Es geht um das Leben

Ein Kind zeugen oder nicht – seit der Erfindung der Antibabypille 1921 durch den Innsbrucker Physiologe Ludwig Haberlandt und ihrer Markteinführung 1960 haben wir darüber die Entscheidungsfreiheit. Ob das gezeugte Kind allerdings gesund zur Welt kommt, das haben wir noch nicht ganz in der Hand.

(c) Grace Winter / pixelio.de

Seltene Krankheiten

Gesund oder nicht – einer größeren Ungewissheit als alle anderen Eltern sehen sich Menschen gegenüber, die an einer sogenannten Seltenen Krankheit leiden. Es handelt sich um Erkrankungen, die ein Hausarzt höchstens 1 Mal pro Jahr in seiner Praxis antreffen wird. Es sind keine Bagatell-, sondern zumeist schwerwiegende Krankheiten.

So führt eine Morbus Wegener Erkrankung ohne eine medizinische Therapie innerhalb von 6 Monaten zum Tod. Daher müssen Morbus Wegener-Patienten in der Regel ihr Leben lang mit Chemotherapeutika behandelt werden. Die Medikamente bringen schwere Nebenwirkungen, u.a. Unfruchtbarkeit, mit sich. Da die Erforschung des Morbus Wegener mangels Finanzierung jahrzehntelang brachgelegen hat, ist keines der eigentlichen Krebsmedikamente für diese Krankheit in Deutschland zugelassen. Da weder die Ursache noch die Mechanismen der Krankheit in all ihren Details bekannt ist, können die Medikamente die Krankheit nur eindämmen. Eine Hoffnung auf Heilung gibt es für die Betroffenen immer noch und bis auf Weiteres nicht.

Experten schätzen, dass 80 Prozent aller Seltenen Krankheiten genetisch bedingt sind und daher auch an die Nachkommen vererbbar. Ob ein Kind braune oder blaue Augen, dunkle oder helle Haare haben wird, ist für die meisten Eltern nicht so wichtig, Hauptsache, das Kind ist gesund. Wenn Eltern aber wissen, dass ihr Kind eine „Chance“ von 25 Prozent hat, mit einer Seltenen Krankheit zur Welt zu kommen, werden sie dieses Risiko eingehen und sich für eine Elternschaft entscheiden?

Kinderwunsch versus Verantwortung

Oftmals wird kolportiert, Paare würden aus Furcht vor einer Belastung durch ein krankes oder behindertes Kind sich gegen ein solches entscheiden. Wer jemals einen Menschen über einen längeren Zeitraum gepflegt hat, weiß, dass eine solche Pflege einerseits eine wertvolle Erfahrung ist, dass sie andererseits den Pflegenden aber auch bis an seine körperlichen, psychischen und finanziellen Grenzen bringen kann. Die potentielle eigene Belastung muss jedoch nicht der einzige und auch nicht der ausschlaggebende Grund für die potentiellen Eltern sein. Vielmehr ist es die Frage, ob Eltern die Verantwortung dafür übernehmen wollen, einen Menschen in ein Leben zu schicken, das durch eine Seltene Krankheit vorhersehbar schwer belastet sein wird. Es ist die Frage, ob ein Vater oder eine Mutter einst dem eigenen Kind in die Augen blicken und sagen kann, ja, ich habe Dich bewusst in dieses, durch Krankheit geprägte Leben hineingeschickt. Gibt es Paare, die das verantworten können und wollen? Ich vermute, die Meisten werden sich gegen eine Elternschaft und damit nicht nur gegen die Zeugung eines kranken, sondern auch gegen die Zeugung eventuell gesunder Kinder entscheiden.

Präimplantationsdiagnostik

Bietet die Präimplantationsdiagnostik(PID) da einen Ausweg?

Sie ermöglicht, im Labor gezeugte Embryonen vor ihrer Einpflanzung in den Mutterleib auf Erbkrankheiten hin zu untersuchen und gesunde Embryos auszuwählen. Die so vorgenommene Selektion gibt Eltern, die mit Erbkrankheiten belastet sind, so die Chance, sich verantwortlich überhaupt für ein Kind zu entscheiden.
Allerdings, der Zeugungsakt ist, wie Religionen sagen, ein Vorgang, der symbolisch den Schöpfungsakt widerspiegelt und wiederholt. Die Zeugung eines Kindes im Labor käme, aus dieser Perspektive gesehen, daher einer Entweihung gleich.

Das Aussortieren und Entsorgen genetisch belasteter Embryonen im Zuge der PID wird oftmals mit dem Thema der Euthanasie verbunden. Wann aber ist ein Mensch ein Mensch? Die Religionen entscheiden da durchaus unterschiedlich. Wenn der Zellhaufen, der bei einer PID gegebenenfalls aussortiert und nicht in den Mutterleib zur Weiterentwicklung eingepflanzt wird, nicht als Mensch, wenn auch im Entwicklungsstadium angesehen wird, dann kann auch von Euthanasie keine Sprache sein. Einen solche Position nehmen z.B. islamische Theologen ein, die eine Beseeling des Embryos und damit seine Menschwerdung unterschiedlich, aber immer erst ab dem 40. bis sogar dem 120. Tag annehmen. Jüdische Theologen legen diesen Zeitpunkt frühestens ab dem 4. Schwangerschaftsmonat fest.

Bei dem Vortrag einer Hebamme vor schwerbehinderten Zuhörern sprachen sich diese Menschen mehrheitlich gegen ein Kind aus, wenn sie vorher wüssten, dass es mit ihrer Behinderung zur Welt käme. Es ist ihr eigenes Leiden, das sie einem neuen Menschen nicht zumuten wollen. Eine PID würde diesem Wunsch entgegenkommen.
Religionen hingegen lehren, dass die Chance, als Mensch geboren und damit erlöst zu werden, unendlich klein und daher einzigartig und wertvoll ist. Die Aussicht auf Erlösung wäge alle möglichen Leiden um ein unendlich Vielfaches auf.

Entscheidungsverantwortung der Eltern

Es ist keine einfache Entscheidung, denn es geht um das Leben. Eltern, die genetische Träger einer Seltenen Krankheit sind, sollten ihren eigen Weg, mit oder ohne Nutzung der Präimplantationsdiagnostik wählen können, denn sie tragen die Verantwortung für ihre ungeborenen und geborenen Kinder.

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