Baumschutzlos

Copyright (c) federfluesterin

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Aus dem Weg gehe ich ihm. Ich mag ihn nicht sehen. Der Wald, den ich seit vielen Jahren durchstreife. Immer auf der Suche nach verborgenen Ecken und neuen Ansichten auf Altbewährtes. Junge Baumsprößlinge entdecke ich, die Riesen aber begrüße ich als vertraute Bekannte. Unsere Rindenrisse bezeugen wir einander. Sturmschäden, knorrig verwachsen. Die Freude des ersten Grün und des letzten Goldgelb. Fichten und Kiefern und  Buchen, fünfzig, sechzig oder mehr Jahre alt. Verlässlichkeit strahlen sie aus. Wenn alles sich ändert, sie bleiben stehen, dort, wo sie sind, werden größer, stämmiger, gewaltiger. Gewähren großzügigen Schatten in der Mittagshitze, sind mir schützender Schirm bei Regen und wärmendes Wehr vor dem Winterwind. Sie sind da für mich, immerfort.
Aber nun klafft dort ein Loch, eine Leere, aufgebrochene Erde, der Himmel auf einmal so gnadenlos offen. Ein Raubvogel kreist. Mich friert. Wo finde ich Schutz?

Meine Bäume, alle sind sie gefällt.

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