Gen Süden

(c) Peter Kirchhoff / pixelio.de

Das Geräusch zieht heran, leise nur, immer wieder schleicht es von draußen in mein Ohr, heischt nach Aufmerksamkeit.  Ich schaue vom Schreibtisch auf. Nichts ist zu sehen. Und doch, ich höre es, da ist etwas. Ich trete ans Fenster, suche die Umgebung ab, den herbstlichen Garten, die schon kahl werdenden Bäume, den späten Oktober-Himmel. Nichts.

Doch das Geräusch kommt näher, nimmt zu, wird prägnanter. Ich erkenne einzelne Laute, immer wieder steigen sie auf, fallen wieder ab. Eine Weile noch kommen sie heran, sterben zwischendurch ab, ziehen nach Süden. Dann sind sie fort. Ich lausche. Stille.

Sie bricht. Von Norden: Lautes, rhytmisches Rufen, immer lauter, immer gewaltiger. Schwarze Silhouetten nun am Himmel. Ketten von Vögeln über mir, vor mir am Himmel, hinter mir, sicher hunderte, Flügelschlagen im Takt. Ihr rauhes Rufen erfüllt die ganze Luft, läßt sie im Flügeltakt klingen. Ein einziger, auf und ab wogender, langgezogener Klangkanon.

(c) Didi01/pixelio.de

Eingehüllt ist die Welt in das Rufen. Ein Rauh-Gesang. Vogel-Wellenkämme gefolgt von Tälern. Welle über Welle.

Der Zug der Wildgänse.

Lange ertönt ihr wilder Rufkanon, zieht weit über den Himmel. Ich lausche ihm, horche hinterher. Weit in der Ferne verebbt er. Noch ein letztes Rufen.

Abschied vom Herbst.

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