Vaskulitis Nachrichten 4.3: Blasenentzündung

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Blasenentzündungen, mit dem Fachwort Zystitis genannt, sind die Geissel aller Frauen. Das liegt an einem kleinen „Konstruktionsfehler“. Frauen haben nämlich einen kürzeren Harnleiter als Männer, und die Harnröhre und der Darmausgang liegen enger beieinander. Darmbakterien finden dadurch leichter Zugang zur Blase der Frau und docken dort an die Schleimhaut an. Zusätzlich verändert sich mit der Pubertät, aber auch in den Wechseljahren, sowie durch die Einnahme der Pille das Scheidenmilieu, was sich zugunsten der Bakterien auswirkt. Ich kenne keine Frau, die nicht schon mehrmals in ihrem Leben von einer Blasenentzündung betroffen war.

Allemal gefährdet sind jedoch Frauen, die, z.B. weil sie an der Autoimmunkrankheit Vaskulitis leiden, immunsuppressiv therapiert werden. Dass ihre Immunabwehr also durch die Therapie herabgesetzt wird, führt auch zu einer erhöhten Anfälligkeit für die Bakterien, die eine Blasenentzündung auslösen.

Was kann Frau also tun?

Vorbeugen

Zunächst einmal vorbeugen. Es klingt vielleicht banal, aber wir vergessen zu oft, unseren Unterkörper, aber auch die Füsse stets ausreichend warm zu halten, also entsprechend warme Kleidung und Schuhwerk, sommers wie winters, anzuziehen. Nabelfreie T-Shirts und dünnsohlige Sneakers im prillen Frühling und Spätherbst, hach, wie Bakterien DAS lieben… Was sie auch lieben, ist eine feuchtwarme Umgebung. Deshalb sollte die Unterwäsche einen hohen Baumwollanteil vorweisen, damit sie ausreichend atmungsaktiv ist. Polyesther ist da eher kontraproduktiv, zumal Slips aus dem Kunststoffmaterial sich nur bei Temperaturen waschen lassen, die Darmbakterien als pflegende Dusche empfinden, die sie aber nicht abtöten. Frau zieht dann mit dem gewaschenen Slip auch gleichzeitig wieder die alten Darmbakterien an. Zur täglichen Hygiene kann Frau besser nur Wasser nutzen, damit die Haut nicht zu sehr austrocknet und dadurch einen idealen Nährboden bildet für Bakterien. Ein herkömmliches Duschgel zum Reinigen des Unterleibs zu nutzen, ist deswegen keine gute Idee. Nach dem Toilettengang gilt es grundsätzlich, den Unterleib mit Toilettenpapier oder Wasser, aber immer von der Scheide Richtung Darm, also von vorne nach hinten, zu säubern, damit Frau die Darmbakterien nicht selbst zur Scheide hin befördert. Nach dem Geschlechtsverkehr ist es sinnvoll, auf die Toilette zu gehen und Wasser zu lassen, um so Bakterien aus der Scheide herauszuspülen.

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Täglich ein Viertel Glas Heidelbeer-, Preisselbeer- oder Cranberrysaft, so eine finnische Studie, soll durch die darin enthaltenen Tanine die Bakterienaktivität hemmen. Allerdings sei das hier, bevor sich jemand in Unkosten stürzt, mit einigem Vorbehalt erwähnt, denn die Datenlage scheint nach neueren Studien doch nicht ganz eindeutig zu sein. Auf jeden Fall aber sollte Frau insgesamt ausreichend trinken, ca. 2 Liter pro Tag, auch wenn es unangenehm ist, ggfs. auf eine öffentliche Toilette gehen zu müssen. Nur wenn Frau ausreichend trinkt, wird die Blase so gut durchgespült, dass Bakterien es schwer haben, sich an die Schleimhaut anzuheften.

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„Saufen wie ein Kamel“

Hat Frau sich allerdings bereits eine Blasenentzündung eingefangen, sollten sie , wenn sie immunsuppressiv behandelt werden, auf jeden Fall ihren Arzt konsultieren. Aber sie kann auch selbst aktiv werden. Im Anfangsstadium hilft viel Wärme und die Anwendung einer sogenannten Wasserkur, wie der NDR in der Sendung “ Visite“ am 12.02.2019 berichtete. Frau sollte sich dazu gedanklich ein Kamel zum Vorbild nehmen – es wird kolportiert, dass es innerhalb von 15 Minuten 200 Liter Wasser saufen kann. Ganz so viel muss Frau aber glücklicherweise nicht schaffen. Für die Wasserkur wird 1 Eßlöffel Natron – jede Hausfrau kennt Natron als Backpulver – in einem großen Glas Wasser aufgelöst und getrunken. Das Natron verändert den PH-Wert des Wassers. Dadurch werden die Bakterien in ihrer Aktivität behindert: Sie können sich weniger gut an die Blasenschleimhaut anheften. Außerdem lindert das Natron den Entzündungsschmerz der Blase. Alle 15 Minuten wird nun ein Glas Natron-Wasser getrunken, pro Tag 3 – 4 Liter. Puuh! Das ist ziemlich viel! Aber nur so werden die Bakterien regelmäßig aus der Blase ausgeschwemmt. Und wie gesagt, immer schön an das Kamel denken… 😉

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Impfung

Was aber, wenn Frau durch ihre Vaskulitis bereits eine so schwere Nierenschädigung davon getragen hat, dass die Trinkmenge pro Tag stark eingeschränkt werden musste? In dem Fall und wenn die Blasenentzündung schon weiter fortgeschritten ist, muss der Arzt zu Antibiotika greifen. Da es jedoch immer mehr antibiotikaresistente Bakterienstämme gibt, lässt Frau es besser garnicht erst so weit kommen, zumal die Antibiotika-Kur die Blasenschleimhaut trocken und spröde werden lässt. So ist der Nährboden bereitet für eine erneute Blasenentzündung. Dadurch kann Frau in eine regelrechte Spirale von sich aneinanderreihenden Blasenentzündungen und Antibiotika-Behandlungen geraten. Vorbeugen ist also besser als heilen zu müssen!

Gerade für nierengeschädigte, Vaskulitis-betroffene Frauen gibt es nun jedoch noch einen weiteren Ausweg: Der Arzt kann eine Impfung gegen die Blasenentzündung, die es seit kurzem gibt, verschreiben. Bei einer entsprechenden Indikation, etwa weil die Patientin tatsächlich in die oben beschriebene Spirale geraten ist, übernimmt die Gesetzliche Krankenkasse die Kosten. Als private Leistung kostet die Impfung rund 100 Euro. Eine gute Investition für stark betroffene Frauen, denn damit sind Blasenentzündungen endgültig passé!

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