Vaskulitis Kurznachrichten 1.5

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App gegen Tinnitus

Das Geräusch ist selten schön, dafür umso störender. Ständig erklingt es, ob das Radio spielt oder nicht, der Fernseher läuft oder abgeschaltet ist, der Strassenverkehr ruht oder vorbeirauscht.
Die Rede ist vom Tinnitus, dem unablässigen Ohrgeräusch, das nur von dem Betroffenen wahrgenommen wird und oftmals seine Lebensqualitität stark einschränkt. Denn der Tinnitus klingt überall hinein, in Gespräche mit anderen Menschen und behindert so die Kommunikation. In Radio- und Fernsehnachrichten, Internet- und Kinofilme und schränkt so die Informationsaufnahme ein. Er stört die Entspannung in der Stille und raubt den Betroffenen den Schlaf.

Konstante Lärmbelastung, z.B. durch das Hören von zu lauter Musik über Kopfhörer oder den häufigen Besuch von Rave- und Diskotheken-Veranstaltungen, oder durch laute Maschinen und Anlagen am Arbeitsplatz kann zum Tinnitus führen. Selten sind Medikamente die Ursache.

Bei Vaskulitis-Patienten, insbesondere jenen, die an der Form Granulomatose mit PolyAngiitis (GPA) leiden, führt die Autoimmunkrankheit zu Granulomen, also Gewebeknoten, in den Nasennebenhöhlen und den Ohren und Gehörgängen. Auch das Zentrale Nervensystem kann bei einer Vaskulitis betroffen sein. Ob es einen Zusammenhang gibt, ist meines Wissens, wie so Vieles bei dieser Krankheit, nicht untersucht, aber manch ein Vaskulitis-Patient klagt über einen Tinnitus.

Am Universitätsklinikum Münster arbeiten Wissenschaftler vom Institut für Biomagnetismus und Biosignalanalyse, sowie der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde nach langjähriger Grundlagenforschung nun in Zusammenarbeit mit einer australischen Firma an einer App gegen den Ohrpieper.
Die Tonfrequenz des Tinnitus wird bestimmt und sodann eine Musiksequenz gestaltet, die genau diese und die sie umgebenden Frequenzen auspart. Die überaktiven Gehirnzellen, die die eigentlichen Verursacher des ständigen Ohrpiepens sind, erhalten mit dieser Musik keine Impulse, werden also quasi „ruhig gestellt“, die Nachbar-Gehirnzellen jedoch werden stimuliert. So gelingt es, wie Studien zeigten, die von den Patienten empfundene Lautstärke des Tinnitus um 25% zu verringern.
Das Ziel der Wissenschaftler ist, dass die Betroffenen mit der App selbständig die Frequenz ihres Tinnitus bestimmten und sodann eine Melodie, die ihnen gefällt und die sie vor allem oft und regelmäßig hören wollen, anpassen können. Denn eine anhaltende Linderung ihres Ohrpiepens können sie nur erreichen, wenn sie ihrer Anti-Tinnitus-Musik lange genug lauschen.

Geeignet für eine solche App sind nach bisherigen Forschungen Tinniti, die sich als reiner Pfeif- oder Piepton manifestieren. Eine Melodie, die in einem komprimierten Datenformat, z.B. MP3, abgespielt wird, eignet sich übrigens gerade wegen der Komprimierung – die Bandbreite aller möglichen Frequenzen wird auf Kernfrequenzen reduziert – nicht als Anti-Tinnitus-Musik. Auch längst nicht jeder Kopfhörer gibt eine ausreichende Bandbreite an Frequenzen wieder, um den Anforderungen zu genügen, so die münsteraner Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde .

Weitere Info:

 

Nachtrag am 19.07.2017:

Michael Brendler von der FAZ hat am 18.07.2017 unter dem Titel

„Kampf gegen den Tinnitus. Macht es piep, hör einfach Pop.“

einen, in meinen Augen gut recherchierten, sehr kritischen Artikel zu den unterschiedlichen Methoden der Tinnitus-Behandlung veröffentlicht.

Lesenswert für jeden Betroffenen!

Dieser Beitrag ist ein Service von PrO Vaskulitis.

 

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3 Antworten zu Vaskulitis Kurznachrichten 1.5

  1. Dalo 2013 schreibt:

    This is extremely interesting. Since I’ve been a hunter since I was a young boy, mornings and evenings in blinds with shots ringing nearby my ear…I have a bit of this on my right side. Never has really bothered me, but a steadying singing throughout the day. I will check out these other sites, thank you!

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    • federfluesterin schreibt:

      Randall, German patients can already get their specific Tinnitus music designed when they get their diagnose and treatment at a university clinic like Muenster or Cologne. I can imagine that in the US, there are also university clinics offering that kind of treatment. The new thing about the Muenster clinic is their app, they are working on, which, of course, would make treatment much more flexible, also what concerns locality, and easy.

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