Persische Rose

Rosenstrauch

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Die Welt umfasset nicht das Bild der Rose.

Die Phantasie umfasset nicht die Rose.

Vom Seelengarten Botin ist die Rose,

und Inbegriff der Schönheit ist die Rose.

Wär‘ auch die ganze Welt,

Mit Dornen rings umstellt,

Ein Herz, das Liebe fühlt,

Bleibt stets ein Rosenfeld.

 Jalal-e-Din Rumi (1207 – 1273)

Mittelalterliche Dichtung finden viele Menschen, wenn sie überhaupt jemals darauf gestossen sind, langweilig und unverständlich. Der Schlüssel, der ihnen aber einfach fehlt, ist das Wissen um die Bedeutung von Symbolik. Die mittelalterlichen Gedichte sind geprägt von einer Sprache, die voller Symbole ist. Das trifft auf die europäische Poesie aus der Zeit zu, aber auch auf die persische. Während die europäische Symbolik Inhalte des Christentums aufgriff, waren es bei der persischen Poesie Inhalte des Islam, bzw. der islamischen Mystik. Die Rose aber hat ihren Platz in beiden Dichtungen gefunden.

In der christlichen Symbolik gilt die rote Rose als die Blume des Paradieses. Sie gilt als, aus dem vergossenen Blutes Jesus, entstanden. Sie ist somit das Sinnbild der Märtyriums Christi, also seines, die Menschheit in geistiger Hinsicht rettenden Opfers. Dieses Opfer eröffnet den Weg zum Paradies.

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Die weiße Rose gilt als das Sinnbild der Himmelsmutter Maria. Die weiße Farbe soll auf die Reinheit der Seele Marias hinweisen und ihre geistige Erfüllung und Vollkommenheit.  Daher hat die Rose auch keine Dornen, denn Maria war ohne Erbsünde, d.h. ihr Herz war immer Gott zugewandt. Die weiße Rose ist zudem das Symbol des Geheimnisses der letzten Wahrheit Gottes, die nur ein reines Herz erkennen kann, und der Verschwiegenheit, denn diese Wahrheit zu erkennen, ist nur diesen, wenigen Gottzugewandten vorbehalten.

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Die christliche Gebetsschnur wird als „Rosenkranz“ bezeichnet.  Jede Perle der Gebetsschnur steht für ein einzelnes Gebet und zugleich für eine Rosenknospe, der die Perlen oftmals ähneln. Das rythmische Gleiten der Perlen durch die Hand dient als Hilfsmittel zur Konzentration, um über zwanzig unterschiedliche, geistige Geheimnisse des Weges Jesus zu meditieren. Die Gesamtheit des Rosenkranzgebets entspricht also einer intensiven, religiösen Meditation.  Dem daraus resultierenden Aufgehen der geistigen Erkenntnis wird als Sinnbild das Aufblühen einer Rosenknospe zugeordnet.

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Die Rose in der persischen Dichtung – am Anfang dieses Beitrags steht ein Gedicht des persischen Mystikers des Mittelalters, Jalal-e-Din Rumi – gilt als das Sinnbild der göttlichen  Vollkommenheit und Schönheit. Die scheinbar unzähligen Blätter der Rose, die in perfekt konzentrischen Kreisen angeordnet sind, sind eine Methapher für die unzähligen Wege zum Mittelpunkt, zu Gott. Die gesamte Blüte gilt daher als Symbol der religiösen Wahrheit, der Haqiqah.

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Der Blüte entströmt der Rosenduft. Er umfasst und durchdringt auf sanfte Art alles. Er versinnbildlicht daher die aus der Wahrheit erwachsende, den ganzen Menschen erfassende Erkenntnis Gottes, die Marifah. Eine Seele, die Marifah erlangt hat, ist heilig. Der Duft der Rose steht daher symbolisch auch für die Heiligkeit. Die Rose wurde in der persischen Dichtung also auch als Sinnbild für den Propheten Mohammad verwendet.

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Der Rosenstängel führt zur Rosenblüte, er ist das Sinnbild für den geistigen Weg, die Tariqah. Die Dornen sind die Metapher für die islamischen Regeln, die Scharia. Sie schützen den Stängel, den geistigen Weg, denn sie geben ihm einen Rahmen, können aber auch ein Hindernis sein auf dem Weg zur Blüte, wenn ihr innerer Sinn nicht mehr verstanden und gelebt, und sie nur noch um des äußeren Befolgens willen und aus gesellschaftlich-kultureller Gewohnheit ausgeführt werden.  Die Liebe, die sich auch an Dornen nicht stört, sondern in ihrem Innern den Kern der Blüte fest im Blick behält, trägt den Menschen zu Gott.

Die hin zur Kaaba pilgern gehn,

wenn nun an ihrem Ziel sie stehn,

In einem Tale ohne Saat

ein altes Haus von Stein sie sehn.

Sie gingen hin, um Gott zu schaun,

und nun ums Haus im Kreis sich drehn.

Wenn sie so lange sich gedreht,

so hören sie die Stimme wehn:

Was, Toren, ruft ihr an den Stein?

Wer wird vom Steine Brot erflehn?

Wenn ihr den Tempel Gottes sucht:

in euren Herzen tragt ihr den!

Wohl dem, der bei sich selbst kehrt ein,

statt pilgernd Wüsten durchzugehn!

Jalal-e-Din Rumi (1207 – 1273)

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6 Antworten zu Persische Rose

  1. Werner Kastens schreibt:

    Ich wohne in der Wetterau in Hessen im Dreieck Giessen-Friedberg-Hanau.
    Ganz bei mir in der Nähe liegt Steinfurth, über Hessens Grenzen bekannt für seine Rosenzuchten und das Rosenmuseum.
    https://rosenmuseum.com/
    Ein Besuch lohnt sich!
    Gruß Werner

  2. ranranshi schreibt:

    Nun rühmen wir den Rückert noch und andre postillon d’amour
    Weil ohne Übersetzertum wir sähen schöne Schnörkel nur

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