Vaskulitis Kurznachrichten 1.8: Fischöl begünstigt Remission in japanischer Casestudy

Copyright (c) m.eskandani

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Omega-3-Fettsäuren sind entzündungshemmend, sind also für alle, die an einer entzündlichen Autoimmunkrankheit leiden, positive Nahrungsbestandteile. Sie sind in hohem Maße in Walnüssen und Leinsamen enthalten, aber auch in Spinat, Rosenkohl und Portulak, vor allem aber in fettreichem Fisch, wie Sardellen, Makrele, Hering und Lachs.

Die fischbasierten Omega-3-Fettsäuren könnten in Zukunft für Vaskulitis-Patienten eine größere Rolle spielen. In zwei Casestudies, die bereits 2014 durche japanische Forscher beschrieben wurden, wurde bei zwei Vaskulitis-Patienten nach dem Ausbruch der Erkrankung eine Remission erreicht, die 5 Jahre lang anhielt. Die Betroffenen erhielten nur am Anfang in der Akutphase eine hohe Dosis Prednisolon. Sie  wurde danach danach langsam bis auf 5 mg  ausgeschlichen, und sie wurde kombiniert mit einer niedrigen Aspirin (100 mg)-Dosis, sowie einer  sehr hohen Dosis an Omega-3-Fettsäuren (2900 mg) in Form von Fischöl. Das Besondere: die Ärzte verzichteten bei diesen zwei Patienten auf eine Chemotherapie oder eine Therapie mit einem immunsuppressiven Biological.

Sind diese Casestudy – Ergebnisse aber übertragbar auf andere Patienten?

Da ist, weil repräsentative Studien fehlen, Vorsicht geboten.

Zwar zeigte sich in anschließenden Mausversuchen, dass hohe Dosen an Eicosapentaensäure (EPA), dem Schlüsselbestandteil von Fischöl, sowohl das Entstehen einer Glomerulonephritis, also einer Nierenschädigung, verzögerte als auch die Lebensdauer der Tiere verlängerte. Im Einzelnen konnten die Forscher feststellen, dass die Produktion von ANCA (Vaskulitis-spezifische Antikörper) und Angreifer T-Zellen ( CD4/CD8) zurückging, dafür wurden in den Lymphknoten der Mausnieren mehr regulatorische T-Zellen gefunden.

Aber, was im Mausmodell funktioniert, muss noch lange nicht beim Menschen genau so funktionieren. Die einzigen zwei Patienten, die mit hohen Dosen an Omega-3-Fettsäuren behandelt wurden, waren zudem beide älter als 70 Jahre. Das Immunsystem älterer Menschen reagiert schwächer als das von jüngeren, benötigt also tendenziell eine geringere Immunsuppression.

Es stellt sich auch die Frage, ob der entscheidende Faktor, der für den Remissionserhalt bei den zwei Patienten verantwortlich war, nicht doch das Prednisolon war, anstelle der Omega-3-Fettsäuren. Auch das Aspirin könnte der eigentliche Grund für die Verringerung von Gefäßenzündungen bei den beiden Betroffenen gewesen sein. Die japanischen Forscher selbst sind vorsichtig, sprechen nur von einer ergänzenden Therapie mit EPA, nicht von einer Basistherapie.

Kein Wirkstoff ohne Risiko!

Bei einer Therapie mit hochdosierten Fisch-Omega-3-Fettsäuren – pflanzliche Omega-3-Fettsäuren enthalten kein EPA –  muss bedacht werden, dass neben der Immunsuppression auch eine höhere Blutungsneigung hervorgerufen wird. Für Patienten, die bereits einen Gerinnungshemmer wie Warfarin oder Marcumar (R) nehmen, könnte dieser Effekt gefährlich werden. Eine erhöhte Blutungsneigung kann zudem auch bedeuten, dass das Risiko für Gehirnblutungen ansteigt.

Kein Vaskulitis-Patient sollte sich daher mit EPA selbst versuchen zu therapieren. Eine Therapie mit hochdosiertem EPA (mehr als 700 – 1000 mg/Tag)  gehört immer in die Hand des behandelnden Arztes.

Im Rahmen einer Ernährungsumstellung, wie sie u.a. in der hier bereits besprochenen NDR-Sendung vorgestellt wird, kann ein im normalen Rahmen bleibende Aufnahme von pflanzlichen und tierischen Omega-3-Fettsäuren sich allerdings positiv auf das Herz-Kreislaufsystem aus- und möglicherweise eine geringere Anfälligkeit für Krebs bewirken. Beides ist durchaus wünschenswert für Vaskulitis-Patienten, die aufgrund ihrer immunsuppressiven Medikamente  mit einem höheren Krebs- und aufgrund ihrer Grunderkrankung mit einem erhöhten Thromboserisiko leben müssen.

Dieser Beitrag ist ein Service von PrO Vaskulitis.

 

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