Die Sache mit den vier Frauen

Bei einem Besuch in Berlin zog mich ein unwiderstehlicher Gebäckduft direkt aus einem fies-nassen Graupelschauer in eine türkische Konditorei, wo ich mich mit einem heißen Tee zu zuckersüßer Baklava aufwärmte. Gerade wollte ich mich von der netten, türkischstämmigen Verkäuferin verabschieden, als ich sah, dass sie sich halb wegdrehte, um die aus ihren Augen quellenden Tränen vor mir zu verstecken und schnell wegzuwischen. Verlegen drehte sie sich wieder mir zu und versuchte zu lächeln. „Entschuldigen Sie bitte. Heute morgen habe ich erfahren, dass mein Mann eine Geliebte hat“ sagte sie, und schon flossen dann doch wieder die Tränen.

„Das tut mir leid,“ bekundigte ich betroffen mein Mitgefühl, und wollte schon diskret gehen. Da begann sie zu erzählen. Alsob ein lange aufgeschichteter Staudamm gebrochen wäre, floss ihr Leid aus ihr heraus.

Scheidung

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Sie hatte ihren Mann im Zuge einer von ihrer Familie arrangierten Hochzeit nach islamischem und deutschem Gesetz in Deutschland geheiratet. Das Paar hatte zusammen drei Kinder bekommen und ein nicht überglückliches, aber auch nicht gerade unglückliches Familienleben zusammen geführt. Nun aber hatte ihr Ehemann in der islamischen Gemeinde eine andere Frau kennengelernt, auch eine Türkin, und sich in sie verliebt.  Er hatte beschlossen, sie zu seiner zweiten Ehefrau zu nehmen.

Es ist eine Mär, dass Muslime weniger fremd gehen als Christen. Sie versuchen nur, der ganzen Sache einen scheinbar offiziellen Anstrich zu geben. In der Türkei kommt es z.B. durchaus vor, dass verheiratete, sunnitische Muslime eine Geliebte haben, die sie nach außen hin pro forma mit dem islamrechtlichen Institut der Zeitehe als Zweitehefrau an sich binden, ohne dass die Erstehefrauen davon wissen.

Just an diesem Morgen war der Verkäuferin klargeworden, dass ihr Mann eine solche Geliebte hatte. Zur Rede gestellt, gab der Ehemann die Beziehung zur Geliebten zu und kündigte gleichzeitig an, er wolle die gemeinsamen Kinder von nun an an zwei Tagen pro Woche abends nach der Arbeit besuchen. Die Verkäuferin hatte schockiert und zutiefst verletzt daraufhin von ihrem Mann die Scheidung verlangt. Er hatte das jedoch abgelehnt. Er dürfe als Muslim schließlich bis zu vier Ehefrauen nehmen, und sie müsse sich als Muslima damit abfinden. Scheiden lassen wolle er sich nicht. Vermutlich rechnete er damit, dass das Umgangsrecht für seine Kinder und der Unterhalt für sie, sowie seine Erstehefrau dann durch ein deutsches Gericht geregelt werden würde.*

Die arme Frau hatte nun wirklich mein Mitgefühl. Ein wenig Trost konnte ich ihr aber geben.

Seite des Korans

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Ihr werter Ehemann befand sich nämlich auf dem Holzweg. Sie als erste Ehefrau muss sich nämlich keineswegs mit dem Vorgehen Ihres Mannes abfinden. Das islamische Recht sieht zwingend vor, dass die erste Ehefrau zuvor ihre Zustimmung zu einer weiteren Ehe ihres Ehemanns geben muss. Sie darf diese Zustimmung ohne Weiteres auch verweigern. Tut sie letzteres, ist die Zweitehe nach islamischem Recht ungültig und illegal.

Selbst wenn die erste Ehefrau der Zweitehe zugestimmt hätte, so fordert das islamische Recht, dass der Ehemann beide Ehefrauen in jeglicher Hinsicht, also materiell, emotional und auch qua Zeitaufwand und Zuwendung gleich behandeln muss. Mit seiner Entscheidung, die Erstfrau nur 2 Mal pro Woche zu besuchen, brach der Ehemann also auch in dieser Hinsicht das islamische Recht.

Einem intelligenteren – und nicht triebgesteuertem – Mann wäre wohl auch aufgefallen, dass kein Mensch auf dieser Erde zwei andere Menschen absolut gleich wird behandeln können. Also auch in dieser Hinsicht befand sich der Ehemann der Verkäuferin ganz auf dem Holzweg.

Darüberhinaus gilt in Deutschland deutsches Recht, also auch das deutsche Familien- und Scheidungsrecht, dass eine Zweit-, Dritt- oder Viertehe ausschließt. Und der Ehefrau das gleichberechtigte Recht gibt, die Scheidung einzureichen. Was ich Ihr denn auch anheim stellte, wenn sie mit ihrem Mann nicht mehr zusammenfinden sollte.

Weltweit haben Muslima sich viel zu lange zu wenig darum gekümmert, welche Rechte sie bereits im islamischen Recht haben, und sie haben sich zu wenig darum gekümmert, diese Rechte für sich und andere Frauen auch durchzusetzen. Fälschlicherweise gingen Muslima anscheinend davon aus, dass sie darauf warten müssen, bis ihnen ihre Rechte von den Männern gewährt werden, wie eine syrische Flüchtlingsfrau in einer Flüchtlingsunterkunft in Köln in einem TV-Interview von sich gab. Sie antwortete auf die Frage nach der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen in Syrien, dass die Männer sie ihnen als syrische Frauen bisher nicht gewährt hätten.

Liebe Muslima, (neue) Rechte wurden und werden Frauen niemals geschenkt werden. Frau muss sie sich in jedem Fall selbst erkämpfen! Die Frauenrechte in der westlichen Welt sind schließlich nicht vom Himmel einer fürsorglichen Männergüte gefallen, sondern von mutigen Frauen in jahrzehntelangen, harten Auseinandersetzungen erstritten worden! Es ist Zeit, dass auch Muslima für ihre Rechte in den Ring steigen!

Richter

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*Die Personen und die Handlung des Beitrags sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

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