Lebensprinzip Mut: Margot Käßmann

Margot Käßmann bei ihrer Antrittsvorlesung am 12. Januar 2011 im Audimax der Ruhruniversität Bochum (c) Ruhruniversität Bochum

Mutig war Margot Käßmann schon immer. Angefangen damit, dass sie, Mutter von drei Kindern und bereits voll berufstätig als Pfarrerin, es wagte zu promovieren, was 1989 gelang. 2002 wagte sie den Austritt aus dem Ökumenischen Rat der Kirchen, als jener es ordinierten Frauen nahelegte, keine gottesdienstlichen Handlungen mehr auszuüben. Im Oktober 2009 wagte sie es, als erste Frau überhaupt das Amt der Bischöfin der evangelischen Kirche in Deutschland anzutreten. Kaum 3 Monate später wagte sie es,  in ihrer aufsehenerregenden Rede im Berliner Dom für den Abzug der deutschen Truppen aus Afghanistan zu plädieren. Und sie wagte es im Februar 2010, öffentlich zu ihren Alkoholproblemen zu stehen.

Voll besetzer Audimax der RUB Bochum bei der Antrittsvorlesung von Margot Käßmann (c) Ruhruniversität Bochum

Heute setzte sie diese Tradition des Mutes fort. Nach einer 6-monatigen Auszeit als Gastdozentin an der Emory University in Atlanta, Georgia in den USA kehrte sie nach Deutschland zurück und stellte sich in ihrer Antrittsvorlesung als Honorarprofessorin der Evangelisch-Theologischen Fakultät an der Ruhruniversität Bochum der deutschen Öffentlichkeit. Das alleine hätten sehr viele nicht gewagt.

Und was wählt Margot Käßmann sich als Thema Ihrer Vorlesung? Genau das Thema, das seit Monaten im Brennpunkt überaus aufgeregter und kontroverser Talkshows, Zeitungsartikeln und Blogbeiträgen steht: Einwanderung und Integration in Deutschland. Und das ist noch viel mutiger, denn die Debatte ist in den letzten Monaten hochemotionalisiert geführt worden.

Es fehlte in Deutschland am Willen zu Fakten und ruhiger Überlegung, und es fehlte vor allem an Einem,  der Sicht auf und dem Willen zur Zusammengehörigkeit aller in Deutschland Lebender, zum gemeinsamen Gestalten dieses Landes.

Margot Käßmanns Antrittsvorlesung vor vollem Haus in Bochum ruft mit Besonnenheit gerade dazu auf, damit wir wieder sehen können:

Wir sind alle zusammen EIN DEUTSCHLAND!

Und Lösungen für die zweifellos vorhandenen Probleme, die sie ohne Beschönigung in ihrer Vorlesung ansprach, werden wir gemeinsam finden.

Es tut Deutschland gut, dass Margot Käßmann zurück ist!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Politik abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s