Vaskulitis Kurznachrichten 3.1: Über Cannabis, Mepolizumab und die Grippeschutzimpfung

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Cannabis bei Polyneuropathie

Als die Bundesrepublik den Bezug von Cannabis als Medikament auf Kassenrezept ab März 2017 schwerkranken Patienten ermöglichte, erlebten die gesetzlichen Krankenkassen einen Ansturm von Anträgen, so berichtet der Deutschlandfunk in seiner Sprechstunde am 16.01.2018. Dabei ist vielen Patienten anscheinend unklar, wofür Cannabis als Schmerzmittel und Wirkstoff überhaupt geeignet ist. Ein Allheilmittel ist es nämlich nicht.

Für Vaskulitis-Patienten lautet jetzt die positive Nachricht: Cannabis wirkt bei chronischen Schmerzen, die durch Nervenschädigungen, also auch durch Polyneuropathie, ausgelöst werden. Vor allem, wenn die Füße betroffen sind, schlägt das Medikament laut Studien gut an.

Wie gut es wirkt, lässt sich aber nicht mit Sicherheit sagen. In bisherigen Studien wurde das Cannabis-Medikament nämlich mit anderen Schmerzmitteln kombiniert, sodass der genaue Grad seiner Wirksamkeit sicherlich noch in weiteren Studien erforscht werden muss.

Cannabis-Pflanze

Cannabis-Pflanze Copyright (c) Xtip / pixabay.com

Patienten brauchen sich aber wenigstens keine Sorgen zu machen, dass sie als „Junkies“ durch die Gegend wanken: Es handelt sich bei dem Medikament um einen Wirkstoff, der zwar aus Cannabis gewonnen wird, bei dem aber die Wirkstoffe, die zu einem Rausch und/oder einer Abhängigkeit führen könnten, nicht enthalten sind! Der Patient raucht auch keine Haschisch-Zigarette, sondern nimmt das Medikament ganz normal als Tropfen oder als Halsspray zu sich. Nur Kinder und Jugendliche sollten den Cannabis-Wirkstoff nicht einnehmen, denn es besteht der Verdacht, dass Patienten dieser Altersgruppe als Nebenwirkung Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, sowie Leistungsschwäche davontragen.

Weitere Informationen:

Wann gibt es Mepolizumab für Vaskulitis-Patienten in Deutschland?

Im Dezember 2017 hat die Food and Drug Administration (FDA) in den USA das Biological Mepolizumab für erwachsene EGPA-Patienten (Eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis, früher Churg-Strauss) zugelassen. Entscheidend für die Zulassung war u.a. eine Studie mit 136 Patienten mit EGPA, die auf die herkömmliche Therapie nicht ansprachen ( MIRRA ). Damit ist  ein wichtiger Meilenstein in der Behandlung dieser schweren Vaskulitis-Erkrankung geschafft. Auch EGPA-Patienten in anderen Erdteilen und Ländern würden gerne von dem Medikament profitieren, müssen sich aber leider noch gedulden.

Zwar ist Mepolizumab in der  100 mg s.c. Dosierung inzwischen in mehr als 40 Ländern, darunter der EU, US und Japan, für die Behandlung des schweren eosinophilen Asthmas bei erwachsenen Patienten zugelassen. Wenn Vaskulitis-Patienten vorher bzw. auch mit schwerem eosinophilen Asthma diagnostiziert worden sind, könnte ihnen ihr Arzt also das Medikament schon in Deutschland verschreiben. In der für EGPA aber vorgesehenen Dosis von 300 mg s.c. ist es aber tatsächlich bisher nur in den USA erhältlich.

Wie mir Glaxo Smith Kline mitteilte,  ist das Zulassungsverfahren für Mepolizumab als EGPA-Medikament nun bereits in Kanada, Japan und Australien angelaufen. Und es besteht die Hoffnung, dass das Medikament auch bald in der EU erhältlich sein wird, denn das  Mepolizumab hat bereits 2013 den Orphan Drug Status zuerkannt bekommen, wir berichteten darüber. Die Zulassung als Asthma-Wirkstoff durch die European Medicine Agency (EMA) erfolgte jedenfalls nur einen Monat nach der Zulassung durch die FDA.

Grippeschutzimpfung

Dieses Mal haben sie daneben getippt, die Experten, die den Impfcocktail für die Standard-Grippeschutzimpfung, die Vaskulitis-Patienten wegen ihrer Immunsuppression laut Empfehlungen der Ärzte nutzen sollten, zusammengestellt haben. Ausgerechnet der Virenstamm, der in dieser Grippesaison am aktivsten ist, fehlt. Nur der Vierfach-Impfstoff, der seit der Impfsaison 2013/2014 erhältlich ist, den Patienten jedoch selbst hätten bezahlen müssen, enthält genau diesen Stamm.

Der Gemeinsame Bundes-Ausschuss der Gesetzlichen Krankenkassen (GBA) weist nun darauf hin, dass die Empfehlung der Ständigen Impfkomission (STIKO) für die Aufnahme des Vierfach-Impfstoffes in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen erst am 11. Januar 2018 ausgesprochen wurde. In den vergangenen Jahren hatte der GB-A entsprechende Empfehlungen der STIKO immer innerhalb von 1 Monat übernommen. Es ist anzunehmen, dass das auch jetzt wieder der Fall sein wird.

Allerdings für die Grippesaison 2017/2018 kommt die Empfehlung der STIKO, als auch die Neuregelung durch die GB-A wohl zu spät. Vaskulitis-Patienten sollten aber im Herbst 2018 darauf achten, dass sie auf jeden Fall den Vierfach-Grippeimpfstoff erhalten.

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3 Antworten zu Vaskulitis Kurznachrichten 3.1: Über Cannabis, Mepolizumab und die Grippeschutzimpfung

  1. RheumaRalle schreibt:

    Leider gibt es Cannabis nur für schwerkranke Krebspatienten.
    Als Vasculitiskranker mit PNP habe ich keine Chance darauf, obwohl es genau auf meine Beschwerden passt…
    Jetzt habe ich aber eine frei gehandelte Alternative gefunden: Hanftee mit hohem CDB-Gehalt.
    Abends mit Milch 10 min gebrüht vermindert es die Schmerzen für mich deutlich spürbar.

    • federfluesterin schreibt:

      Danke für Deinen Hinweis, RheumaRalle. Das Problem liegt tatsächlich in den fehlenden Studien zu Cannabis bei Vaskulitiden. Dennoch habe ich – um die Fragestellung in das Bewußtsein der Entscheidungsträger zu rücken – entsprechend eine Anfrage an eine GKV und an das Bundesgesundheitsministerium geschickt. Nur intensive Lobbyarbeit und Geld für Forschung kann wirklich tragfähige Lösungen für Vaskulitis-Patienten und ihre Familien bringen.
      Für sich selbst einen Ausweg zu suchen, ist aber das zunächst Naheliegendste und legitiem, zumal Du ja mit dem Hanftee anscheinend gut zurechtkommst. Allerdings muss das nicht auf jeden zutreffen, zumal die Wirkstoffdosis nicht exakt dosierbar ist und Keiner eventuelle Wechselwirkungen mit anderen (Schmerz-)Medikamenten abschätzen kann. Das muss dann jeder selbst entscheiden. Kinder und Jugendliche sollten diesen Tee jedoch auf keinen Fall zu sich nehmen.

  2. Pingback: Vaskulitis Kurznachrichten 3.2: Verschreibung von Cannabis | Federflüsterin

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