Vaskulitis Nachrichten 6.20: Keine Antikörper? Trotzdem Boostern!

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So manch einen Autoimmunpatienten packt nach der zweiten Impfung mit einem mRNA-Impfstoff, wie der von Biontech oder von Moderna, gegen Corona die leise Angst. Auch die zweite Dosis hat nicht zu einer nennenswerten Anzahl von Antikörpern gegen Covid-19 geführt.

Der Grund kann darin liegen, wie die Wissenschaftler rund um Prof.Georg Schett der Universitätsklinik Erlangen in Deutschland bereits im Mai 2021 in der Vorabveröffentlichung einer Studie mit 84 Probanden feststellten, dass die autoimmune Aktivität des Immunsystems bei den Betroffenen die Bildung der Antikörper unterbindet. Darüberhinaus kann aber auch das immunsuppressive Medikament Rituximab diesen Effekt haben. Das Biological blockiert die B-Zellen. Sie sind aber genau diejenigen Zellen des Immunsystems, die, wenn sie auf Eiweiße der Zelloberfläche eines feindlichen Virus stoßen, sich umwandeln können in Plasmazellen, die sodann neutralisierende Antikörper gegen diese Eiweiße, und somit gegen das feindliche Virus herstellen. Sind die B-Zellen blockiert, gibt es auch keine Antikörperproduktion. Dennoch sollten Betroffene sich nicht entmutigen lassen und es nicht etwa bei den zwei Impfungen belassen, nicht zuletzt deshalb, weil sie auch nach den zwei Impfungen eben damit rechnen müssen, sich mit Covid-19 zu infizieren und einen schweren Verlauf zu erleben. Laut der Analyse einer US-amerikanischen Datenbank erhöht die Rituximab-Therapie bei Rheumapatienten das Risiko, nach einer Infektion an Covid-19 zu sterben, um 72%.

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Aller guten Dinge sind Drei! Wie das Forscher-Team von der Universitätsklinik Erlangen in ihrer neuesten Studie mit 66 der Probanden aus der ersten Studie, die keine Antikörper entwickelt hatten, nachgewiesen haben, entwickelte 50% der Studienteilnehmer nach einer dritten Impfung tatsächlich Virus-neutralisierende Antikörper gegen Covid-19, und zwar unabhängig davon, ob die dritte Impfung mit einem Vektorimpfstoff, wie AstraZeneca, oder einem mRNA-Impfstoff erfolgte. Bei Probanden, die nicht mit Rituximab behandelt wurden, lag die neutralisierende Wirkung bei 80% . Also wurde ein gute Wirksamkeit des Impfstoffs erreicht!

Bei den Patienten, die wohl mit Rituximab behandelt wurden, lag die Wirksamkeit allerdings bei nur knapp 22%. Das ist besser als nichts, aber leider nicht genug für einen wirksamen Schutz gegen das Virus! Gerade für diese Patienten und für die Patienten, die auch nach der dritten Impfung keine Antiköper entwickeln, könnte das Netzwerk, dass zur Zeit die Organtransplantationszentren in Deutschland aufbauen, eine große Hilfe sein. An diesen Zentren wird nämlich die Infrastruktur dafür geschaffen, um Menschen, die mit einer hohen Immunsuppression als Therapie nach einer Organtransplantation behandelt werden – wie es bei Vaskulitis-Patienten der Fall ist, die eine neue Niere erhalten haben – schnellstmöglich nach einem positiven Test auf Covid-19 eine Antikörper-Infusion geben zu können. Die Infusion ersetzt dann als Stoßtherapie die Antikörper, die der Patient selbst, auch nach einer Impfung, nicht oder nicht ausreichend bilden konnte. So wird ein schwerer Verlauf der Erkrankung aufgehalten. Leider hält der Schutz der Antikörper-Therapie nur maximal drei Wochen nach der Infusion an, ist also bei weitem nicht so nachhaltig wirksam wie eine Impfung. Der Patient muss nach diesen drei Wochen wieder damit rechnen, dass er sich aufs Neue infizieren und einen schweren Covid-19-Verlauf haben kann.

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Die Überprüfung des Antikörper-Status nach der dritten Impfung scheint für alle Autoimmun-Patienten ratsam. Alle, aber insbesondere Rituximab-Patienten, sollten zusammen mit ihrem behandelnden Arzt, nach der Bestimmung des Niveaus ihrer Antikörperreaktion auf die Booster-Impfung, bei Bedarf vorab ! klären, ob und bei welcher Klinik in der Nähe – im Idealfall bei einem Transplantationszentrum, das die Infusionsinfrastruktur bereits aufgebaut hat – sie im Fall eines positiven Covid-Tests mit einer Antikörper-Infusion behandelt werden können, um nach dem Test schnell reagieren zu können.

Bisher wirken alle, in der EU zugelassenen Antikörper-Medikamente auch gegen die Delta-Variante des Virus, allerdings gegen die neue Omrikon-Variante wirkt nur ein Teil der bisher entwickelten Therapien. Da die Menge Antikörper-Wirkstoffe, die Deutschland zur Verfügung gestellt bekommen hat, außerdem zur Zeit noch sehr begrenzt ist, werden die Infusionen ausschließlich bei Patienten eingesetzt, die aufgrund ihrer Vorerkrankung sehr gefährdet für einen schweren Verlauf einer Corona-Erkrankung sind und bei denen das Antikörper-Niveau deutlich zu niedrig ist, um einen wirksamen Schutz dagegen zu erreichen.

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