Bergmännischer Weihnachtsmarkt

Bergmännischer Weihnachtsmarkt

Es ist schön, dass die Region ihr Jahrhunderte altes bergmännisches Erbe nicht vergisst und mit Stolz darauf – hier verwandelt in weihnachtlichen Glanz – verweist. Denn der Bergbau im Ruhrgebiet ist ja nun – nach langem, qualvollen Dahinsiechen und Absterben – endgültig Geschichte. Es gibt keine Zechen mehr im Ruhrgebiet, die ja im Grunde hochtechnologische Produktionsfabriken, nur unter Tage, waren; es gibt nur noch Museen.

Das, was die Bergleute ausmachte und die Mentalität der Region geprägt hat, die Bereitschaft zu harter Arbeit und dazu, Verantwortung zu übernehmen für das eigene und das Leben der anderen Kumpels im gefährlichen Untertage-Betrieb, Kameradschaft und Gemeinschaftssinn, improvisieren und unorthodoxe Lösungen für technische Probleme finden zu könen, dabei eine hohe technische Professionalität, sowie die Offenheit gegenüber sinnvollen, technischen Neuerungen – all das kann und wird die Metropole Ruhr auch weiterhin in die Zukunft tragen. Denn der Wandel muss und wird mit Kreativität und Energie weitergehen.

Süddeutschland wird in den nächsten Jahren mit dem Umbau der Autoindustrie in kleinerem Maßstab das meistern müssen, was die Ruhrmetropole in den letzten Jahrzehnten bereits durchgestanden hat – teilweise mit Erfolg, teilweise jedoch auch verbunden mit einem Niedergang. Dabei haben die Süddeutschn noch Glück. Sie werden nicht ihre Kernindustrie verlieren, und damit wird – im Gegensatz zur Situation im Ruhrgebiet – die grundlegende Wirtschaftsstruktur ihrer Länder erhalten bleiben.

Die Ruhris wissen, was so ein Wandel trotzdem bedeutet. Das lange Festhalten an der überkommenen Technik und Produktion, denn alle hochqualifizierten Arbeitskräft und Manager wissen, wieviel Know-How und hochspezialisierte Abläufe darin stecken. Das daran Festhalten, weil man immer noch Chancen sieht, Manager und Ingenieure doch noch einige gute, technische und wirtschaftliche Argumente dafür haben. Weil die Alternativen mit vielen Ungewissheiten und Risiken verbunden sind. Weil die Alternativen bedeuten könnten, dass der Arbeitsplatz verloren geht, die Wohnung oder das Haus nicht mehr finanziert werden kann, ein Umzug weit weg von Bekannten und Familie notwendig werden könnte oder weil man schlichtweg zu alt dafür ist oder für eine Umqualifizierung. Er bedeutet, dass die eigene Gemeinde kein Geld mehr haben könnte für die Schulen, die Bibliothek, die Strassen, das ganze Lebensumfeld immer mehr abrutscht.

Ich wünsche den Süddeutschen, dass sie aus den Erfahrungen des Ruhrgebiets lernen und ihren industriellen Wandel deshalb besser überstehen – dann aber auch unsere Region ein Stück weit besser in dem, was sie geleistet hat, verstehen und schätzen lernen… Dennn das Ruhrgebiet war das Versuchskaninchen der BRD in Sachen Strukturwandel.

Allen früheren und jetzt noch bestehenden Kohle-Bergbauregionen in West und Ost wünsche ich nun noch, dass sie den für sie, im Vergleich zu Süddeutschland, noch viel schwerer zu bewältigenden Wandel in ihre neue Zukunft gut meistern.

Glück Auf! und Frohe Weihnachten!

Al

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