Die Stimme bei die Fische

(c) Axel Hopfmann / pixelio.de

 

Der Fisch, das unbekannte Wesen, was will er uns sagen???

Der Dichter Christian Morgenstern ist dieser, uns zutiefst berührenden Frage im 20. Jahrhundert nachgegangen und verlieh den Fischen mit seinem „Nachtgesang“ nachgerade eine  rhetorische Eloquenz.

Fisches Nachtgesang


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Achtzig Jahre später, mittlerweile im 21. Jahrhundert, erweitert nun die Dichterin Arezu Weitholz bahnbrechend unser Verständnis des Fisches an sich:

Sie tut ihre Stimme bei die Fische!

Unerwartet zeigen sich nun schicksalshafte Wendungen im Leben dieser Wasserwesen.

Im Bauch der Nacht träumte der Karpfen vom Fliegen
Aufgewacht ist er geräuchert im Liegen *

(c) Winfried Gayk / pixelio.de

 

Schicksalshafte Wendungen spielen auch eine große Rolle im Leben der Dichterin. Arezu, das ist ein persischer Name und bedeutet „Wunsch“. Ein Wunschkind war Arezu Weitholz allerdings, für Ihre Adoptiveltern, die sie, 1968 in Teheran geboren, in einem Dorf bei Hannover, zwischen Bauernhof und Tankstelle, großzogen. Was wohl ihr Interesse an Tieren im wässrigen Medium erklärt.

Ihrem Vater schwebte eine solide Ausbildung für seine Tochter vor. Also absolvierte Weitholz nach dem Abitur eine anständige Banklehre und studierte in Hannover Wirtschaftswissenschaften. Doch dann bricht sie mit diesem vorgezeichneten Lebensweg, weitaus zu dröge für sie. Weitholz geht Anfang der 90er Jahre nach Hamburg, findet dort eine Beschäftigung bei einer bekannten Zeitschrift für Lebensstil, genießt ihren also bezahlten Kontakt zum internationalen Musikleben und schreibt sich hoch zu einer gesuchten Musikjournalistin in Hamburg, New York, München und London, mit einem Ausflug als DJ in Südafrika.

Unversehens, am Ostseeufer des Timmendorfer Strands, schwimmt ihr dann das erste Fischgedicht in ihren Strandkorb. Ein Kalauer, schnell zusammengereimt, um die sie begleitende Mutter aufzuheitern.

(c) Bernd Ulrich / pixelio.de

Die blaue Forelle

schwamm im Gefälle
gegen ne Welle

 jetzt hatse ne Delle.*

Da aus der Tiefe des Strandkorbs einen kurzen Moment später das mühsam unterdrückte Kichern ihrer Mutter steigt, dichtet sie weiter. Bald schickt sie jeden Fisch-Freitag per E-mail ein humoriges Fischgedicht an private Freunde. Als die protestieren, wenn das Gedicht einmal ausbleibt, weiß sie, dass es Zeit ist, die Fische fliegen zu lassen. Sie wagt es, ihre gesammelten Gedichte einem Freund, Herbert Grönemeyer, vorzulegen. Im trauten Kreise folgt….? Kein Verriss. Im Frühjahr 2010 kommt so der erste Gedichtband der 42jährigen Wahl-Berlinerin heraus Mein lieber Fisch. Vierundvierzig Fischgedichte. Es folgen Lesungen. Jetzt, im Oktober erscheint ihr zweites Buch „Merry Fishmas“.

Arezu Weitholz wird als Erbin Ringelnatz bezeichnet. Mich erinnert sie mit ihren besseren Gedichten an Heinz Erhard: scheinbar harmlos fangen sie an, enden unversehens in einer überraschenden Wendung, komisch, andererseits zutiefst menschlich, pardon fischig, und zuweilen noch tiefer philosophisch. Leichtigkeit verbunden mit Schwere, wie’s jedem beliebt.

Das Philosofischstäbchen

Ein Fisch, er tauchte tief im Meer.

Er fand den Grund. Den brauchte er.*

Übrigens, Arezu bedeutet auch Hoffnung, Zukunft. Für die Fische allemal.                            Für Deutschlands Lyrikwelt:

eine Erf( r)ischende!

 

(c) wrw / pixelio.de

 

*Alle Gedichte veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Weissbooks-Verlags.

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4 Antworten zu Die Stimme bei die Fische

  1. Kiki Suarez schreibt:

    Wie schön. Und dann gibt es noch das Forellenquintett!!! Und ich hatte mal einen Liebhaber, der nannte mich „Fischlein“!!! Kiki

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    • federfluesterin schreibt:

      Allerliebst! 🙂

      Dass die Fischwelt in der deutschen Kultur ihren Niederschlag gefunden hat, ist nicht verwunderlich: nicht zuletzt aufgrund der symbolischen Bedeutung im Christentum ist die Hanse mit dem Herings- und Kabeljau-Handel groß geworden und für die Kuren hatte die Ankunft der jährlichen Heringsschwärme dieselbe Bedeutung wie für die Prärieindianer Nordamerikas der Zug der Büffel.

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  2. Kiki Suarez schreibt:

    Oben auf meiner Webpage kannst Du jetzt auch meinen Blog anklicken. Er ist fast fertig. Ich würde mich freuen, wenn Du da mal reinguckst.

    Kiki

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