Nichts geht mehr an die Niere!

Nierenversagen als Folge einer Vaskulitis

Ohne funktionierende Nieren kann ein Mensch nur überleben, wenn er regelmäßig mit einer Blutwäsche, der sogenannten Dialyse, behandelt wird. Abhängig von einer Blutwäsche zu werden ist der Alptraum von Patienten mit einer Granulomatose mit PolyAngiitis (GPA) oder einer mikroskopische Polyangiitis (mPA). Ihre Vaskulitis zieht nämlich häufig entweder direkt bei Ausbruch der Krankheit oder in den darauffolgenden Jahren eine Nierenschädigung nach sich. Der Autoimmunprozess der Vaskulitis selbst kann die Niere schädigen, aber auch die Medikamente, die dem Patient verabreicht werden müssen, um den Entzündungsprozess, der sich gegen das körpereigene Gewebe richtet, zu unterdrücken. Ein Medikament oder eine Therapie, die die Nierenschädigung  an sich aufhalten oder abmildern könnte, steht bis jetzt nicht zur Verfügung.

Schon 2009 neue Erkenntnisse  in der Grundlagenforschung

copyright (c) Tumiso / pixabay.de

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Diese unbefriedigende Situation rief Prof. Ralph Kettritz vom Experimental and Clinical Research Center (ECRC), eine Kooperation zwischen der Berliner Charité und dem Max-Dellbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC), und Oberarzt der Nephrologie der Charité, auf den Plan. Bei einer mPA oder GPA animieren die Vaskulitis-spezifischen Autoantikörper, die ANCA, weiße Blutzellen dazu, Signalstoffe freizusetzen, die das Komplementsystem aktivieren. Im Jahr 2009 konnte das Team von Prof. Kettritz nachweisen, dass bei der Aktivierung des Komplementsystems das Protein C5a und sein Rezeptor C5aR eine zentrale Rolle spielen. Wurde im Mausmodell der Rezeptor blockiert, trat bei den Tieren  keine Nierenschädigung auf, selbst wenn bei ihnen eine ANCA-induzierte Vaskulitis ausgelöst wurde.

Pharmaunternehmen investiert in klinische Forschung

Die wegweisenden Erkenntnisse des Teams von Prof. Kettritz stiessen in Kalifornien bei der Pharmafirma ChemoCentryxx auf Interesse. Sie entschloss sich, in die weitere Forschung zu investieren und nach einem, für den Menschen verträglichen, Wirkstoff zu suchen, der den Rezeptor C5aR blockiert. 2013 ging ein Medikament mit dem Namen CCX168 in die erste Phase der Klinischen Prüfung am Menschen. Diese erste Phase brachte ermutigende Ergebnisse, die in der darauffolgenden zweiten Phase, u.a. in Belgien fanden klinische Tests statt, und die selbst drei Stufen/Phasen umfasste, bestätigt wurde.

Wie das Pharmaunternemen vor einigen Tagen, am 6. Januar 2016, bekannt gab, reduziert das Medikament, das oral verabreicht wird, die Krankheitsaktivität der Vaskulitis signifikant, und zwar besser, als bei einer Therapie mit Cortison. Getestet wurden beide Wirkstoffe jeweils in Kombination mit Endoxan bwz. mit Rituximab, dies sicherlich deshalb, weil es zu riskant wäre, die Probanden ohne ein bekanntermaßen gegen die Vaskulitis wirksames Basismedikament zu behandeln. Der Eiweiss-Ausstoss (Proteinurie) und der Ausstoss von roten Blutkörperchen im Urin der Patienten (Hämaturie), beides Anzeichen für einen entzündlichen Prozess in den Nieren, konnte reduziert und die Filterfähigkeit der Nieren (eGFR) erhöht werden. Die Lebensqualität der Patienten verbesserte sich.

Auf dem Weg zur Zulassung in der EU

copyright (c) jarmoluk / pixabay.de

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Das Medikament, das inzwischen sowohl in den USA als auch in Europa den Status eines Orphan Drug – Wirkstoffes erhalten hat, geht dieses Jahr in die dritte und letzte Phase der Klinischen Prüfung. Sollte auch diese im Laufe von 2016 mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen werden können, ist zu erwarten, dass ChemoCentryxx die Zulassung in Europa und den USA beantragen wird.

Das Zulassungsverfahren der EU für ein neues Medikament dauert im Schnitt 210 Tage. Vaskulitis-Patienten können also, wenn denn alles optimal verläuft und keinerlei gegenteiligen Entwicklungen auftreten, vorsichtig darauf hoffen, dass CCX168 ihnen in absehbarer Zeit als neues Medikament zur Verfügung stehen wird.

Dieser Beitrag ist ein Service von PrO Vaskulitis
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