Bali anders

„A Java, le fait de jouer ou d’écouter le gamelan constitue une discipline spirituelle et pas uniquement un amusement. C’est aussi une manière de prier. Pendant la prière et la pratique de la musique, le coeur est orienté vers la paix et le calm intérieur.“*

Marie Paule Bonné,
Trad Magazine

Herr Sugito, Indonesische Botschaft, Australien, spielt Gamelan Musik (c) Fir0002, flagstaffotos.com.au

Indonesien, drei Mal so viele Einwohner wie in der Bundesrepublik, verteilt über 6000 der 17000 indonesischen Inseln, davon 88% Muslime. In Deutschland assoziieren wir Indonesien zumeist mit der Insel Bali. Ein facettenreiches Land.

Eine der faszinierendsten Facetten ist die „Gamelan“-Musik, die oft in einem Atemzug mit Bali genannt wird. „Gamel-an“ heißt soviel wie „handhaben, berühren“.

Xylophon (c) 2004 Tomacz Sienicki

„Gamelan“ bezeichnet dabei eigentlich jede Art von Musik, die von einem Ensemble mit Metallophonen, das sind Xylophon-ähnliche Musikinstrumente,  gespielt wird. Die Gamelan-Musik gehört zu den ältesten Musikformen der Welt und lässt sich bis in die Bronzezeit zurückverfolgen.

Als im 16. Jahrhundert islamische Missionare, den arabischen Gewürz-Händlern aus den Golfstaaten folgend, in Indonesien eintrafen, erkannten sie schnell die enge Verwurzelung der zu dem Zeitpunkt hinduistisch geprägten Gamelan-Musik in der indonesischen Kultur. Musik wurde, außer im Sufitum, von islamischen Religionsgelehrten sehr widersprüchlich, im arabischen Geburtsland des Islam oftmals ablehnend, beurteilt, vor allem, was ihren Einsatz bei Ritualen betraf. Dennoch erkannten die Missionare das Potential der indonesischen Gamelan-Musik. Zur Propagierung des Islams auf der Hauptinsel Indonesiens, Java, führten sie eine Feier zur Erinnerung an den Propheten Mohammed ein, das sechstägige Fest Sekaten, zu dem das “Gamelan Sekati” als Hauptensemble die Musik beisteuerte.

Gamelan Sekati, Yogyakarta (c)2004 Giovanni Sciarrino

Da die Musik des Gamelan Sekati bei den Menschen Neugier hervorrufen und sie in die Moscheen locken sollte, sind ausschließlich laute Instrumente Teil des Ensembles. Dem feierlichen Charakter wird das Gamelan Sekati dadurch gerecht, dass die Gruppe, im Vergleich zu anderen Gamelan-Musikstücken, ihre Musik sehr langsam und eingängig vorträgt. Gespielt wird dabei über mehr als drei Oktaven und mit einer, für das damalige Indonesien völlig neuen, attraktiven Tonleiter, der Pelog, was zu der schnellen Verbreitung der Musik über ganz Indonesien beitrug.

Die Herrscher des muslimischen Reiches  Mataram ll im Zentraljava des späten 16.Jahrhunderts förderten, genauso wie die muslimischen Mogulherrscher  in Indien, alle Kunstformen: die Dichtung, den Tanz, die verschiedenen Formen des Theaters und die Musik. Gamelan-Musik wurde als Begleitung des Schattenspieltheaters Wayang Kulit bei Hofe gespielt, genauso wie bei Tanzveranstaltungen und bei reinen Konzerten mit und ohne Gesang.

Im Laufe der über 400jährigen Geschichte des Islams auf Java sind weitere Einflüsse hinzugekommen.  Die persische Laute,“Oud„, ist als „Gambus“ Teil des Musikensembles geworden, genauso wie die ursprünglich arabische Geige „Rebag“ und die gleichfalls arabische Trommel „Rabana„. Die Gamelan-Musik als Ganzes hat Eingang in Traditionen des persischen Sufitums genommen, die auf Indonesien Fuss gefasst haben, in den zeremoniellen Zusammenkünften „Zikir“ (von Dhikr) und „Sama“ (Dhikr Sadr).

Der Islam ist so über die Jahrhunderte hinweg in Indonesien zum entscheidenden Förderer und Einflussfaktor für die javanische Gamelan-Musik geworden. Umgekehrt hat die javanische Gamelan-Musik die Form und damit auch das Gesicht des Islam in Indonesien mit geprägt. Es ist ein anderes Gesicht als das des Islam in den arabischen Staaten.

In Deutschland gibt es 18 aktive Gamelan-Gruppen, darunter in Köln im Rautenstrauch-Joest-Museum, in Leverkusen, Hannover, Bremen, Hamburg und Berlin, die zum Teil historische Gamelan-Instrumente deutscher Museen nutzen dürfen und dort regelmäßig auftreten.

Gamelan-Instrumente in der indonesischen Botschaft, Australien (c)Fir0002, flagstaffotos.com.au

*“Auf Java ist das Gamelan-Musizieren oder -Zuhören eine geistige Übung, nicht einfach eine Vergnügung. Es ist auch eine Art zu Beten. Während des Gebets und des Musizierens ist das Herz ganz auf den inneren Frieden und die innere Ruhe konzentriert.“

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