Eide nouruze schoma mobarak!

Nouruz-Tisch; Copyright (c) federfluesterin /federfluesterin.wordpress.com

Frühlingsbeginn – da denken Iraner an ein Picknick im Grünen, an einem klaren Gebirgsbach, bei lauschigen 15 Grad und strahlender Sonne. Denn auf der iranischen Hochebene verabschiedet sich der Winter schlagartig zum Frühlingfest Nouruz. Schnee und Kälte schmelzen vor der Sonne nur so dahin und das erste Grün beeilt sich, seinen Kopf aus der Erde zu stecken.

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In Deutschland hingegen offenbart ein Blick aus dem Fenster einen Himmel, der so grau in grau ausschaut, dass der Trübsinn wie der Landregen ständig aus den tiefhängenden Wolken zu tropfen scheint. Iraner aber lassen sich auch im Hohen Norden ihre Festlaune nicht verderben – wenn sie auch in der Vergangenheit ein wenig neidisch auf die Exil-Iraner in Kalifornien blickten. Dort findet Nouruz in vielen Straßenfesten und -umzügen statt, bei denen die iranische Gemeinschaft neben ausgiebigem Feiern mit Tanz und Musik, auch ein kostenloses Essen für Obdachlose ausgiebt, und so schon einen Beliebtheits-Platz in der kalifornischen Gesellschaft gewonnen hat.

Dieses Jahr aber steht das Fest unter dem Stern der Einreise-Verbote für Iraner, die die Regierung Trump versucht zu erlassen. Familienangehörige aus dem Iran haben deshalb ihre Pläne, zum Fest zu Besuch zu kommen, vielfach aufgegeben. Da es aber auch unter Amerikanern iranischer Herkunft Trump-Wähler gibt, läuft in der Exilgemeinde nun ein „running joke“:

Ein Iraner ruft seine Großmutter in Teheran an: “ Großmutter, ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Welche willst Du zuerst hören?“ „Mein lieber Enkel, die schleche zuerst!“  „Du kannst  uns wegen der Einreiseverbote Trumps nicht mehr zu Nouruz besuchen und mit uns feiern kommen.“ “ Was für ein Unglück! Was ist denn die gute Nachricht?“ „Stell Dir vor, Großmutter, dafür bekomme ich jetzt von Trump 3 Prozent Einkommenssteuerermäßigung!“

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In Deutschland präsentiert sich die iranische Gemeinschaft wetterbedingt etwas geschlossener als in Kalifornien. In angemieteten Veranstaltungsräumen, dadurch weniger wahrgenommen von der deutschen Öffentlichkeit, wird heute abend, dem ersten Tag des 13-tägigen Festes im iranischen Jahr 1396, mit viel Musik, Tanz und gutem Essen gefeiert, in diesem Jahr mit deutlich mehr Unbeschwertheit, Fröhlichkeit und guter Laune als im Sonnenstaat Kalifornien.

 

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