Frühlings-Feilschen

Die Stadt leert sich schon, als ich mein Fahrrad auf den Blumenmarkt schiebe. Vor den Ständen haben die Händler ihre leeren Paletten aufgestapelt, dazwischen liegen Fetzen von Einschlagpapier herum. Mein Rad rollt über abgerissene Blätter, halbzertretene Doldenblüten und Farnzweige.

Unter den Augen beobachte ich die Händler. Nur nicht zuviel Interesse zeigen. Mehrere haben noch viel Ware auf ihrem Stand, vor allem für einen Samstagnachmittag. Blumen, die selbst im Kühlhaus untergebracht, am Montag ihre beste Zeit gesehen haben werden.

Copyright (c) federfluesterin

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Schließlich ruft mir Einer zu:“ Na, junge Frau, noch einen schönen Strauss Blumen für den Sonntag?“ “ Wenn Ihr ihn mir schenkt!?“ Lachend schüttelt er den Kopf. “ Zu verschenken gibt’s bei mir nichts…, aber wir zwei werden uns schon einig werden!“

Ich schiebe mein Rad langsam etwas näher heran, mustere betont gleichgültig die Sträuße in den Eimern. Was für frische  Farben und erst der Duft! Das darf ich mir bloß nicht anmerken lassen!

“ Also, so richtig frisch sind die ja nicht mehr. Das Wochenende überleben die bestimmt nicht! Was wollt Ihr denn noch dafür haben?“

Er langt in die Eimer, holt einen Strauß Tulpen nach dem anderen heraus, bis ein ganzer Arm voll ist. “ Fünf Sträuße für 10 Euro, junge Frau!“   „Viel zu teuer! Die lassen doch schon die Köpfe hängen.  5 Euro, mehr geb‘ ich nicht dafür!“

Vor sich hin grummelnd schüttelt er den Kopf: „Die 5 Euro machen noch nicht mal meine Katze satt!“ Als ich ihn unbeeindruckt anlächle, seufzt er auf, schlägt aber dennoch zügig die Blumen in einen Bogen Papier ein.

„Hier, junge Frau, nur, weil heute so ein schöner Tag ist!“.  Er zwinkert mir nun doch zu. Lächelnd  reiche ich ihm das Geld und nehme meine Tulpen entgegen.

Auf dem Weg nach Hause vergrabe ich immer wieder meine Nase in dem bunten Blumenstrauß auf meinem Fahrradlenker. Nach dem langen Winter die ersten Frühlingsboten! Jetzt fängt für mich das Jahr erst so richtig an!

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2 Antworten zu Frühlings-Feilschen

  1. ranranshi schreibt:

    De mooiste tulp die ’s ochtends bloeit lijkt ’s avonds al te oud
    En scheidt de markt, betaalt men niets, dan elk bedrag is fout
    De kromste tulp in milde hand, die richt zich toch weer op!
    Dan mijdt de zon, de vensterbank, en stel ze liever koud.

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