Vaskulitis Nachrichten 6.7: Autoimmun-Patienten unter Methotrexat brauchen individuell angepasste Covid-19-Impfstrategie

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Wie gut oder schlecht wirkt ein Impfstoff bei Autoimmunpatienten? Das ist eine gute Frage. Denn sie ist in der Vergangenheit selten untersucht worden. Ärzte und Patienten gaben sich daher notgedrungen mit der allgemeinen Annahme zufrieden, dass, wenn der Patient ein immunsuppressives Medikament nutzte, seine Impfreaktion geringer ausfallen würde. Wie gering genau, das blieb für Ärzte und Betroffene im Dunkeln. Man handelte nach der Devise: ein bischen Impfreaktion ist besser als nichts. Aber im Grunde war und ist diese Situation unbefriedigend.

Die Impfstoffhersteller haben auch in der Corona-Pandemie-Situation entsprechende Studien zu ihren neuen Impfstoffen gegen Covid-19 bisher nicht durchgeführt. Weder Biontech / Pfizer, noch Moderna, noch Astra Zeneca, noch Curevac oder einer der anderen chinesischen, russischen, kubanischen oder iranischen Hersteller hat meines Wissens nach untersucht, wie ihre jeweiligen Impfstoffe bei Autoimmunpatienten wirkt. Gerne lasse ich mich vom Gegenteil überzeugen… Und Institution wie die EMA oder die STIKO haben solche Studien vor der Zulassung der Impfstoffe leider auch garnicht eingefordert.

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Deshalb sind seit Dezember 2020 viele Autoimmunpatienten unter dem Eindruck der Gefahr eine Infekton mit Covid-19 oder eine seiner Mutanten buchstäblich ins kalte Wasser der mRNA- und Vektor-Impfstoffe gesprungen. Sie haben sich gegen Covid-19 impfen lassen, ohne dass sie jene Gewißheit um die Wirkung und Nebenwirkungen hatten, die ihnen alleine wissenschaftliche Studien hätten geben können.

Tatsächlich brauchte es aber eine Corona-Pandemie, um die Erforschung dieser Frage voranzubringen. Da es sich bei den mRNA-Impfstoffen um eine völlig neue Klasse von Impfstoffen handelt, haben mehrere Universitätskliniken in Deutschland die Chance für eine Finanzierung von Forschung genutzt, und genau solche Studien aufgelegt, Pro Vaskulitis berichtete bereits in den Vaskulitis Nachrichten 6.5 über ein erstes Forschungsergebnis der Universitätsklinik Erlangen.

Nun legt die Universitätsklinik Erlangen ein zweites Ergebnis vor:

Das Team von Prof. Georg Schett untersuchte die Impfreaktion auf den Biontech-Impfstoff – als Indikator wurde der Immunglobulin G – Spiegel im Blut gemessen – bei zwei Versuchsgruppen. Die erste bestand aus 51 Autoimmunpatienten und 26 gesunden Vergleichs-Probanden. In einer zweiten Probandengruppe befanden sich 31 Autoimmunpatienten und 182 gesunde Studienteilnehmer. Das Erlanger Team konnte ermitteln, dass alle gesunden Probanden mit über 90% eine sehr gute Antikörperreaktion erreichten. Dasselbe hohe Antikörper-Niveau erreichten auch die 37 Autoimmunpatienten, die ein Biological, in der Regel ein TNF-Blocker, als Basistherapie für ihre Erkrankung nutzten.

Allerdings, von den 45 Patienten, die als Basistherapie Methotrexat hatten, erreichten nur 28 Patienten, also 62,2%, dieses Niveau. 37,8% der Patienten wiesen eine deutlich verminderte Immunreaktion auf. Sie erreichte nur maximal 62%! Das scheint im Vergleich zu generellen Wirksamkeiten von Grippeimpfstoffen viel zu sein. Aber, mit Covid-19 haben wir es, wie Wissenschaftler aus China und den USA mittlerweile bestätigten, nicht mit einer „relativ harmlosen“ Atemwegserkrankung zu tun, sondern mit einer systemischen, also den ganzen Körper angreifenden Gefäßerkrankung, und deshalb mit einem wesentlich gefährlicheren Erreger. Deshalb sind maximal – d.h. viele Probanden lagen weitaus niedriger! – 62% Impfreaktion allenfalls mittelprächtige Werte.

Darüberhinaus stellten die Wissenschaftler nämlich auch fest, dass, im Gegensatz zu den gesunden Geimpften, bei allen Autoimmunpatienten, unabhängig von ihrer Basistherapie, die CD8- und die T-Zellen nicht aktiviert wurden durch den Biontech-Impfstoff. Das bedeutet, dass unabhängig von der spezifischen Autoimmunerkrankung, alle Betroffenen nur eine sehr eingeschränkte Immunanwort generieren konnten und dies eine gemeinsame Fehlfunktion des Immunsystems aller Autoimmunerkrankten in der Studie war.

Dieses Ergebnis führt jetzt zu der Frage:

Wie muss eigentlich ein Impfstoff aufgebaut sein, um optimal für Menschen mit entzündlichen Autoimmunkrankheiten geeignet zu sein?

Mir scheint, da gibt es noch einen erheblichen Forschungsbedarf!

Im Ergebnis legen die Erlanger Ärzte den behandelnden Rheumatologen und ihren Patienten eine, auf den individuellen Patienten angepasste, Impfstrategie nahe, deren Bausteine eine Anpassung der Methotrexat- Dosierung, eine zeitliche begrenzte Aussetzung der Methotrexat-Therapie oder auch eine zusätzliche Impfdosis sein können.

Allerdings, liebe Leser, Letzteres scheint eher eine Option zu sein für Länder, die im Corona-Impfstoff „schwimmen“, wie die Exportverweigerer USA und Großbritannien, oder Länder, die Impfstoff an zahlende Touristen verkaufen, wie so mancher Golfstaat und Kuba es vorhat. Die EU hingegen exportiert weiterhin tapfer Impfstoff in Drittländer, während in Deutschland darüber diskutiert werden muss, ob Kinder wohl oder nicht geimpft werden sollten, angesichts der weiterhin zu knappen Impfstoffversorgung. Da wird es für eine dritte Impfstoffdosis für Autoimmunpatienten wohl kaum einen Spielraum geben……………..!

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