Klimawandel oder Alles ist relativ!

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Als die Stewardess die dickwandige Flugzeugtür zur Seite schob, drückte sich sofort eine Wand aus Hausbrand, Abgasen von Schwärmen von Tuktuks und altersschwachen LKWs, meeresfeuchter Luft und durchdringender Wärme in die Kabine. „Willkommen in Kalkutta!“, dachte ich etwas gequält. Mit langsamen Bewegungen, um nicht mehr als nötig ins Schwitzen zu kommen, erhob ich mich aus meinem Sitz, griff nach oben, um meine Reisetasche aus dem oberen Klappschrank zu holen und ließ mich dann von der Schlange der anderen Reisenden aus dem Flugzeug in den Flughafenbus treiben. In der Enge der dichtgedrängt stehenden Passagiere umwehten mich schon bald schwüle Parfüm- und Schweißschwaden.

Im Flughafengebäude angekommen zwang ich mich deshalb zu einer schnelleren Gangart. Frühzeitig am Gepäckfließband zu sein, würde es mir ersparen, in zweiter oder dritter Reihe stehend den Ausdünstungen meiner Mitreisenden genauso unausweichlich, wie im Bus, ausgesetzt zu sein.

Alles lief wie geplant. Als einer der ersten hiefte ich meine Koffer vom Band und wurde mit Glück kurz darauf ohne Zwischenstopp vom Zoll durchgewunken. Allerdings, alles hat seinen Preis. Aufgrund meiner schnellen Aktion lief mir nun mein eigener Schweiß in Strömen im Gesicht und im Nacken herunter. Mein Hemd war nurmehr nass. Schnell nach draußen! Vor dem Flughafeneingang fiel mein Blick auf die Temperaturanzeige:

46 Grad Celsius Außentemperatur! Und nirgendwo Schatten.

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Da hieß es, sofort ein Taxi nehmen, ins Hotel fahren, duschen und meine Kleidung vor dem ersten Geschäftstermin wechseln! Schnell sprang ich in das erste der in einer langen Schlange parkenden Fahrzeuge. „Hotel Oberoi, please!“, wandte ich mich an den Taxifahrer. Der Mann trug einen kaffeebraunen, langärmeligen Rollkragenpullover! „How can you wear a turtle neck sweater? Man, it’s steaming hot here in Calcutta!“ stöhnte ich entgeistert. Da lachte der Fahrer mich an, seinen Kopf fröhlich von links nach rechts schüttelnd, wie Inder es tun, wenn sie eine Ansicht bejahen oder unterstreichen wollen:

„Mister, you’re lucky! This morning, we had 55 degrees .

It has been cooling up!“

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