Auf dem Holzweg

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Fridays for Future klagen mehr Umweltbewußtsein ein, von jedem. Und wer wollte das nicht, möchte nicht Nachhaltigkeit. Beides aber zu leben, ist im Detail garnicht so einfach.

Anfang diesen Jahres kam ich auf die Idee, meine Gartenwege zukunfsgerichtet zu sanieren. Sie sollten problemlos mit dem Kinderwagen, Rollator oder auch Rollstuhl befahrbar sein. Nach reiflicher Überlegung entschied ich mich für Pflasterklinker als Belag. Er hält bis zu 100 Jahre lang, Schäden kann man leicht ausbessern durch ein einfaches Umdrehen des Klinkers. Muss er dennoch ersetzt werden, kann er einfach zu Lehmmehl zermahlen werden und ist damit umweltfreundlich entsorgt.

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Angeliefert wurden die Pflasterklinker, aber nicht nur sie. Sie waren gestapelt und verpackt auf Holzpaletten auf einem 40-Tonnen-LKW, dessen Fahrer sie, ohne jede weitere Hilfe, mittels des LKW-Krans in meine Einfahrt hob. Anstatt also die Klinker auf die Ladefläche des LKWs zu stapeln und dann beim Kunden wieder herunterzustapeln – was viele Arbeitsstunden kosten würde – nutzt man ein „Containerprinzip“, nämlich die Verpackung auf Paletten.

Nachdem in den folgenden Tagen im Garten die Erde ausgehoben, Schotter und Kies aufgefahren und verdichtet worden waren, wanderte Klinker für Klinker gen Garten, wo sie in Mustern auf die Wege gelegt, sodann abgerüttelt und mit Quarzsand eingeschlämmt wurden. Ich war glücklich, die Wege sahen gut aus, waren gut begehbar und nun definitiv ein Gewinn für den Garten.

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Im Gegensatz zu den Pflasterklinkern, die mich und hoffentlich auch eine nachfolgende Generation lange erfreuen werden, hatten die Holzpaletten nun ihren Dienst erfüllt. Nicht nur das, sie standen mir in der Einfahrt im Wege.

Was also nun tun damit? Ich weiß nicht, wieviel Baum für „meine“ Paletten sein Leben lassen musste, aber dass zumindest ein Baum dafür gefällt worden war, soviel war sicher. Ein Grund, so eine Holzpalette wertzuschätzen. Zudem ist ja Arbeitsleistung in die Herstellung der Paletten geflossen. Zum Wegschmeißen also sind sie zu schade.

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Beim Stapeln der Paletten in einer Ecke der Einfahrt stellte ich dann fest, dass das Holz, aus dem die Paletten zusammengezimmert waren, als knochentrocken und offensichtlich sehr gut abgelagert. Mit anderen Worten, ideales Brennholz! Aber zu dumm, Ostern und damit alle Osterfeuern waren schon etliche Wochen vorbei.

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Vielleicht gab es da jedoch einen anderen Weg: In meinem Stadtviertel besitzt fast jedes vierte Haus einen separaten Edelstahl-Außenschornstein, was darauf schließen lässt, dass die Bewohner einen Holzkamin betreiben. Im Baumarkt hatte ich ab und an im Augenwinkel die Preise für einen Raummeter Brennholz gesehen, wow, richtig teuer! Da wären sicherlich einige Leute froh, wenn sie gutes Brennholz umsonst bekommen könnten, dachte ich. Also setzte ich mich an den PC und schrieb Anzeigen:

Brennholz an Selbstabholer zu vergeben, kostenlos!

Bei einem Abendspaziergang verteilte ich die Zettel in der Nachbarschaft und erwartete mit großer Zuversicht den Ansturm von Interessenten. Alleine: Das Telefon blieb still, tagelang. Schließlich meldete sich ein einziger, befreundeter Nachbar, der mir dann auch noch erklärte, er selbst würde die Paletten ja liebend gerne nehmen, es wäre ja sehr gutes Brennholz, aber seine Frau wolle nur geschnittenes, sauberes Brennholz und gegen ihren Wunsch könne er sich nunmal nicht durchsetzen.

Ich war ratlos. Ob meines Frustes rieten mir daraufhin Freunde, aus der Not eine Tugend zu machen. Gartenzäune könne ich daraus bauen oder Holzregale zur Aufnahme von Kräutertöpfen und alternative Gartenmöbel. Leider besitze ich jedoch weder Schreinerkenntnisse, noch das nötige Werkzeug. Und die Freunde, die über beides verfügten, blieben bei diesen wohlgemeinten Ratschlägen auffällig still, was mir zu denken gab.

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Also schaltete ich in den gängigen Online-Marktplätze eine Anzeige, in der ich die Holzpaletten zum Möbelbau anbot, kostenlos, für Selbstabholer. Im Baumarkt kostet so eine Holzpalette schnell um die 20 Euro. Aber, nach ein paar Wochen ohne dass ich mich über irgendeine Resonanz hätte freuen können, löschten die Marktplätze meine Anzeige.

Kurz überlegte ich dann noch, ob es ein Fingerzeig des Himmels sei, dass ich mir das Schreinern als Hobby zulegen sollte. Aber nein, nur wegen ein paar Holzpaletten? Schnell verwarf ich den Gedanken.

Also werde ich nun, nach einigen Wochen fehlgeschlagender Versuche einer nachhaltigen Weiterverwendung der Holzpaletten, sie nun ins Auto laden und in die Müllentsorgung geben. Der Baum hat seine Schuldigkeit getan, die Holzpaletten müssen nun leider doch auf die Müllhalde gehen. Mein Experiment Nachhaltigkeit ist bei den Holzpaletten gescheitert.

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2 Antworten zu Auf dem Holzweg

  1. Rheumaralle schreibt:

    Europaletten werden sogar in den Baumärkten verkauft – inklusive Zubehör.
    Als Liege und Sitzgelegenheit, Horizontalgarten oder zum Bau eines Hochbeets…
    Nennt sich wohl Vintagestyle.
    Auch mein Hochbeet entstand aus zwei Eurpaletten die ich auseinandergenommen hatte nachdem sie ihren Transportzweck erledigt hatten…
    Und da findet sich kein Abnehmer?

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