Weltfussball in Qatar

(c) Bernd Boscolo / pixelio.de

Nun ist es also amtlich: Qatar ist der Gastgeber der 22. Fussballweltmeisterschaft.

Und schon erregt sich ganz Deutschland über diese Wahl. Erst darüber, dass Fussball bei 50 Grad Celsius, wie im Sommer in Qatar durchaus üblich, den Spielern und Zuschauern nicht zuzumuten sei. Als sich dann herausstellt, dass das reiche Qatar das bieten wird, was selbst im Fussballland Deutschland bisher nur für priviligierte Logenbesucher in den Stadien selbstverständlich ist, eine Klimatisierung, wird weiter gemeckert. Jetzt soll die Gesundheit der Spieler und Zuschauer in Gefahr sein, trotz oder wegen der Klimatisierung auf angenehme 27 Grad! Es könnte wegen der im Wüstenstaat auftretenden Temperaturgefälle, in der Nacht kann es „nur“ 12 Grad warm sein, zu einem Kälteschock kommen, und bei dem Aufenthalt in dem klimatisierten Stadion müsste der Wasserhaushalt der Menschen überwacht werden.

Merkwürdig. Seit Jahrzehnten arbeiten in Europa und den USA Arbeitnehmer, teilweise auch körperlich schwer, in klimatisierten Räumen. Noch nie habe ich gehört, dass ihr Wasserhaushalt überwacht worden ist. Auch Temperaturgefälle, etwa beim Verlassen eines, auf 21 Grad geheizten Büros in eine Winterlandschaft mit minus 9 Grad, wie letzte Woche in Deutschland –  ein Temperaturunterschied von immerhin runde 30 Grad- haben die Deutschen bisher anstandslos überlebt. Der Besuch unserer Indoor-Skilandschaften und Schlittschuhbahnen haben auch bei sommerlichen Temperaturen von 35 Grad noch nie zu einer gesundheitlichen Gefährdung der Bevölkerung geführt, genauso wenig wie Aufenthalte in Indoor-Tropenbadelandschaften im Winter. Der Rettungswagen wird auch bei Besuchern klimatisierter Logen in den deutschen Stadien eher bei Herzanfällen aufgrund schlechter Spielergebnisse gerufen.

Kann es sein, dass Deutschlands Fussballwelt nur nicht umdenken will? Kann es sein, dass Manager, Profis und Fans sich in einer europazentrierten Nabelschau ergehen und nicht sehen wollen, was auch im Fussball außerhalb Europas an Chancen brachliegt?

Qatar mag zur Zeit noch eine sehr kleine Fussballnation sein. Aber das Land hat 12 Jahre Zeit, seine Fussballwelt zu entwickeln. Eine herausragende Veranstaltung, wie ein solches, internationales Großereignis, kann einen Schub an Fussballbegeisterung auslösen. In den umringenden Ländern ist Fussball dabei längst ein sportlicher Fixpunkt. Vor allem im Iran – im Süden werden dort mühelos im Sommer auch 50 Grad erreicht – löste die Teilnahme an der letzten Weltmeisterschaft wahre Begeisterungsstürme unter der Bevölkerung aus. Dazu kommt, Qatar selbst und die Länder rundherum verfügen über eine, im Vergleich zu Europa, schnell wachsende, sehr junge, sportinteressierte Bevölkerung. Gelten wird, was auch in Südafrika galt: Wenn die Ticketpreise dem Lebensstandard der Mehrheit der Menschen in der Region angepasst werden würden, wären die Stadien 2022 in Qatar brechend voll – und zwar, ohne, dass auch nur ein deutscher Fan anreisen müsste. Da relativiert sich die Bedeutung der großen und doch so klein(geistig)en Fußballnation Deutschland doch sehr.

Deutschlands Fussballwelt mag sich über die Wahl Qatars aufregen, gescheiter wäre es, bevor der Hochgeschwindigkeitszug der Entwicklung dieses reichen Landes ohne sie abfährt, sich aktiv und positiv unterstützend zu engagieren.
Denn Fussball wird in den nächsten Jahrzehnten außerhalb Europas die besten Zukunftsaussichten haben.

(c) Gerd Altmann / pixelio.de

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2 Antworten zu Weltfussball in Qatar

  1. Kiki Suarez schreibt:

    Ich finde absolut toll dass die nächste Fussballweltmwieterschaft in Quatar ist, wieder in Afrika. Mein Gott, wenn die Olympioade auf 2400m in Mexiko Stadt ausgetragen wurde, mit Smog und wasweissich, und den Sportlern hat das nicht weiter was ausgemacht…… Es gibt immer Meckerheinis. LIEBE WAS IST! Quatar muss spannend sein. Warst Du mal da???

    KIKI

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    • federfluesterin schreibt:

      Du hast völlig Recht. Die Reaktionen hier in Deutschland sind schon merkwürdig. Und das bei einem Land wie Qatar, das mit den Asienspielen schon ein weitaus größeres Sport-Event erfolgreich gestemmt hat als die Fussballweltmeisterschaft.
      Der Fussball“gott“ wohnt halt nicht nur in Deutschland, und in ein wenigen Jahrzehnten wahrscheinlich noch nicht einmal mehr an erster Stelle.

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