Ein Kommentar zur „Schande von Clausnitz“ – aus der Sicht eines Clausnitzers

Wer hat jemals vorher den Namen des 900-Seelen-Dorfes Clausnitz gehört? Bevor ein rechtsradikaler Mob einen Bus mit Flüchtlingen erwartete, sicher kaum jemand. Und doch gibt es nun viele Menschen, die das Kreuz brechen über alle Clausnitzer, auch die, die noch nie in den Neuen Bundesländern waren, geschweige denn in Clausnitz. In der öffentlichen Meinung scheinen alle Clausnitzer Neonazis zu sein.
Der Artikel, den ich reblogge ist ein mutiger Artikel. Denn es ist eine Stellungnahme eines oder einer Clausnitzerin. Da tritt jemand aus der Anonymität, aus der Deckung der immerzu schweigenden Mehrheit hervor. In einem 900-Seelen-Dorf ist jeder identifzierbar. Und dennoch, es ist eine sehr ehrliche Stellungnahme. Ich ziehe meinen Hut vor dem oder der Autorin! Wenn alle Clausnitzer so ehrlich zu sich selbst wären und alle Sachsen zu sich selbst…aber wer weiß, vielleicht markiert dieser Artikel ja einen Anfang, der da heißt: Nicht mehr weggucken!

Mein Kommentar zu Clausnitz

– Eine Wahrheit, die viele nicht hören wollen –

Vier Tage sind es jetzt seit den Vorfällen von Clausnitz vergangen. Seitdem gab es unzählige Berichte, landesweit. In sozialen Medien hagelt es an Kommentaren. Ich lese von Empörung und Unverständlichkeit bei nationalen und sächsischen Politikern, bei Menschen in sozialen Medien, ich sehe Anfeindungen gegenüber den Clausnitzer Bürgern, ich sehe Solidaritätsbekundungen verschiedener Seiten, mit Flüchtlingen sowie dem Mob. Ich lese von Freunden, wie sehr sie das Geschehene verabscheuen. Und ich habe das Gefühl, es ist jetzt an der Zeit, etwas zu sagen, das schon lange gesagt werden sollte.
Ich selbst lebe nicht mehr in Clausnitz, aber ich bin noch regelmäßig da und ich habe das Gefühl, es geht auch mich etwas an. Es fällt mir nicht ganz leicht, die folgenden Worte zu formulieren. Sie sind eine unbequeme Wahrheit. Eine, mit der ich und viele andere aufgewachsen sind. Eine, die viele sicherlich nicht…

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2 Antworten zu Ein Kommentar zur „Schande von Clausnitz“ – aus der Sicht eines Clausnitzers

  1. unbreakeableralf schreibt:

    Es vergeht kein Tag, an dem die Nachrichten nicht mit ‚Flüchtlingskrise‘ beginnt und der nicht in end(oder besser sinn?)losen Talkshows mit immer den gleichen Gesichtern und Plattheiten endet.
    Besser wird dadurch nichts – weder in der EU, noch in der Politik die nur noch damit beschäftigt zu sein scheint, sich in Position zu bringen wenn dann endlich der Stuhl der Kanzlerin nach den Sägeattacken – besonders eines streitsüchtigen Bergvolkes – kippt.
    Haben wir keine anderen Probleme, wie steigende Altersarmut, unerträglicher Arbeitsdruck durch immensen Kostendruck, eine immer mehr verkommende Gesundheitspolitik zu Lasten derer, die sich täglich krumm buckeln um sich ein einigermaßen angenehmes Leben leisten zu können?
    Was resultiert aus der Unzufriedenheit all derer, die sich nicht mehr von der Politik angehört oder gar vertreten fühlen?
    Es ist schon einige Jahre her, dass in meiner Stadt das erste Ausländerwohnheim in Flammen aufging weil sich der rechte Mob zu Nutze machte, dass die Politik nicht darauf reagierte, wie unzufrieden die Menschen mit dem ungebremsten Zustrom eines rumänischen Volksstammes (ja, der mit dem ‚Paprika‘- Schnitzel) waren und damit, wie täglich gestohlen, kopuliert und in den Hausfluren die Notdurft verrichtet wurde.
    Es macht mich betroffen, wenn ich sehe, dass daraus keinerlei Lehren gezogen wurden. Nein es ist noch schlimmer geworden.
    Keiner kann beschreiben wie unglücklich wir waren als unser Sohn mit Bomber-stiefeln und – Jacke liebäugelte weil das in seiner damaligen Clique in war.
    Abhilfe schaffte damals ein Sportverein – Danke dafür Marita Koch!
    Was wir brauchen ist kein sensationslüsterndes Gaffen.
    Sondern ein Blick auf das, was wirklich und im Hintergrund auch positiv geschieht (man kann sich kaum noch als freiwilliger Helfer betätigen, weil es schon soo viele sind – weit mehr als Hasser).
    Und vor allem die Antwort auf die Frage: Was bewegt die Menschen – warum sind sie so unzufrieden, dass sie Wut und Hass in die recht Ecke treibt.
    Liebe Politiker in allen Positionen: Macht endlich die Augen auf und vor allem die Ohren und hört auf die, die täglich Werte schaffen statt sinnlos zu streiten wie viele Menschen Deutschland vertragen könnte…
    Denkt daran: ‚Der Schoss ist fruchtbar noch…‘
    Die Wahlen stehen vor der Tür und die Flüchtlingsheime brennen so wie einst der Reichstag.
    Wir brauchen vor allem auch so differenzierte Beiträge wie diesen Blog über Clausnitz.
    Danke für Ihren Mut, das so zu betrachten und weiterzugeben

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  2. federfluesterin schreibt:

    Die Fragen, unbreakableralf, die Du in Deinem Kommentar aufwirfst, habe ich in den letzten Tagen gedanklich hin und her erwogen. Ich denke, dass Jan-Josef Liefers recht damit hat, wenn er darauf hinweist, dass viele Menschen in Deutschland so wütend sind, weil sie zu so einer tief eingreifenden Frage, wie die der Flüchtlingspolitik, nicht gefragt worden sind. Auch ich bin der Meinung, dass bei so einer Frage ein Volksentscheid vorab der richtige Weg wäre, denn nur so kann man die Menschen auch auf Dauer auf so einen Weg mitnehmen.
    Verärgert sind viele, weil ihnen über viele Jahre lang erzählt wurde, es wäre kein Geld da für das, was für sie wichtig ist, z.B. in der Gesundheitspolitik, dann aber schlagartig und offensichtlich ohne Probleme sehr, sehr viel Geld in die Hand genommen wird für Menschen, die von außerhalb dieses Gemeinwesens kommen und – jedenfalls bisher und bei den meisten wohl noch viele Monate, wenn nicht Jahre lang – nichts zu diesem Gemeinwesen beigetragen haben. Viele fühlen sich da übervorteilt und betrogen.
    Sodann gibt es Menschen, wie auch mich selbst, die nur allzu deutlich aus eigener, internationaler Erfahrung sehen, dass in diesem Land weder die Regierung noch die darunter angesiedelten Behörden ein tragfähiges Integrationskonzept haben für Einwanderer, die aus so andersartigen Kulturen kommen. Wir haben jetzt bereits in Berlin oder auch dem Ruhrgebiet no-go-areas, in denen Migranten aus muslimischen Ländern und ihre Nachkommen leben, die man mit Marx als neues Lumpenproletariat bezeichnen könnte. Diese Gesellschaftsschicht ist besonders gefährdet, aber auch gefährlich, weil sie entlang ethnischer Grenzen zwischen Sozialhilfe, die über Generationen hinweg weitergereicht wird, und Kriminalität, abgesondert von der Mehrheitsgesellschaft lebt. Sie stellt daher einen besonderen gesellschatlichen Sprengstoff dar. Entstanden ist sie aufgrund der Anwerbepolitik damaliger Regierungen – nicht zuletzt auf Druck der Amerikaner, die damals die Türkei stabiliseren wollten – und des völligen Fehlens eines Immigrationskonzeptes. Man hat die Menschen hereingelassen und vorausgesetzt, dass sich das Ganze mit der Zivilgesellschaft von alleine regelt. Geregelt hat sich , um es kurz zu machen, sehr wenig. Überall in Westdeutschland gibt es in den Großstädten ethnische Ghettos, die überwiegend türkisch geprägt sind und in denen die Nachkommen hängenbleiben. Die Mehrheitsgesellschaft will diese „ausländischen“ Territorien im eigenen Land nicht, in denen Deutsch Fremdsprache ist und in einem Restaurant Männlein und Weiblein getrennt speisen müssen.
    Jetzt geschieht eigentlich wieder dasselbe. Um Wille der Stabilisierung Griechenlands und damit der EU wurde auf einen Schlag ein Viertel der Menge aller Ausländer in Deutschland, 1,1 Millionen Menschen, in Deutschland hereingelassen, ohne jegliches Konzept, ohne jegliche Vorbereitung und wieder mit dem Hinweis, die Zivilgesellschaft solle das dann mal regeln. Dass das nicht gut gehen kann, ist eigentlich vorauszusehen. Auch nicht mit den vielen Freiwilligen, denn die Integration von so kulturell andersartigen erfordert tiefgehende Kenntnisse der anderen Kultur und ein kontinuierliches, ganz auf das Individuum zugeschnittenes Engagement über viele, viele Jahre.
    Wie dringend ein Konzept benötigt wird, zeigt die Reportage von Frau Rita Knobel-Ulrich. Und dass man da von anderen Ländern, die weniger ideologisch, aber mit gebotenem Pragmatismus und Orientierung an den eigenen Werten vorgehen, sehr viel lernen könnte, wenn man denn wollte!

    Dabei müsste Deutschland weiß Gott ganz andere Herausforderungen angehen, wie die zunehmende De-Industrialisierung zugunsten Osteuropas und Asien, die deutlich fehlende Innovationsfähigkeit, die dramatische Inkompetenz in der Schlüsseltechnologie IT, die systematische Ausspionierung deutscher Unternehmen, Institutionen und Behörden – was einem Ausrauben gleichkommt -, die Altersarmut und die Einkommensschere, die immer weiter auseinandergeht, um nur ein paar zu nennen. Wir hätten sehr viel anderes zu tun, für die Zukunft dieses Landes, als Flüchtlinge in großem Stil hier im Lande zu integrieren.
    Hilfe ist dabei richtig und sinnvoll, aber sie sollte vor allem vor Ort geschehen, in einem kulturellen Umfeld, in dem die Flüchtlinge eher zuhause sind.
    Unbreakableralf bei alledem muss ich auch sagen, Hass und tätliche Angriffe auf Flüchtlinge freilich lassen sich für mich so nicht erklären und auch in keinem Fall entschuldigen!

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