Vaskulitis Nachrichten 5.9: Corona-Risikofaktoren für Vaskulitis-Patienten

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Mit jeder Woche, die vergeht, lernen Wissenschaftler und Ärzte mehr über das Corona-Virus. Zwei Risikofaktoren scheinen sich dabei bisher herauszustellen. Sie gelten für jeden, Vaskulitis-Patienten könnten aber eher betroffen sein als der Durchschnitt der Bevölkerung.

Risikofaktor Nr. 1: Übergewicht

Risikofaktor Nr. 1 ist nach einer Studie aus Wuhan das Körpergewicht. 80% der Patienten, die beatmet werden mussten, wiesen einen Körpermasseindex von mehr als 30 auf. Menschen, deren Index über 30 liegt, sind stark übergewichtig und besitzen viel Bauchfett. Die Zellen, in denen das Fett eingelagert ist, weisen nun leider genau die Andockstelle auf, über die das Corona-Virus in die Zelle gelangen und sich dort vermehren kann. Darüberhinaus geben Bauchfettzellen Botenstoffe ab, die Entzündungen ankurbeln, weil sie das Immunsystem alarmieren. Diese Alarmierung kann zu der überschießenden Reaktion des Immunsystems auf das Virus führen, die die schweren Lungenentzündungen und Zerstörungen des Lungengewebes herbeiführt, die dann als weiße Flecken im Röntgenbild der Lunge sichtbar sind.

Ein zu hohes Körpergewicht belastet das Herz und die Lunge. Beide Organe müssen härter arbeiten, um den Körper mit Sauerstoff zu versorgen, als bei einem normalgewichtigen Menschen. Wenn das Herz-Kreislaufsystem durch eine Infektion mit Corona zusätzlich belastet wird, wirkt sich das negativ aus.

Leider müssen Vaskulitis-Patienten gerade in der Anfangsphase ihrer Erkrankung oft mit hohen Dosen Cortison behandelt werden. Als Nebenwirkung dieser Therapie nehmen diese Patienten dann oftmals an Gewicht zu. Die Gewichtzunahme kann schnell 10 – 15 Kg oder mehr betragen. Ein Körpermaßindex von über 30 – und damit eine Adipositas – ist da schnell erreicht. Der Corona-Risikofaktor 1 könnte also viele Vaskulitis-Patienten betreffen.

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Wie können Vaskulitis-Patienten reagieren?

Auf keinen Fall sollten sie ihre laufende Medikation, auch wenn es sich um Cortison handelt, ohne Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt ändern oder sogar absetzen! Denn das Risiko eines Vaskulitis-Rückfalls ist nach heutigem Kenntnisstand auf jeden Fall wesentlich höher als das Krankheitsrisiko durch Corona. Aber Vaskulitis-Patienten können darauf achten, dass sie zumindest in der heutigen Quarantäne-Situation nicht noch weiter zunehmen.

Wer nicht zur Physiotherapie oder zum Sport gehen kann, sollte versuchen, seine physiotherapeutischen Übungen jeden Tag zuhause weiterzuführen. Im Internet gibt es darüberhinaus vielfältige Anregungen, wie man auch in der eigenen Wohnung, auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten sportlich aktiv sein kann.

Wer seine Ernährung umstellen will, um abzunehmen, dem seien die Sendung des NDR „Ernährungsdocs“ empfohlen. Eine gesunde Ernährung ist schließlich auch wichtig für ein gut funktionierendes Immunsystem, wie die Ernährungsdocs immer wieder betonen. Gegenwärtig sucht der NDR übrigens Teilnehmer mit einer Rheumaerkrankung, bei Kindern mit Übergewicht, für die Sendung. Hier kann man sich anmelden. Wer nicht im Fernsehen auftreten will, findet hier eine Schwerpunktpraxis Ernährungsmedizin.

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Risikofaktor 2: Luftverschmutzung

Dass eine hohe Luftverschmutzung Atemwegserkrankungen wie Krupp und Asthma begünstigt, ist schon lange bekannt. Bei der Vaskulitis-Form Churg-Strauss manifestiert sich die Krankheit zunächst scheinbar „nur“ als Asthma. Ein Ausbruch der Vaskulitis-Form Granulomatose mit PolyAngiitis zeigt sich in ihrer den ganzen Körper erfassenden, also systemischen Form mit einer schweren Lungenentzündung. Frau Dr. Frederike Buckert, Duisburg, mutmaßte bereits 2012 in ihrer Doktorarbeit einen Zusammenhang von hohen Luftverschmutzungswerten mit dem Ausbruch einer Vaskulitis. Leider ist dieser Ansatz nicht weiterverfolgt worden, möglicherweise fehlte die Finanzierung ihrer weitergehenden Forschung, ein Problem, unter dem die Erforschung von Seltenen Erkrankungen seit Jahrzehnten leidet. Es verwundert jedenfalls nicht, dass die Wissenschaftler in China den Zusammenhang zwischen der Luftverschmutzung in Wuhan und dem Ausbruch und Verlauf der Corona-Epidemie in der Millionenstadt unter die Lupe genommen haben.

Auffällig ist, dass es einen verblüffend genauen, parallelen zeitlichen Verlauf zwischen der Entwicklungskurve der Epidemie und der Luftverschmutzungswerte in Wuhan gibt. Eine mögliche Erklärung besteht darin, dass die Viruströpfchen sich in einer mit Feinstaub angereicherten Luft länger halten können. Eine andere Erklärung verweist darauf, dass Feinstaub und gasförmige Gasstoffe tief eingeatmet werden. Im tieferen Lungengewebe reagieren die Zellen dann mit Entzündungsreaktionen. Das so bereits gereizte Immunsystem könnte so eher in die Phase der Überreaktion eintreten, die bei schwer erkrankten Corona-Patienten beobachtet wird. Es sei hier darauf hingewiesen, dass diese Studien keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Luftverschmutzung und einer Infektion durch das Corona-Virus nachweisen können, sondern lediglich eine zeitliche Parallelität aufzeigen. Eine Studie aus den USA vo 24. April 2020 konnte hingegen wohl einen Zusammenhang ermitteln. Laut dieser Studie führt ein Anstieg von 1 μg/m3 in PM2.5 (Feinstaub) zu einem Anstieg von 8% an Corona-Infizierten. Es geht hier um die Langzeitbelastung mit Feinstaub.

Es könnte also sein, dass die Qurantäne-Maßnahmen in Deutschland nicht nur deshalb so erfolgreich waren, weil die Menschen sich größtenteils daran gehalten haben. Möglicherweise hat die teils deutliche Abnahme der Luftverschmutzung während der Quarantäne zu der Abnahme der Infektionszahlen beigetragen.

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Was können Vaskulitis-Patienten tun?

Nicht rauchen, denn damit sorgt jeder Raucher für seine eigene Feinstaubbelastung! Darüberhinaus: Schon eine ffp1-Atemschutzmaske kann 80% der in der Luft vorhandenen Feinstaubpartikel, die bis zu 0,6 µmklein sein können, auffangen. ffp2- und ffp3-Masken können jeweils noch mehr Schutz geben, in der höchsten Qualität auch gegen Viren. Wären Vaskulitis-Patienten also in der Lage, sich entsprechende Masken zu besorgen und zu tragen, könnte das ein wichtiger Beitrag dafür sein, sie vor einer Corona-Infektion und einem potentiell schweren Verlauf der Erkrankung zu bewahren.

Pro Vaskulitis hat deshalb am 10. April 2020 die Stiftung Patientenschutz gebeten, sich dafür einzusetzen, dass in Deutschland die Menschen, die von Autoimmunkrankheiten betroffen sind, von der Regierung baldmöglichst mit hochwertigen Atemschutzmasken versorgt werden, damit sie sich schützen können.

Bis dahin kann schon eine selbstgefertigte Maske aus Staubsaugerbeuteln oder mit einer Einlage aus diesem Material wenigstens einen 5fach besseren Schutz vor Corona-Viren bieten als gar keine Maske.

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