Vaskulitis Nachrichten 6.11: Corona-Impfung und Vaskulitis- und organtransplantierte Kinder

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Manchmal bin ich fassungslos, wie im Netz mit Halbwahrheiten gearbeitet wird. So empörte sich jüngst ein Blogger darüber, dass Biontech/Pfizer eine klinische Studie aufgelegt haben, mit der die Corona-Impfung bei Menschen ab 2 Jahren Alter, die immunsuppressiv behandelt werden, getestet werden soll. Es handelt sich also um Menschen, die autoimmun erkrankt sind oder ein Organ transplantiert bekommen haben – wie Vaskulitis-Patienten, unter denen es ja auch Kinder gibt. Der Blogger und seine Follower wüten gegen die Pharmafirmen, dass sie nun auch noch todkranke Kinder dem Corona-Impfstoff aussetzen, sie, wie sie meinen, schwer gefährden würden. Eltern, so der Blogger und seine Anhänger, sollten ihre Kinder davor schützen.

Da kann ich wirklich nur noch mit dem Kopf schütteln. Der Blogger – angeblicher Journalist hin oder her – hat offensichtlich etwas grundlegend falsch verstanden:

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Ein Mensch, der an einer Vaskulitis erkrankt und ein Mensch, bei dem ein lebenswichtiges Organ versagt, sind todkrank, richtig. Beide werden dann jedoch immunsuppressiv behandelt, der eine, um die autoimmune Krankheitsaktivität zu unterdrücken, der andere, um zu verhindern, dass das hoffentlich transplantierte Organ vom eigenen Immunsystem wieder abgestossen wird. Die immmunsuppressive Therapie rettet Vaskulitispatienten und die Organtransplantierten also vor dem sicheren Tod. Sobald diese Therapie anschlägt, sind die Patienten also gerade eben nicht mehr todkrank! Sie sind natürlich chronisch krank, aber sie sind zurück im Leben! Wären sie tatsächlich noch todkrank, würden sie zu der Biontech/Pfizer-Studie garnicht zugelassen werden.

Die Leben rettende immunsuppressive Therapie bewirkt nun aber auf der anderen Seite, dass das Immunsystem des Betreffenden nicht mehr wie bei einem Gesunden arbeitet. Es ist nicht mehr in der Lage, eine Infektion in dem Ausmaß, mit derselben Kraft und auf dieselbe Weise abzuwehren, wie es das Immunsystem eines Menschen tun würde, der nicht immunsuppressiv behandelt wird. Das bedeutet, Vaskulitis- oder organtransplantierte Patienten, ob Kind oder Erwachsener, sind deutlich empfänglicher für eine Infektion. Und Infektionen verlaufen bei diesen Patienten generell deutlich schwerer und länger als bei einem gesunden Menschen, bis potentiell hin zu einer tödlichen Gefährdung. Eine Impfung, wie gegen Grippe, Tetanus, Keuchhusten oder eben Corona, gefährdet Vaskulitis- und organtransplantierte Kinder nicht, im Gegenteil, sie hilft, den Immun-Nachteil, den die immunsuppressive Therapie auslöst, aufzufangen.

Impfungen retten dadurch Kinderleben!

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Eltern von Vaskulitis- und organtransplantierten Kindern sehen sich immer wieder damit konfrontiert, dass die Medikamente, die ihre Kinder erhalten müssen, um mit ihrer Krankheit überleben zu können, nicht ausreichend für die Anwendung bei Kindern getestet sind. Sie müssen dann dieses Risiko und diese Ungewissheit, ob unbekannte Nebenwirkungen bei ihrem Kind auftreten werden, in Kauf nehmen. Eltern von Kindern mit der Vaskulitisform Takayasu kennen dieses Dilemma nur allzu gut!

Leider sind wir heute (immer noch) nicht in der Lage, neue Impfstoffe oder Medikamente ausschließlich an Zellkulturen oder mit Computermodellen ausreichend sicher zu testen. Klinische Tests an Freiwilligen – und wenn wir für Eltern Sicherheit schaffen wollen, auch an Kindern – werden daher auch in Zukunft nötig sein. Dass dabei die bestmöglichen Sicherheitsstandards eingehalten werden, müssen selbstverständlich nach bestem Wissen entsprechende Gesetze, Kontrollen und wissenschaftliche Standards gewährleisten.

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