Vaskulitis Nachrichten 6.18: Früher Boostern!

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In den vergangenen Wochen haben sich immer wieder Vaskulitis-Patienten einem Test auf Antikörper gegen Covid-19 unterzogen. Sie wollten wissen, ob sie zeitnah ihre dritte Impfung gegen Corona benötigten. Lag das Ergebnis oberhalb von 200 Binding Antibody Units (BAU) pro ml, dann wurde ihnen oft versichert, eine Booster-Impfung sei noch nicht notwendig, man könne noch zuwarten.

Tatsächlich gibt es bisher aber noch gar keine wissenschaftlich ermittelten und gesicherten Grenzwerte, wieviel BAU tatsächlich notwendig sind, um einen ausreichenden Schutz gegen eine Infektion mit Covid-19 zu erlangen!

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Wie Andreas Bobrowski, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Laborärzte, in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland erklärte, gibt es bisher lediglich geschätzte Annahmen dazu. Sie sehen allerdings anders aus, als 200 BAU. Sicher scheint nur zu sein, wieDaten aus Israel und der Deutschen Laborärzte zeigen, dass unterhalb von 21,8 BAU/ml bis 43 BAU/ml überhaupt kein Schutz durch Antikörper gegen das Spike-Protein des Corona-Virus vorhanden ist. Aber ab wieviel BAU ist dann wohl ein Schutz vorhanden? Andreas Bobrowski zieht persönlich die Untergrenze bei 500 Bau. Oberhalb von 500 BAU wäre laut ihm zunächst keine Drittimpfung erforderlich. Einen wirklich sicheren Schutz vor einer Corona-Infektion, die Symptome verursacht, sieht Bobrowski aber erst bei 1000 BAU/ml. Das sind seine Erfahrungswerte als Laborarzt, der mit seinem Labor sehr viele Corona-Tests ausgewertet hat. Durch eine wissenschaftliche Studie gesichert sind diese Werte jedoch damit leider nicht.

Wie können wir also wissen, ob eine dritte Impfung gegen Corona notwendig ist?

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Eine brandneue Studie aus Schweden zeigt, dass die Impfwirkung der Vektor- und der mRNA-Impfstoffe bei der Delta-Variante des Corona-Virus deutlich geringer ist und kürzer andauert als erwartet. So sinkt die Wirksamkeit des Biontech-Impfstoffs von 92% während der ersten 4 Wochen nach der zweiten Impfung auf lediglich 47% vom 4. bis 6. Monat nach der Impfung. Ab dem 7. Monat ist keine Wirkung mehr feststellbar. Bei älteren Menschen und bei Männern konnten die schwedischen Wissenschaftler zeigen, dass die Wirksamkeit von vorneherein geringer ist. Sie sinkt bei Älteren und Männern von lediglich 89% im ersten Monat nach der zweiten Impfung auf nur 42% ab dem 4. Monat ab. Beim Moderna-Impfstoff verringerte sich die Wirksamkeit auch klar, aber er konnte wenigstens das Niveau von 59% ab dem 6. Monat halten. Der Astra Zeneca Impfstoff schnitt in der schwedischen Studie generell am schlechtesten ab. Ab dem 6. Monat zeigte er keinerlei Wirksamkeit mehr.

Die schwedische Studie wurde vorab publiziert und muss noch einer kritischen Überprüfung durch Wissenschaftler-Kollegen unterzogen werden. Aber in Pandemie-Zeiten muss man auch solche, von der Wissenschaftsgemeinde noch nicht bestätigte, Daten schon einmal in Betracht ziehen, zumal sie die bereits vorliegenen Daten aus Israel zu bestätigen scheinen.

Die schwedische Studie liefert dabei Daten, die für Gesunde gelten! Und was ist mit den Autoimmunkranken?

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Frühere Studien aus Erlangen haben bereits ergeben, dass bei Autoimmunkranken die Wirksamkeit des Biontech-Impfstoffs von vorneherein niedriger liegt als bei Gesunden, und zwar um 25 -30 %. Dieser Wert sinkt dann, gehen wir von der schwedische Studie mit Gesunden aus, im Laufe der Monate stark ab. Die Frage ist also, ob bei Autoimmunpatienten, in Zeiten der Delta-Variante, ab dem 4. Monat nach der zweiten Impfung mit Moderna, Biontech oder Astra Zeneca überhaupt noch ein wirksamer Schutz vor einer Infektion mit Corona vorhanden ist?! Denn extrapolieren wir die Werte der schwedischen Studie mit der in Erlangen festgestellten, geringeren Ausgangswirksamkeit bei Autoimmunkranken, dann liegen wir im 4. Monat theoretisch bei nur ca. 15% Wirksamkeit für den Biontech Impfstoff. Das hieße dann, dass kaum ein Antikörper-Schutz vor einer Infektion mit Corona existiert. Da das Immunsystem nicht nur mit Antikörpern gegen das Spike-Protein arbeitet, kann trotzdem noch ein Schutz vor einem schweren Verlauf vorhanden sein – jedenfalls theoretisch. Das Dumme ist nur, es gibt zur Zeit noch keine Studie, die die Langzeitwirkung der Corona-Impfstoffe bei Autoimmunpatienten untersucht hat. Das heißt, das theoretische Ergebnis ist bisher auch tatsächlich nur Theorie, es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis.

Angesichts der ständig steigenden Infektions- und Hospitalisierungszahlen wird gerade deshalb aber die baldige dritte Impfung, auch vor Ende des 6. Monats für Vaskulitis-Patienten immer wichtiger! Patienten mit hoher Immunsuppression – u.a. eine Dosis von > 20 mg Cortison/Tag – empfiehlt selbst die WHO die Boosterimpfung innerhalb von 4 -12 Wochen nach der 2. Impfung.

Sprechen Sie also frühzeitig über die dritte Impfung und deren Zeitpunkt mit Ihrem behandelnden Arzt und vereinbaren Sie einen entsprechenden Impftermin!

Nachtrag vom 18.11.2021:Seit gestern gilt laut Schreiben des geschäftsführenden Gesundheitsmin isters Jens Spahn an die Hausärzte, dass schon nach dem 4. Monat nach der zweiten Coronaimpfung geboostert werden darf!

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