Auf Schatzsuche

“ Den Qur’an brauche ich nicht zu lesen!“ Das war ein deutlich abwehrendes Statement der evangelischen Christin. Und warum sollte sie sich auch mit einer anderen Religion beschäftigen? Ihre Religion und den damit ihren religiösen Rahmen hatte sie ja gewählt. Und sie hatte mit ihrer Religion alles, was sie für ihr religiöses Leben brauchte:

Das ausreichende Wissen über Gott, das Verhältnis zwischen Gott und sich selbst, und über sich als Mensch, sowie die Methode – Gebete und Rituale -,  um ihren eigenen Weg zu Gott beschreiten und, möglichst bis zum Endpunkt, gehen zu können.

Sich mit anderen Religionen auseinanderzusetzen, ist das dann überflüssig?

Was könnten der Hinduismus, der Buddhismus, das Judentum oder der Islam, die Religion der Roten Indianer Nordamerikas oder das Christentum dem Angehörigen der jeweils anderen Religion – ohne ihn zu einer Konvertierung anregen zu wollen –  überhaupt geben?

Sonnenaufgang im Februar 2018 bei Minus 8 Grad

Copyright (c) federfluesterin

Nun, vom Hinduismus könnte der Interessierte  z.B. lernen, dass eine jede Religion nur eine von mehreren möglichen Ansichten auf Gott darstellt. Gott ist unendlich,  eine Religion ist es nicht. Unendlichkeit in die endliche Welt des Menschen zwängen, bedeutet zwangsläufig Begrenztheit. Deshalb ist Bescheidenheit angebracht bezüglich der Reichweite und Bedeutung der jeweils eigenen Religion und Achtsamkeit gegenüber den anderen wahren Religionen.

Das Judentum könnte bei dem Interessierten das Bewußtsein dafür wecken, dass Gott den Menschen immer begleitet, dass er immer gegenwärtig ist. Lebe, alsob Du ständig in der Gegenwart Gottes stehst, das ist der Sinn der genauen Befolgung der ausgefeilten Regeln des jüdischen Alltags. Wissen, dass Gott Dich immer sieht und an Deiner Seite steht, dass ist das große Versprechen der jüdischen Religion.

Sonnenaufgang2 im Februar 2018 bei Minus 8 Grad

Copyright (c) federfluesterin

Vom Islam könnte der Interessierte lernen, dass Gott alleine wirklich ist, und umgekehrt das menschliche Ich und die Welt keine absolute Realität sind, dass sie relativ sind. Den Weg zu Gott gehen bedeutet im Islam, sich auf Gott als die einzige, wahre, absolute Wirklicheit zu konzentrieren, ihn jederzeit im Alltag zu sehen und sich seiner zu erinnern. Die fünf täglichen Gebete sind eine Unterstützung, sich durch den Tag hinweg immer wieder und immer mehr auf Gott zu konzentrieren und sich ihm hinzugeben. Das ist die Bedeutung des Wortes „Islam“: Hingabe. Ein Muslim überwindet sein Ich in der, von der Erkenntnis der letzten Wirklichkeit gestützten, Hingabe an Gott.

Das Christentum lehrt den Interessierten, dass die Liebe Gottes unerschöpflich ist, und der Mensch mit einer ebenso großen Liebe Gott gegenüber antworten muss. Diese Liebe orientiert sich nicht an Äußerlichkeiten und dem Befolgen von Regeln. Sie bricht alle äußeren Grenzen. Sie bricht auch das Ich. Sein Ich in der inneren Liebe zu Gott verbrennen, das ist der Weg des Christen.

Sonnenaufgang5 im Februar 2018 bei Minus 8 Grad

Die Sonnentanz-Religion der Sioux-Indianer Nordamerikas könnte dem Interessierten zeigen, dass jedes Lebewesen, jedes Element der Schöpfung eine Reflexion der unterschiedlichen Eigenschaften Gottes ist. Deshalb vermittelt uns die Natur, nicht aber die menschengemachte Stadt eine Ahnung von und Nähe zu Gott. Deshalb ist Gott dem Menschen als Teil der Schöpfung näher als seine eigene Haut. Im Bewußtsein der allumfassenden Gegenwart Gottes leben, das ist der Weg der Sioux.  Und obwohl der Mensch als letztes Glied der Schöpfung weiter entfernt vom Ursprung der Schöpfung – und damit von Gott – ist als alle anderen Geschöpfe, und ihnen damit Respekt schuldet, ist er zugleich der Einzige, der die seelische Kapazität hat, die Schöpfung gegenüber Gott zu vertreten. Nur der Mensch kann für sie und ihren Schutz und das Gleichgewicht der Schöpfung Gott bitten. Das ist die Verantwortung gegenüber der Schöpfung, die er zu tragen hat.

Vom Buddhismus könnte der Interessierte lernen, dass  jede wahre Religion den Sucher zwar ein Stück weit auf den Weg bringen kann. Letztlich jedoch muss der Mensch auch die Religionen – weil eine jede von ihnen in ihrer Vorstellung der Gottheit begrenzt ist – hinter sich lassen, will er das Unendliche und Absolute erfassen. Deshalb lehrt der Buddhismus die Wertschätzung einer jeden Religion als jeweils unterschiedliche Wegstationen mit letztlich dem einen Ziel, dem keine menschliche Beschreibung oder Zuordnung gerecht werden kann. Diese Wertschätzung der Religionen geht gepaart mit dem Wissen darum, dass der Weg noch jenseits dieser Stationen weitergeht, in eine Welt, die so andersartig und jenseits all dessen liegt, was unsere Schöpfung ist, dass sie nur mit dem Gegenteil von der Existenz dieser Schöpfung bezeichnet werden kann, der Nicht-Existenz oder dem „Nichts“. Seinen Geist durch Meditiation und Gebet von jeglicher Vorstellung oder Illusion, auch der der Realität des eigenen Ichs, auch der, dass das eigene Leben irgendwie ja doch immer weitergeht, zu leeren und damit Raum zu schaffen für dieses „Nichts“, das ist der Weg des Buddhisten.

Sonne am Horizont im Februar 2018 bei Minus 8 Grad

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16 Antworten zu Auf Schatzsuche

  1. ranranshi schreibt:

    Liebe Federflüsterin,
    ich neige dazu der Christin recht zu geben: nach Karl Popper fängt das Denken ja an mit einem Problem. Dann müsste daher für die Christin erst mal ein Problem da sein und als solches empfunden werden. Und wenn eine andere Religion „etwas“ beitragen könnte zur Problemlösung, dann müsste das „etwas“ noch integriert und angewendet werden. Der holländische Künstler Jan Toorop war im Stande für jeden Auftrag sich von einem Stil zu bedienen der dem aktuellen Werk angemessen war. Bei heutigen Ausstellungen mit dem Werk Jan Toorops staunt der Besucher darüber, dass alle Werke von einem einzigen Künstler gemacht worden sind, so unterschiedlich sind sie. Ich wünsche mir und alle Menschen solch einen plastischen Geist, dann könnten wir alle tatsächlich das tun was du vorschlägst. Aber die Wahrheit ist, dass wir alle nur schlecht und recht Weniges verstehen und beherrschen, und eigentlich nur pfuschen wenn wir meinen etwas fremdes verstanden zu haben.
    Liebe Grüße,
    Jan Kellendonk

    • federfluesterin schreibt:

      Lieber Jan,
      Karl Popper bezieht sich natürlich auf das systematisch-wissenschaftliche Denken, wo das, was er beschreibt, zunächst einmal plausibel und die übliche Vorgehensweise ist, zumals in der heutigen, durchgeplanten Wissenschaft.
      Aber das religiöse Leben ist nicht Wissenschaft. Auch ohne Problemfrage kann jemand eine Anregung erfahren durch den anderen Schwerpunkt der Gottessicht, den eine andere Religion vertritt und die Art und Weise bzw. Methodik, in der sie diesen Schwerpunkt umsetzt. Ein „frischer Wind“ für das eigene Verständnis und Religionspraxis innerhalb der eigenen Religion. In dem Zusammenhang ist vielleicht folgender Artikel interessant: „Vincit Omnia Veritas II,2 54 – Sri Ramakrishna and Religious Tolerance“ von Rama Coomoraswamy auf http://religioperennis.org/documents/acoomaraswamy/ramakrishna.pdf

      LG, Deine Federfluesterin

      • ranranshi schreibt:

        Nehmen wir das Beispiel der Sprachkompetenz, ist weniger beladen als Religion. Es gibt Menschen, die nicht einmal die Muttersprache beherrschen und es gibt Menschen die fließend mehrere Sprachen sprechen. Den letzteren traue ich zu eine für sie noch neue Kultur in sich auf zu nehmen und in ihr Leben zu integrieren. Wobei absolut kein Werturteil ausgesprochen wird: man kann in beiden Fällen vollendet sein. Auf die Christin übertragen würde ich sagen „weiter so!“, sie wird ihre eigene Kompetenz wohl richtig einschätzen.
        Was Popper betrifft: seine Erkenntnistheorie ist nicht auf die Wissenschaft fixiert, in „Objective Knowledge“ (meine ich mich zu erinnern) skizziert er ein schönes Beispiel über die argumentative Funktion der Sprache in Bezug auf Bienen! Nach Popper fängt alles Denken mit einem Problem an, die auch Bienen haben können und die sie lösen müssen. Durch die Sprache kann über Ideen „gesprochen“ werden, eben darüber wann man welche verwirft oder annimmt. Mal schauen was man alles noch herausfindet über die Tierwelt! Ein jüdischer Gedanke ist, dass Hashem das Erkennen von Zusammenhängen für den Menschen verhüllt mit Schleiern. Die Menge der Schleier nimmt zu vom Verstehen der Natur, vom Menschen selber, von Hashem.

      • federfluesterin schreibt:

        Lieber Jan,
        Gerade diese Christin verfügt über genau die Kompetenz, im Sinne Deines Sprachbeispiels, aber das konntest Du ja nicht wissen, Du kennst sie ja nicht. Bei ihr handelt es sich wohl eher um mangelnde Offenheit und Bereitschaft, eine Wahrheit auch außerhalb des ihr vertrauten Rahmen zu sehen. Außerdem geht es Dir ja auch nicht um das Einzelbeispiel, wie ich annehme. Sicherlich gibt es Menschen, die schlichtweg die Kapazität nicht hätten, sich mit mehr als ihrer eigenen Religion auseinanderzusetzen. Aber mir scheint, dass seit längerer Zeit religiöse Institutionen die Menschen, die ja in der Masse über einen weitaus höheren Bildungsstand verfügen als früher, eher unterschätzen und gerade deshalb viele – und vor allem die Intelligenteren unter ihnen, aber nicht nur – verlieren. Was für Kinder gilt, gilt durchaus auch für Erwachsene: sie wollen gefordert werden.
        Darüberhinaus sehe ich eine Notwendigkeit zu Auseinandersetzung mit anderen Religonen, denn in den zunehmend globalisierten Gesellschaften findet die Begegnung mit anderen Religionen, anders als in früheren Zeiten, nicht nur den einzelnen, gebildeten Reisenden betreffend, sondern immer öfter direkt vor der eigenen Haustür statt. Anstatt ständig das Fremde in einer anderen Religion zu sehen und sich dagegen abzugrenzen, könnte man die Begegnung mit dieser Religion auch aus einer positiven Haltung heraus angehen, sie als mögliche Bereicherung ansehen. Eine Religion in erster LInie als eine weitere Ansicht Gottes zu begreifen und sie aus diesem Blickwinkel heraus verstehen, ist die Voraussetzung.
        Nicht gemeint ist allerdings, dass man Religionen miteinander vermischt, sondern aus dem Verständnis der anderen Religion von innen heraus Anregungen für die eigene Religionspraxis finden kann. Dass zB.ein Muslim 5 x pro Tag sein Gebet vollzieht, sollte jetzt nicht dazu führen, dass auch ein Christ diese rituellen muslimischen Gebete in seinen Tagesablauf aufnimmt. Aber der Christ könnte sich dazu anregen lassen, den Aspekt des Gottesgedenkens durch den Tag hindurch für sein eigenes, christliches, inneres Gebet zu Gott aufzugreifen.
        Das Denken Poppers ist immer wieder bestechend, seine klare Logik. Allerdings scheint mir, dass auch die Inspiration ohne vorhergehende Frage oder Problem Teil des Menschen ist. Nicht umsonst lassen führende Unternehmen heute „Projekt“-gruppen über mehrere Monate ohne voherige Fragestellung oder Ziel frei mit ihren Ideen, Bildern „spielen“, weil sie gemerkt haben, dass das streng logische Vorgehen, dass Pressen des Denkens in die „Poppersche“ Form dazu führt, dass die Kreativität ihrer Wissenschaftler und Produktentwickler im Keime erstickt wird.
        Einfach neurierig, offen sein dürfen, ohne vorherige Fragestellung, ohne Absicht, sich einlassen auf eine andere „Welt“, das führt oft weiter als das starre Weiterlaufen innerhalb vorgegebener Grenzen.
        Und ja, es gibt durchaus Menschen, die sich vollstopfen mit Daten, z.B. verschiedener Religionen, ohne jemals zum Kern zu kommen. Das sind aber auch typischerweise Menschen, die so etwas auch innerhalb einer einzigen Religion zustandebringen.

        LG Federfluesterin

  2. Array schreibt:

    Dann lass mich mal ein anderes Blatt aufschlagen: Japan hat mir zwei Sachen gelernt: erstens: wie vollendet und umfassend die Volksfrömmigkeit ist, und als Folge davon, wie plump, unbeholfen auch nur die einfachste religiöse Handlung bei uns ist. So schön das erste auch ist, die zweite Lektion ist schon sehr bitter gewesen. Ein Steyler Japanmissionar der nach 25 Jahren krankheitsbedingt zurückkam nach Deutschland, erzählte einst wie schmerzhaft leer er hier nicht nur das religiöse Leben empfand. Ich war nur ein Jahr dort, und sage, ich fühlte mich als ich zurückkam unter lauter Heiden und total verloren. Dort wird in einem einfachen Teeladen Probetee serviert mit einer Vollendung der Handhabung des Geschirrs die ich nicht einmal bei katholischen Priestern bei der Wandlung sehe, oder äußerst selten. Und die sollten eigentlich wissen wie sie mit dem Allerheiligsten das sie kennen, umgehen müssen, auf solche Weise das es inspiriert.
    Soll ich, liebe Federflüsterin, auf Grund solcher Erfahrungen anderen raten sich auf dies oder das anderer Religionen einzulassen?

    • federfluesterin schreibt:

      Bleiben wir mal bei Japan. Die vollendete Verfeinerung der Rituale, bis hinein in das tagtägliche Leben in Japan resultiert sicherlich aus dem Einfluss des Buddhismus, und da aus der Anforderung heraus, sich seines Ichs in vollkommener Konzentration / Meditation zu entleeren. Und das eigentlich in jeder Phase des Lebens. Bezogen auf das alltägliche Leben bedeutet das, das jede Handlung, sei es die Teezubereitung, das berühmte Bogenschießen, das Blumenarrangement, aber auch schon eine Verbeugung in Konzentration vollzogen werden sollte, einerseits als ständige Übung, andererseits aber als Chance, wenn absolut perfekt ausgeführt – was nur in völliger Fokussiertheit, bei einem völligen Sein in der Gegenwart, ohne Gedanken an Anderes, an Zukunft oder Vergangenheit, gelingen kann – genau in dem Moment sein Ich beiseite gelegt zu haben.
      Wer das verstanden hat, kann dieses Prinzip der möglichst ständigen Fokussiertheit auf sein eigenes Gebet und religiöses Leben anwenden – wem von uns gelingt ein Gebet in vollkommener Konzentration, im völligen Sein im Hier und Jetzt ? -, ohne sich in alle der vielen Einzelaspekte der japanischen Kultur hineingraben zu müssen. Der unlängst verstorbene Religionswissenschaftler Houston Smith z.B. brachte dieses Prinzip seinen Studenten bei der Anlage eines kleinen japanischen Gartens nahe.

      • Array schreibt:

        Dann warten wir mal ab ob die so trainierten sich zu uns herablassen. Ich für mich misstraue Lehrer (wie angeblich dieser Huston Smith) die „instant Erleuchtung“ mit Drogen gesucht haben. Dann wird Erleuchtung, oder die Gottesbeziehung, ein „Ding“ unter anderen „Dingen“, jederzeit herbeirufbar, was für unsere Kultur, die heute ernährt werden sollte von den besten der abrahamitischen Religionen ein Unding ist, da der „Schöpfer aller Ding“ jenseits der Dinge ist und doch alles trägt.

      • federfluesterin schreibt:

        Ich denke nicht, dass es darum geht, dass irgendjemand sich zu jemand anderem „herablässt“. Es geht vielmehr um den Weg, den man selbst beschreiten will – oder auch nicht. Eigene Entscheidung.
        Was Huston Smith angeht, er war ein sehr angesehender Wissenschaftler, der u.a. am MIT gelehrt hat, ein Experte für Daoismus, Buddhismus und Hinduismus, und ein enger Freund des Dalai Lamas. Dass er sich aus wissenschaftlicher Neugier von seinem damaligen universitären Kollegen, Timothy Leary, dazu hat überreden lassen, als Proband an Experimenten mit dem damals neuartigen und unerforschten LSD und Psylobin-Pilzen teilzunehmen, hat er wohl sehr bereut. Er litt als Folge der Experimente jahrelang unter schwersten Depressionen: sein Gehirn war aus dem Takt geraten.
        Sein persönliches Fazit dieser Experimente umfasste zwei Aspekte. Zum einen hatte die Droge bewirkt, dass er überflutet wurde von Gefühlen, Wahrnehmungen und Erinnerungen, die das Gehirn nicht mehr filterte. Also erlebte er eine völlige Erfasstheit durch die jeweils ihn gerade flutenden Aspekte der materiellen Welt, also das genaue Gegenteil einer spirituellen Reise. Zum anderen zeigte ihm diese Erfahrung, dass das Ich – als filternde Instanz – keine Wirklichkeit hat, denn es tritt im Drogenrausch vollkommen zurück. Diese Erfahrung könnte als Anfangspunkt eines geistigen Weges genutzt werden können- wie es wohl innerhalb der Peyote Religion geschieht, aber eben nicht mehr. Denn sie reicht nicht viel weiter als dieser Anfangspunkt. Ein geistiger Weg, der weiterführt, ist ein Weg, der immer auf Beständigkeit und einer Langzeit-Bemühung und -Übung beruht, und niemals auf einer Einmal-Erfahrung.
        Der zweite Aspekt war, dass der Gebrauch einer Droge einen Menschen in den völligen Abgrund schicken kann. Darauf hat Houston Smith immer wieder warnend hingewiesen.
        Du hast völllig Recht“, wenn Du schreibst, dass die sogenannte „instant Erleuchtung“ mit Hilfe von Drogen (schon alleine der Ausdruck: er erinnert an instant coffee…alsob Erleuchtung etwas ist, dass man sich mit zwei Teelöffeln einer bestimmten Substanz anrühren könnte….) aus genau den von Dir genannten Gründen ein Unding ist. Genau diese Schlussfolgerung hat Houston Smith aber auch selbst gezogen. “If someone were to offer me today a substance that (with no risk of producing a bummer) was guaranteed to carry me into the Clear Light of the Void and within 15 minutes would return me to normal, I would decline.” ( aus “Cleansing the Doors of Perception: The Religious Significance of Entheogenic Plants and Chemicals” (2000))
        Er selbst hat sich in seinen späteren Jahren für einen Weg innerhalb einer Religion entschieden, ohne die anderen Religionen und das, was sie ihm über Gott aufzeigen konnten, außer Acht zu lassen.
        Er steht dabei in Übereinstimmung mit einer ganzen Reihe anderer Wissenschaftler und Autoren, wie z.B. Titus Burckhardt, der in Europa vielleicht eher bekannt geworden ist.

      • ranranshi schreibt:

        Gut, dass auch Smith die Begrenzung und die Gefahren der Drogen gesehen hat. Gilt nicht auch dort: „curiosity kills the cat“? Jedenfalls oft genug. Auch Oliver Sacks war in einer solchen tödlichen Falle, allerdings war es Amphetamine. Neben „instant“-Wunscherfüllen ist sicherlich auch der Drang zur Intensivierung der Erfahrung ein Problem, weil bald ein höherer „Dosis“ für den Kick gebraucht wird.

      • federfluesterin schreibt:

        Möglich, dass die Katze – fast – dran glauben muss. Aber was wäre ein Wissenschaftler ohne seine Neugier? Wäre er überhaupt ein Wissenschaftler?

      • ranranshi schreibt:

        Oliver Sacks („Dankbarkeit“) schrieb:
        „… aber ich sehnte mich nach einem tieferen Bezug – einem „Sinn“ – in meinem Leben. Ich glaube, es war dieser Mangel, der mich während der sechziger Jahre in eine fast selbstmörderische Amphetaminsucht trieb. Er als ich eine sinnvolle Tätigkeit in New York fand, in einem Pflegeheim in der Bronx (dem „Mount Carmel“, von dem ich in Awakenings berichtet habe), erholte ich mich langsam. Ich war von meinen Patienten dort fasziniert, nahm großen Anteil an ihnen und empfand es als eine Art höhere Pflicht, ihre Geschichten zu erzählen – Geschichten über Schicksale die für die breite Öffentlichkeit (und sogar viele meiner Kollegen) vollkommen neu und fast unvorstellbar waren“ (S. 49-50)
        Er tat also intuitiv, das was ein guter Rabbiner ihn geraten hätte, er übte Wohltaten an seinen jüdischen Mitmenschen (die Mitzwa, der goldene Weg des Judentums). Dort fand seine Kreativität und Neugierde die passende Anwendung und brachte ihm selber Heilung.

      • federfluesterin schreibt:

        Huston Smith war ein tiefgläubiger Mensch, er hatte den Sinn seines Lebens in seinem Weg zu Gott längst gefunden. Er versuchte den Weg der Erkenntnis (Gnosis im Christentum, Jnani im Hinduismus, Erfan im Islam) zu gehen. Als Professor für Philosophie und für Vergleichende Religionswissenschaften war er jedoch – und dass hat er zu Ende seines Lebens in mehreren Interviews ausdrücklich kritisiert – den Regeln des positivistischen Wissenschaftsbetriebs unterworfen, genauso wie die Religions-Wissenschaft an sich. Das führte dann zu der wissenschaftlichen Untersuchung der Frage, ob und wenn ja, inwiefern Drogen eine religiöse Bedeutung haben. Das Thema Drogen hat, das sollte man auch sehen, gemessen an seinem Gesamtwerk jedenfalls, jedoch eine eher untergeordnete Stelle eingenommen. Aber es ist natürlich ein Thema, dass gerne in der breiten Öffentlichkeit und den Medien aufgegriffen wurde, und auf das die meisten Menschen sofort springen.
        Wenn man so will, sinnvoller im religiösen Sinn waren aus meiner Sicht sein in den USA sehr bekanntes Buch (Standardwerk an den Universitäten) über die Weltreligionen und die dazugehörige Fernsehserie, die sehr viele Menschen in den USA überhaupt erst wieder für Religion hat interessieren können, sowie weitere Bücher (u.a. „Why religion matters“) und viele religionswissenschaftliche Artikel . Sein damals ganz neuer Ansatz war, Religionen nicht von außen, sprich mit den Augen der eigenen Religion, versuchen zu verstehen und zu beurteilen, sondern aus ihrer jeweiligen inneren Logik heraus. Erst damit wird man ihnen gerecht. (siehe auch analog mein Artikel „Der gordische Sprachknoten„) Um der in Kalifornien ansässigen, tibetischen Exil-Gemeinde zu ermöglichen, dort einen tibetisch-buddhistischen Tempel zu gründen, tätigte er darüberhinaus aus seinen privaten Mitteln den Ankauf eines Grundstücks mit Wohngebäude, das er der Gemeinde sein Leben lang kostenlos zur Verfügung stellte.
        Der Nachruf der Huffington Post wird ihm gerecht.

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