffentlichkeit davor, Homöopathie bei chronischen oder schweren Krankheiten einzusetzen. Patienten könnten ihre Gesundheit gefährden, wenn sie deshalb Therapien zurückwiesen oder verzögern würden, deren gute Wirksamkeit und Sicherheit bewiesen ist.

Entscheidung der amerikanischen Handelsbehörde

Die amerikanische Handelsbehörde behandelt daher nun homöopathische „Heilmittel“ genauso wie jedes andere Produkt, das der Kunde ohne Rezept frei kaufen kann. Auf der Verpackung muss der Verbraucher mit einem gut lesbaren Hinweis darüber aufgeklärt werden, dass der Beweis für die medizinische Wirkung des Produktes nicht erbracht wurde.
Die Entscheidung ist von großer Bedeutung, da es sich um einen Milliarden-schweren Markt handelt.

Umdenken nötig

Gerade chronische Patienten könnten ihre unbefriedigende Situation am ehesten dadurch verbessern, dass sie Geld, Zeit und Energie in die Förderung der wissenschaftlichen Erforschung ihrer eigenen Krankheit investieren, anstatt in eine Placebo-Therapie. Die britische Vaskulitis Foundation macht es vor. Ihre Mitglieder sammelten letztes Jahr so viel Geld, dass sie alleine 40 000 Pfund dieses Jahr in die Vaskulitis- Forschung investieren können, neben der Finanzierung ihrer professionellen Website, ihrer Öffentlichkeitsarbeit, ihrer gedruckten Informationsmaterialien und Filme, und ihrer Förderung des wissenschaftlichen Nachwuches, alles ohne staatliche Zuschüsse. Es wird in Deutschland aber auch höchste Zeit, dass die gesetzlichen Krankenkassen das Geld ihrer Mitglieder für Sinnvolleres einsetzen, als für offensichtlich wirkungslose homöopathische „Heilmittel“, zumal es fraglich ist, ob sie damit noch gemäß der gesetzlichen Regelungen der Arzneimittelrichtlinie handeln.

Wie wäre es statt dessen mit der Förderung der Vaskulitis-Forschung?!

Dieser Beitrag ist ein Service von PrO Vaskulitis.
Veröffentlicht unter Aktuell, Gesundheit, Neues von Pro Vaskulitis, Politik | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 2 Kommentare

Wo die Kraniche tanzen

Copyright (c) federfluesterin

Copyright (c) federfluesterin

Unter den dichten Hochnebel dringt kaum die Sonne. Mich friert in der feuchten Kälte und meine Nase ist schon rot gefroren, als ich die letzten Blätter zusammenharke. Da dringt von weit oben an mein Ohr ein rhythmisches Rufen. Langsam kommt es näher und näher.

Als ich mich schließlich aufrichte, höre ich sie schon über mir: Kraniche, laut einander zurufend. Den Kopf im Nacken versuche ich, sie im Nebel auszumachen. Schließlich entdecke ich sie, schon weit weg, ein langer, dünner pfeilartiger Zug dieser großen Vögel, auf die Entfernung eine dünne Perlenschnur am Himmel. Wenn sie gen Süden ziehen im Spätherbst, dann ist der Winter ihnen ganz dicht auf den Fersen.

Ich fröstele. Der Wunsch packt mich, mit zu fliegen in die Wärme, in die Leichtigkeit des Süden. Ach, wenn das jetzt nur möglich wäre!

Dorthin, wo sie alle tanzen werden, die Kraniche !

Copyright (c) federfluesterin

Copyright (c) federfluesterin

Und wißt Ihr, es ist möglich, auf diese Reise zu gehen:

Copyright (c) Hans/pixabay.com

Copyright (c) Hans/pixabay.com

»Eines Morgens wurden die Gänse, die draußen auf dem Eis des Vombsee standen und schliefen, durch laute Rufe in der Luft sehr früh geweckt.“Trirop! Trirop!“ erklang es. „Trianut, der Kranich, läßt die Wildgans Akka und ihre Schar grüßen! Morgen findet der große Kranichtanz auf dem Kullaberg statt!“

Copyright (c) federfluesterin

Copyright (c) federfluesterin

Akka streckte schnell den Kopf in die Höhe und antwortete: „Schönen Dank und Gruß! Schönen Dank und Gruß!“ Darauf flogen die Kraniche weiter, aber die Wildgänse hörten noch lange, wie sie über jedem Feld und über jedem Waldhügel riefen: „Trianut läßt grüßen! Morgen findet der große Kranichtanz auf dem Kullaberg statt!“

Die Wildgänse freuten sich über diese Botschaft. „Du hast Glück,“ sagten sie zu dem weißen Gänserich, „daß du bei dem großen Kranichtanz anwesend sein darfst.“

Copyright (c) federfluesterin

Copyright (c) federfluesterin

„Ist es denn etwas so Merkwürdiges, die Kraniche tanzen zu sehen? „fragte der Gänserich.

„Es ist etwas, was du dir nie träumen lassen könntest,“ antworteten die Wildgänse.“«

Und weiter geht die Reise, für den, der will, mit der

 „Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“  

von Selma Lagerlöf, Ersterscheinung in Schwedisch 1906/1907; Übersetzung aus dem Schwedischen von Pauline Klaiber, Albert Langen, München 1920

Veröffentlicht unter Aktuell, creative writing, Fotografie | Verschlagwortet mit , , , , , , | 2 Kommentare

Letzte Ernte

Copyright (c) federfluesterin

Copyright (c) federfluesterin

So regnet es sich langsam ein….

So regnet es sich langsam ein
und immer kürzer wird der Tag
und immer seltener der Sonnenschein.

Ich sah am Waldrand gestern ein paar Rosen stehn.
Gib mir die Hand und komm…
wir wollen sie uns pflücken gehn.

Es werden wohl die letzten sein!

  Cäsar Otto Hugo Flaischlen,

                          Dichter, Redakteur und Schriftsteller, der unter dem Namen „Cäsar Stuart“ publizierte
(1864 – 1920)
Copyright (c) federfluesterin

Copyright (c) federfluesterin

Veröffentlicht unter Aktuell, Fotografie, Gedichte, Literatur | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen