Mandela

Trauer (c)lichtkunst.73 /pixelio.de

Trauer (c)lichtkunst.73 /pixelio.de

Die Würdigungen Nelson Mandelas aus Anlass seines Todes gehen um die Welt. Die Menschen trauern um den politischen Aktivisten, der der Apartheit ein Ende setzte. Sie trauern um den Widerstandskämpfer, der einen Regimewechsel ohne weiteres Blutvergießen erreichte. Sie trauern um den Staatsmann, der den neuen Staat Südafrika im Zeichen der Versöhnung gründete und auf den Weg schickte. Nelson Mandela ist für viele die Gallionsfigur für Menschenrechte und friedliche Revolution geworden, ähnlich einem Gandhi.

Gefangen! (c) Peter Reinäcker /pixelio.de

Gefangen! (c) Peter Reinäcker /pixelio.de

Aber, was bei all dem vergessen und vielleicht auch allzu gerne verdrängt wird, ist das, was er zuerst war. Eine kleine Bemerkung seiner Tochter weist darauf hin: Es sei ihr unendlich peinlich gewesen, dass Nelson Mandela auch bei offziellen Begegnungen auf höchstem  politischen Niveau seine Angewohnheit beibehalten hatte, sein Brot in sein Porridge zu tunken und es so auszulöffeln. Eine Eigenart, die in der bürgerlichen Gesellschaft Süd-Afrikas verpönt, aber den Gefangenen von Robbin Island gemeinsam war – und Nelson Mandela immer wieder als, wenn auch ehemaligen, Strafgefangenen bloßstellte.

Das Tunken von Brot in den Haferbrei oder die Suppe – es muss ein universelles Merkmal von langjährigen Gefangenen in Straflagern sein. Auch mein Vater, viele Jahre Kriegsgefangener in Russland, tunkte sein Brot, auch in gehobener Gesellschaft. Je länger und quälender die Haft, umso mehr graben sich solche Verhaltensweisen ein, bis sie schließlich integraler Teil des Menschen sind. Doch solche äußeren Veränderungen eines Menschen sind nur ein kleiner Widerhall dessen, was in und mit ihm in Gefangenschaft geschieht. Die inneren Verletzungen, die mit der Entwürdigung, ja, im Falle des Rumänendeutschen Leopold Auberg, dessen Geschichte die Nobelpreisträgerein Herta Müller in „Atemschaukel“ erzählte, der ständigen, existentiellen Bedrohung, einhergehen, graben sich tief ein, sind oftmals irreversibel, verändern den Menschen für immer, lassen ihn Zeit seines Lebens, selbst außerhalb des Straflagers, zum inneren Gefangenen werden.

Nelson Mandela – er war und ist auch das  Denkmal aller Gefangenen in Straflagern, und auch in der Hinsicht ein Mahnmal für die Welt. Erst mit dem Gedenken des Gefangenen Mandela ist die Würdigung seiner Lebensleistung wirklich angemessen und kann die Trauer um ihn, ihm als Menschen entsprechen.

Stilles Gedenken (c) SGV / pixelio.de

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