Räuberpistole

Copyright (c) wolla2 / pixelio.de

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Ein sonniger Altweiberherbst-Sonntag, mittags gegen 12 Uhr. Es schellt an der Tür. Verwundert mühe ich mich aus meiner Sonnenliege. Wer kann das sein? Ich erwarte keinen Besuch.

Um Zeit zu sparen, gehe ich nicht zur Haustür, sondern an das Fenster, das direkt darüber liegt. Gerade noch sehe ich, dass zwei Mädchen, beide etwa 6 oder 7 Jahre alt, von der Tür zur Ecke des Hauses laufen und gen Garage schauen. Die eine schüttelt verneinend den Kopf, sie lachen, laufen zurück zur Haustür.

Wieder Schellen. Dann Klopfen. “ Machen Sie sofort auf, hier ist die Polizei!“ Lachen. „Komm, schnell weg hier!“ ruft die eine mit halblauter Stimme. Und sofort rennen sie weg, schnell, über die Straße zur gegenüberliegenden Seite. Hastig verstecken beide sich hinter dem dort parkenden Auto.

Copyright (c) Kathi Paul / pixelio.de

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Ich kann sie trotzdem genau sehen. Amüsiert schaue ich zu, wie sie vorsichtig miteinander tuscheln, bemüht, nicht entdeckt zu werden. Aber selbst auf den Abstand hin kann ich hören, wie die beiden aufgeregt kichern. Zaghaft heben sie ihre Köpfe über die Motorhaube.

Macht  da jemand auf????

Die eine der beiden ist ganz mutig. Mit der rechten Hand formt sie eine Pistole, hebt sich etwas weiter über die Motorhaube, und zielt mit gefährlichem Gesicht mit ihrer „Waffe“ auf die Haustür. Oder auf denjenigen, der da erscheinen sollte. Die andere kann sich nicht mehr halten vor unterdrücktem Lachen. Ihr Kopf taucht hastig nach unten ab, sie fällt sogar rückwärts auf den Bürgersteig. Auch die Mutige muss nun lachen, duckt sich eilends hinter dem Auto runter. Nur nicht auffallen!

Wieder kommen die Köpfe der beiden Freundinnen hinter der Motorhaube hoch. Eine schaut nach oben. Sie sieht mich am Fenster stehen und, obwohl ich innerlich lächle, gebe ich mir die allergrößte Mühe, nun ja recht streng zu gucken. Ihr fährt sichtbar der Schreck durch die Glieder.

Copyright (c) Daniel Kocherscheidt / pixelio.de

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Die Freundin erhält einen Rippenstoss. Guck, da oben. Sie zeigt heftig deutend auf mich. Ein schockierter, schneller Blick der Freundin und eilends geben die beiden  nun Fersengeld.

Lächelnd sehe ich meinen jungen Schellekes-Gaunerinnen nach, sehr zufrieden, dass manche Dinge sich glücklicherweise ja doch nie ändern!

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