Vaskulitis Nachrichten 6.9: Vorsicht walten lassen – trotz Impfung!

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Erleichterung hat sich breitgemacht bei all jenen Menschen, die bereits eine Impfung gegen Covid-19 erhalten konnten. Die Anspannung, die unterhäutig bei jedem monatelang vorhanden war, hat Gelöstheit und Freude über die neu gewonnene Lebensfreiheit Platz gemacht.

Da wirkte die Nachricht von der verringerten Wirksamkeit des Biontech-Impfstoffs bei Autoimmunerkrankten wie eine kalte Dusche, die viel frischen Lebens-Elan wieder einzufrieren drohte. Aber, wie mit vielen Dingen im Leben, alles ist eine Frage des halbleeren oder eben halbvollen Wasserglases. Die Erlanger Studien haben nicht nur ergeben, dass 10% der Menschen mit entzündlichen Autoimmunerkrankungen keine Impfreaktion entwickelten, sie haben auch ergeben, dass bei 90% der Betroffenen ein Impfschutz aufgebaut wird, wie wir ihn bei jeder Grippeimpfung als ausreichend ansehen würden, nämlich mit einer Wirksamkeit von bis zu 60%. Er reicht in vielen Fällen aus, um den Patienten vor einem tödlichen Verlauf der Corona-Infektion zu schützen. Das ist doch schon mal eine gute Nachricht!

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Zusätzlich wissen wir jetzt – wenn auch etwas spät – besser, was wir tun müssen. Generell gesprochen: Planen Sie Ihre Impfung zusammen mit Ihrem behandelnden Arzt, sowohl was den Impfstoff angeht, als auch den Impfzeitpunkt!

Patienten, die Methotrexat (MTX) als Therapie für ihre Autoimmunerkrankung nutzen, sollten sich vor einem Impftermin mit ihrem behandelnden Arzt, im Falle einer Vaskulitis mit ihrem Nephrologen und/oder Rheumatologen, zusamensetzen, um über eine zeitlich begrenzte Aussetzung von MTX oder Reduzierung der Dosis vor und nach der Impfung nachzudenken. Das trifft auch für Patienten zu, die mit Cortison therapiert werden. Die Impfwirkung des Biontech-Impfstoffs könnte durch das Aussetzen oder Verringerung der Therapie erhöht werden.

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Wir wissen auch, dass Patienten, die mit Rituximab oder einem anderen B-Zellen-Hemmer behandelt werden, ihre Impftermine mit dem Biontech-Impfstoff so planen sollten, dass sie 3-4 Wochen vor der nächsten Gabe ihres Biologicals stattfinden. Auch das dient dazu, eine bessere Impfwirkung zu erzielen. Möglicherweise ist aber für diese Patienten auch ein Impfstoff geeigneter, dessen Wirkung anstatt auf der Bildung von Antikörpern, wie der Biontech- Impfstoff, auf der Aktivierung von T-Zellen beruht. Das wäre z.B. der Astra Zeneca Impfstoff. Die Wahl des für sie persönlich am besten geeigneten Impfstoffs und Impftermins sollten Patienten vorher also mit ihrem behandelnden Arzt besprechen!

Was aber ist mit all jenen Autoimmunpatienten, die bereits geimpft worden sind mit dem Biontech-Impfstoff und nun – ohne es genau zu wissen – möglicherweise keine oder keine ausreichende Impfreaktion erreicht haben?

Nun, jedem Autoimmun-Betroffenen ist anzuraten, auch weiterhin die AHA-Regeln und Hygiene in seinem Umfeld so weit wie möglich einzuhalten. Das gilt umso mehr, als die anrollende Delta-Variante von Covid-19 noch weitaus ansteckender ist, als die Varianten, die bisher in Deutschland grassierten. Und Eines zeigen mehrere Studien: Erkrankt ein Rheuma-Patient an Covid-19, dann ist der Verlauf schwerer als bei einem Gesunden. Also lassen Sie weiterhin Vorsicht walten!

Neben einem guten persönlichen Hygieneverhalten können aber auch Familie und Freunde einen wertvollen Schutzwall für Autoimmun-Patienten bilden, indem sie selbst sich impfen lassen. Eltern können in Betracht ziehen, sich für die Impfung ihrer Kinder zu entscheiden. Die Ständige Impfkommission Deutschland (STIKO) befürwortet die Impfung von Kindern ab 12 Jahren, wenn in der Familie oder im beruflichen Umfeld eine oder mehrere Personen immunsuppressiv behandelt werden.

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Wer ganz genau wissen möchte, wie gut seine Impfreaktion auf den Biontech-Impfstoff ist, der kann mit seinem behandelnden Arzt überlegen, ob ein Neutralisationstest auf Immunglobulin G sinnvoll ist. Allerdings ist die Frage offen, wer dann die Kosten dafür übernehmen muss, die Krankenkasse oder der Patient, und nicht jeder Arzt bietet diesen Test überhaupt an.

Würde eine dritte Impfung von Autoimmun-Erkrankten Sinn machen?

Laut n-tv verfolgt die Ständige Impfkommission (STIKO) in Deutschland die laufenden Studien zu der Wirksamkeit des Biontech-Impfstoffs sehr genau und will prüfen, ob eine dritte Impfung von Autoimmmunpatienten sinnvoll und notwendig ist. Dann muss aber auch die Frage beantwortet werden, mit welchem Impfstoff geimpft werden sollte und wann der dann für die Betroffenen überhaupt zur Verfügung steht. Autoimmun-Patienten stehen bis zur Entscheidung der STIKO, die, wie der Deutschlandfunk am 02.Juli berichtete, bis Mitte August 2021 getroffen werden soll, da also bis auf Weiteres noch in der Warteschleife.

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