Im Sinne der Opfer des 11. Septembers?

 Ground Zero, New York

Ground Zero, New York (c) Thomas Stallkamp / pixelio.de

Mitten im Tunnelzugang zur Loveparade in Duisburg, als der Druck der Menschenmassen von allen Seiten immer größer wurde, wie mag das wohl gewesen sein? Als alle drängten, schließlich die Panik ausbrach und alle gegen alle, jeder gegen jeden versuchte, dem tödlichen Chaos zu entkommen?

In einem der Bureaus des World Trade Centers, als die Flugzeuge einschlugen und das Feuer ausbrach, wie mag das wohl gewesen sein? Als alle drängten, schließlich die Panik ausbrach und alle gegen alle, jeder gegen jeden versuchte, dem tödlichen Chaos zu entkommen?

Solche Situationen kann sich niemand, der sie nicht selbst durchlaufen hat, wirklich vorstellen.

Wie mag es wohl sein, für die trauernden Angehörigen, die ahnen oder wissen, wie ihre Lieben umgekommen sind? Niemand, der nicht selbst betroffen ist, kann das wirklich beurteilen.

Deshalb fällt es mir schwer, kein Verständnis zu haben für die Angehörigen der Opfer des Anschlags auf das World Trade Center, dass sie den ehernen Grundsatz der amerikanischen Verfassung, die Religionsfreiheit, im Falle der geplanten Moschee in der Nähe von Ground Zero aussetzen wollen. Auch wenn sie damit einen, für die Freiheit gefährlichen, Präzedenzfall schaffen würden.

Deshalb fällt es mir schwer, sie darauf hinzuweisen, dass die Initiatoren des Moscheebaus mit Bedacht, und als Zeichen für die Angehörigen und die amerikanische Öffentlichkeit und für alle Muslime zugleich, ein Mahnmal zur Ehrung der Opfer des 11. Septembers auf dem Moscheegelände errichten werden.

Das Einzige, was mir nicht schwer fällt, ist daran zu erinnern, dass für einen Gläubigen, gleich welcher Religion, die Gottheit die Gebete aller Menschen wahren Glaubens erhört. Die Religionen lehren, dass das Einzige, was den Opfern, die sich nicht mehr unter uns befinden, nun noch helfen kann, Gebete und Fürbitten sind.

Deshalb traue ich mich zu fragen: Was könnte mehr im Sinne der Opfer des 11. Septembers sein, als dass die Mitglieder einer muslimischen Gemeinde – wenn auch persönlich nicht verantwortlich für die Anschläge – genau an dieser Stelle, sich den Gebeten und Fürbitten für die Opfer widmen? Dass jeder Moscheebesuch ein Gebet für sie sein wird?

Symbole aller großen Weltreligionen

(c) Dieter Schütz / pixelio.de

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6 Antworten zu Im Sinne der Opfer des 11. Septembers?

  1. vallartina schreibt:

    In Deiner christlichen Nächstenliebe vergisst Du hier aber, dass ein gläubiger Muslim(a) niemals für einen Ungläubigen beten darf/würde!

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  2. federfluesterin schreibt:

    Vallartina, willkommen auf diesem Blog!
    Ja, das ist richtig, ein Muslim darf nicht für einen Ungläubigen beten.
    Allerdings zählt der Islam laut Qur’an ausdrücklich alle Religionen des Buches zu den gültigen Religionen, also auch das Christentum und das Judentum.
    Es gilt dazu im Islam auch der Grundsatz, dass nur Gott alleine weiss, ob jemand Ungläubig ist. Hier gilt also die Unschuldsvermutung für alle, die damals umkamen.

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    • vallartina schreibt:

      Aus Erfahrung kann ich nur sagen: die Realität in diesen Ländern sieht unter der freundlichen Oberfläche anders aus.

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      • federfluesterin schreibt:

        Mein Kommentar bezog sich auf die geplante Moschee in New York, USA. Gerade in den USA, wo der Islam mittlerweile die drittgrößte Religion ist, gibt es sehr unterschiedliche Strömungen. Ich würde daher sicherlich auch befürworten, dass mit der Zulassung der Moschee eine Gemeinde gefördert wird, die einen offenen und, wenn man so will, fortschrittlichen Islam vertritt. Allerdings weist die geplante Errichtung einer Gedenkstätte für die Opfer des 11.September auf dem Moscheegelände darauf hin, dass es sich um eine offene Gemeinde handelt.
        Was den Islam „in diesen Ländern“ angeht, weiss ich jetzt natürlich nicht, auf welche Länder Sie sich beziehen?
        Grundsätzlich gibt es, da es ja keine oberste Autorität analog zum Papst im Islam gibt, sehr unterschiedliche Strömungen im Islam. Darunter sind leider auch ausgesprochen bigotte.
        Das findet sich – genauso leider – in jeder Religion. Derartigen Strömungen aber indirekt, indem man im Grunde ihre Positionen als allgemeingültig für die gesamte Religion annimmt, eine Deutungshoheit zuzuerkennen, die ihnen nicht zukommt, dessen würde ich mich immer verweigern.

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  3. vallartina schreibt:

    Zunächst einmal: der Islamische Glaube anerkennt – genauso wenig wie der römisch-katholische – irgendeine andere Religion neben sich selbst! Im Islam gibt es sehr wohl eine „Oberhoheit“. Das ist die Schari´a. Diese ist nicht nur eine Glaubensrichtung, sie ist vielmehr ein Werk welches die Sozialgesetzgebung regelt! Und ich will nur zu den islamischen Ländern Stellung nehmen, in denen ich selbst gelebt habe: Wer heute noch glaubt, dass z.B. in Ägypten oder in den Emiraten Religionsfreiheit herrscht – mit allen Konsequenzen – der soll bitte dort ein oder zwei Jahre leben! Er wird sehr schnell verstehen, welchen Einfluss die Schari´a immer und noch viel länger haben wird.
    Lese doch nur einmal ganz banal bei Wiki:
    Die Schari’a unterteilt die Menschen und Völker je nach ihrem Glauben und ihrem Verhältnis zum islamischen Staat in verschiedene rechtliche Kategorien, die den Rechtsstatus einer Person festlegen:

    * Bürger des islamischen Staates:
    o Muslime – sie haben alle Rechte und Pflichten.
    o Dhimmis – Schutzbefohlene („Buchbesitzer“, Monotheisten), die eingeschränkte Rechte haben, Sondersteuern zahlen müssen, aber staatlicherseits geschützt sind und keinen Kriegsdienst leisten müssen.
    * Bürger fremder, nicht-islamischer Staaten:
    o Harbis – Nicht-Muslime, die sich im Kriegszustand mit den Muslimen befinden. Die Scharia gebietet es, diese Menschen zu töten. Frauen, Kinder und nicht am Kampf beteiligte Männer wie z.B. Mönche, sind jedoch gesondert geschützt. Rechte wie das Recht auf Eigentum haben Harbis nicht, so darf beispielsweise ihr Eigentum als Kriegsbeute genommen werden.
    Die Schari’a unterteilt die Menschen und Völker je nach ihrem Glauben und ihrem Verhältnis zum islamischen Staat in verschiedene rechtliche Kategorien, die den Rechtsstatus einer Person festlegen

    Findest Du immer noch, dass alle Menschen „gleich“ sind? Dann lebe mal als anständige Frau eine zeitlang dort, und schau – vor allem während des Ramadan – Dir die localen TV-Sender an: Du wirst schlagartig den dringenden Wunsch haben, wegzuziehen!

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    • federfluesterin schreibt:

      Liebe Vallartina,

      Ich denke, Deine persönlichen Erfahrungen in Ägypten und vor allem den Golfstaaten zeichnen durchaus ein realistisches Bild für den Mainstream – Islam in diesen Ländern.
      Auch ich bin durchaus der Meinung, dass dieser Mainstream-Islam in diesen Ländern von eben jener Haltung geprägt ist, wie wir Europäer sie auch über lange Zeit von der katholischen Kirche gekannt haben, Juden innerhalb ihrer Religion idem dito.
      Wie F. Schuon in seinem Buch „Sufism: Veil and Quintessence“ im Kapitel „The Exo-Esoteric Symbiosis“ auf S. 39 ausführt, charakterisiert jede Religion die außerhalb ihres „Denk“-systems stehenden, anderen Religionen als Nicht-Zutreffend – eine Haltung, die aus einem Schutzmechanismus vor Häresien erwächst.

      Hinzu kommt, dass m.E. in den islamischen Ländern die Kenntnis über die eigene Religion sehr verkümmert ist – Vieles besteht eher aus Brauchtum und irrtümlichen Annahmen über das, was im Qur’an steht. Inklusive dessen, dass Allah im Grunde „die Gottheit“ oder auch „Der, der ist“ bedeutet, und nicht einfach ein spezifischer Eigenname ist. Die Bedeutung ist dieselbe wie der Name Gottes im Judentum: „Jahwe“. Schon alleine, wenn man das begreift, lesen sich viel Qur’an-Suren anders, als der Volksmund es gerne kolportiert.
      Die mangelnde Kenntnis der eigenen Religion findet man übrigens ausgerechnet oft auch unter akademisch gebildeten Muslimen, die sich mit ihrer Religion genausowenig noch, schon garnicht im Detail, auseinandersetzen wollen, wie das Akademiker in Europa oder den USA oder anderswo noch wollen.

      Beispiele für wichtige Aussagen im Qur’an (sicherlich vielen Muslimen garnicht geläufig) wären z.B.:

      Und sprich: „Es ist die Wahrheit von eurem Herrn.“ Darum lass den gläubig sein, der will, und den ungläubig sein, der will. (Qur’an18:29)

      “Wahrlich, die (muslimischen) Gläubigen und die Juden und die Christen und die Sabäer – wer immer (unter diesen) wahrhaft an Allah glaubt und an den Jüngsten Tag und gute Werke tut -, sie sollen ihren Lohn empfangen von ihrem Herrn, und keine Furcht soll über sie kommen, noch sollen sie trauern.“ (Qur’an 2:62)

      oder aus der Sunna:

      Ein Araber ist nicht vorzüglicher als ein Nichtaraber, noch ein Nichtaraber vorzüglicher als ein Araber; ein Schwarzer ist nicht vorzüglicher als ein Weißer, noch ein Weißer vorzüglicher als ein Schwarzer, außer durch die Frömmigkeit. Die Menschen stammen von Adam und Adam ist aus Staub. Wahrlich jedes Privileg, sei es [auf Grund von] Blut oder Besitz, ist unter diesen meinen Füßen (d.h. aufgehoben in Gottes Hand).

      Die Scharia wird, da gebe ich Dir völlig Recht, anstatt als eine Art Guideline zum Verständnis der Religion, zu einem Selbstzweck erhoben. Es wird zudem zu sehr aus den Augen verloren, dass die Scharia im Gegensatz zum Qur’an ja kein heiliges Buch ist und damit, zumindest in meinen Augen, auch nicht unantastbar, sondern im historischen Kontext zu betrachten, insbesondere auch im Hinblick auf solche Regelungen, wie Du sie erwähnt hast.
      Genau das wäre auch meine Kritik am heute praktizierten Islam.
      Allerdings sehe ich in Europa und in den USA Muslime, die genau daran arbeiten.

      Es gibt zwei Möglichkeiten für uns: entweder wir gehen in eine Konfrontationshaltung gegenüber dem Islam oder wir versuchen diejenigen zu unterstützen, die den Islam voranbringen.
      Ich denke, die Konfrontationshaltung ist völlig unrealistisch. Ein sehr großer Teil der Weltbevölkerung sind Muslime und wir leben im 21. Jahrhundert, mit einer intensiven globalen Vernetzung. Zudem ist allein in den USA die drittgrößte Religionsgemeinschaft die der Muslime. Für Deutschland dürfte das auch zutreffen, für Frankreich und die Niederlande idem dito. Wir werden also mit dem Islam leben, jetzt und in Zukunft. Daher ist es sinnvoll, diejenigen Muslime, die eine offene Haltung vertreten, zu unterstützen, anstatt pauschal gegen alle zu „schießen“.

      Da Du in Ägypten gelebt hast, interessieren Dich vielleicht auch Publikationen von Abdallah Schleiffer

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