Vaskulitis Nachrichten 4.4: Alternativmedizin

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Wenn eine promovierte Ärztin jahrelang als ausgebildete Homöopathin arbeitet, in ihrer eigenen Praxis, dann kann man davon ausgehen, dass sie von Grund auf von der Homöopathie überzeugt ist . Wie etwa 7000 andere Mediziner, die sich auf diesem Feld der Alternativmedizin bewegen.

Oder?

Nathalie Grams, die promovierte Ärztin, an der Universitätsklinik Zürich und in Heidelberg am Agaplesion Bethanien Krankenhaus im Bereich Geriatrie und Palliativmedizin ausgebildet, mit Fortbildungen in der Traditionellen Chinesischen Medizin und einem Abschluss mit der ärztlichen Bezeichnung „Homöopath“ , ausgerechnet sie bildet die große Ausnahme. Denn nach 6 Jahren Tätigkeit als Ärztin für Homöopathie bricht sie 2016 radikal damit und schließt sogar ihre zwar sehr gut gehende, aber damals noch nicht einmal abbezahlte, Privatpraxis.

Was hat zu dieser Kehrtwende geführt?

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Christian Weymayer, Wissenschaftler und Journalist, hatte sie, die Homöopathin, für ein Interview aufgesucht, in dessen Verlauf sie keine Antworten fand auf seine kritischen Fragen. Sie war irritiert, verunsichert, aber auch verärgert über sich selbst, dass sie ihm kein Paroli hatte bieten und die Homöopathie mit Argumenten hatte verteidigen können. Sie begann danach selbst zu recherchieren, ihre eigenen Fragen zur Homöopathie, die sie jahrelang in den Hintergrund verschoben hatte, zuzulassen, selbst mit anderen Ärzten und Wissenschaftlern zu sprechen. Das Resultat war ihr Buch Homöopathie neu gedacht – Was Patienten wirklich hilft.“, das 2016 im Springer Verlag erschien.

Und ihr Ausstieg aus der Homöopathie. Später wird sie in einem Interview sagen:

„Es war ein Gefühl, wie aus einer Sekte auszusteigen.“ *

Dabei hat Nathalie Grams die Homöopathie und ihre Protagonisten, ob Ärzte oder Patienten, in ihrem Buch nicht verteufelt. Im Gegenteil, sie hat nur versucht, das Gute daran auf eine neue Basis zu stellen und so zu retten.

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Das Gute, das sind z.B. die drei Stunden (!) Eingangsgespräch des Arztes mit dem Patienten. Es ist die genaue Aufnahme des Patientenhintergrundes, seiner Geschichte. So erhält der Arzt die Informationen, die ihn überhaupt befähigen, den Patienten adäquat zu behandeln oder ihn zielgerichtet an für sein spezifisches Leiden besser qualifizierte Kollegen zu verweisen. Mit anderen Worten, für seinen Patienten der Gesundheitsmanager zu sein. Privatpatienten bezahlen für diese eingehende Anamnese 120 – 150 Euro. Warum sind sie nicht bereit, für eine solche Leistung einen Schulmediziner zu bezahlen? Warum wird diese Leistung nicht von den gesetzlichen Krankenkassen getragen?

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Das Gute, das ist z.B. die Erkenntnis, dass ein gesunder Körper mit einem gesunden (also nicht mit Immunsuppressiva behandelten!) Immunsystem durchaus in der Lage ist, mit einer kleineren Erkrankung, etwa einem grippalen Infekt, ganz von alleine, ohne Medikamente, fertig zu werden. Der Patient muss seinem Körper nur die nötige Ruhe und Zeit dafür zugestehen. Dazu muss der Arzt aber so manchen Patienten erst ermutigen, ihm das nötige Vertrauen in seinen eigenen Körper vermitteln. Oder ihm Pillen oder Tinkturen verschreiben, die den Körper dazu ermuntern und befähigen sollen, die Krankheit selbst zu bekämpfen. Nur, tun sie das auch?

Das Gute, das ist auch die Kunst der Manipulation, die Homöopathen beherrschen. Sie lesen richtig, Manipulation. Denn das ist es, was die Anwendung eines Placebos ist. Homöopathische Mittel, die berühmten Globuli, enthalten Zucker – ausgerechnet Zucker…- jedoch keinerlei pharmazeutisch wirksamen Wirkstoff, das war Nathalie Grams – wie auch bereits 2015 der australischen und der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde nach Auswertung einer sehr großen Metastudie – im Zuge ihrer eigenen, intensiven Recherche dann doch endgültig klar geworden. Ihre Wirksamkeit beruht hingegen auf dem Placebo-Effekt, also einer psychischen Beeinflussung des Patienten, um eine biophysikalische Veränderung im Körper hervorzurufen.

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Diesen Placebo-Effekt systematisch zu nutzen, ist das Verdienst der Homöopathie! Das ist kein kleiner Verdienst, denn, wie mittlerweile in wissenschaftlichen Untersuchungen festgestellt, ca. ein Drittel eines schulmedizinischen Behandlungserfolges beruht tatsächlich rein auf psychischen Beeinflussungen, wie das Auftreten des Arztes, sein Kittel und Arbeitsgeräte, die „medizinische“ Atmosphäre der Praxis, daß eine „Pille“ verschrieben oder verabreicht wird.** Gaben Ärzte in Experimenten in den 1970ger Jahren Patienten ein Placebo, das sie ihnen gegenüber als Schmerzmittel kennzeichneten, so aktivierte der Körper der Patienten körpereigene Opioide, sodass tatsächlich ohne Wirkstoff der Schmerz zwar nicht genommen, aber doch eine Schmerzlinderung erreicht wurde. Placebos helfen selbst dann, wenn der Patient weiß, dass er ein Placebo zu sich nimmt, wie die Journalistin Denise Peikert in ihrem Artikel in der FAZ online vom 27.06.2017 berichtet.

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Aber Vorsicht: Kein Placebo der Welt war bisher in der Lage, eine schwere Krankheit, wie einen Krebstumor oder eine Vaskulitis oder auch eine Fehlstellung der Wirbelsäule, zu heilen! Die Stärke der Placebos liegt in der Linderung – nicht der Beseitigung! – von Symptomen, wie es etwa Schmerzen sind oder auch eine grippebedingte Abgeschlagenheit. Bei Schmerzmedikamenten könnte so die Dosis verringert werden, und damit mögliche Nebenwirkungen. Das allerdings ist doch etwas, bei dem es sich lohnen würde, es aus der Homöopathie in die Schulmedizin, vorzugsweise in der Form der Selbstkonditionierung, herüberzuretten, oder?

Weitere Info, auch über andere Formen der Alternativmedizin, finden Interessierte unter:

*https://www.welt.de/print/wams/vermischtes/article146898286/Wie-in-einer-Sekte.html

**https://www.faz.net/aktuell/wissen/die-macht-der-einbildung-ein-placebo-ist-die-beste-medizin-16045174-p2.html

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