Zwischenklang

Geige außer Rand und Band

(c) Gerda Bruske / pixelio.de

„Musik ist der Raum zwischen den Noten.“

Claude Debussy

Ein Komponist ersinnt eine Melodie und probiert sie am Klavier oder einem anderen Instrument aus. Entspricht das, was er hört, nicht seiner Vorstellung, ändert er seine Komposition ab. In dieser Wechselwirkung entsteht ein Musikstück.

Mit zunehmendem Alter konnte sich der große Komponist Beethoven immer weniger auf das, was er an Lauten von seinem Klavier und anderen Instrumenten wahrnahm, verlassen. Er hörte immer schlechter. Der Raum zwischen den Noten – war das die Stille, die er schaffen wollte,  oder war das die Stille, die sein scheiterndes Gehör seiner Komposition auferlegte?

Beethoven war immer mehr gezwungen, sich auf sein inneres Gehör und die Melodie, die in seinem Inneren spielte, zu verlassen und sich darauf zu konzentrieren. Was zunächst als Einschränkung und Behinderung erschien, war möglicherweise ein Schritt in die kompositorische Freiheit. Denn in seiner inneren Musikwelt brauchte er keine Rücksicht zu nehmen auf die realen Instrumente und ihre üblichen Spielweisen. Alles war schließlich denkbar. Jede Melodie konnte er frei in sich gestalten, konnte sie ohne Grenzen erklingen lassen.

Beethovens Kompositionen seiner späten Jahre zeigen eine erstaunliche Freiheit von den musikalischen Konventionen seiner Zeit. Sie gehen an die Grenzen der Möglichkeiten der Instrumente. Das sind die Aspekte, die seine späte Musik so einzigartig machen.

Nicht mehr das reale Instrument vor ihm und nicht die Konventionen der Komponistenzunft, niedergelegt in Notenblättern, waren entscheidend. Entscheidend war der Raum zwischen den Noten; das, was über die Noten hinausführt; das, worin Beethovens innerste Melodie erklang .

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