Bekämpfung resistenter Keime bleibt auf halbem Wege stecken

(c) Gerd Altmann / pixelio.de

Durchgreifende Maßnahmen gegen die Verbreitung multiresistenter Keime sind vonnöten, um ihre weitere Verbreitung in Krankenhäusern, Altenheimen und Pflegeeinrichtungen zu verhindern. Der am 26. Januar bekanntgegebene Aktionsplan des NRW-Gesundheitsministeriums zeigt allerdings wiederum den mangelnden Willen der Politik, dieses Ziel nun resolut anzugehen.

Bereits 1991 empfahl das Robert-Koch-Institut Hygienemaßregeln zur Eindämmung und Bekämpfung resistenter Keime. Diese Empfehlungen führten allerdings nicht zu einer Senkung der Infektionsraten von rund 20% in Krankenhäusern, Altenheimen und Pflegeeinrichtungen in Deutschland. Der Aktionsplan des NRW-Gesundheitsministeriums setzt nun auf vorrangig auf die Aufklärung und Schulung des medizinischen Personals und die Einsetzung von Hygienebeauftragten. Weiterhin soll durch lokale Netzwerke die Koordination zwischen den Akteuren der stationären und ambulanten Versorgung der Patienten verbessert werden, also zwischen den Krankenhäusern, Altenheimen- und Pflegeeinrichtung und den Haus- und Fachärzten, sowie den Pflegediensten.

Das alles entspricht durchaus den Ergebnissen des deutsch-niederländischen Euregio MRSA-net Projektes im Münsterland, die nun vorliegen.
Der entscheidende Kernpunkt fehlt allerdings: Die gesetzlich verbindliche Festlegung und Finanzierung des Tests aller Patienten VOR der stationären Aufnahme auf  multiresistente Keime. Nur damit kann nämlich ihre Verbreitung auf den Stationen von Vorneherein verhindert werden. Die Sanierung eines Patienten von einem resistenten Keim wird zudem nur dann gut gelingen, wenn Haus- und Fachärzte für den zusätzlichen Aufwand auch bezahlt werden.
Das Saarland geht da mit gutem Beispiel voran. In einem Pilotprojekt werden seit Oktober 2010 landesweit alle Patienten, die stationär aufgenommen werden sollen, durch eine einfache Abstrichuntersuchung des Rachens und der Nasenvorhöfe auf MRSA-Bakterien untersucht. Erstmalig wird dafür am saarländischen Universitätsklinikum ein „Walk-Away Specimen Processor“ (WASP®) eingesetzt, der ca. 30.000 mikrobiologische Proben in einem automatisierten Verfahren verarbeiten kann. Der Zeit- und Arbeitsaufwand, und damit die Kosten pro MRSA-Test, wird so erheblich verringert.

Die Kosten sind es auch, die das NRW-Gesundheitsministerium davor zurückscheuen lässt, genauso konsequent wie das Saarland zu handeln. Nun kann das Saarland für sein Projekt auf eine EU-Förderung zurückgreifen, die NRW bereits für das MRSA-net-Projekt im Münsterland aufgebraucht hat. Für die Umsetzung der Ergebnisse aus dem Münsterländischen Projekt bringt das Land nun 1 Mio. Euro auf, nicht genug, um auch die Tests und die zusätzliche Bezahlung der im ambulanten Bereich tätigen Ärzte zu finanzieren. NRW will angesichts eigener, leerer Kassen den Bund in die Pflicht nehmen, wohl ohne Erfolg. Die Krankenkassen ihrerseits haben sich angesichts steigender Ausgaben noch nicht dazu entschließen können, die Kosten für die Tests und zusätzlichen Ärztevergütungen zu tragen. Und die Politik verpflichtet sie nicht dazu.

(c) Chris Beck / pixelio.de

Aber kalkulieren Krankenkassen und Regierung die Kosten richtig?

10-15 Euro erfoldert ein MRSA-Test nach herkömmlicher Methode , die nachfolgende ambulante Sanierung eines infizierten Patienten 75 Euro. Muss die Infektion allerdings stationär,  innerhalb eines Aufenthaltes von ca. 10 Tagen, behoben werden, werden schnell bis zu 8000 Euro pro Patient fällig. Haben sich aufgrund der fehlenden Voruntersuchung und mangelnder Hygiene auch andere Patienten und medizinisches Personal auf der Station angesteckt, multipliziert sich dieser Betrag um ein Mehrfaches. Diese Kosten, so warnen Hygienefachleute, könnten mittelfristig bei einer weiteren Ausbreitung der multiresistenten Keime sogar unser Gesundheitssytem sprengen.
Es lohnt sich also, VOR der stationären Aufnahme den Patienten zu testen. Es lohnt sich, wenn infizierte Patienten lückenlos saniert werden und Ärzte für den Mehraufwand bezahlt werden.

Der Aktionsplan des NRW-Gesundheitsministeriums ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung, aber nur ein halbherziger. Das Ziel, resistente Keime in Krankenhäusern, Altenheimen und Pflegeeinrichtungen dauerhaft zurückzudrängen, kann so nicht erreicht werden. Die Zeche zahlen weiterhin die Patienten, als Opfer derartiger Infektionen, und, als Beitragszahler der Krankenkassen, wir alle.

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