Ich bin verwirrt

Copyright (c) Geralt / pixabay.com

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Flüchtlinge erzählen seit Monaten auf allen medialen Kanälen ihre Geschichten.
Eine Übereinstimmung stelle ich fest: Ihre Schleusung über das Mittelmeer war teuer und gefahrvoll, angesichts der anscheinend plötzlichen – aber, das muss ich auch sagen, für jeden halbwegs vernünftigen Menschen absolut vorhersehbaren – hautnahen Gefahr, in den Wasserfluten zu ertrinken. Eine solche Lebensgefährdung vergisst man nicht, für manch Einen wurde sie zum Trauma. Nur, warum sind die Menschen dieses Risiko eingangen?

Einige mögen den Krieg hinter sich lassen wollen. Nur, sie kommen aus der Türkei oder aus Nordafrika, aus Ländern, in denen sie dem Krieg in ihren Heimatländern ja schon entronnen waren.
Viele erzählen, im Gegensatz zu den Geschichten über ihre Schleusung, höchst ungern und ausgesprochen zögerlich-spärlich über ihr Leben in ihren Herkunftsländern. Das ist so auffällig, dass ich mich frage: Was war denn da nur?

Das Herkunftsland muss dabei nicht unbedingt das Land sein, deren Nationalität diese Menschen haben. Ein großer Teil der Afghanen, die nun in unserem Land sind, kamen z.B. garnicht aus Afghanistan. Sie haben jahrelang, teilweise jahrzehntelang im Iran gelebt, sind oftmals dort aufgewachsen und zur Schule gegangen. Seit einiger Zeit nun hat der Iran begonnen, einen Teil der vielen Millionen Afghanen, die seit 1979 ins Land gekommen und dort toleriert worden sind, nach Afghanistan zurückzuführen. Schließlich hat das Land eine eigene Regierung und das seit nunmehr schon wieder geraumer Zeit. Gerade die junge Generation dieser im Iran aufgewachsenen iranischen Afghanen aber will nicht dorthin zurück, trotz einer strikt nationalistischen Einstellung und vor sich hergetragenem Stolz auf die Identität als Afghane. Sie wollen in Wahrheit nicht zurück in eine Gesellschaft und Wirtschaft, die weitaus rückschrittlicher ist, als die im Iran. Die Öffnung der europäischen Grenzen nun bot ihnen den willkommenen Ausweg, nach Europa zu emigrieren. Anstatt zurückzukehren in das eigene Land, um beim Wiederaufbau zu helfen. Nationalstolz Olé!

Nein, verfolgt waren diese iranischen Afghanen nicht.
Sie waren mit ihren Familien im Iran in der Regel wirtschaftlich gut etabliert.

Wie z.B. der Metzger aus Teheran, der sein gut gehendes Geschäft eilends verkaufte, als Merkels Einladung sich in Windeseile im Iran unter den jungen Leute verbreitete. Mit seiner hochschwangeren Frau ließ er sich nach Deutschland schleusen, ohne zu wissen, auf was er hier stossen würde. Noch nicht einmal über das deutsche Wetter wußte er etwas.
Irgendwelche Sprachkenntnisse außer Persisch/Urdu, seiner Muttersprache: Fehlanzeige. Schulausbildung: 4 Jahre Volksschule. So etwas wie eine Metzgerlehre: Nein. Alter: ca. 35 Jahre.
Und er hatte sich auf die Reise gemacht mit völlig überzogenen Hoffnungen auf seinen großen persönlichen wirtschaftlichen Erfolg in Europa.
Als ich dem Paar riet, möglichst in eine Kleinstadt zu ziehen, wo keine oder wenig andere Afghanen oder Iraner leben, damit sie so schnell wie möglich die deutsche Sprache und Kultur kennenlernen und damit umgehen lernen, machten die beiden ein sehr betroffenes Gesicht. So hatten sie sich das nicht vorgestellt. Sie wollten in einer afghanischen Community in einer Großstadt leben, in einem afghanischen Kosmos, nur halt in Deutschland. Dass sein Kind, es würde ein Sohn werden, als hier in Deutschland geboren ein Deutscher werden würde, das lehnte seine Frau, im Hijab nach persischer Art gekleidet, empört und sehr entschieden ab: ihr Kind sollte und würde ein Afghane werden! Wie sich im Laufe der Unterhaltung mit ihnen herausstellte, politisch verfolgt waren sie nicht und fühlten sie sich auch nicht. Dass der Asylparagraph in Deutschland eingeführt worden war, um Menschen Schutz zu bieten, die so verfolgt und mit dem Tode bedroht waren, wie einst die jüdische Bevölkerung im Dritten Reich, war ihnen völlig neu. Sie hatten gedacht, es handele sich um eine Einwanderungsregelung.

Heute werden solche Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen sich illegal nach Europa und Deutschland schleusen lassen, „Flüchtlinge“ genannt.

Aber, was sind denn dann eigentlich Menschen, die sich legal und ohne dem Sozialsystem zur Last zu fallen aus wirtschaftlichen Gründen in ein anderes Land begeben?
Ist ein deutscher Arzt, der zunächst in Deutschland und, um dem deutschen Gesundheitssystem zu entgehen, einige Zeit in England arbeitet,  seine Stelle verliert und dann schließlich, also so gesehen aus wirtschaftlichen Gründen, in die Schweiz geht, weil er dort eine neue Arbeit fand, kein Schwitzerdütsch kann, ein Flüchtling? Ist die Fliessbandarbeiterin, die jahrelang in der Nähe von Leipzig arbeitslos war und mit Hartz 4 lebte, sich von der deutschen Gesellschaft ausgegrenzt fühlte, dann nach Frankreich ging, weil sie dort eine Stelle als Hausmeisterin fand, anfangs kaum ein Wort Französisch sprach, ein Flüchtling? Ist die polnische Krankenschwester, die aus wirtschaftlichen Gründen und weil sie im streng katholischen Klima ihres Heimatlandes sich zu beengt fühlte, nach Deutschland kam, nachdem sie sich zuhause einen Grundkurs Deutsch finanziert hatte, und hier in einer Klinik arbeitet, ein Flüchtling? Ist der Venezolaner, der von einer deutschen Nachbarin noch in Venezuela Deutsch lernte und der sich beharrlich in Deutschland bewarb, weil er die chaotischen politischen Verhältnissen im eigenen Land hinter sich lassen wollte, schließlich eine Stelle bei einem Heizungsbauer im Sauerland fand, ein Flüchtling?

Früher nannte man solche Menschen schlichtweg Einwanderer.

Anspruch auf Berichte im Fernsehen und unser Mitleid hatten und haben sie nicht. Anspruch auf einen Status als Flüchtling  und entsprechende  finanzielle und menschliche Zuwendung auch nicht.

Warum eigentlich nicht?

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