Fridays for Future und die Atomkraft

Woraus sich doch die spannendsten Diskussionen entwickeln können…

Dass Schüler für die Umwelt auf die Strasse gehen, fand ein Nachbar, der sich neulich bei mir eine Ladung Wurzelholz für seinen Holzkamin abholen wollte, ganz und gar nutzlos. Fridays for Future, das würde zu nichts führen, schließlich hätten auch die Demonstrationen gegen Atomkraftwerke früher nichts gebracht. Überall außerhalb von Deutschland liefen sie ja, es würden neue gebaut. Die Atomkraftwerke in Deutschland abzuschalten sei deshalb, und weil sie gut für die Umwelt seien, keinen Feinstaub produzierten, Unsinn. Sicher, die Entsorgung des Atommülls sei ungelöst, er aber setze immer noch seine Hoffnung darauf, dass wir eines Tages in der Lage wären, den gesamten strahlenden Atommüll dieser Erde in das Weltall zu schießen.

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Hegt mein Nachbar da eigentlich eine berechtigte Hoffnung? Dem wollte ich doch einmal nachgehen.

Seine Idee wurde tatsächlich vor rund 40 Jahren auch von der Wissenschaft in Betracht gezogen. Allerdings, sie wurde auch sehr schnell ad acta gelegt.

Warum?

Eines der Argumente war und ist die schiere Menge des Atommülls. Bis 2010 waren es weltweit rund 300 000 Tonnen. Hinzu kommt der Abbruchmüll von alten, abgeschalteten Atomkraftwerken, der dann so sehr zerkleinert werden müsste, dass er überhaupt in eine Rakete geladen werden kann.

Bleiben wir aber bei den bisher veranschlagten 300 000 t Atommüll. Brächten wir sie mit der europäischen Ariane V – Rakete in den Weltraum , würde das 7800 Dollar pro Kg kosten, also 7 800 000 Dollar pro Tonne. 300 000 Tonnen würden also „kleine“ 2 440 000 000 000 Dollar kosten.

Mit der neuen Falcon 9 Rakete von SpaceX kostet das Kg 2630 Dollar, eine Tonne also 2 630 000 Dollar. 300 000 Tonnen Atommüll ins Weltall zu schießen, würde dann „nur“ noch 78 900 000 000 Dollar erfordern. Ein wahres Schnäppchen, nicht wahr?

Aber nicht nur die Kosten lassen die Idee fragwürdig erscheinen.

Die Nutzlast einer Ariane V Rakete beträgt 21 400 Kg. 1402 Raketen wären nötig, um 300 000 Tonnen in das All zu befördern. Überhaupt gebaut und geflogen sind seit 1987 bis heute, also innerhalb von 32 Jahren insgesamt 102 Raketen, das macht pro Jahr rund 4 Raketen. Die Produktionskapazitäten für Raketen müssten also um den Faktor 350 erhöht werden, um innerhalb eines Jahres die 300 000 Tonnen Atommüll – mittlerweile befinden wir uns im Jahr 2019, es sind also weitaus mehr als die 300 000 Tonnen im Jahr 2000 – von der Erde zu bekommen.

Es ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt ganz unwahrscheinlich, dass derart viele Raketen gebaut werden, selbst wenn sich die Anzahl dadurch verringern ließe, dass sie, wie von SpaceX geplant, wiederverwendtbar wären. Selbst, wenn alle raumfahrenden Nationen sich zusammen tun würden – was angesichts der kommerziellen und militärischen Konkurrenz höchst unwahrscheinlich ist – würde es Jahre dauern, eine derart große Raketenflotte zu bauen, wie sie erforderlich wäre, um den sich ständig weiter anhäufenden Atommüll ins All zu schießen.

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Das letzte und entscheidende Argument betrifft die Zuverlässigkeit der Raketen. Sie erreicht bei keinem Raketentyp die 100%, die erforderlich wäre, um Atommüll sicher ins All zu bringen. Selbst die als sehr zuverlässig geltende Arine V gilt nur zu 99% als zuverlässig. Würde auch nur eine einzige Rakete beim Start explodieren, würde ein sehr großes Gebiet rund um das Abschussgebiet hochgradig verstrahlt werden und bei entsprechender Witterung und Winden die strahlenden Partikel in die weitere Umgebung hineingetragen werden.

Die Hoffnung meines Gesprächspartners trügt also leider.

Atommüll ins All zu schießen ist nach wie vor in keinster Weise eine Option!

Und Atomkraftwerke sind deshalb auch keine Lösung für die Klimakrise! Fridays for Future – ja, aber für eine Zukunft ohne Atomkraftwerke!



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2 Antworten zu Fridays for Future und die Atomkraft

  1. Dalo 2013 schreibt:

    This reminds me of modern day politicians. When difficulties arrive, they tend to come up with theories/solutions such as „shooting all the nuclear waste into space…“ It is not practical and for the most part total nonsense, but it helps them (businesses) sleep better at night. Shortsightedness is a danger. I like your outlook on the world. Cheers to the potential of the younger generation.

    • federfluesterin schreibt:

      You are right, if costs and danger of the management of nuclear waste had been taken into account, the production of electric power by the use of nuclear power plants was far too costly (and dangerous) right from the start – even in comparison to coal, let alone wind or sun energy. In Germany, it was a political decision of the generation of my parents to ignore the cost facts, my generation fought for the end of nuclear energy production in Germany. It is a good sign that the next generation has started to take an active part in forming their future.

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