Illusionen in Europa und Afrika: Migration – Sehenswerte Dokumentation des ZDF

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Für die Dokumentation „Migration – Das große Missverständnis“, die das ZDF am 05.09.2019 ausgestrahlt hat, hat der Sender viel Aufwand betrieben. Die Redaktion hat viele Interviews geführt, mit Migranten und Migrationsexperten vor Ort, in Deutschland, Ghana, Marokko und Afghanistan.

Der Zuschauer kann so einen realen Eindruck bekommen von den Hintergründen der Migration aus Afrika und Afghanistan. Dazu gehört die Aussage des ghanaischen, und in Afrika führenden, Migrations-Wissenschaftlers, dass die Europäer endlich begreifen müssten, dass der übergroße Anteil der Migranten aus dem mit 8% Wachstum pro Jahr wirtschaftlich boomenden Ghana keine Flüchtlinge vor Krieg, Hunger, Verfolgung und Arbeitslosigkeit seien, auch wenn sie das bei ihren Asylanträgen angäben, sondern sie seien ganz normale Auswanderer, die berufliche Chancen suchen und einen gesellschaftlichen Aufstieg. Freilich sind sie Auswanderer, die einem Trugbild von einem ideal-sorgenfreien-chancenreichen Leben in Deutschland hinterherlaufen. Es entsteht durch Fernsehbilder, aber auch Bilder in Sozialen Medien, die von Migranten eingestellt werden. Sie wollen ihren Familien im Heimatland die schöne Seite ihres Migrationslandes und ihrer Migrationssituation zeigen, die schwierige, keinen Wohlstand umfassende, möglicherweise häßliche Seite blenden sie für ihre Angehörigen bildlich und inhaltlich aus, nicht zuletzt deshalb, weil sie nicht als Versager, als Gescheiterte gelten wollen, die es nicht geschafft haben.

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Es sind dabei nicht die armen Ghanaer, die sich nach Europa schleusen lassen, sondern diejenigen, die schon einen gewissen Wohlstand erreicht haben. Nur sie haben das nötige Geld. All das trifft nicht nur auf die Ghanaer zu, sondern auch auf Marokkaner und Afghanen. Dieses Auswanderer-Trugbild trifft dann auf das Trugbild, das, zumindest das westliche, Europa über Migranten hegt: dass sie alle arme, hilfsbedürftige Verfolgte und Hungernde sind.

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Wenn Trugbild auf Trugbild trifft, dann gibt es Scherben. Die Scherben sind diejenigen Migranten, die, nachdem ihre Asylanträge abgelehnt wurden, wie bei weit über 90% aller Ghanaer und Afghanen, in der Illegalität untertauchen und im Drogen- und Kriminalitätsmilieu landen, den Weg zurück in ihr Heimatland nicht mehr finden. Wer jahrelang auf seinen endgültigen Asylbescheid gewartet hat, der hat die direkte Bindung zu seiner früheren Umgebung im Heimatland verloren, und tut sich schwer, eine Perspektive oder Plan für ein Leben dort wieder zu entwickeln. Die Scherben sind aber auch auf der anderen Seite die hohen Belastungen der Sozialkassen in Europa durch nicht- oder mangelhaft qualifzierte Migranten, die zunehmende Ausländerfeindlichkeit und deren politische Artikulation in rechtsradikalen Parteien in ganz Europa.

Dabei könnten Europas alternde Gesellschaften qualifzierte, integrationswillige Migranten gut brauchen. Würde dann ein Brain-Drain entstehen? Ein Ghanaer, der gut vorbereitet nach Deutschland kam, in München Medizin studierte und nach seiner Ausbildung nach Ghana zurückging, heute dort in verantwortlicher Position vieles von dem, was in Deutschland auch in organisatorischer Hinsicht gelernt hat, umsetzt, sieht es genau umgekehrt. Er erkennt für Ghana einen Brain-Gain, also einen Gewinn.

Schade, dass der Film am Schluss genau an dem Punkt aufhört, an dem der Zuschauer sich fragt:

Und wat nu? Wie können wir diese verfahrene Situation zum Besseren auflösen?

Wer will, kann sich die Dokumentation noch bis zum 04.09.2020 in der Mediathek des ZDF anschauen, hier der Link.

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