Vaskulitis Kurznachrichten 2.3: Krebsrisiko bei Rituximab deutlich geringer als bei Cyclophosphamid

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Das Biological Rituximab ist mittlerweile als ebenbürtiges Medikament zu Cyclophosphamid für die Eindämmung des akuten Ausbruches einer Vaskulitis in der medizinischen Welt etabliert. Die Frage, die sich jeder behandelnde Arzt jedoch stellen muss – weil auch die Krankenkassen ihm diese Frage stellen – warum das teure Patent-gebundene Rituximab verschreiben anstelle des vergleichsweise preisgünstigen Alt-Medikaments Cyclophosphamid?

Eine Antwort darauf gibt eine wissenschaftliche Untersuchung, die im europäischen Verbund, darunter den niederländischen Forscherinnen Emma van Dalen und Chinar Rahmattulla, durchgeführt wurde. Sie versuchten herauszufinden, ob und inwieweit sich das Risiko, an Krebs zu erkranken, zwischen einer Behandlung mit Rituximab alleine, mit Cyloclophosphamid alleine oder bei einer Kombination beider Medikamente voneinander unterscheidet. 322 Patienten, die in der Zeit von 2000 bis 2014 eine Vaskulitis-Behandlung erhielten, gingen in die Untersuchung ein. 41 von ihnen bekamen Rituximab, 119, also knapp 3 Mal so viele Patienten, erhielten Cyclophosphamid, 114 wurden mit beiden Medikamenten behandelt und 48 Patienten, die Vergleichsgruppe, bekamen keinen der Wirkstoffe.

Innerhalb des durchschnittlichen Beobachtungszeitraums jedes Patienten von 5,6 Jahren mussten die Wissenschaftlerinnen bei 33 Patienten von der Gesamtgruppe von 322 leider 45 Krebserkrankungen feststellen.

Copyright (c) PDPics / pixabay.com

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Gegenüber der Normalbevölkerung war das Krebsrisiko demnach um den Faktor  1,89 erhöht. Vaskulitis-Patienten müssen vor allem den Hautschutz sehr ernstnehmen, denn die Untersuchung zeigte, dass der Hautkrebs Melanom  die gefährlichste Rolle spielt. Das Risiko, ihn zu bekommen, lag bei den mit Rituximab bzw. Cyclophosphamid behandelten Patienten  um den Faktor 4,58 höher. Bezüglich anderer Krebsarten hingegen bestand ein ähnlich hohes Risiko, wie bei der Normalbevölkerung.

Die Studie zeigte aber vor allem:

Patienten, die mit Rituximab behandelt wurden, konnten ganz ruhig schlafen, denn ihr Krebsrisiko lag auf demselben Niveau, wie das der Normalbevölkerung. Patienten, die Cyclophosphamid bekommen hatten,  dagegen hatten ein deutlich erhöhtes Risiko, einen Krebs zu enwickeln (SIR, 3.10). Gegenüber ihren Rituximab-Mitpatienten war ihr Krebsrisiko sogar um den Faktor 4.61 höher. Die Solo-Cyclophosphamid-Fraktion musste selbst gegenüber den Patienten, die beide Medikamente bekommen hatten, mit einem höheren Krebsrisiko leben.

Rituximab ist also, so zeigt die Studie, bei gleicher Wirksamkeit sicherer in Bezug auf das Risiko, Krebs zu entwickeln., zumindest, was den Zeitraum von rund 6 Jahren ab der Behandlung angeht. Die Studie liefert so einen wichtigen Beitrag zur Entscheidungsfindung von behandelnden Ärzten zwischen den beiden Behandlungsoptionen und  für ihre Therapiebegründung.

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Die Ausstellung ist vorbei, aber manche Ausstellungen sind zeitlos

Im Haus der Photographie, im Rahmen der Triennale in Hamburg, werden z. Zt. 6 Serien des New Yorker Fotografen Phillip Toledano gezeigt. Von diesem Künstler hatte ich bisher noch nicht gehört und mich auch ausnahmsweise nicht vorab mit seinen Werken beschäftigt und war frei von jeglichen Erwartungen. Umso überraschter war ich von der Intensität seiner Arbeiten. […]

über Phillip Toledano in den Deichtorhallen — lichtbildwerkerin.com

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Vaskulitis Kurznachrichten 2.2: Neue Erklärung von Arteriosklerose auch Ansatzpunkt für Vaskulitis-Forschung?

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Es sind die Unbequemen, die, die dem Mainstream der Wissenschaft entgegenlaufen, die für wichtige Umwälzungen und Erkenntnissprünge in der Vergangenheit gesorgt haben. Ist Prof. Axel Haverich von der Universitätsklinik Hannover so ein „Revolutionär“?

Auf jeden Fall widerspricht er der gängigen Auffassung, dass es Plaques aus Blutfetten an der Gefäßinnenwand sind, und damit die Blutfette an sich, die die Ursache für Arteriosklerose, und in der Folge ein Gefäßverschluss sind. Die Beobachtungen, die er in zahlreichen Gefäßoperationen und Untersuchungen machen konnte, sowie Recherchen in historischen, teilweise 100 Jahre zurückliegenden Patientenunterlagen, haben ihn zu der Schlussfolgerung geführt, dass die Gefahr nicht von innen kommt, sondern von außen.

Copyright (c) Wikimediamages / pixabay.com

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Kleine Gefäße, die von außen die Gefäßwand der großen Blutgefäße mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen sollen, können diese Aufgabe nicht mehr übernehmen, sobald sie selbst sich entzünden, etwa durch den Einfluss von Grippeviren oder anderen Erregern. Die Folge ist, so Prof. Haverich, dass die Zellen in der mittleren Gefäßwand des großen Gefäßes aufgrund der nun aufgetretenen Unterversorgung absterben. Der dadurch entstehende „Zellmüll“ aus abgestorbenen Zellteilen diffundiert durch die Zellwand in das Innere des Gefäßes und bildet dort die bereits seit langem bekannten Plaques – an die sich dann allerdings auch Fettbestandteile anlagern können.

Schlussfolgerung aus dieser Erkenntnis, sollte sie wissenschaftlich bestätigt und breit anerkannt werden, wäre, an erster Stelle zu verhindern, dass die versorgenden kleinen Gefäße sich überhaupt entzünden, also eine Änderung des Focus für eine vorsorgende Therapie. Prof. Haverich rät im Hinblick darauf z.B. zu einer Grippeimpfung.

Die Frage für Vaskulitis-Patienten und – Wissenschaftler lautet aber darüberhinaus:

  • Welche Schlussfolgerungen ergeben sich aus Prof. Haverichs These für die Erklärung der Mechanismen einer Vaskulitis?
  • Muss das bisher gültige Erklärungsmodell angepasst werden? Ist die Trennung zwischen Kleingefäßvaskulitis und Großgefäßvaskulitis damit nicht endgültig obsolet?
  • Lassen sich damit die thrombotischen Ereignisse einer Granulomatose mit PolyAngiitis, ganz zu schweigen von einem Takayasu besser erklären?
  • Lassen sich daraus Erkenntnisse für eine bessere – vorbeugende – Therapie ableiten?

Hier finden Sie, liebe Leser, weitere Info zu Prof. Haverichs These. Leider ist es kein frei zugänglicher Artikel, sondern kostet als Einzel-Download 35 US $.

Hier finden Sie ein Interview mit Prof. Haverich mit illustrierenden Zeichentrickfilmen.

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Wintergedanke

Der Winter

Das Feld ist kahl, auf ferner Höhe glänzet
Der blaue Himmel nur, und wie die Pfade gehen,
Erscheinet die Natur, als Einerlei, das Wehen
Ist frisch, und die Natur von Helle nur umkränzet.

Der Erde Stund ist sichtbar von dem Himmel
Den ganzen Tag, in heller Nacht umgeben,
Wenn hoch erscheint von Sternen das Gewimmel,
Und geistiger das weit gedehnte Leben.

Friedrich Höderlin

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Auf Schatzsuche in Vietnam

LWL-Museum für Archäologie/Binh/©123RF.com

LWL-Museum für Archäologie/Binh/©123RF.com

Die Eliten Asiens wissen in der Regel weitaus mehr über uns Europäer, als wir über sie.  Gönnen wir uns daher, liebe Leser, eine kleine Schatz-Suche in Vietnam, ohne Flugstress, ohne sich mit feucht-warmer Witterung, Insekten- und Schlangen im Urwald oder der ‚“Rache Montezumas“ auseinandersetzen zu müssen, ein völlig entspanntes Erlebnis, in der ästhetischen und inhaltlich sehr gut aufgebauten Ausstellung „Schätze Vietnams“ im LWL-Museum für Archäologie in Herne.

Sie ist zum erstenmal überhaupt in Deutschland zu sehen. Der Besucher bewegt sich durch die Jahrhunderte vietnamesischer Geschichte, anhand von archäologischen Funden aus verschiedenen Ausgrabungsstätten, die über das ganze Land verstreut sind, darunter auch eine Meeres-Grabstätte. In Anlehnung an die Situation auf archäologischen Ausgrabungsfeldern, bei denen ja niemand auf eventuell noch verborgenen Artefakten „herumtrampeln“ sollte, führt ein Steg die Besucher wie ein roter Faden von einem Ausstellungsteil zum nächsten. Passenderweise ist er in der Farbe Rot gehalten, einer Farbe, die in Asien beliebt ist und Leben symbolisiert.

Hochentwickelte Steinzeit

Schon was ich an Exponaten aus der Steinzeit entdecke, lässt mich zu der Einsicht kommen, dass die vietnamesischen Völker den europäischen in dieser selben Zeitspanne kulturell und technologisch weit überlegen waren. Rituelle Zepter, die gefunden wurden, sind so fein und genau bearbeitet, dass die vietnamesischen Steinzeitmenschen über im Vergleich sehr viel weiter entwickeltere Werkzeuge verfügt haben müssen als die europäischen Steinzeitmenschen, von denen wir Faustkeile kennen. Die Vietnamesischen Völker, so vermuten die Archäologen, müssen da schon einen seilbetriebenen Steinbohrer gekannt haben, mit dem saubere, ganz exakt kreisrunde Löcher gebohrt werden konnten.

Jadezepter, darunter der längste je in Vietnam entdeckte Gegenstand aus Nephrit; Copyright (c) LWL-Museum für Archäologie/Binh

Jadezepter, darunter der längste je in Vietnam entdeckte Gegenstand aus Nephrit; Copyright (c) LWL-Museum für Archäologie/Binh

Die Salzgewinnung an der Meeresküste Vietnams und im Binnenland war auf einem, für die Steinzeit, hohen Stand. Man bedenke, in Europa war Salz schon im 10. Jahrhundert v. Chr. Zahlungsmittel, so wertvoll war es für die Konservierung von Nahrungsmitteln. Salzhandelswege führten über das Mittelmeer durch ganz Europa. Im tropischen Klima Vietnams brauchten die Menschen das Salz nicht nur zur Konservierung. Wenn sie aufgrund des Klimas viel schwitzten, war das Salz für sie auch wichtig zum Ausgleich ihres Salzhaushaltes.

Ein Stein-Xylophon lässt gleichfalls auf eine weit entwickelte Handwerkskunst schließen. Neugierig spiele ich das große Instrument. Es ist erstaunlich, wie klar und rein die Abfolge seiner Tonstufen ist!

Der Einfluss Indiens

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Wer sich gewünscht hat, einmal einen Urwaldtempel Asiens besuchen zu können, wird sich an den Exponaten zur indisch beeinflussten Phase während des Reiches des südvietnamesischen Volkes der Cham erfreuen. Der rote Steg führt den Besucher direkt vor den raumhohen, imposanten Nachbau der Meter hohen Fassade des Po Klong Garai-Tempels der Cham-Kultur, vom Ende des 13. Jahrhunderts.

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Mehrere, schöne Standbilder des vietnamesischen Hinduismus /Buddhismus sind in der Ausstellung zu bewundern, darunter eine betende mit einem Rosenkranz und der löwenartige Wächter eines buddhistischen Tempels. Alle drei, das Tor und die Figuren, wurden aus Sandstein-Steinen geschaffen, allerdings ohne die störenden Fugen aus Mörtel, die wir in Nordeuropa von Backsteingebäuden kennen.

Möglich wurde das durch einen Baumharzkleber, der den Sandstein zu einer Einheit verschmelzen lässt. Eine geniale handwerkliche Technik, wie ich finde! Es wird nicht das Einzige sein, das wir von Asien lernen könnten.

Kriege bringen immer Zerstörung von religiösen und kulturellen Zeugnissen mit sich, ob in Deutschland, Europa, Irak, Syrien oder in Vietnam. So manche Statue und so manches Gebäude sind leider nicht verschont geblieben, und entweder garnicht mehr vorhanden oder nur noch als Restbestandteile. Ein Verlust für die gesamte Menschheit!

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Stilisierter Löwe aus Sandstein, 12. Jahrhundert; Copyright (c) federfluesterin

Dass Südvietnam Teil der indischen Einflusssphäre war, darauf weist auch eine kleine goldene Maske hin, die in der Ausstellung gezeigt wird. Sie stammt vermutlich aus Afghanistan oder sogar dem Süd-Iran. Beide Länder waren zeitweise Teil des nordindischen Reiches.

Die indischen Religionen Hinduismus und Buddhismus haben Südvietnam geprägt, während der Norden Vietnam ab dem 11. Jahrhundert zunehmend unter dem Einfluss Chinas und der Moral- und Staatslehre des, den chinesischen Einheitsstaat tragenden Konfuzianismus stand.

 

Einverleibung durch China

Der Besucher wird auf dem roten Steg weitergeführt zur Zeit der Eroberung und Eingliederung Nord-Vietnams in das chinesische Reich, die von 1010 nach Christus bis ins 17. Jahrhundert dauerte.

Drachenkopf aus Terrakotta

Drachenkopf aus Terrakotta als Schutz der Palastanlage von Thang Long, 11. bis 13. Jahrhundert; Copyright (c) federfluesterin

Diese Zeit war von der Zurückdrängung des vietnamesischen Buddhismus und der systematischen Einführung und Durchsetzung des Konfuzianismus geprägt.  Konfuzianische Schulen und Tempel wurden gebaut, die dazu dienten, die vietnamesischen Eliten zu Untertanen und Beamten des chinesischen Reichs  zu erziehen. Die chinesische Kultur prägte Nord-Vietnam, auch wenn lokale Eliten ihre Spielräume, die sich durch die äußerste Randlage am chinesischen Reich ergab, wußten auszunutzen .

Das Siegel des Kaisers Minh Mang ist aus purem Gold und wiegt knapp 5 kg (1827), Copyright: LWL-Museum für Archäologie/Binh

Das Siegel des Kaisers Minh Mang ist aus purem Gold und wiegt knapp 5 kg (1827), Copyright: LWL-Museum für Archäologie/Binh

So nutzten sie zur eigenen Herschaftslegitimation das Zeichen des chinesischen Kaisers, das eigentlich ihm alleine als Inhaber des „Himmelssohn“ vorbehalten war, der Drache, als Symbol auch für sich und eigene Bauten, wie die Palastanlage von Thang Long, die in der heutigen Hauptstadt Vietnams, Hanoi, gelegen ist.

Der vietnamesische Buddhismus wurde also in Nordvietnam im Gegensatz zu der Situation in Südvietnam in seiner gesellschaftlichen und politischen Funktion in den Hintergrund gedrängt, konnte sich aber dennoch halten.

Nationale Unabhängigkeit

Es ist erstaunlich, dass trotz fünf Jahrhunderten Dominanz Nord-Vietnams durch China und Abgrenzung von Süd-Vietnam, sowie der später folgenden Kolonialzeit durch die Franzosen und der Einflussnahme der USA der vietnamesische Unabhängigkeitswille  und  das Bewußtsein einer gemeinsamen Identität lebendig blieb.

Was aber ist, so frage ich mich – zwischen ursprünglich indischen und chinesischen Einflüssen – eigentlich die nationale Identität Vietnams?

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Figuren des vietnamesischen Wassertheaters; Copyright (c) federfluesterin

Einzigartig ist sicherlich das vietnamesische Wassertheater, das die Ausstellung mit einigen Marionetten darstellt. Eine solche Theaterform konnte sicherlich  nur in einer Welt entstehen, die so von Flüssen und Meer geprägt ist, wie Vietnam.  Es ist bereits aus dem 11. Jahrhundert aus dem Deltagebiet des Roten Flusses in Nordvietnam überliefert.  Die Theaterbühne steht im Wasser und die Zuschauer folgen dem Geschehen auf dem Trockenen, es sind Stücke über die Geschichte Vietnams und den Widerstandskampf gegen China, vom Trockenen aus. Wie schade, dass wir die Marionetten nicht gleich in Aktion sehen können!

Ein vergnügliches Kennenlernen der vietnamesischen Kultur erwartet die Besucher am 29. Januar 2017, wie mir beim Verlassen der Ausstellung der Neujahrs-Drache im Treppenhaus des Museums verriet:

Mit traditionellem vietnamesischem Tanz und Köstlichkeiten, Vorträgen und Kreativ-Workshops, können Sie, liebe Leser, dann in Herne das vietnamesische Neujahrsfest Tet mitfeiern.

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Neujahrsdrache; Copyright (c) federfluesterin

Die Ausstellung“Schätze Vietnams“ reist ab dem 27. Februar weiter, und wird ab dem 31. März 2017  im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz zu sehen sein, ab September 2017 in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim.

Ich danke dem LWL-Museum für Archäologie in Herne, insbesondere Herrn Tafertshofer von der Pressestelle, für die gute Zusammenarbeit und die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung meiner Fotos der Ausstellung.

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Trommeln mit den Fröschen

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Froschtrommeln

Copyright (c) Josch13 / pixabay.com

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Klänge können Archäologen nicht ausgraben.  Aber Trommeln, die können Archäologen finden. Sie sind ein Hauptthema der Vietnam-Ausstellung im LWL-Museum für Archäologie in Herne. Auf eine imposant große Bronze-Trommel der nordvietnamesischen Dong-Son-Kultur stosse ich gleich im Eingangsbereich. Sie ist zwischen unglaublichen 1900 und 2500 Jahre alt. Unweit daneben entdecke ich auf einem Bambusuntergestell eine weitere, etwas kleinere Bronze-Trommel gleicher Bauart.

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Dong-Son Trommel; Copyright (c) federfluesterin

 

Wie mögen sie damals, vor so vielen Hunderten von Jahren wohl geklungen haben, diese riesigen, schweren Trommeln?

 

 

 

 

 

Die kleinere der beiden Bronze-Trommeln in der Eingangshalle darf ich ausprobieren. Der leichte Schlag mit dem großen Holzschlegel auf die kreisrund verzierte Metalloberfläche erzeugt einen kraftvollen Klang, der zu meinem Schreck alle anderen Besucher in der Halle innehalten lässt. Die Trommel erklingt in einem tiefen, vollen Ton, der den ganzen Raum mit seinen Schwingungen erfüllt, einem rollenden Gewitterdonner ähnlich.

So ein mächtiges Instrument – beeindruckt frage ich mich, wie wurde es wohl gespielt, mit welchen  Rythmen, welchen Melodien?  Diente es zur Begleitung anderer Instrumente, wie den faszinierenden Bambusinstrumenten in der Ausstellung – eines von ihnen wird durch den Luftstoss beim Klatschen der Hände gespielt – und dem Stein-Xylophon , oder von Gesang? Oder war die Trommel ausschließlich ein Solo-Instrument?

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Oberfläche einer Dong-Son-Trommel; Copyright (c) federfluesterin

Die Archäologen fanden die Trommeln in Gräbern von Menschen hoher gesellschaftlicher Stellung in der Dong-Son Welt. Das lässt sich aus den umfangreichen und wertvollen Grabbeigaben schließen. Die Trommeln, die anscheinend vor dem Tod einzig von ihrem männlichen Besitzer gespielt wurden, wurden mit ihm begraben.

In anderen, kämpferischen Kulturen findet man Schwerter als wichtigste Grabbeigabe und Begleiter ins Jenseits in den Gräbern, hier ist es eine Trommel.

Was sagt uns das über die Kultur dieses alten vietnamesischen Volks?

Warum war die Trommel so wichtig? Welche Bedeutung hatte sie für die Menschen?

Materiell wertvoll waren die Trommeln, denn sie wurden mit einer, auch heute noch technisch sehr anspruchsvollen, in der Handhabung heiklen Gusstechnik hergestellt. Eine solche Trommel konnten sich sicherlich nur die Dong-Son-Elite leisten. Die Grabbeigabe Trommel bedeutete möglicherweise die Anerkennung dieser Stellung.

Gab es aber noch einen anderen Grund?

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Dong-Son-Trommel von oben; Copyright (c) federfluesterin

In die Mitte der Schlagfläche der Trommel haben die Guss-Künstler eine erhabene, also dreidimensionale Sonne gestellt, die ihre 14 Strahlen in alle Himmelsrichtungen aussendet. Bei indigenen Völkern  in Asien, Europa, Amerika und Afrika steht auch heute noch das Symbol der Sonne für die oberste Gottheit. Sie wirkt in den ganzen Kosmos. Die Zahl 4 wird in Asien, genauso jede weitere Zahl, die die 4 enthält, also auch die Zahl 14 mit der Vollendung und dem Tod assoziiert, dem Übergang in das Jenseits, die Welt der Gottheit.

Die wunderschönen, ausgefeilten Verzierungen, die die Schlagflächen der Trommeln in konzentrischen Kreisen bedecken, zeigen Vögel im Flug. Vögel tragen in der Welt der indigenen Völker Sibiriens und Nordamerika symbolisch die Gebete der Menschen gen Himmel. Die Bewegung entgegen des Uhrzeigersinns zeigt an, dass es auch um die Verinnerlichung des Gebets durch den Menschen geht.

Copyright (c) makamuki0 / pixabay.com

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Ich entdecke stylisierte Vögel mit langen Schnäbeln, wahrscheinlich Kraniche. Kraniche begleiten den Toten in das Jenseits und stehen für das Glück des ewigen Lebens. Hirsche oder Rehe, die im Kreis rund um die Trommel laufen, sind das Symbol der ständig sich erneuernden Schöpfung, Kreislauf von Tod und Leben. Auch hier zeigt die Richtung entgegen des Uhrzeigersinns an, dass die Erneuerung des Lebens im eigenen Inneren des Menschen stattfinden muss.

Stilisierte Frösche auf einer Dong-Son Bronze-Trommel; Copyright: LWL-Museum für Archäologie in Herne/S. Brentführer

Stilisierte Frösche auf einer Dong-Son Bronze-Trommel; Copyright: LWL-Museum für Archäologie in Herne/S. Brentführer

Die Trommel wird von vier stilisierten Fröschen geschmückt. Selbst heute noch sehen die Menschen in Vietnam  den Klang der Frösche symbolisch als wagemutiger Bote an, der unablässig ihre Gebete zum Himmel trägt. Wie der alte Mythos vom Regengeist und dem Frosch erzählt, waren es in früheren Jahrhunderten Gebete für Regen und um Barmherzigkeit Gottes mit den Menschen, die der mutige Frosch, der bei jedem Gewitterregen stets wieder zum Leben erweckt zu werden scheint, ohne Unterlass zur Gottheit trug.

Genauso wie die Trommeln, denen ihre Musiker unaufhörlich einen symbolischen „Gewitterdonner“ entlockten.

Als geweihte Trommeln für heilige Rituale standen die Frosch-Trommeln in einer Zeit, als  die Beziehung zur Gottheit für die Menschen und die Gesellschaft das Leben prägte, zentral in der Dong-Son-Kultur.

Nutzen Sie Ihre Chance, liebe Leser,  bis zum 26. Februar 2017, und insbesondere am kommenden Sontag, dem 29. Januar 2017 zur Feier des vietnamesische Neujahrsfestes Tet in Herne, mit den vietnamesischen Fröschen zu trommeln!

 

Ich danke dem LWL-Museum für Archäologie in Herne, insbesondere Herrn Tafertshofer von der Pressestelle, für die gute Zusammenarbeit und die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung meiner Fotos der Ausstellung.

 

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Wie ein einsamer Wolf in den Wäldern

Copyright (c) Pexels/pixabay.com

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Wie ist es, sich alleine, ohne jegliche Ausrüstung, in den Wäldern des Baltikums durchzuschlagen, wissen Sie das? Wie geht das, wie kann das gehen?
Niemand kann das so gut wissen, wie ein ehemaliges Wolfskind. Wie es ist, sich von jetzt auf gleich Essen beschaffen zu müssen in der Wildnis, Wasser, Wärme, Schutz, irgendwie, ein nacktes Überleben.

Schülerinnen und Schüler des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums in Frankfurt am Main suchen Zeitzeugen, die entweder selbst oder deren Angehörige das Schicksal eines „Wolfskindes“ durchleben mussten und darüber berichten möchten. Willkommen sind auch Tagebuchaufzeichnungen, Briefe, Fotografien, Filme, alles, was über den Lebensweg von „Wolfskindern“ Auskunft geben kann. Die Klasse hofft, dass die Zeitzeugen die Chance nutzen, ihre außergewöhnliche Lebenserfahrung an die jüngere, heutige Generation weiterzugeben.

In Kooperation mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge bereitet der Abiturjahrgang dann eine Buchveröffentlichung zum Thema „Wolfskinder“ vor. Alle Auskünfte der Teilnehmer des Projektes werden, wenn gewünscht, vertraulich behandelt.

Interessierte melden sich bitte bei dem Projektbetreuer, Herrn Lehrer Dr. Björn Schaal:

→ per E-Mail: Schaal(at)fdg.he.lo-net2.de
→ per Telefon: 0171 / 30 46 826
→ auf dem Postweg: Dr. Björn Schaal, Altkönigstraße 1, 65779 Kelkheim/Ts.

Herr Dr. Schaal hat im Jahr 2014 bereits mit Schülern des Leistungskurs Geschichte des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums das Buchprojekt „Stehengebliebene Lebensuhren“ in Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge realisiert.

Bitte weitersagen!

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