Teelereien

Copyright (c) condesign/pixabay.com

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Ich gebe es ja zu, Tee, serviert in einem feinen Teeservice aus Porzellan, sieht edel aus und erzeugt eine angenehme Atmosphäre. Sich-Zurücklehnen und Entspannen. Nun seien Sie aber mal morgens früh um sieben entspannt. Drei Teetrinker wollen versorgt sein. Ein Leichtes denken Sie, aber nein. Der eine will einen Kräutertee, aus frisch gepflückter Zitronenmelisse aus dem Kräuterbeet im Garten und etwas Zitronengras, für den anderen kommt nur sein mitgebrachter Shincha-Grüntee in Frage und der letzte kann sich seinen Frühstückstee nur als blumigen Darjeeling-Schwarztee vorstellen, mit einer Beimischung von leichtem Orange Pekoe und Rosenblüten, die dem Tee, im Gegensatz zum Rosenöl, zwar nur den Hauch ihres Aromas verleihen, dafür aber die samtene Weichheit von Regenwasser. So manches Mal wünsche ich mir die Vielarmigkeit der hinduistischen Göttin Sarasvati, für jeden Teetrinker zwei Arme und Hände, die Tee und Blüten pflücken, waschen, in die Teekanne füllen, Wasser kochen und  etwas herunterkühlen lassen*, in die Kanne einfüllen, den Tee auf leichter Flamme ziehen lassen, aber ja nicht zu lange, sorgsam abgießen und alles zu gleicher Zeit.

Copyright (c) Alexas_Fotos / pixabay.com

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Die Weisheit Sarasvatis bräuchte ich auch für die Aufbewahrung des kostbaren Getränks. Welche Methode ist richtig? Dem ostfriesischen Brauch folgen und den Tee gemütlich auf einem Stövchen warmhalten? Der Kräutertee verträgt das ja ganz gut, aber Grüntee und auch der feine Darjeeling nehmen diese Methode  übel und bedanken sich alsbald mit Bitterkeit.

Der Ganesha-Bauch eines Samowars ist so anheimelnd, aber wissen Sie, wie Orangensaft aus Fruchtkonzentrat im Vergleich zu frisch gepresstem schmeckt? Richtig, genauso ist es mit dem Samowar-Tee, bei dem Tee-Konzentrat aus der oben prüttelnden Teekanne mit dem heißem Wasser aus dem Bauch verdünnt wird. Zudem braucht es elephantengleich robuste Teesorten, damit das Konzentrat nicht zu einer geschmacklich flachen, ölig dunkelbraun aussehenden Flüssigkeit verkommt. Indischer Assam, ein Hauptbestandteil ostfriesischer Stövchen-Teemischungen, oder die türkischen, iranischen und russischen Tees eignen sich prächtig dafür, nicht aber der feine Darjeeling, der mit Teesträuchern  veredelt wurde, die Robert Fortune im 19. Jahrhundert aus China herausgeschmuggelte, ganz zu schweigen vom zarten Shincha.

Copyright (c) Foundry / pixabay.com

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Einer Eingebung folgend probiere ich es mit meinen, im amerikanischen Westen erstandenen Camping-Thermoskannen. Sie haben ein nur mäßig attraktives Äußeres, sind aber mit einer praktisch-dicken Styropor-Isolierung ausgestattet. Das Resultat überzeugt selbst meinen iranischen Gast, der mein Teetreiben mit der heimlichen Skepsis des Eingeborenen einer Teetrinkernation beobachtet. Auch noch nach zwei Stunden ist der Tee heiß, fast wie frisch aromatisch und sehr gut genießbar.

Da sieht man es wieder, Äußerlichkeiten spielen keine Rolle, nur auf die inneren Werte kommt es – letztlich – an!

 

*Danke, Jan Kellendonk, für den Sencha-Ttipp! 🙂

 

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