Vaskulitis Kurznachrichten 1.2

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Zur Reha in die Wunschklinik – für gesetzliche Versicherte möglich?

Ist die Reha-Klinik geeignet?

Geschafft: Die ersehnte Entlassung aus dem Krankenhaus steht endlich bevor!

Nur: Eigentlich ist der Betroffene noch viel zu schwach, leidet an Bewegungseinschränkungen und anderen Behinderungen. Wie soll er sich zuhause handhaben? An eine Rückkehr an den Arbeitsplatz ist schon garnicht zu denken.

Der behandelnde Arzt hat ein Einsehen und rät zu einer „Anschlussheilbehandlung“ (AHB), ein anderes Wort für Reha, nur dass sie innerhalb von 6-8 Wochen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus angetreten werden muss. Die Sozialarbeiterin der Klinik kommt auf Anfrage auf die Station, lässt sich den aktuellen Krankheitszustand schildern und beantragt im Auftrag des Patienten bei der zuständigen Krankenkasse die AHB. Noch vor seiner Entlassung kann sie ihm mitteilen, dass die Kostenübernahme von der Krankenkasse bestätigt ist. Erleichterung macht sich sofort breit, dass alles so reibungslos und ohne größeren eigenen Energie- und Zeitaufwand geklappt hat.

Der  Erleichterung folgt aber ebenso schnell die Ernüchterung:

Die Krankenkasse hat dem Patienten einen Platz in einer ihrer Vertrags-Rehakliniken zugewiesen. Der Patient fragt sich, ob eine AHB dort Sinn macht, ob sie ihn in seiner Rehabilitation weiter bringen wird. Eine schnelle, kurze Nachfrage per E-mail beim Chefarzt der Rehaklinik ergibt, dass die Skepsis des Patienten berechtigt ist. Der Chefarzt sieht sich und seine Klinik für die Indikation, mit der der Patient zu ihm kommen soll, nicht für ausreichend qualifiziert und ausgestattet an.

Diese Antwort ist leider keine Seltenheit bei einer Seltenen Erkrankung wie Vaskulitis!

Die Reha-Klinik muss kompetent sein

Was tun?

Vaskulitis-Patienten und ihre Angehörigen sollten wissen, dass seit der Reform des § 40 SGB V die gesetzlichen Krankenkassen nicht mehr einseitig nach dem Wirtschaftlichkeitsgebot handeln können. Sie müssen nun einen Aufenthalt in einer medizinisch geeigneten Wunschklinik  des Patienten genehmigen, allerdings muss letzterer unter Umständen die Mehrkosten selbst tragen. Nicht tragen muss er die Mehrkosten, wenn er die Klinikwahl mit seinen religiösen und weltanschaulichen Bedürfnissen, seinem Alter, seinem Geschlecht oder seiner persönlichen Lebenssituation beargumentieren kann (siehe § 9 Abs. 1 S. 1 und 2 SGB IX). Begründet der Patient seine Klinikwahl allerdings einfach mit besseren Zimmern oder medizinischen Leistungen, die aus Sicht des Arztes nicht zwingend erforderlich sind, die der Patient aber in Anspruch nehmen will, dann kann die Krankenkasse die Mehrkosten bei ihm geltend machen.

Konkret bedeutet das:

Wenn der Vaskulitis-Patient oder seine Angehörigen ihrer Krankenkasse aufzeigen können, dass die Vertragsklinik sich nachweislich selbst als nicht-kompetent ansieht für Vaskulitiden oder eine Erkrankung/Zustand, die in Zusammenhang mit Vaskulitiden steht, können der Patient bzw. die Angehörigen auf einer – durch eine entsprechende direkte Nachfrage  bei der Klinik direkt nachzuweisend kompetenten – Wunschklinik bestehen. Die eventuellen Mehrkosten des Klinikaufenthaltes dort brauchen sie nicht zu tragen, die gesetzliche Krankenkasse muss sie übernehmen. Wer ganz sicher gehen will, lässt sich von seinem behandelnden Arzt ein ärztliches Attest ausstellen, dass die bessere Eignung der Wunschklinik für die eigene Indikation bestätigt.

Formlose Zuzahlungs-Einverständniserklärungen, die gesetzliche Krankenkassen ggfs. routinemäßig vorab vorlegen, sollten Vaskulitis-Patienten und Angehörigen daher nicht unterschreiben.

Sollte die Wunschklinik nachweislich nicht besser geeignet sein als die Vertragsklinik, man sich aber trotzdem für den Aufenthalt dort entscheidet, sollten Vaskulitis-Patienten und Angehörige die eventuelle Mehrkostenabrechnung ihrer Krankenkasse auf jeden Fall genau überprüfen.

Dieser Beitrag ist ein Service von PrO Vaskulitis.
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