Tanz für das Leben

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Wenn die Lakota-Indianer in den USA nach dem ersten Gewitter im Frühling die Stelle in der Natur weihen, an der der Sonnentanzbaum für  den jährliche Sonnentanz stehen wird, muss ein Soldat das Bitt- und Einweihungsgebet sprechen.  Jemand, der sich einem Feind im Kampf gestellt und damit sich selbst, seinem Impuls, den einfacheren Weg zu gehen und wegzulaufen, seiner Angst und Hilflosigkeit gestellt hat, also ein Krieger. Und es muss ein Krieger sein, der diesen Kampf in Zuversicht und Vertrauen auf den Schöpfer – Acbadea, „the Maker of All Things Above“, symbolisiert durch die lebenspendende Sonne – unversehrt überstanden hat.

Der Krieger steht symbolisch für den inneren Kampf, den jeder Mensch auf seinem Weg zu Gott führen muss, gegen seine eigene Bequemlichkeit, Abgelenktheit und Desinteresse, gegen den Feind in sich selbst, bis hin zum Einstehen für Gottes Botschaft gegen Kritik, Verhöhnung und selbst Gewalt.

Während der drei bis vier Tage dauernden Sonnentanzzeremonie im Sommer nehmen die Sonnentänzer weder Nahrung noch Wasser zu sich . Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang bewegen sie sich aus dem Kreisrund der Sonnentanz-Lodge zum Sonnentanzbaum in der Mitte der Lodge – das Symbol für die zentrale Verbindung von der Erde zum Schöpfer – hin und wieder zurück. Dabei beten sie innerlich und blasen ihre Adlerpfeifen als Zeichen dafür, dass ihre Gebete zum Schöpfer emporsteigen mögen. Das über so viele Tage mitten im heißen Sommer durchzuhalten bedeutet eine riesige körperliche Anstrengung, Schmerzen, Leiden, Erschöpfung, nicht selten bis zum – scheinbaren – Zusammenbruch, der tatsächlich nur anzeigt, dass der Sonnentänzer in dem Moment von einer Eingebung getragen wird. Die Tänzer müssen je länger, je mehr gegen sich selbst kämpfen, den Feind in sich selbst im und mit dem Sonnentanzgebet überwinden. Getragen vom inneren Gebet ist seine Selbst-Überwindung das Opfer des Sonnentänzers, mit dem er für den Segen des Schöpfers für sich selbst, seine Familie, den ganzen Stamm, die Natur und die Welt bittet. Er bittet um Leben, in dieser und in jener Welt. Er hofft auf eine Eingebung, die den Weg weist. *

Genau das hat Jesus getan. Kritik, Anfeindungen, Verleumdung, ein Prozeß ohne Anwalt, Misshandlung, Auspeitschung, Geißelung, Verhöhnung, Zur-Schau-Stellung, bitterste Folter am Kreuz. Überwindung des Ichs bis zum letzten Ende, dem Tod, getragen in der inneren Verbindung zu Gott.

Es war sein ultimativer „Sonnentanz“. Der Tod seines Körpers bedeutete die Überwindung des Todes durch den Sieg seines Geistes.

Um den Menschen den Weg zum ewigen Leben zu zeigen und zu öffnen.

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*siehe u.a. „Yellowtail – crow medicine man and sun dance chief“, University of Oklahoma Press, 1991

 

 

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3 Antworten zu Tanz für das Leben

  1. ranranshi schreibt:

    Federflüsterin, etwas ähniches erlebten wir 2016 in Bedburg-Hau, was ich im Lokalkompass habe versucht darzustellen: http://www.lokalkompass.de/bedburg-hau/kultur/xiaoou-yang-bezauberung-in-bedburg-mit-video-d647877.html

    • federfluesterin schreibt:

      Lieber ranranshi,
      in Sibirien und der Mongolei sind die indigenen Völker einem besonders radikalen Bruch mit ihrer Religion ausgesetzt gewesen, durch die gewaltsame Unterdrückung durch den Sowjetkommunismus. Leider war das besonders zerstörerisch, weil diese Religion im Wesentlichen auf einer mündlichen Weitergabe der Tradition von Schamane zu Schamane beruhte. Dazu kommt, dass nicht jeder einfach Schamane sein kann, der das für sich beschlossen hat. Ein Schamane wird genauso vom Himmel berufen, wie es eine Nonne oder ein Mönch wurde.
      Heutzutage gibt es in den USA Indianer, die die alte Tradition wiederbeleben wollen, aus einem kulturell-politischen Grund heraus oder möglicherweise auch dem Grund, eine herausragende „Position“ in der religiösen Gemeinschaft zu erreichen, aber einfach nicht berufen sind. Das führt dort leider zu einer Verwässerung und Schwächung der religiösen Botschaft.
      LG Federfluesterin

  2. Pingback: Persische Rose | Federflüsterin

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