Vaskulitis Kurznachrichten 1.6 : Magensäuerhemmer – viel Lärm um sehr wenig?

Copyright (c) m.eskandani

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Medikamente, die die Produktion von Magensäure hemmen, sogenannte Protonenpumpenhemmer, sind in Verruf gekommen. Seit Monaten melden verschiedene Medien im In- und Ausland, dass die Einnahme von z.B. Omeprazol (R), Pantoprazol (R) oder Esomeprazol (R) zu Nierenschäden führt. Die Autoren beziehen sich auf die wissenschaftliche Langzeituntersuchung an 10 000 Patienten zu Herz-Gefäßkrankheiten, die an der John Hopkins University, Baltimore, USA durchgeführt wurde. Dabei wurde auch festgehalten, ob die Probanden Protonenpumpenhemmer nutzten oder nicht. Nach 15 Jahren stellten die Wissenschaftler bei Patienten, die die Protonenpumpenhemmer eingenommen hatten, in 20 – 50% mehr Fällen ein chronisches Nierenversagen fest, als bei den Patienten, die ohne diese Medikamente ausgekommen waren. Schnell wurde daraus geschlossen, dass die Protonenpumpenhemmer schuld an der Nierenschädigung waren, und diese Nachricht ging dann in Form einer Warnung vor diesen Medikamenten um die Welt.

Die niederländische Vasculitis Stichting weist nun allerdings darauf hin, dass sich mit einer neuen Studie, die 250 000 Patienten, als 25 Mal die Anzahl der Probanden der ersten Studie, umfasste, die Ergebnisse der ersten Studie so nicht wiederholen ließen. Von Nierenschäden betroffen waren nach 10 Jahren sowohl Nutzer von Protonenpumpenhemmern als auch Nicht-Nutzer, mit einem Unterschied zwischen beiden Gruppen von nur 2 %

Patienten, die das Medikament 2 Mal pro Tag einnahmen, waren eher betroffen, als diejenigen, die es nur 1 Mal pro Tag schluckten.

Die Forscher vermuten deshalb, dass, weil Protonenpumpenhemmer die Aufnahme von Mineralstoffen im Magen während ihrer Wirkzeit blockieren, es aufgrund eines Magnesiummangels, einer sogenannten Hypomagnesiämie, in Verbindung mit einer akuten Nierenschädigung zu dem Nierenversagen kam.

Bewiesen ist das allerdings nicht!

Die Untersuchung zeigt ja lediglich ein gleichzeitiges Auftreten von 2 Ereignissen auf: die Einnahme von Protonenpumpenhemmern und das Auftreten von chronischem Nierenversagen und das nur in 2% mehr Fällen! Ob diese zwei Ereignisse dann auch noch ursächlich miteinander zusammenhängen, ist damit keinesfalls nachgewiesen.

Um es an einem anderen Beispiel noch einmal zu verdeutlichen: Wenn in einer Untersuchung beobachtet wird, dass es Tage mit viel Sonne gibt und dass an diesen Tagen viele Menschen Speiseeis essen, bedeutet das nicht, dass das Essen von Speiseeis dazu führt, dass das Wetter sonnig wird. (Schön wär’s ! 😉 ) Umgekehrt auch nicht, denn es gibt ja z.B. auch sehr kalte Wintertage mit viel Sonne, an denen so gut wie niemand ein Speiseeis isst. Es kann selbst ein dritter Faktor im Spiel sein, der in dieser fiktieven Untersuchung noch garnicht berücksichtigt ist: die Temperatur.

Möglicherweise gibt es also einen ganz anderen, noch nicht erfassten Grund für die 2% mehr Fälle von chronischem Nierenversagen. In der niederländischen Vaskulitis-Stichting weist man z.B. darauf hin, dass es den USA einen hohen Anteil von Diabetikern in der Bevölkerung gibt, also auch unter den Probanden der beiden Studien. Diabetes führt oft zu einer Nierenschädigung.

Außerdem wichtig zu wissen:

Die Untersuchungen betrafen nur Protonenpumpenhemmer, nicht jedoch Magensäurehemmer, deren Wirkstoff Ranitidin, ein H₂-Antihistaminikum ist, wie z.B. Zantac (R), Junizac (R) , Pylorisin (R), Ranic (R) , Ranicux (R), Ranimed(R), Raniprotect (R), Ranitic (R), Sostril (R) , Ulcidin (R) , Ulsal (R), Zantac (R) oder Zantic (R).

Fazit

Vaskulitis-Patienten sollten also nicht in Panik verfallen, denn dazu gibt es aufgrund der bisherigen, kargen Studienergebnisse keinen Grund.  Diejenigen, die 2 Mal pro Tag Protonenpumpenhemmer zur Abfederung ihrer Magenprobleme durch die Einnahme von Cortison, von Chemotherapeutika wie Azathioprin oder Methotrexat oder anderen Medikamenten nutzen, können mit ihrem behandelnden Arzt gemeinsam überlegen,  ob sie ihren Magnesiumhaushalt regelmäßig überprüfen lassen wollen.

Diejenigen, die den Protonenpumpenhemmer absetzen wollen, sollten wissen, dass die Wirkung des Medikaments 3 Tage lang anhält. Am Besten vereinbaren sie mit ihrem behandelnden Arzt also ein Ausschleich- (Pendel-) Schema, damit die Reaktion des Körpers, nach einem sofortigen Absetzen umso mehr Magensäure zu produzieren, so weit wie möglich vermieden wird.

 

Dieser Beitrag ist ein Service von PrO Vaskulitis.
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