Der Pianist

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Dringend neu gestimmt müsste es werden, das alte Piano, dem der Pianist Aeham Ahmad ein ganzes Klavierkonzert entlocken will. Töne überfallen zwischendrin mein Ohr, die so knapp, aber eben gründlich daneben liegen, dass es regelrecht schmerzt. Oder, ich wage es kaum zu denken, greift etwa der Pianist – bewußt  ?- daneben?

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Das wäre allerdings nicht verwunderlich. Der Künstler erlitt im Syrienkrieg eine Schussverletzung der Hand.  Seine Zukunft als Konzertpianist war damit zerstört. Dennoch spielte er mitten im Flüchtlingslager Yarmuk Klavier für die, die dort noch überlebt hatten. Ein großes Geschenk an die Menschen, seine Musik gewährte ihnen einen Moment der Entrücktheit aus ihrer bedrückenden Lebenssituation, ein kleines Glück. Selbst wurde er durch die Youtube-Filme seiner Konzerte mitten in den Trümmern weltberühmt. 2015 ließ der syrische Palästinenser sich für 7000 Euro von Schleppern nach Deutschland bringen. Nach Deutschland, weil Deutschland syrischen Kriegsflüchtlingen den Familiennachzug gewährt.

Nun also tourt er mit Amnesty International durch Europa und erzählt zwischen seinen Klavierstücken seine Geschichte, mit Texten, die er wohl selbst geschrieben hat, aber von anderen auf Deutsch vorgetragen werden. Er selbst spricht auch nach drei Jahren nur ein sehr gebrochenes Deutsch. Woran das liegt? Er schiebt es auf die Konzertauftritte in verschiedenen europäischen Ländern, in denen er jeweils mit wiederum einer neuen Sprache konfrontiert wird.

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Aber tourt er denn schon seit drei Jahren ständig durch Europa? Liegt es nicht eher daran, dass er zuhause im Kreis seiner Familie weiter Arabisch spricht? Und dass er bei seinen Kontakten mit Amnesty oder anderen Künstlerin auf Englisch zurückgreift, eine Sprache, die er deutlich besser beherrscht als Deutsch? Liegt es mit anderen Worten nicht viel eher an seiner mangelnden Entschlossenheit,  nun endlich die Sprache des Landes zu lernen, das ihm und seiner Familie Asyl gewährt und ihren Aufenthalt finanziert hat?

So aber singt Aeham Ahmad zu seinen Klavierstücken auf Arabisch – und erreicht damit seine deutschen Zuhörer nicht. Denn sie verstehen einfach nicht, was er da so alles vorträgt. Vermitteln will er vermutlich die Emotionen seiner Kriegserlebnisse – und verwechselt Lautheit mit Inbrunst, Lautschärfe des arabischen Wortes mit Ausdruck.

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Sein Klavierspiel ist über Strecken durchaus virtuos, man erkennt den ausgebildeten Pianisten und seine Affinität zum Jazz, und dennoch wirken seine Kompositionen mit ihrer bemühten Zusammenstellung arabischer, europäisch-klassischer und jazziger Elemente so, als habe ein purer Theoretiker vom Schreibtisch aus ein Stück über den Krieg geschrieben. Und dieser Krieg erreicht die Zuhörer nicht. Sie hören ihm zu, und dennoch bleibt alles, was er heraus spielt und schreit, unendlich weit draußen. Fremd, und das, obwohl die Autorin durchaus mit orientalischen und arabischen Klängen vertraut ist. Ein Pianist macht eben nicht ohne Weiteres einen Sänger, und schon gar keinen Komponist.

Der Applaus mit Begeisterungspfiffen, der nach jedem Stück den Saal erfüllt, kommt aus der Ecke seiner Unterstützer von Amnesty International. Auf der anderen Seite wird höflich, zuweilen ob seiner authentisch wirkenden Texte mitfühlend geklatscht. Seine Musik verzeiht man ihm.

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Aeham Ahmad ist eine Gallionsfigur der Flüchtlingsbewegung und der Protagonisten der Willkomenskultur, und deshalb eignet er sich so gut für eine europaweite Marketingaktion der NGO. Hat Amnesty die Idee für diese Konzert- und Lesereise, die u.a. mit Steuergeldern des Bundes aus dem Programm „Demokratie leben“ finanziert wird, an ihn herangetragen? Vermutlich. Ob sie ihm damit einen Gefallen getan haben, ist fraglich. Denn dieser Mann wird, nach dem „Hype“ um seine Person, sein Geld und den Unterhalt seiner Familie nur dann auf Dauer in Deutschland verdienen und sichern können, wenn er endlich fließend Deutsch spricht, und sich und die Qualität seiner beruflichen Fähigkeiten als Musiker für das Umfeld Deutschland realistisch einschätzen und wohl auch um Einiges nachbessern kann. Nach mittlerweile bereits drei Jahren ist es dafür höchste Zeit.

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Wie wenig er sein Umfeld und die jüngere Geschichte Europas und Deutschland versteht, zeigte seine, aus Anlass einer verständlichen Warnung vor para-militärischen Neonazis geäußerten, unreflektierten Bemerkungen über die Bundeswehr, die er auf eine Ebene stellte mit den Truppen des Diktators Assad, die seine Heimatstadt zerstörten. Die Bundeswehr ist jedoch, und das ist eben der Unterschied, nicht der militärische Arm eines Diktators, sondern in ihr dient der Staatsbürger des demokratischen Deutschlands in Uniform.

Drei Jahre sind seit der Ankunft von Aeham Ahmad hier ins Land gegangen und ich frage mich, wo ist er bis jetzt angekommen?

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3 Antworten zu Der Pianist

  1. Pingback: Deutschland als „Melting Pot“? | Federflüsterin

  2. Liebe Federflüsterin, man kann Deinen Bericht nüchtern als eine Stimme der Betrachtung aus der Ferne bezeichnen. Hat man persönlichen Kontakt zu Menschen, die in einer ähnlichen Situation wie er sind, sich in einem neuen Umfeld zurechtfinden müssen, unsere nicht einfache Sprache lernen müssen und sich unsere oft kühl vorgetragenen Ansprüche und Erwartungen anhören müssen, versteht man einiges besser. Die drei Frauen, mit denen ich Sprache im Einszueinssetting übe ( übrigens im nicht im Voraus eingeplanten „Tausch“ gegen eine grosse Gastfreundschaft und Mitgefühl für auch meine Alltagsgeschichten), sind hoch motiviert zu lernen, sich zu integrieren, hierher zu passen. Aber dies ist ein kälteres Land als ihr zuhause, und sie sind nicht hier, weil sie gerne mal Urlaub machen, sondern damit ihre Kinder eine Zukunft haben und nicht im Krieg verheizt werden. Zur Kritik gehört, finde ich, vorher das genaue Hinsehen und Zuhören….

    • federfluesterin schreibt:

      Liebe Frau Waldmann-Brun,

      Vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich gestehe, dass ich genau so eine Reaktion (von wem auch immer) erwartet hatte.
      Genau das Gegenteil trifft zu. Gerade weil ich seit über 30 Jahren Menschen aus dieser Region begleite und berate, aus einer unmittelbaren Kenntnis des Heimatlandes, -kultur, -religion und -sprache heraus, weiß ich, dass es den Betroffenen oftmals mehr hilft, wenn man Klartext redet, um sie aus ihren großen Illusionen über den „Westen“, ihre Chancen hier und die Anforderungen, die das Leben hier mit sich bringt, die sie ja genau so aus ihrer Heimat, wo derartige (zum Teil recht „wilde“ ) Vorstellungen kursieren, mitbringen, heraus zu bewegen.
      Übrigens, wenn Sie Länder und Menschen des Orients persönlich intensiv erfahren hätten wie ich (und damit meine ich nicht einen Urlaubsaufenthalt) , dann hätten Sie wohl auch erkannt, dass unser Land keineswegs kälter ist, menschliche Wärme (und Kälte – Sie wären überrascht, wieviel Kälte es auch in diesen Ländern gibt!) nimmt nur in jeder Kultur eine jeweils andere Form und Ausdruck an.
      Lassen Sie mich Ihnen weiterhin viel Freude bei Ihren interkulturellen Kontakten wünschen, denn das gibt es natürlich auch!

      Ihre Federfluesterin

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